(Michael van Laack) Augenscheinlich haben immer noch nur die wenigsten begriffen, welch fatale Wirkung die Aktion eines mehr braunen als bunten Haufens in den nächsten Wochen zeitigen wird: „Querdenken 711“ ist beschädigt, die AfD ist beschädigt, alle Freiheitsliebenden und Demokratieverteidiger von liberal- bis nationalkonservativ sind beschädigt. Sie werden über uns herfallen. Sowohl die Berliner Blase als auch ihre treuen Medien.

„Wir stürmen den Reichstag“ hatten bereits manche aus dem neurechten Milieu in den Tagen zuvor angekündigt. Die in „Querdenken 711“ hochaktive Miriam Hope hatte gar zum Sturz der Regierung und der Bildung einer Übergangsregierung aufgerufen. Was da nun gestern geschah, ist ein vielleicht kurzfristig einige Herzen wärmender und manchen Pattformen die Kassen füllender PR-Erfolg. Aber er wird sich fatal auswirken auf die politische Rechte und auch die Gegner der Corona-Politik schwächen.

AfD massiv beschädigt

Ich fürchte wirklich, dass die wenigstens von uns das überhaupt begriffen haben: Aus Sicht einer sehr breiten Öffentlichkeit haben wir alle gestern auf der Treppe des Reichtags gestanden. Wir alle wollten eines der historisch bedeutsamsten Bauwerke Deutschlands besetzen – oder wie es die Rädelsführer der Aktion vollmundig nannten – „Dem deutschen Volke“ zurückgeben.

Der Reichstag ist der Sitz der höchsten gewählten politischen Repräsentanten unserer Republik. Ihn stürmen zu wollen (und das später als einen symbolischen Akt verharmlosen) ist ein Affront, den uns nicht nur die bösen Medien und die Politiker in Land und Bund übelnehmen. Die Bewegung im Ganzen ist beschädigt, wir alle gelten nun als Sicherheitsrisiko.

Die Partei hat sich bereitwillig auf den Opferaltar gelegt

Unter den „Stürmern“ wurden auch Mitglieder der Jungen Alternative und der AfD gesichtet. Die AfD hatte sich trotz aller Warnungen von vielen (auch von PP) an die Seite der Querfront gestellt. Der Autor dieses Artikels wurde nach seinen Artikeln zu Miriam Hope und zur Mahnung an die Partei im Vorfeld der Veranstaltung von mehreren MdB und MdL in privater Kommunikation zurechtgewiesen. Das Verhalten von PP sei schädlich für alle Freiheitsliebenden.

Und dann schien ja auch alles optimal zu laufen: Der Sieg für „Querdenken 711“ vor dem Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht, eine sehr große Zahl friedlicher Demonstranten, die unangemessene Auflösungsstrategie der Polizei an der Friedrichstraße… Aber dann ging es los: Tumulte vor der russischen Botschaft, kleine Gruppen rechter Ultras in den Seitenstraßen. Das alles wäre noch verkraftbar und auch von Journalisten der alternativen Medien vom Tisch schreibbar gewesen.

Doch dann setzte sich eine Gruppe – die in Videos dokumentiert nachweislich zuerst zum Querdenken-Zug gehörte – ab und führte eine definitiv vorher am Reißbrett durchgeplante Aktion durch. Dass sie gelang, mag daran gelegen haben, dass viel Bereitschafts-Hundertschaften in diesen Minuten an anderen Orten gebunden waren. Vielleicht auch daran, dass sich die Behörden auch in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen konnten, dass tatsächlich eine solche Aktion gewagt würde.

Helden und Verlierer

Die schönen Bilder des ganzen Tages sind auf einen Schlag wie weggewischt. Die internationale Presse in Europa und Nordamerika – teilweise sogar in Asien-  ist voll von den Bildern der Reichstags-„Stürmung“. Und kommentiert durchweg negativ. Alle merkelgesteuert? Alle von der Antifa unterwandert?  In Deutschland selbst findet man härteste Worte in allen politischen Lagern. „Schande“ rufen viele – und es ist auch eine. Eine Schande, die zu einer massiven Beschädigung führen wird.

Egal, was wir ab jetzt auch noch so berechtigt fordern, es wird heißen: „Am Ende wollt ihr doch die Republik stürzen, die Demokratie beseitigen. Wir haben ja am Reichstag euer wahres Gesicht gesehen.“ Wir werden noch so beteuern können, dass es anders ist. Sie werden uns nicht glauben. Denn sehenden Auge sind fast alle aus dem bürgerlich-konservativen Lager gestern mitmarschiert. Die einen real, die anderen im Herzen. Sehenden Auges haben wir uns in einer „bunten“ Querfront untergehakt, von der wir vorher wussten, dass da auch Linksradikale und Rechtsradikale mitmarschieren. All-In sind wir gegangen und haben verloren.

Irreparabel beschädigt?

Aber es gibt auch Helden. Jene einsamen Polizisten, die sich nach dem Überraschungscoup schützend vor den Reichstag – das Symbol für einen demokratischen Neuaufbruch der Republik nicht erst nach dem Mauerfall – gestellt haben. Wie viele von uns hätten wohl den Mut gehabt, sich in eine so dynamische Lage zu werfen? Wenn es gestern also tatsächlich deutsche Helden gab, dann diese erste „Mauer“ vor dem Eingang des Reichstags.

Auf den unseligen Rest auf der Treppe, der Fahnen der Türkei, Russlands oder des Deutschen Kaiserreichs bzw. der Weimarer Republik mit sich rumschleppte neben mancher nordischer Kriegstätowierung auf Armen und Nacken, kann ich nicht voll Bewunderung blicken, sondern nur voll Verachtung. Denn sie haben den Kampf der Freiheitsliebenden und Grundrechteverteidiger gestern möglicherweise irreparabel beschädigt.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.