(Michael van Laack) Neulich trendete im Twitter-Universum, dessen politischen Einfluss man nicht unterschätzen darf, #derwendler. Und schon war er erledigt, wenn man so will. Jeder, der sich für einen wichtigen Teil unserer ehrenwerten Medien- und Kultur-Gesellschaft hielt, wandte sich von ihm ab. Gestern und teilweise auch heute trendet (überdurchschnittlich häufige Verwendung) zur größten Freude aller „lupenreinen Demokraten“ und anderer Anständigen der Hashtag #HaltdieFresseAfD.

Soll man das mit einem Schulterzucken quittieren oder die Alarmglocken läuten, wenn so etwas geschieht? Die BILD zumindest empfahl gestern Gelassenheit! Doch ist es wirklich klug, gelassen zu regieren? Ein Medium wie Twitter fühlt sich ähnlich wie Facebook angeblich verpflichtet, grundsätzlich gegen Hass und Hetze auf seiner Plattform vorzugehen. Trendende Hashtags, die herabsetzendes beinhalten, scheint allerdings weder die Bots noch die Mitarbeiter zu stören.

Nach „NoAfD“ und „FCKAfD“ nun eine klare Ansage

All die Dummschwätzer, die sich für tolerant erklären, den Dialog zum obersten Prinzip erheben, sich über Hass und Hetze ereifern, für die jeder Mensch angeblich gleich wertvoll ist… Verlogen bis ins Mark. Denn sie „lieben“ nur Ihresgleichen. Stimmt der asozial-antifaschistische Stallgeruch nicht, lassen Leute wie z.B. diese „Europäer mit deutschen Wurzeln für Menschlichkeit, Freiheit und Gerechtigkeit und offene Grenzen“ gern die Masken fallen.

Zweierlei Maß ist das Maß der „Lupenreinen“

Ob denen #HaltdieFresseShapeEurope auch gefallen würde? Oder wäre das rechter Hass und Hetze, unerträgliches demokratiefeindliches und menschenverachtendes Geschwätz? Die Bigotterie, die von unserer Regierung und zahlreichen Mitgliedern des Bundestages durch ihre Verhalten gegenüber einer demokratische legitimierten Partei befeuert wird und zu Nachahmung einlädt… diese Doppelzüngigkeit und widerwärtige Doppelmoral so genannter lupenreiner Demokraten… Die trendet? Na, dann müssen wir uns ja um die Zukunft der Gesellschaft keine Sorgen mehr machen!

Denn solange die Mehrheit unserer Mandatsträger menschenfreundlich, anständig oder aufrecht agiert – wie z.B. diese Sozialdemokratin aus dem Landesvorstand der SPD Baden-Württemberg – ist die Welt noch in Ordnung! #HaltdieFresseSPD oder gar #HaltdieFresseTuerkNachbaur würde selbstverständlich gar nicht gehen. Das wäre fast schon eine Meldung an den Verfassungsschutz wert. Und: Wer die Auseinandersetzung mit dem politischen Mitbewerber auf solche Aussagen reduziert, hat in der Politik nichts zu suchen. Weder als Blogger noch als Mandatsträger. Aber #SozisRaus oder #FCKSPD wären in Ordnung, meint die SPD-Frau. Danke für die Aufklärung!

Was bleibt, ist vermutlich nur ein kurzer Aufreger, ein temporäres Empörtsein im Lager der Bürgerlichen. „Schon in zwei oder drei Tagen wird niemand mehr darüber reden oder sich gar aufregen.“, höre ich sagen. Das mag stimmen. Und eben darin liegt das Problem. Unsere netzaffine Gesellschaft hat sich keineswegs an Verrohung der Sprache gewöhnt. Nein, Teile dieser Gesellschaft (sie nennen sich „Zivilgesellschaft“) nutzen diese Verrohung für ihre eigenen Zwecke. Sie mobilisieren Massen, um Hashtags voller Hass zu verbreiten, unter denen sie sich dann über den Hass des poltischen Mitbewerbers zu empören erdreisten.

Wir sollten nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, aber wir sollten wachsam bleiben und eben nicht rasch zur Tagesordnung übergehen bzw. eigene Hashtags ersinnen, die noch mehr trenden. Denn wenn die Demokratie sterben sollte, dann an der Feigheit der Guten, aus der die Bösen ihre Macht saugen. Wir müssen ihnen auch weiterhin mit größtmöglicher Sachlichkeit begegnen. Das lässt sie immer wütender werden. Und wer wütend ist, macht Fehler!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.