(Michael van Laack) Man kann über Lisa Licentia sagen, was man will: Mut hatte diese junge Frau! Denn es ist für die Betrachtung zunächst einmal irrelevant, ob bei ihr tatsächlich im Lauf des in der Rückschau relativ kurzen rechten Youtuber-Lebens die Einsicht gewachsen ist, dass sie von erfahreneren Leuten wie Sellner oder Flesch instrumentalisiert wurde. Oder ob sie sich bereit erklärt hat, ein von „lupenreinen Demokraten“ erdachtes und tief in der rechten Szene verwurzeltes deutsches Mädel zu spielen einzig mit dem Ziel, eine glaubwürdige Figur zu kreieren, die andere zum Ausstieg ermutigen könnte.

„Sei es, wie es sei!“ könnte man nun sagen und sich der Tagesordnung zuwenden. Wäre da gestern nicht diese vom letzten Sechstel an eine schlecht gemachte Seifenoper erinnernde Sondersendung über Rechtsradikale in Deutschland gewesen. Eine Lisa Licentia, die zufällig in genau dem Moment den Höhepunkt ihrer Sinnkrise erlebt, als der Sender auch über sie das ein oder andere berichtet und deshalb stets die Kamera draufhält.

Perfekte(?) Ausstiegs-Inszenierung

Ich werde hier nicht spekulieren, ob die auf den Fluren des Bundestags in die Kamera geweinten Tränen echt waren. Um erkennen zu können, ob ein Mensch wirklich weint, ob er verzweifelt ist, muss man ihn gut kennen. Was wir allerdings aus Lisa früheren Videos wissen: Sie kann perfekt Emotionen erzeugen. Und manche Menschen müssen ja nur an etwas vergangenes Trauriges denken, um losheulen zu können. Die Tränen aber waren es nicht, auf die ich gestern in einem Kommentar an Lisa auf Twitter anspielte. Den Tweet hat sie wenig später übrigens gelöscht:

In der Tat ein hohes Risiko, was die junge Dame gegangen ist. Nicht nur höfliche Zeitgenossen mit angemessenen Umgangsformen wie z.B. Martin Sellner – der sie früh gefördert hat – trifft man dort an. Eine Hackordnung wie in vielen Parallelstrukturen üblich  ist auch rechts vorhanden. Und Instrumentalisierung ist an der Tagesordnung, denn die großen Player legen die Puzzleteile für das Gesamtbild. In diesem war Lisa nur ein kleines Teil, dass rasch von einem Randstück des Bildes in ein Mittelteil konvertiert wurde. Durch einflussreiche Mitglieder der Youtuber-Szene und des politischen Betriebs.

Instrumentalisiert von allen Seiten

Irgendwann noch Adventszeit 2018 traten einige Aufrechte und Anständige an Lisa H. heran. Wie die junge Frau in deren Focus gelangte, ist hier irrelevant. Dem von der Richtigkeit der Politik überzeugte Mitglied der Jungen Union wurde die Idee angetragen, sie aufzubauen. So, wie andere das Projekt „Greta Thunberg“ vom ersten Schulstreik-Foto ab inszenierten und zu diesem Zeitpunkt bereits ein längeres „FFF-Drehbuch“ vorlag, so auch  bei diesem Projekt.

Und so wurde Lisa Licentia mit Wissen über die Szene ausgestattet. Insider-Wissen, über das Investigative verfügen. Kontakte einiger Journalisten zu diversen Playern wurden genutzt. Nach dem ersten und zweiten Video, die strategisch klug auf einigen Multiplikatoren-Profilen platziert wurden, umgehend Nachfragen einiger Journalisten: „Kennt Ihr die?“ Drei Worte reichten aus, um Aufmerksamkeit zu gerieren. So einfach geht das!  Es bedarf keiner geheimen Ansprachen oder mehrerer V-Leute. Aufmerksamkeit erhielt Lisa also nicht nur von rechts direkt, sondern sie wurde auch (und vor allem) durh Dritte erzeugt.

Urspünglich nur Projekt für rechtsradikale Aussteiger

Eigentlich könnte man sagen, dass Projekt ist erfolgreich gelaufen: Die junge dynamische Frau, die für eine gute Sache in gutem Glauben kämpft und dann von den eigenen Leuten (tatsächlich übrigens und nicht vorgeschoben) bedroht und bedrängt wird. Das alles aber war Teil der Inszenierung, denn es war voraussehbar. Die Regisseure wussten: Wenn es gelingt, Lisa zu hypen und zu einem neuen Hoffnungsträger für die Szene zu machen, würden nicht nur die Erwartungen in sie hoch sein, sondern sie würde stillschweigend die Verpflichtung eingehen, keine öffentliche Kritik am eigenen Lager zu üben.

Die das Projekt erfanden,  waren sich sicher (oder hofften zumindest stark darauf), dass ab dem Moment, in dem Lisa in kleinen wohldosierten und langsam größeren Schritten Kritik am eigenen Nest üben würde, die gewünschte Hassreaktion der Deppen und Volldeppen in der Szene der nationalen Sozialisten nicht lange würde auf sich warten lassen. Lisa war sich des Risikos bewusst. Jedoch war auch klar, dass man das Projekt dem Ende zuführen müsste, sobald eine Phase erreicht wäre, in der tatsächlich ihre körperliche Unversehrtheit und die des familiären Umfelds nicht mehr garantiert wrden könnte.

Das Drehbuch erhielt ein alternatives Ende

Man könnte es Kommissar Zufall nennen. Eigentlich sollte die Selbstzweifel-Szene, die im Bundestag gedreht wurde, die finale sein, der Höhepunkt einer Reportage über das tatsächlich radikale Milieu und die Folgen, die man in Kauf nehmen muss, wenn man sich auch nur ein Iota von dessen Ideologie abwendet. Lisa sollte dann langsam ihre Accounts  nur noch zu dem Zweck am Leben erhalten, um nach dieser Sendung als Anlaufstelle für Ausstiegswillige zu fungieren. Bzw. als Vermittlung-schnittstelle zu erfahrenen Ausstiegsbegleitern.

Zu diesem Zweck musste natürlich die Fassade aufrecht erhalten werden. Zumindest für ein paar Wochen. Pro7 filmte in diesen Tagen manches, was gestern nicht ausgestrahlt wurde, weil es sich um unergiebige Gespräche handelte. Und dann der Glückstreffer Lüth.  Niemand konnte wissen, dass er das sagen würde, was er sagte. Was er sagte, ist unabhängig von der Causa Licentia unverzeihlich. Denn Lisa hat ihn nicht dazu getrieben, hat es nicht aus ihm herausgelockt. Er hat das alles aus eigenem Antrieb gesagt.

Statt Aussteiger -Vorbild nun „NoAfD“-Frau

Manche Szenen im Reportage-Teil zu Lisa sind augenscheinlich nicht chronologisch wiedergegeben. Denn Lisa kann unmöglich gewusst haben, welche Wendung das Gespräch mit Lüth nehmen würde in der Aussage-Brisanz. Deshalb darf getrost davon ausgegangen werden, dass die Einleitungspassage, in der sie das Treffen ankündigt und sich sicher ist, Brisantes zu erfahren, erst nach dem Hamburger Wahltag gedreht wurde.

Aber auch das ist nun irrelevant. Denn das „Projekt Lisa Licentia“ ist gescheitert. Durch das scheinbare „Gottesgeschenk“ der Lüth-Aussagen ist das ursprünglich geplante Image, als Vorbild für Aussteiger zu dienen oder auch Mandatsträger der AfD zum Parteiaustritt zu bewegen bzw. mit Medienvertretern aus dem parteiinternen Nähkästchen zu plaudern, nun nicht mehr zu halten.

Biographien vernichten ist das Lieblingshobby der Medien

Pro7 hat gestern Lisa Licentia auf dem Altar eigener Eitelkeiten geopfert. Nun gilt sie in den Milieus. um deren Gefährlichkeit sich der Sender angeblich große Sorgen macht, als Verräterin, die für die Medien Spitzeldienste geleistet hat. Als NoAfD-Frau, als „Feindzeugin“. Man könnte einwenden: Das war sie doch nun schon seit Monaten für viele! Ja, aber nur, weil es diese Reportage gab, deren Erstsendung angemessen vorbereite sein wollte. Deshalb nach Trennung und Outing diese lange – immer mehr Gegnerschaft erzeugende – Ausschleichphase auf Lisas Twitter-Profil. Die nationalen Sozialisten und auch manche Nationalkonservative werden nun zur Hexenjagd blasen.

Man wird Dolchstoß-Mythen erfinden, die Lüth am Ende gar reinwaschen sollen. Und die Medien werden die junge mutige Frau verbrennen lassen. Denn für sie und den Verfassungsschutz ist sie jetzt ein Muster ohne Wert. Als Erstkontakt-Anlaufstelle für Aussteiger ist sie durch. das hätte sie nur ohne die Lüth-Sequenz werden können. Jetzt ist sie für die Rechtsradikalen (nicht die AfD oder ihre Sympathisanten im Ganzen), nur noch eine NoAfD-Frau. Eine Verräterin, eine Feindzeugin.

Seid stolz auf Euch ihr Medien. Durch Euer strategisches Fehlverhalten ist Lisa Licentia nun weitaus größeren Gefahren ausgesetzt. Aber was bedeutet das schon für Euch? Denn ihr würdet morden für eine gute Geschichte. Was scherrt Euch da die Zerstörung einer Biographie? – Ach so, dass macht Ihr mit Geld wieder gut? Ihr überschätzt seinen Wert und seine Schutzkraft. Aber was schreibe ich hier? Die Gnadenlosigkeit bundesrepublikanischer Journalisten steht jener der post-weimarer Zeit bekanntlioch  in nichts nach. PFUI!

Tja, so wie in diesem Artikel beschrieben, muss es selbstverständlich nicht gewesen sein. Aber eine logische und analytische Betrachtung, zusammengelegt mit meinen Quellen, ergibt exakt dieses Bild.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.