(Michael van Laack) Wir haben uns wohl oder übel schon daran gewöhnt – wenn auch nicht damit abgefunden – dass die Abgeordneten sich ihre „Gehalterhöhungen“ regelmäßig selbst gewähren. Oder Ausnahmen für öffentliche Räume hinsichtlich des bundesweiten Rauchverbots schaffen, die sie regelmäßig frequentieren. Der heute öffentliche Vorgang ist allerdings an Schamlosigkeit und Dreistigkeit kaum mehr zu überbieten.

Während Hundertausende Mitarbeiter aufgrund der Corona-Restriktionen in die Arbeitslosigkeit bzw. Kurzarbeit gefallen oder akut bedroht sind – wie z.B. in der Gastronomie – gewährt Bundestagspräsident Schäuble den 4.500 Mitarbeitern der 709 Abgeordneten einen Corona-Bonus von 600 Euro, der noch im Dezember ausbezahlt werden muss.

Mitarbeiter seien hohen finanziellen Zusatzbelastungen ausgesetzt

„Abmilderung der zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Krise“ nennt Schäuble als Begründung für diesen Vorgang. Der Betrag ist selbstverständlich steuerfrei, damit die Mitarbeiter für die große Mühsal, die sie in den vergangenen Monaten auf sich nehmen mussten, keinerlei Mangel erleiden.

ALG II -Zuschuss für Weihnachten? Kein Geld vorhanden!

Forderungen der Sozialverbände, ALG-II  oder Sozialhilfe-Empfänger vor Weihnachten durch eine Zusatzzahlung zu entlasten, wurden erst vor wenigen Tagen als unangemessen abgelehnt. Aber den Mitarbeitern der Abgeordneten, die sich zumeist im Home-Office befanden und befinden, muss man selbstverständlich unter die Arme greifen.

Warum? Vielleicht, weil sich die Energiekosten erhöhten, da sie ja nun den Laptop in die Steckdose ihrer 120 qm-Wohnung in bester Berliner Wohnlage stecken mussten? Oder weil der eigene Bürostuhl durch das lange Sitzen rapide an Wert verliert bzw. der Hosenstoff sich am Popo schneller abnutzt, als auf den weicher gepolsterten Stühlen in den Abgeordneten-Büros? Wir wissen es nicht. – Und das allerbeste: Die Mitarbeiter wissen es auch nicht!

Freiwillig angewiesene Leistung

Zahlreiche Mitarbeiter twittern in diesen Stunden, sie hätten zu keinem Zeitpunkt eine zusätzliche Pauschale für Aufwendungen gefordert. Auch ihre Arbeitbeschaffer – die Abgeordneten – waren völlig überrascht von der Nachricht.

Die Entscheidung fiel augenscheinlich entweder in der Bundestagsverwaltung oder wurde von Schäuble (zweifellos nicht, ohne sich den Vorgang von Corona-Schutzengel Angela M. absegnen zu lassen) persönlich angestossen. Mehrere Mitarbeiter haben schon angekündigt, den Bonus nicht annehmen zu wollen, sondern zu spenden. Ob das viel besser ist, bleibt abzuwarten, denn gerade liegt es ja voll im Trend, so genannten „antifaschistischen“ Projekten finanziell unter die Arme zu greifen. Vielleicht ist es also doch besser, wenn die Mitarbeiter ihren Familienangehörigen ein paar Geschenke mehr unter den Weihnachtsbaum legen. Oder das Geld rücküberweisen!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.