(Michael van Laack) Am kommenden Samstag sollte die Nachfolgeveranstaltung zum „Tag der Freiheit“ stattfinden, die „Versammlung für die Freiheit“. Zwischen 20.000 und zwei Millionen Menschen werden sich versammeln, um gegen die Corona-Politik der Bundesregierung zu demonstrieren. Aktuell scheint sie verboten. Ob das Verbot juristisch Bestand haben kann, werden die nächsten Tage zeigen. Das ist für die Frage, die ich in diesem Artikel nachspüren möchte, allerdings irrelevant. Denn das Verbot einer Veranstaltung bedeutet nicht das Ende einer Bewegung. kann möglichweise gar zu nicht unerheblichen Solidarisierungseffekten führen

Die einen wollten (und wollen) sich solidarisieren, weil ihnen Maskenpflicht und Reisebeschränkungen nicht gefallen – andere, weil sie in den Restriktionen einen Testlauf bzw. einen Hebel für dauerhafte Freiheitseinschränkungen sehen – wieder andere, weil sie die Regierung stürzen wollen, das sie auf demokratischem Weg keine Erfolgsaussichten sehen, dass System Merkel zu verändern.

Zerstritten und teilweise konzeptlos

„Die AfD hofft auf ein zweites Pegida“ titelt heute n-tv und fasst damit kurz und knapp das Dilemma zusammen. Die Überwachung durch den Verfassungsschutz, die Auflösung des Flügels, die Causa Kalbitz, mangelnde Unterstützung  für Jörg Meuthen durch die Nationalkonservativen um Björn Höcke, Alexander Gauland, Alice Weidel, Stephan Brandner und Tino Chrupalla.Dazu fehlende Konzepte (nicht zu verwechseln mit Kompetenz) in der Wirtschafts- und Energie-Politik. Da kann man zweifellos schon mal nervös werden. „Jetzt darf bloß kein größeres Ding mehr passieren“, sagte mir erst vorgestern am Telefon ein MdB, der irgendwo zwischen der Mitte und dem Flügel steht. „…sonst braucht es keine Spaltung der Partei mehr, um unter 7 % zu fallen.“

Aber eben genau das ist zu befürchten. Denn in der Corona-Frage gibt – man möge mir das verzeihen oder auch nicht – die AfD als Partei und die politische Rechte insgesamt ein jämmerliches Bild ab. Scrollt man durch die FB- und Twitter-Profile der Mandatsträger von Bund bis Kreis, stellt man fest: So viele Mandatsträger, so viele Meinungen. Und da ist niemand, der die Richtung vorgibt. Was freilich auch an innerparteilichen Rivalitäten liegen dürfte. Denn macht Jörg Meuthen zum Thema Corona auch nur den Mund auf, stürzen sich die Nationalkonservativen schon auf ihn. Sagt ein Ex-Flügler etwas, gilt es für die Mitte – ohne auf den Inhalt zu schauen – automatisch als verschwörungstheoretisch.

Findet sich das Heil in der Flucht nach vorn?

Neue Wählerschichten erschließen scheint das Gebot der Stunde. Zu verlockend ist deshalb die Möglichkeit, sich in die Anti-Corona-Querfront einzuklinken, Arm in Arm mit jenen zu marschieren, die Tageserfolge kassieren und bei denen die Aussicht besteht, dass diese Entwicklung eine Weile anhält. Und so kommt es in diesen Tagen wie es kommen musste. Man wird sich nun augenscheinlich mit dem politischen Feind verbünden und glauben, nach diesen temporären Aktionen – diesem Joint Venture – neue Wählergruppen erschlossen und selbstverständlich die alten nicht verloren zu haben.

Genau das war zu befürchten. Doch ich will niemanden jammern hören, wenn das am Ende genau so ein mediales Eigentor wird, wie das Unterhaken von Top-Leuten der Partei mit radikalen Kräften welcher politischen Couleur auch immer.

Mag sein, dass manch ein Mandatsträger tatsächlich die Chance auf bessere Listenplätze zur BTW im jeweiligen Bundesland haben wird, wenn er sich am Samstag dort zeigt. Die Frage ist nur, ob der Platz weit oben genug sein wird. Denn bei nicht wenigen Bürgerlichen und AfD-Wechselwählern entsteht aktuell der Eindruck, dass die Partei in der Corona-Frage nicht nur uneinheitlich und/oder konzeptlos agiert, sondern sich um des eigenen kleinen (Tages-)Erfolges willen mit dem politischen Gegner gemein zu machen bereit ist. Mit Linken, mit Grünen, mit Muslimverstehern.

Furcht und Unsicherheit waren noch nie gute Ratgeber

Dafür wirbt aktuell sogar die „gute, schöne und wahre Rechte“ um Götz Kubitschek, ebenso der Dritte Weg, die NPD und zahlreiche Rechtsaußen-Splitter. Sogar mancher aus der Werte-Union hat für Samstag sein Erscheinen in Berlin angekündigt.

Vor allem die Haltung der Tafelrunde auf dem Rittergut Schnellroda zeigt die Verzweiflung, die die „Neue Rechte“ insgesamt erfasst zu haben scheint. Und so sehen wir im eigenen Lager eine Querfront von liberal-konservativ bis in die äußersten Sphären der Ethnopluralisten und nationalen Sozialisten. Auch dort ist man also bereit (vielleicht auch, weil der Druck auf den Flügel wächst), das Gute mit dem Bösen kopulieren zu lassen, das Schöne neben der Hässlichkeit marschieren zu lassen, dem Wahren neben dem Irrtum nicht nur Rederecht zu gewähren, sondern auch zu seinen Aussagen Beifall zu spenden.

Seid gewiss: Das Feinde meiner Feinde-Prinzip wird nicht funktionieren. Denn diese Leute brauchen die Konservativen, wirklich Liberalen, Bürgerlichen und Patrioten nur für den Moment. Würde – wovor Gott uns bewahren möge – der Erfolg der Querdenken-Bewegung so groß wie erhofft, wäre die politische Mitte die erste Gruppierung die, wie Miriam Hope am 23.08. in einem ihrer Videos sagte, an den bereits errichteten Galgen hinge. – Was seid ihr doch für Narren!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.