(Michael van Laack) Liturgische Gedächtnisfeiern an bestimmten Tagen sind fast so alt wie die Kirche selbst. Zuerst verzeichnete man  – nach dem Sterbedatum geordnet – nur jene, die ihr Leben um des Bekenntnisses zu Christus hingegeben hatten, in so genannten Martyrologien. Später gedachte man auch solchen Christinnen und Christen, die Gott und der Kirche als Bekenner gedient hatten: Z.B. Päpste, Bischöfe, Priester, Einsiedler, Jungfrauen. Im Laufe der Zeit kamen auch Feste aus Anlass eines für die Kirche wichtigen historischen Ereignisses hinzu.

So z.B. das Gedächtnis an den Sieg über das osmanische Heer bei Lepanto, das dem Schutz Mariens zugesprochen wurde (Rosenkranzfest am 7. Oktober). Oder andere wundersame Erscheinung wie die Übertragung des Heiligen Hauses von Jerusalem nach Loreto (10. Dezember). Manche dieser Feste verschwanden im Laufe der Jahrhunderte wieder aus dem Kalender der Weltkirche und wurden nur noch national oder regional begangen. So auch das Fest der Mutterschaft Mariens am heutigen 11. Oktober.

Modernisten reduzieren Christus auf den Zimmermann

Das Fest wurde erst 1931 in Messbuch und Brevier eingeführt und schon 1969 im Zuge der linksliberalen protestantisierenden Liturgiereform wieder gestrichen. Denn es berührte ein für moderne Bischöfe, Priester und andere Theologen „unangenehmes“ Thema: Dass die Jungfrau Maria Gott geboren habe und nicht primär den Zimmermann von Galiläa, der später als großer Prophet durch die Gegend wandelte und heute täglich in den Herzen der Gläubigen neu aufersteht, ohne nach seinem Kreuzestod real auferstanden zu sein.

Wie immer mal wieder an höheren Fest- und Gedenktagen wollen wir auch heute wieder einen selten gelesenen (weil nur noch antiquarisch erreichbaren) katholischen Autor zu Wort kommen lassen, der noch vor weniger als sechs Jahrzehnten im Bücherregal vieler katholischer Familien stand. Ausgewählt haben wir diesmal Gedanken aus dem Werk des ehemaligen Erzabtes von Beuron – Benedikt Baur OSB. Im IV. Teil seiner liturgischen Betrachtungen mit dem Titel „Werde Licht!“ (Auflage letzter Hand, Freiburg i. Br., 1956) schreibt er (Zwischenüberschriften vom Autor des Artikels):

Maria, die Gottesgebärerin

Fünfzehnhundert Jahre sind es her, dass Nesto­rius in Konstantinopel es wagte, den Menschen in Christus zu verselbständigen und zu lehren, es seien in Christus zwei Personen, eine göttliche und eine menschliche. Maria aber habe nur den Menschen Christus empfangen; sie sei nicht Gottesmutter, nicht Gottesgebärerin, sondern, wie jede andere Mutter auch; Mutter eines Menschen, in dem allerdings Gott wie in einem Tempel wohne. Im Jahre 431 versam­melte sich das Konzil von Ephesus und nahm gegen Nestorius Stellung. Es verkündete als katholischen Glauben: In Christus ist nur eine, die göttliche Per­son. Darum hat Maria den Sohn Gottes geboren; sie ist Gottesmutter, Gottesgebärerin, Theotokos. Wir schließen uns diesem Bekenntnis freudig an. Zum Andenken an das Konzil von Ephesus hat Papst Pius XI. 1931 anlässlich der Fünfzehnhundertjahr­feier des Konzils das Fest der Mutterschaft Mariens eingeführt.

Maria ist die Mutter Christi, des Sohnes Gottes. Freudig bejahen wir mit dem Introitus die Weissagung des Isaias: „Seht, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, Sein Name wird sein: Gott mit uns.“ Das Festevangelium berichtet: Maria und Joseph sind mit dem Knaben Jesus nach Jerusalem gepilgert, um dort das vorgeschriebene Opfer darzubringen. Auf dem Heimweg bemerkte sie, dass sie den Knaben verloren haben. Schmerzerfüllt suchen sie Ihn.

Die Gottesmutter „schenkt“ uns ihren Sohn!

Sie finden Ihn glücklich im Tempel. „Kind, warum hast Du um das getan? Sieh, Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht.“ Maria ist die Mutter Dessen, der keinen irdischen, menschlichen Vater hat, der Ihn gezeugt hätte. Joseph ist nur Sein Nährvater. Jesu Vater ist im Himmel. So bezeugt Er es in diesem Augenblick: „Wusstet ihr nicht“, sagt Er zu Maria und Joseph, „dass Ich in dem sein muss, was Meines Vaters ist?“

Das Kind Mariens ist Gottes Sohn, „empfangen vom Heiligen Geist“ (Offertorium). Wir begrüßen Maria mit der Communio: „Selig der Schoß der Jungfrau Maria, der getragen den Sohn des ewigen Vaters.“ Selig du, heilige Gottesmutter! Du trägst den Sohn Gottes in der innigsten geistigen und leiblichen Vereinigung, als Mutter, die Frucht deines Leibes. „Ave, Maria, der Herr ist mit dir! Maria ist unsere Mutter. „Einem Weinstocke gleich bring‘ ich süße, duftende Früchte her vor, und meine Blüten tragen herrliche Edelfrucht“ (Lesung). Christus, den Herrn und Erlöser. Maria behält ihr Kind nicht für sich. Sie schenkt es uns in der Geburt in Bethlehem, in der Aufopferung im Tempel, auf Golgatha, da sie unter dem Kreuz steht, Vom Kreuz herab vernimmt sie Sein Vermächtnis: „Weib, siehe da Deinen Sohn“, Johannes (]oh. 19, 26).

Maria ist auch unsere Mutter

Und in Johannes sind wir alle mitgemeint. In den Schmerzen und Wehen, die sie zur Seite ihres sterbenden Sohnes erleidet, wird sie unsere Mutter. Vom Kreuze herab ruft Er in Johannes uns allen zu: „Sohn, siehe da deine Mutter.“ Sie hat uns Christus und in Christus das übernatürliche Leben geschenkt. Sie sorgt sich um uns und dehnt die Liebe, die sie zu Jesus hat, auf uns alle aus. Selig, wer eine Mutter hat! Selig wir, wir haben eine Mutter: die beste, treueste Mutter. Die Gottesmutter ist unsere Mutter gewor­den. Die Tatsache, dass Maria wahrhaft die Mutter Christi – des Sohnes Gottes – ist, ist uns das sicherste Unterpfand dafür, dass sie uns wahrhaft Mutter ist und als Mutter um uns Sorge trägt. Wie müssen wir ihr danken!

Voll Glauben sprechen wir mit der Lauretani­schen Litanei: „Mutter der göttlichen Gnade, bitte für uns. Du reinste, Du keuscheste, Du unbefleckte, Du liebliche, Du wunderbare Mutter, bitte für uns.“ Maria ist die Mutter der Barmherzigkeit, allvermö­gend bei ihrem Sohne, die fürbittende Allmacht, voll Güte und Liebe zu uns. Und dies alles, weil sie die Gottesmutter ist.

„Kommet alle zu mir und sättigt euch an meinen Früchten“, an Christus Jesus, den ich (Maria) euch gebe: heute in der heiligen Opferfeier, in der heiligen Kommunion. Wie Gott, der Vater, „uns mit Christus alles geschenkt hat“ (Röm 8, 32), so hat uns Maria mit ihrem Kinde alles gegeben. Wir glauben. Wir danken. Wir preisen uns glücklich.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.