(Michael van Laack) Immer wieder zeigt sich auch an Begriffen, dass unser aller Bundeskanzlerin in der DDR aufgewachsen ist. Wenn die Genossen auch nicht viel konnten, waren sie doch in der Schaffung neuer Begriffe ganz vorn mit dabei. Nettes Beispiel: „Erdmöbel“ statt „Sarg“. Vorgestern nun kam von der Kanzlerin so ein tolles Wording: Die Ministerpräsidenten-Konferenz zu Corona müsse als „physisches Präsenzformat“ stattfinden. Damit meinte sie, es solle keine Telefonkonferenz geben, sondern die Ministerpräsidenten gefälligst ihre bestalimentierten Popos in Flieger oder Dienstwagen schwingen und bei ihr in Berlin aufschlagen.

„Schau mir in die Augen, Kleines!“ sagte Humphrey Bogart im Klassiker Casablanca von 1942. „Schaut mir in die Augen, ihr Kleinen!“ wird sich die Kanzlerin vermutlich gedacht haben, als sie Kanzleramtsminister Braun zurückpfiff, der am vergangenen Wochenende bereits Vorbereitungen für eine weitere Telefonkonferenz der MPs der Republik getroffen hatte.

Heute Morgen nun veröffentlichte die ARD ein Interview mit dem Politik-„Weisen“ und Merkel-Versteher Rudolf Korte, in dem uns unwissenden Bürgern anschaulich die menschliche und moralische Größe der ehemaligen FDJ-Sekretärin nähergebracht und manch tiefer Einblick in ihre Gedankenwelten und Absichten gewährt wird.

Merkel hat nichts mehr zu verlieren

Was man häufig bei US-Präsidenten ab dem dritten Jahr ihrer zweiten Präsidentschaft sieht, attestiert der ARD-Mann nun auch Angela Merkel. Er sagt zwar, sie habe nun alle Freiheiten, „weil sie nichts mehr werden wolle“, also keine weitere Amtszeit mehr anstrebe, aber der Effekt ist der gleiche. Wohl auch deshalb hat sie sich durchgesetzt in der Frage, Telefonkonferenz oder „Schaut mir in die Augen, Armin und Markus!“ Denn vor allem die Ministerpräsidenten aus Bayern und NRW muss die Kanzlerin auf ihre Linie bringen. Sonst wird das nix. Aber, so Korte, Merkel habe eine große „Disziplinierungsmacht“.

Und weiter:

„Wenn alles nur digital stattfindet, führt das zu Verlusten, das wissen wir seit März. Zu Wissensverlusten, aber auch zu Verlusten beim Kompromisswillen und Besinnen auf Gemeinsamkeiten.“

Was Korte hier für die Ministerpräsidenten-Konferenz zu Corona beschreibt, gilt allerdings auch für die Kommunikation der Bürger untereinander. Vielleicht sollte man auch das bedenken in Berlin, wo man sich gern und viel über die Corona-Kritiker ereifert. Viele Menschen spüren intuitiv, dass es nicht gut sein kann, den größten Teil der Kommunikation mit Freunden und Bekannten ins Digitale zu verlagern.

Dadurch entstehen Missverständnisse, vor allem aber trocknen emotionale Bindungen – über Jahre aufgebaut – langsam aber sicher aus. Oder ist das vielleicht sogar das Ziel gewisser Restriktionen? Soziale Bindungen verringern? Den Menschen Liebe und tiefe Freundschaft über einen längeren Zeitraum abtrainieren, um sie so einfacher mit der politischen Religion der EU und der Merkelianer infizieren zu können?

Angela Merkel, die Kanzlerpräsidentin

Diesen Ehrentitel hat ihr Korte zwar nicht als Erster verliehen, aber im gleichgeschalteten ÖRR hat man diesen Begriff bisher weitestgehend vermieden. Was Christus sein wollte, sei Angela Merkel gelungen: Allen alles werden. Sie vereinige die Autorität sämtlicher hoher Ämter in Staat und Parteien in sich, sei gewissermaßen die Vorsitzende aller „demokratische Parteien“ zugleich.

Deshalb könne sie es sich auch leisten, sich erst sehr spät (oder besser: bisher überhaupt nicht) zu Fragen wie dem Beherbergungsverbot, Bußgeldern oder  der Maskenpflicht auf Plätzen und Straßen äußern. Bei ihr liefen alle Fäden zusammen. Mir kam bei der Lektüre das Bild der Spinne in den Sinn. Dessen Verwendung hat Korte allerdings vermieden, denn er möchte ja noch ein wenig mehr Geld verdienen.

Spinne auch deshalb, weil Korte der Kanzlerin genau dieses Verhalten attestiert: „Kuratiertes Regieren“ statt appellativer Anordnungen. Im Netz sitzen bleiben und schauen, ob sich eine Fliege verheddert. Dann zuschlagen! Sollte nach dem heutigen so genannten „historischen Ereignis“ in den Bundesländern irgendetwas schieflaufen, kann die Kanzlerin sich auf das Argument zurückziehen: „Ich habe es anders gewollt, aber im Föderalismus kann halt jeder MP machen was er will. Ich habe mein Bestes gegeben, aber die MPs haben Schlechteres daraus gemacht.

Merkel als Seelsorgerin

Zum Abschluss der Vorbetrachtung zum heutigen „Gipfel“ noch dieses wunderschöne Bild des wahlforschenden glühenden Merkel-Verehrers Korte:

„Man kann das von den Politbarometern ablesen, da bekommt sie sehr gute Zeugnisse. Sie ist in einem Modus des Kümmerns, wirkt fast schon seelsorgerisch. Sie geht die Themen lernend an und hat bisher mit ihren Einschätzungen Recht behalten.“

„Gute Zeugnisse“ bekommt in der Wahlforschung jeder, wenn die richtigen Fragen gestellt werden. Zudem liegt im letzten Satz ein Widerspruch: Merkel gehe alles lernend an. Wer lernt, macht allerdings auch Fehler und verschätzt sich. Nicht so die gottgleiche Kanzlerpräsidentin. Sie hat immer Recht behalten. Na ja, manche Widersprüche erkennt man vielleicht auch nur, wenn man einen Sensus für Philosophie und dazu einen objektiven Blick auf Geschehenes hat. Beides trifft auf Herrn Korte nicht zu. Deshalb sei ihm verziehen.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.