(Michael van Laack) 2020 scheint ein Jahr zu sein, in dem in vielerlei Hinsicht nichts gewiss ist. Gewiss schien bisher zumindest für deutsche Medien: „Biden wird die Wahl klar gewinnen!“ und „Trump ist ein Lügner, Betrüger und Rassist!“. Nun sind der 74jährige und seine fast 25 Jahre jüngere Gattin Melania an Covid-19 erkrankt. Den USA stehen in vielerlei Hinsicht chaotische und ungewisse Wochen bevor.

Das zeigt sich wie immer zuerst an der Börse. Alle großen Börsen in Europa und Übersee werden im Minus in ihren jeweiligen Handelstag stürzen. Und das nicht, weil  die Börsianer im Gegensatz zu ARD und ZDF Donald Trump für einen netten Onkel halten, sondern weil die Ereignisse in den USA in den kommenden Wochen ganz erheblichen Einfluss auch auf die politische Entwicklung und damit auch Rechtsunsicherheit in wirtschaftlichen Fragen haben dürfte.

Was passiert, sollte Trump an Corona sterben?

Ein solcher Fall ist im US-Recht überhaupt nicht vorgesehen. Tod oder Handlungsunfähigkeit aufgrund eines schweren Verlaufs einer Erkrankung? Hat es in den USA noch nie gegeben. Auch kein Attentat in der Endphase des Wahlkampf, das einen Präsidenten handlungsunfähig gemacht hätte. In keinem anderen Staat der westlichen Welt schafft die Rechtsprechung so viele Präzedenzfälle wie in den USA. Das liegt daran, dass man sich dort erst Gedanken macht, wie etwas rechtlich zu bewerten ist, nachdem es eingetreten ist. Leider auch in einer solch wichtigen Frage wie handlungsunfähig machende Erkrankung oder Tod eines Präsidenten bzw. Präsidentschaftskandidaten.

Dem Kongress obläge es beim Eintritt eines solchen Falls, den Wahltermin deutlich nach hinten zu verschieben. Ob Bidens „Democrats“ das im Repräsentanten-Haus tun würdentun würden, ist allerdings mehr als unsicher. Im Senat liegt ja die Mehrheit bei den Republikanern. Ansonsten bliebe nur die Wahl eines neuen Kandidaten im Eilverfahren. Vollständig sinnfrei – ganz egal ob heute oder erst in drei Wochen.

Stärkt ein milder Verlauf Trump im Wahlkampf?

Auch das ist ungewiss. Sollte Trump einen Verlauf haben ähnlich dem mancher deutscher Spitzenpolitiker (z.B. Friedrich Merz) könnte er Wahlkampf vom Schreibtisch aus machen. Für die ersten Tage hat ihm sein Ärzte-Team davon allerdings dringend abgeraten. Auch in deutschen Medien kursiert aktuell das Statement seines Leibarztes. das Trump attestiert, er könne die Amtsgeschäfte weiterführen.

Das ist jedoch lediglich ein juristischer Vorgang. Wäre Trump die Fortführung unmöglich, würden in den USA bestimmte Standard-Prozeduren anlaufen, die hauptsächlich Sicherheitsfragen betreffen. Das würde physische Kraft kosten, die der Körper beim Kampf gegen jede Infektion benötigt, weshalb Ärzte ja sogar schon bei einem grippalen Infekt Ruhe verordnen. Mahnendes Beispiel dürfte für den US-Präsidenten sein britischer Amtskollege Boris Johnson sein, der letztendlich trotz Corona die Regierungsgeschäfte weiterführte, bis sich sein Zustand stark verschlechterte und er kurz vor der künstlichen Beatmung stand. Ohnehin ist Trump mit 74 in Kombination mit seinem Gewicht ein Hochrisiko-Patient.

Sollte Trump sich allerdings entscheiden, vom TV aus abgestimmt auf die Kampagne seines Vizes und dem „Team Trump“ Wahlkampf machen könnte ihm das Vorteile bringen. Ein Präsident, der sich trotz Krankheit weiter engagiert! Der vielleicht sogar „Einsichten“ zu Corona in die Kamera spräche, wie es Johnson seinerzeit tat. – Ab und an zeigen und dabei gut aussehen muss er sich auf jeden Fall. Denn einen kranken Präsidenten will in den USA niemand. Man denke nur an die Reaktion auf Hillary Clintons Schwächeanfall im Wahlkampf 2016. Da waren auch sofort die US-Medien da und fragten: Ist Clinton gesundheitlich tauglich für das Amt. In abgeschwächter Form (und sicher auch ein wenig zu propagandistischen Zwecken) sahen wir das ja auch in vergangenen Monaten in Bezug auf Biden, bei dem gerätselt wurde: Demenz oder keine Demenz!

Die USA sind gespalten – Das wird sich nun verschärfen!

Während viele Amerikaner auch über Parteigrenzen hinweg, dem Präsidenten-Ehepaar baldige Genesung wünschen, gibt es auch einige, die zum Gebet für seinen baldigen Tod aufgerufen haben. Spinner, die der Kanzlerin wünschen, ihr mögen die Augen  geöffnet oder für immer geschlossen werden, gibt es selbstverständlich bei uns auch. In den USA haben solche Leute leider auch Zugang zu Radiostationen oder kleinen TV-Sendern.

Es gibt aber auch andere. Die „Washington Post“ soll hier exemplarisch genannt werden. Ein von ihr fast zeitgleich mit der Meldung über Trumps Erkrankung gesetzter Tweet sorgte für Unmut bei vielen Bürgern. Die Zeitung löschte dann diesen Tweet und veröffentlichte anschließend mit dem Text (freie Übersetzung): Die „Post“ hat den unten abgebildeten, am Donnerstag geschriebenen und automatisiert veröffentlichten Tweet gelöscht, weil die später [eintreffende] Nachricht von der Erkrankung des Präsident [den Tweet] als geschmacklos erscheinen ließ.

Washington Post wünscht Trump im Subtext den Tod

Tstsächlich aber war die Redaktion der „Washington Post“ so verärgert über den Shitstorm, dass sie die Kernaussage des Tweets trotz der „Geschmacklosigkeit“ noch einmal als Ausschnitt veröffentlichte.

„Meinung: Stellen sie sich vor, wie es wäre [wie es sich anfühlen würde], nie wieder über Trump nachdenken zu müssen.“ Das Framing ist ähnlich dem der ARD- und ZDF-Handbücher. Eine Meinung oder ein Kommentar wird in den Raum geworfen. Dann kann uns ja niemand. Wenn z.B. zur besten Sendezeit in den Tagesthemen ein Journalist über wen oder was auch immer ablästert, dann hat das selbstverständlich nichts mit einseitigen Nachrichten zu tun. Der gute Mann oder die quotengute Frau haben eben nur ihre Privatmeinung erläutert, die man sich selbstverständlich nie nicht zu eigen machen würde.

Wie werden sich die „Democrats“ und BLM verhalten?

Zu früh für eine sichere Prognose. Alles kommt auf den Krankheitsverlauf des Präsidenten an. Sollte der so schwerwiegend sein, dass eine Wahlverschiebung in Betracht gezogen würde und die Demokraten dem im Repräsentantenhaus zustimmten, verlören sie vermutlich rasch die Gefolgschaft der BLM und Antifa-USA, die dies als Schwäche gegenüber den verhassten alten weißen rassistischen Männern verstehen würde. Täten sie es nicht, wäre der Sieg Bidens wertlos und er dürfte als der „hartherzigste Präsident ever“ in den Wahlkampf starten. Zudem ist unsicher – weil es eben keinen Präzedenzfall gibt – ob nicht auch der Supreme Court eingreifen und die Wahlen für ungültig erklären könnte im Nachgang, weil kein Wettbewerb mehr stattfinden konnte, nachdem der eine aus dem Rennen war.

Wie auch immer: Ich wünsche Donald und Melania Trump baldige – vor allem aber vollständige – Genesung und schließe mit einem Zitat von Thomas Jefferson: Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt; die Wahrheit kann von alleine aufrecht stehen.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.