(Michael van Laack) Der erträumte Erdrutschsieg bleibt aus, doch die Democrats haben offensichtlich einige Bundesstaaten gewonnen bzw. zurückgewonnen, die 2016 verloren gingen. Die aktuellen Modelle der führenden US-Nachrichtensender sehen das Biden-Lager aktuell zwischen 269 und 315 sicheren Wahlmännerstimmen. 270 Stimmen sind notwendig. Donald Trump hilft jetzt nur noch ein Wunder oder juristische Taschenspieler-Tricks. Letztere könnten in den USA für Monate ein Machtvakuum entstehen lassen, das sich die Welt objektiv betrachtet nicht leisten kann.

Was ich jetzt schreibe, kann schon in ein paar Minuten Makulatur sein, denn aktuell überschlagen sich die Ereignisse, weil fortlaufend neue Ergebnisse eintreffen.

Woran es gelegen hat, dass die Republikaner dort verloren haben, wo es augenscheinlich geschehen ist, werden erst tiefere Analysen zeigen. Sicherlich lag es nicht an der Empfehlung des Präsidenten, Desinfektionsmittel zu konsumieren. Allerdings war neben der Rassismus-Debatte und Corona auch die wirtschaftliche Situation in manchen Regionen ausschlaggebend für das Wahlverhalten. Von Beginn an wollte der Aufschwung nicht so gelingen, wie Trump ihn sich von „America First“ erhofft hatte. Die weltweite Corona-Lage hat allerdings so hohe Arbeitslosen-Zahlen produziert, dass viele dem Präsidenten nicht mehr zutrauten, die Nation aus der Krise zu führen.

Vieles hängt nun an Michigan und Wisconsin

In den meisten Staaten gab es keine Überraschung und sie blieben wie eh und je Blau (Demokraten) oder Rot (Republikaner). Für uns Deutsche zugegebenermaßen ein verwirrendes Farbenspiel. Von den sogenannten Swing States hat Biden nur New Hampshire sicher gewonnen und liegt in Arizona und Nevada wohl uneinholbar vorn. Die anderen Swing States scheinen an das Trump-Lager zu gehen. Florida, Iowa, Ohio und Texas haben die Republikaner gewonnen. Dort ist die Auszählung beendet.

In Georgia, Michigan, North Carolina, Pensylvania und Wisconsin liegt er relativ klar vorn. Allerdings ist der Auszählungsstand zumeist erst bei 50% und es gibt wie fast überall im Land viele Briefwählerstimmen, die noch nicht ausgezählt sind.

Es könnte im Chaos enden!

Ja, es ist knapp. In zwei Bundesstaaten gab es technische Probleme, so dass dort in den nächsten Stunden keine Ergebnisse zu erwarten sind. Und die Unsicherheit hinsichtlich vorläufiger Ergebnisse der Stimmen aus den Wahlen direkt im Wahllokal ist groß, denn über 100 Millionen Briefwähler haben vorab ihre Stimme abgegeben. Zudem gibt es einige Bundesstaaten, wo noch bis zum 9. November Briewahl-Umschläge eingehen können. Das könnte entscheidend sein, wo es in einem Bundesstaat nur äußert knappe Vorsprünge gibt.

Trump hat seine Wähler schon mal auf harte Zeiten eingestimmt.

Joe Biden hingegen mahnte in seiner ersten kurzen Ansprache zu Geduld. Er sei sich zwar sicher, dass er die WWahl gewinne, weil nicht Trump sondern das amerikanische Volk entscheide, aber man konnte ihm die Verunsicherung anmerken. Was natürlich auch daran liegen kann, dass er oft bei Reden ins Stottern kommt und sich von seiner Frau etwas ins Ohr flüstern lassen muss. Wie auch heute.

Entscheiden am Ende die Gerichte?

So wie sich die Lage aktuell darstellt, ist das nicht unwahrschinlich. Schon wegen der Briefwahlen gab es im Vorfeld Tausende Klagen. Und auch heute kam manche Wahlpanne dazu. Gerade eben wurde Trump in Texas zum Sieger erklärt. Und schon haben Anwälte der Demokraten erklärt, dass sie dies nicht hinnehmen wollten, obwohl dort der Abstand deutlich ist. Auch Trumps Anwälte sind in diesen Stunden voll beschäftigt.

Das ist ein Dilemma. Auch wenn wir Bürgerliche uns Trump weitere vier Jahre im Amt wünschen. Aber icht so, nicht durch Druck, durch Gerichte, durch Chaos. Das übersteht keine Demokratie auf Dauer! Wollen wir hoffen, dass am ende dieses Tages die USA nicht brennen. Entweder real, weil BLM aktiv wird oder eben, weil sich Trump ohne rechtliche Grundlage zum Wahlsieger erklärt.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.