Allerheiligen: „Was erbittest du von der Kirche Gottes?“ „Den Glauben!“

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(Michael van Laack) Wie an allen Festen erster Klasse und anderen wichtigen Gedenktagen innerhalb des Kirchenjahres möchten wir auch am heutigen Allerheiligen-Tag einen kaum mehr bekannten – weil nur noch antiquarisch erreichbaren – katholischen Autor zu Wort kommen lassen. Nach Pius Parsch und Benedikt Baur in den letzten beiden Artikeln fällt die Wahl heute einmal mehr auf den seligen Kardinal Ildefons Schuster.

Nach dem II. Weltkrieg wurde er und so auch sein liturgisches opus magnum Opfer einer diskreditierenden Gesinnungs-Schnüffelei, weshalb es bis heute keine zweite Auflage erfuhr. Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde Schuster zwar vollständig rehabilitiert, aber dennoch ging bis heute kein Verlag das Wagnis der Neuauflage ein. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit primär dieser ungerechtfertigten Schmähungen wegen folgte dem bereits 1957 durch den späteren Papst Paul VI. eröffneten diözesanen Verfahren erst fast 40 Jahre später (1996) die Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II.

Die Gedanken zum heutigen Fest lesen wir in seinem Liber Sacramentorum, IX. Band (Die Heiligenfeste vom 1. Oktober bis zur Adventszeit), Regensburg, 1931. Einfügung von Zwischenüberschriften und Anpassung an die aktuelle Rechtschreibung erfolgte durch die PP-Redaktion. Hin und wieder findet sich die Gesamtausgabe noch antiquarisch, aber dann doch zu einem relativ stolzen Preis.

Schusters Werk steht mit nicht wenigen anderen „alten Schinken“ immer griffbereit in meinem Arbeitszimmer.

Die triumphierende Kirche vertreibt die „ernste Traurigkeit“

Die vorgerückte Jahreszeit, die fallenden Blätter der Bäume, die letzten Sonntage nach Pfingsten mit ihrer ernsten Traurigkeit lenken den Geist auf die feierlichen Gedanken der Ewig­keit und der Welt jenseits des Grabes, dem wir immer näher kommen. Der Seher von Patmos möchte darum den langen Zyklus, welcher das mühselige Leben der streitenden Kirche darstellt, abkürzen; er hebt den Schleier auf, und lässt uns die triumphierende Kirche in ihrer Herrlichkeit schauen.

Am Anfang des Pfingstkreises stand das Wort „(Der Heilige Geist) wird mich verherrlichen“. Heute sehen wir, wie er seine Verheißung verwirklicht hat, denn er hat über den my­stischen Leib des Erlösers jene Heiligkeit ausgegossen, die zum Samenkorn der Herrlichkeit wurde.

Ein Fest aller hl. Martyrer, das in Beziehung steht zur Osterfreude des Erlösers, erscheint in Syrien bereits im 4. Jahr­hundert. Die Griechen feiern es am Sonntag nach Pfingsten; dieser Brauch war auch eine Zeitlang in Rom heimisch, wie wir aus dem von Morin herausgegebenen Comes im Würz­burger Kodex ersehen können. Hier heißt das Fest: Dominica in natale Sanctorum.

Historisches zum Festtag

Das byzantinische Fest erhielt sich jedoch in Rom nicht lange. In der Woche nach Pfingsten beging man das Quatemberfasten und beschloss es mit der feierlichen Sonntags­vigil in St. Peter. Man konnte daher nach dem ermüdenden nächtlichen Gottesdienst nicht auch noch am Morgen das Allerheiligenfest feiern. Man stand also von dem byzantinischen Brauche ab und feierte das Fest aller hl. Martyrer am 13. Mai; auf diesen Tag hatte es bereits Papst Bonifaz IV. gelegt, als er das Pantheon für den christlichen Kult weihte. Der Wunsch nach einem Feste aller Heiligen, nicht nur der Martyrer, machte sich aber immer mehr geltend. Als daher die Bilderstürmer im Orient hl. Bilder und Reliquien ver­nichteten, und in Italien, selbst in Latium, die Gräber der Martyrer durch die ständigen Streifzüge der Langobarden verlassen dalagen, da errichtete Papst Gregor III. in St. Peter eine Sühnekapelle zu Ehren aller Heiligen, sowohl Martyrer als auch Bekenner, ,,die auf dem ganzen Erdkreise gelebt haben“.

Ein Mönchschor betete das hl. Offizium im vatika­nischen Heiligtum und täglich gedachte man beim hl. Opfer aller jener Heiligen, deren Geburtstag am betreffenden Tage in den verschiedenen Kirchen des katholischen Erdkreises gefeiert wurde. Warum die römische Kirche das Allerheiligenfest gerade an den Kalenden des November feiert, ist nicht ganz klar. Es wurde unter Gregor IV. (827-44) auf diesen Tag gelegt, wohl unter dem Einfluss des Kaisers Ludwig des Frommen und der fränkischen Bischöfe. Jedoch ist nicht sicher,. ob die Initiative vom Papst oder vom Kaiser ausging. Sixtus IV. gab dem Feste eine Oktav.

An den gewöhnlichen Tagen feiert die Kirche das Gedächtnis eines oder mehrerer Heiligen, heute aber „hat Gott das Volk vermehrt und die Freude erhöht“, wie es Isaias wünschte (Jes 9, 3), damit die Freude Christi und der Kirche vollkommen sei. Der Geist des Herrn ist, gleich jener geheimnisvollen Sal­bung mit duftendem Öle (Psalm 133), ausgegossen auf den ganzen my­stischen Leib Christi; er heiligt alle, auch die bescheidensten Glieder, und erhebt sie zur ewigen Glorie. Wir feiern heute die Apostel und Martyrer, die Glieder der Hierarchie und die katholischen Laien, die schaffenden Arbeiter und sogar die armen Sklaven, auf die der Heilige Geist herabgestiegen ist und die er zu einem heroischen Grade der Heiligkeit geführt hat.

Demut, Armut und die große Schar

Die LESUNG (Offb 7, 2-12) – und das ist bezeichnend für den Ursprung des Festes – ist die gleiche wie bei der Weihe des Pantheon am 13. Mai. Der Seher von Patmos schaut ein großes Tor, durch welches eine unzählbare Schar von Heiligen einzieht. Nicht nur die 144.000 vorherbestimmten Söhne Abrahams, sondern eine große Schar jeden Alters und Ge­schlechts, aus jedem Jahrhundert und Stande gehen in das Paradies durch Jesus, welcher das Tor ist. Es ist also nicht so schwer, das ewige Heil zu erlangen, da Johannes schreibt, er könne die „unzählbare Menge“ gar nicht überschauen.

Eine Bedingung aber müssen alle erfüllen, die zum Heil gelangen wollen. Sie müssen an der Stirne ein Siegel tragen, das Zeichen der Kinder Gottes und der Gleichförmigkeit mit dem ewigen Vater und seinem Gesalbten. Das Siegel hat nach dem Propheten Ezechias die Form eines Tau und wird auf die Stirn jener gedrückt, welche weinen und klagen. „Zeichne ein Tau auf die Stirne der Männer, welche über alle Gräuel seufzen und wehklagen, die in ihrer Mitte begangen werden.“ (Ez 9, 4). Was sollen diese Worte bedeuten? Der Apostel erklärt sie folgendermaßen: „Wie an unserm Leiden, so habt ihr auch an unserer Tröstung Anteil.“ (2 Kor 1, 7), d. h. die künftige Glorie wird be­messen sein nach dem Anteil, den wir hienieden am Opfer Jesu nehmen.

Verzicht um Christi willen

Am Fest Allerheiligen passt nur das EVANGELIUM von der Bergpredigt (Mt 5, 1-12). Sie wendet sich an alle Menschen; für jeden ist ein besonderer Segen da. Um die Seligkeit zu erlangen, bedarf es nicht hoher Geburt, großen Vermögens, be­sonderer Geschicklichkeit oder Wissenschaft; im Gegenteil, wer aus sich selber weniger hat, der empfängt mehr aus dem himmlischen Schatz. Darum werden zuerst die Demütigen und Armen im Geiste seliggepriesen, d. h. jene, die um Christi willen auf sich selbst verzichtet und sich erniedrigt haben, die geworden sind, wie das Kind, das Jesus seinen Jüngern als Vorbild hinstellt.

Beachten wir heute das sinnvolle Wort, durch das die Litur­gie die streitende Kirche bezeichnet: das gläubige Volk, d. h. jenes Volk, das mit gläubigem Herzen den Weg der Ewigkeit zieht. Worin besteht der Lohn des katholischen Glaubens, den wir für wahr halten und unablässig leben müssen und ohne den niemand den Namen eines Gläubigen erhält?

„Was gibt Dir der Glaube?“

Das fragt noch heute die hl. Kirche bei der Taufe. Die Antwort lautet: ,,Das ewige Leben“.

Zu Ehren aller Heiligen führen wir die schöne Inschrift an, die Papst Damasus zum Gedächtnis aller Gerechten setzte, die in der Callistus-Katakombe ruhten:

„Hier ruht, wenn du fragst, zusammengetragen eine Menge Frommer;
Es umschließen Heiligenleiber die ehrwürdigen Grüfte.
Die erhabenen Seelen nahm sich die Himmelsburg.
Hier ruhen die Gefährten des Sixtus, die über den Feind triumphieren,
Hier die Menge der Vorsteher, welche die Altäre Christi hütet.
Hier liegt der Priester, der in langem Frieden gelebt,
Hier die heiligen Bekenner, die Griechenland sandte.
Hier Jünglinge und Knaben, Greise und ihre keuschen Enkel,
Denen es besser dünkte, die Jungfräulichkeit zu wahren.
Hier, gestehe ich, Damasus, wollte ich meine Glieder (zur Ruhe) niederlegen,
Doch fürchtete ich, die heilige Asche der Frommen zu beunruhigen.“

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.