(Michael van Laack) Schonungslos offen und mit Worten, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig ließen, hat Jörg Meuthen in seiner Rede auf dem Bundesparteitag der AfD in Kalkar vor dem Niedergang der Partei gewarnt, wenn es nicht gelänge, bestimmte Kräfte aus der Partei zu drängen bzw. sie zum freiwilligen Verlassen zu bewegen. Es „darf so keinesfalls weitergehen! Entweder wir kriegen hier die Kurve, und zwar sehr entschlossen und sehr bald, oder wir werden als Partei in keineswegs ferner Zukunft ein grandioses Scheitern erleben.“

Der moderne Konservative ist niemals reaktionär

Von dieser These ausgehend übte Jörg Meuthen scharfe Kritik an jenen, die aus reiner Profilierungssucht oder der Lust am Eklat in den vergangene Monaten und Wochen der Partei so sehr geschadet haben, dass die trotz der desaströsen Politik der Großen Koalition in den Umfragen eher nach unten tendiert als stagniert. Viele Bürger wendeten sich – so Meuthen . entsetzt und enttäuscht ab.

Auch warnte der Bundessprecher davor, zu glauben, man könne einzig an Feindbildern orientiert Politik gestalten. Zudem mahnte er an, sprachlich abzurüsten. Hier einige wesentliche Aussagen aus seiner soeben auf dem BPT gehaltenen Rede:

Bismarck 21 ist Illusion, keine Lösung

„Die AfD ist keine rückwärtsgewandte Partei und sie darf auch keine solche sein, will sie eine erfolgreiche politische Zukunft haben. Das Gestern ist vergangen und wird nicht wiederkommen. Es geht in der Politik allein um die Gestaltung der Rahmenbedingungen eines guten Morgen für unsere Kinder und Enkel.“

Einheit der Partei statt heuchlerischer Geschlossenheit!

„Die Forderung nach Einheit und Zusammenhalt [wird] zur leeren Worthülse“ wenn neben Gemeinsamkeiten in inhaltlichen Positionen“ keine Einheit in „sozialen Verhaltensweisen und gemeinsamem oder jedenfalls kompatiblem Sprachgebrauch“ besteht. Schlimmer noch: „Wer sich erst in Wort oder Handeln tüchtig danebenbenimmt, um dann aber sogleich die Solidarität der ganzen Partei mit diesem Verhalten einzufordern, versucht Parteimitglieder in eine Kollektivhaftung für das eigene Fehlverhalten zu nehmen. Das dann als Verlangen nach vermeintlich unabdingbarer Einheit zu bezeichnen, ist indiskutabel.

Verweigern wir diesen Leuten die heuchlerisch eingeforderte Geschlossenheit! Machen wir uns bitte gemeinsam bewusst: Wegen solcher Vorkommnisse wählen uns Scharen von Menschen nicht mehr, die uns bislang gewählt haben und die fast schon verzweifelt nach einer guten Alternative zu den Altparteien suchen, die sie nur zu gerne in uns sehen möchten, aber wegen solcher Entgleisungen nicht oder nicht mehr können“.

Covid-Diktatur und Ermächtigungsgesetz – Falsch und kontraproduktiv

„Wir leben in keiner Diktatur, sonst könnten wir diesen Parteitag heute wohl auch kaum abhalten. Und die Behauptung, es sei anders, stellt im Grunde die Systemfrage und bringt uns ohne jede Not in ein Fahrwasser, das uns massiv existentiell gefährdet und durch die darin liegende Maßlosigkeit bei vielen Menschen nur Kopfschütteln auslöst.“

Es ist nicht klug „mit der ganz gezielten Verwendung des Begriffes „Ermächtigungsgesetz“ in Verbindung mit der natürlich hart zu kritisierenden Veränderung des Infektionsschutzgesetzes zu hantieren und damit ganz bewusst Assoziationen an die NS-Zeit und Hitlers Machtergreifung 1933 zu wecken? Sollten sich solche impliziten Vergleiche angesichts der allgemein bekannten Monstrosität und in dieser Dimension auch Singularität der Nazi-Barbarei nicht selbst verbieten, weil darin nämlich eine implizite Verharmlosung der grauenhaften Untaten jener finsteren Zeit liegt?“

Viele Querdenker können nicht einmal geradeaus denken!

Es ist nicht klug, „wenn sich allerlei AfD-Funktionäre ohne jede kritische Distanz mit der sogenannten Querdenker-Bewegung kritiklos gemein machen. Da engagieren sich bekanntermaßen neben ganz normalen besorgten und nur ihrer Besorgnis Ausdruck verleihen wollenden Bürgern auch nicht ganz wenige Zeitgenossen, deren skurrile, zum Teil auch offen systemfeindliche Positionen und Ansichten den Verdacht nahelegen, dass bei ihnen tragischerweise noch nicht einmal das Geradeausdenken richtig funktioniert, geschweige denn echtes Querdenken. Was zeichnet das denn für ein Bild von unserer Partei, wenn einige von uns da jede Distanz vermissen lassen und die üblichen Medien sich begierig in ihrer einseitigen Berichterstattung darauf stürzen. 

Revolutionäre und Politikkasper sollen die Partei verlassen!

„Was wir brauchen, als Partei unbedingt brauchen und ganz schnell lernen müssen, dringender denn je, ist Disziplin! Ich habe auf dem Bundesparteitag in Braunschweig vor genau einem Jahr eingefordert, dass wir unsere Professionalisierung entschlossen vorantreiben müssen. Ohne Disziplin geht das nicht. Und wir haben keine Zeit mehr!

Wer gerne weiter Revolution oder Politkasperle spielen will, kann und sollte das woanders tun, aber nicht in der AfD! Denn nur mit eiserner Disziplin, mit sachlicher Vernunft, mit harter und seriöser und deshalb besserer Arbeit als jener der anderen Parteien können wir unserer Aufgabe als konservative Rechtsstaatspartei gerecht werden. Nur so können wir den Dienst an unserem Vaterland erbringen, der uns doch die Motivation für die tägliche politische Arbeit ist und uns überhaupt erst hierhergebracht hat!“

Meuthens Schlussversprechen

Um den Niedergang Deutschlands und der Partei „zu verhindern und den Hebel doch noch umzulegen auf Vernunf,t treten wir an. Ich glaube nicht, dass ich [damit] allein bin. Nicht hier im Saal, nicht in der Partei, nicht im Volk. Wenn wir das Gemeinsame, wenn wir die Einheit der Partei so angehen, mit Vernunft, mit Maß und Mitte und zugleich mit trotziger Entschlossenheit, im Wort wie im Auftritt, dann ist DAS die Einheit, die ich von ganzem Herzen will und für die ich gerne mit Euch gemeinsam weiterkämpfe, soweit meine Kräfte mich tragen.
Für mein Land, für eine stolze Kulturnation, die weit mehr ist als eine Provinz Brüssels, für Menschen, die hier in Freiheit leben sollen, heute und in aller Zukunft. Für Deutschland!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.