(Michael van Laack) Alternative oder so genannte „freie Medien“ finden sich im Netz fast seit Beginn des Browserzeitalters Mitte der 90er des vergangenen Jahrhunderts. Relevanz erlangten sie im deutschen Sprachraum – zumindest in politischen und gesellschaftlichen Fragen – allerdings erst nach dem knappen Scheitern der AfD bei der Bundestagswahl 2013, vor allem mit Beginn der Flüchtlingskrise. Aus den milde belächelten Nischen-Bloggern und Youtubern wurden solche mit Hundertausenden, gar Millionen Followern oder erfolgreiche Like- und Klick-Medien, die BILD & Co. das Fürchten lehrten.

Ein Netzfund auf dem FB-Profil eines Menschen, der sich sehr für das bürgerliche Milieu im Allgemeinen und die AfD im Besonderen engagiert, hat mich motiviert, heute einmal das niederzuschreiben, was mir schon seit mehr als einem Jahr durch den Kopf geht. Im Corona-Zeitalter – wo viele mangels sozialer Kontakte mehr Zeit haben, über Gott, die Welt und sich selbst nachzudenken – geschah diese Reflexion dann noch intensiver.

Mit dem Erfolg der alternativen Medien (in dem politischen Bereich, den man verallgemeinernd „Rechts“ nennt) begann auch das Dilemma. Hatten sich die meisten bis dahin nur mit Kleinspenden über Wasser gehalten, um wenigsten die Kosten für zur Verfügung gestellte Serverkapazität oder Kamera-Equipment decken und sich vielleicht ab un an mal einen kleinen eigenen Wunsch oder den der Familienangehörigen erfüllen zu können, verleitete manche der Erfolg dazu, sich nach anderen Einnahmequellen umzuschauen.

Geld macht nicht schön oder klug, aber es beruhigt!

Die meisten heute ganz weit oben stehenden Youtuber und Blogger sind diesen Weg gegangen. Nur sehr wenige wurde wirklich reich (im monetären Sinn). Aber für viele wurde das bisherige Hobby (was ich im Bezug auf den Dienst an unserem Vaterland eher als „Ehrenamt“ verstanden wissen möchte) zum Beruf. Ihr Channel oder Blog sichert manchen bereits seit Jahren den Lebensunterhalt.

Daran ist zunächst einmal nichts auszusetzen. Und doch gilt es, manches zu bedenken. Denn die Gefahr, die einstigen hehren Ziele aus den Augen zu verlieren, ist groß. Wie Angela Merkel für sich die Reihenfolge fest gelegt hat: „Zuerst ich, dann die Partei, dann das Land!“, so haben auch manche „Freie“ für sich festgelegt: Zuerst ich, dann meine Follower und wenn dann noch Zeit ist, das Vaterland.

Geld trübt den Blick fürs Wesentliche

Wenn man sich entschieden hat (oder auch von anderen gedrängt wurde) seinen Blog oder Channel zu monetarisieren, zählt nur noch die Quote: Ein starkes Bild als Eyecatcher; eine reißerische Überschrift: eine oberflächlichere, Klischees bedienende Analyse; das Verschweigen von Tatsachen, die nicht ins eigene Argumentationskonstrukt passen. Man wird – fast unmerklich, weil der Prozess schleichend ist – nicht anders als die MSM.

Man bedient die eigenen Blasen, gibt ihnen beständig neues Futter. Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man das alles nicht mehr macht, weil man überzeugt ist von dem was man schreibt. Sondern weil man weiß: Wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer. Und ich verliere Abonnenten – niemand kauft mehr meine DVDs, T-Shirt, Tassen, Aufkleber oder was auch immer.

Wir brauchen „Rechts“ keine Kultfiguren oder Superstars, keine verehrungswürdigen Youtuber oder Journalisten. Auch keine, die täglich auf FB, Twitter oder Youtube davon berichten, welche riesigen Erfolge sie am Vortag wieder erzielt haben. Selbstverständlich kommt dann oft das „Ohne Euch Unterstützer hätte ich das selbstverständlich nie geschafft.“ Aber auch Klappern gehört eben mittlerweile zum Geschäft.

Geschäft – nichts anderes ist das für viel mehr! Dies Land aber braucht Menschen, die sich uneigennützig in den Dienst des in diesen Tagen mehr als seit vielen Jahrzehnten wankenden Vaterlandes stellen.

Zurück zum nachdenklichen Facebook-Posting

Ein Beitrag, dessen Gedanken ich – obwohl selbst Teil der „alternativen“ und/oder „freien“ Medien – auch hin und wieder denke. Nicht nur mit Blick auf das aktuelle Thema Nr. 1: Corona. Auch mit Blick auf Themen wie Islam, Wirtschafts- und Energiepolitik, Gender Mainstream usw. sind die alternativen Medien eigentlich immer noch unverzichtbar. Aber wie verlässlich sind sie noch? Wessen Agenda spricht aus den Artikeln mancher Blogger oder Youtuber? Die eigene? Und will man tatsächlich noch Informationsalternative sein? Oder geht es oft nur um Widerspruch aus Prinzip?

Ich sehe die traurige Tendenz, sich freiwillig in die Abhängigkeit von in- und ausländischen Parteien und Organisationen zu begeben, sodass dem Leser manches nur als „alternativ“ erscheint, was letztendlich ebenso einseitig ideologisch besetzt ist. Auch Qualität lesen wir immer seltener. es geht nur noch um Likes und Seitenzugriffe. Und viel zu oft – wie oben schon beschrieben – um Maximierung des eigenen Einkommens.

Die weißen Tauben werden müder

Ein wirklich freies und alternatives Medium ist eigentlich nur eines, dessen Mitarbeiter sich entweder nicht in der babylonischen Gefangenschaft von Abhängigkeiten (Ressourcen, Zugang zu großen Vernetzungen, Geld) befinden. – Doch von den wirklich erfolgreichen, den Top-Leuten der Szene ist kaum mehr einer frei in diesem Sinne. Ganz egal, ob Rubel oder Dollar, ob verdeckte Parteizuwendungen oder Ressourcenzuwachs durch die Hilfe bei der Verbreitung der Seite oder des Channels: Objektivität und Qualität bleiben immer häufiger auf der Strecke. Immer mehr so genannte „Auftragsarbeiten werden ins Artikel-Portfolio aufgenommen.

Selbstverständlich freuen auch David Berger und ich uns über hin und wieder erfolgende kleine Zuwendungen. Das motiviert sehr, denn wir verstehen das als Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Aber muss man wirklich einen eigenen Fanshop haben, permanent in die Kameras um Spenden „betteln“ (direkt oder auch subtil) oder bestimmte Inhalte nur für zahlende Kunden freischalten? Die Kommerzialisierung macht die alternative Szene unfrei. Sie erstickt am Ende gar den Willen des Einzelnen, sein eigenes Tun und Lassen zu reflektieren. Die eigene Kritikfähigkeit reduziert sich auf das Niveau der GroKo, also jener die wir berechtigterweise kritisieren. – Defizitäres durch ebenso Defizitäres kompensieren? Das hat in der Geschichte noch nie zu Erfolgen geführt und wird es auch in Zukunft nicht tun!

Liberale und „Freie“ müssen Gegenpositionen aushalten und abbilden

Manchem unserer Leser ist das beim Thema Corona vielleicht schon aufgefallen: David und ich – hin und wieder auch ein Gastautor – veröffentlichen gegenläufige Artikel. Wir müssten das nicht tun. Wir könnten auch sagen: Sch… doch was drauf, ich schreibe jetzt so, dass es sicher 2000 Likes gibt. Und meine eigene Meinung zum Thema Infektionsschutz lasse ich in der Schublade. Auch beim Thema Islam könnten wir uns in der Sprache mehr dem bei vielen beliebten NPD-Jargon bedienen oder alles blutiger und dramatischer schildern.

Unsere Schelte an der Politik Merkels käme theoretisch auch ohne einen sachlichen Argumentationsstrang aus. Einfach nur draufhauen. Denn man weiß ja, dass dies in unseren Blasen gern gelesen wird. Dann aber könnten wir uns selbst nicht mehr im Spiegel anschauen. Wir sind und bleiben ein alternatives Medium, aber wir wollen unseren Lesern so weit als möglich auch immer wieder Qualität liefern.

Es gibt auch hin und wieder Selbstzweifel

Die Kürze von maximal 10.000 Zeichen pro Artikel verlangt uns schon genug Reduktion ab. Und ja, hin und wieder überkommen uns auch Zweifel. Wie z.B. mich gestern bei meinem Artikel zur FDP: Soll man als Blog, dem Qualität ebenso wichtig ist wie Opposition zu den MSM, so weit gehen? So harsch, so nachdrücklich formulieren? Und auch anders herum wird manchmal ein Schuh daraus: Macht es bei diesem oder jenem Thema Sinn, schlicht und stringent an einem roten Argumentationsfaden herunter zu schreiben? Oder wäre ein kurzer und krasser Artikel sinnvoller?

Was sich nicht ändern wird: Wir bleiben – ob mittelmäßig erfolgreich oder auch mal mehr oder weniger – immer ein unabhängiges alternatives Medium, dass sich von keiner Gruppe oder Organisation, von keinem Interesse Dritte leiten lässt. Und wir bleiben „Ehrenamtler“. Ja, es ist schön, finanziell erfolgreich mit einem Channel oder Blog zu sein. Aber es verdirbt den Blick auf die Realität und besudelt oft die Wahrheit und Klarheit in Wort und Schrift.

In diesem Sinn wünschen David Berger und ich Euch ein erholsames Wochenende. Wir bleiben selbstverständlich weiter am Ball! „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht!“ Na ja, übertreiben wollen wir es ja auch nicht. Immer mal wieder gibt es einen Tag, wo fast Funkstille herrscht hinsichtlich neuer Artikel. Für unsere Leser dann eine Gelegenheit, mal ein wenig in älteren zu stöbern und zu schauen, was ihnen vielleicht in der Informationsflut der letzten Tage entgangen ist.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.