(Michael van Laack) Zur Maskenpflicht in Supermärkten, bei Demonstrationen oder anderen Veranstaltungen, an denen hauptsächlich Erwachsene teilnehmen, kann man geteilter Meinung sein. Von Kindern zu verlangen, dass sie auf dem Schulhof oder im Schulgebäude außerhalb des Klassenzimmers Gesichtsmasken tragen, ist nicht einfach nur fragwürdig, sondern schädlich und nutzlos!

Der Autor dieses Artikels hat sich selbst im Frühjahr mit dem Corona-Virus infiziert. Vermutlich auch deshalb hat er sehr früh auf diesem Blog Artikel verfasst, die im Gegensatz zu denen seines Freundes und „Chefredakteurs“ David Berger standen, was gewiss den wenigsten unserer Leser entgangen sein dürfte. David hat – obwohl manches, was ich schrieb, seinen Blutdruck auf gefährliche Werte getrieben haben dürfte – die Veröffentlichung der Artikel zugelassen. So geht echte Liberalität und Diskursbereitschaft. Nun aber – im Zusammenhang mit der Diskussion um Restriktionen zum Schuljahresbeginn – platzt auch mir die Hutschnur, wie es so schön heißt.

Wisst Ihr, was Ihr den Kindern antut?

Gestik und Mimik sind selbstverständlich auch für Erwachsene wichtig, um die Stimmung des Gegenübers zu erfassen. Die Stimme – das gesprochene Wort – vermittelt das, was man ausdrücken möchte, dem Gegenüber nur im Zusammenspiel mit Gestik und Mimik. Fällt diese Einordungsmöglichkeit weg, kommt es oft zu Missverständnissen. Um o wichtiger ist dies für Kinder. Sie lesen noch viel besser aus dem Gesichtsausdruck ab, wie etwas gemeint ist, als es Erwachsene tun. Ob z.B. Papa oder Mama das Kind zwar ein wenig tadeln, aber sich dennoch Güte und/oder ein wenig Schalk im Gesicht verbirgt, ist oft entscheidend. Ob also etwas sehr streng oder eher milde gemeint ist.

Auch auf dem Schulhof ist das wichtig. Sehen Kinder nicht mehr, was ihre Bekannten oder Freunde wirklich meinen oder erwarten, kommt es vermehrt zu Missverständnissen. Diese führen zu Konflikten. Eine Maske verdeckt ohnehin einen Teil des Menschen als soziales Wesen. Sie schafft Distanz. Erwachsene können damit (freilich nicht alle) besser umgehen. Bei sich anbahnenden Konflikten wägen sie häufig ab und folgen nicht dem ersten Impuls oder dem Gefühl von Wut oder Verunsicherung.

Kinder brauchen spontan Nähe, wenn es auch nur mal ein Nasenrubbeln ist. Sie brauchen BestätigungM das Gefühl, gemocht zu werden. Ein Augenzwinkern wird oft erst durch ein Lächeln verstehbar. Aber auch die Möglichkeit, zu erkennen, dass man etwas tun, was das gegenüber nicht möchte. Tragen jene, mit denen Kinder kommunizieren, eine Maske, fällt all das weg. Vor allem aber kann es zu Missinterpretationen führen, die hineinwirken in das Miteinander in der maskenfreien Unterrichtszeit oder nach Schulschluss!

Grundschulkinder können das nicht leisten

Nähe ist wichtig. Das gegenseitige Rubbeln der Nasen, das Streichen durchs Haar, das gegenseitige Anstupsen. Die Ermutigung, etwas MITEINANDER zu tun, erfolgt auch oft durch kurze Berührungen. Grundschulkinder werden keinen Mindestabstand halten. Ohne Mindestabstand aber ist die Maskenpflicht sinnlos. Kinder schauen sich ziemlich tief in die Augen, wenn sie dem Gegenüber spaßeshalber oder auch ernstgemeint die Zunge herausstrecken. Sie werden also auch immer mal wieder zwischenzeitlich die Maske herunternehmen.

Auch bewegen sich Kinder dieses Alters oft noch ungestüm. Die Masken werden verrutschen. Manche nehmen sie absichtlich herunter. Wie will man das verhindern? Das komplette Lehrpersonal in jeder großen Pause auf dem Schulhof ordnungsamtsmäßig durch die Reihen schreiten und (ohne dass die Kinder die Mimik der Lehrer erkennen können) „zuwiderhandelnde Elemente“ streng ermahnen oder gar bestrafen lassen? Werden auch die Toiletten mit Lehrpersonal bestückt, damit sich dort die Kinder beim Händewaschen nicht zu nah kommen können?

Keine Masken im Unterricht

Auch daran zeigt sich die Sinnlosigkeit der Maskenpflicht auf dem Schulhof. Selbst wenn man wieder auf Frontal-Unterricht umstellt (vorn der Lehrer und in den hintereinander aufgestellten Bänken die „braven“ Schüler) lässt sich nicht vermeiden, dass Schüler sich ungesehen und „unerlaubt“ Mitschülern zuwenden, wenn sie etwas nicht verstanden haben oder vielleicht auch nur heimlich unter der Bank „Schiffe versenken“ spielen wollen.

Schaut man sich allerding die aktuellen Lehrpläne und Schulbücher an, so spielt (und das ist auch gut so) Gruppenarbeit auch in der Grundschule schon eine wesentliche Rolle. Wie will man da Nähe vermeiden? Und wie ist es mit Sportunterricht? Fällt der aus, bis ein Impfstoff gefunden ist?

Schaut zuerst auf Eure (unsere) Kinder, dann auf Euch!

Soll es wirklich so laufen: Alle Kinder blicken während des Unterrichts starr auf Lehrer und Tafel, in den Pausen läuft Jede(r) für sich auf dem Schulhof herum und pfeift oder spielt mit einen Jo-Jo? Soll das für unsere Kinder die neue Lebenswirklichkeit darstellen?

Wäre es auch nur ein Jahr so. Die Kinder erhielten eine Prägung, die das Elternhaus – so es sich denn überhaupt noch an der Erziehung beteiligt – nicht kompensieren könnte. Ein Tagesablauf zwischen staatlich verordneter Distanz und erlaubter Nähe im Elternhaus oder unter Freunden wird nicht nur nicht funktionieren, sondern uns in sagen wir mal zehn Jahren zigtausende beziehungsunfähige Jugendliche bescheren. Das kann doch niemand wollen… Oder doch?

Dafür sollten wir auf die Straße gehen. Für unser Kinder! Für die Zukunft unserer Kinder. Nicht primär für unsere Freiheit. Nicht für unser tatsächliches oder angebliches Recht zu postulieren und zu tun, was wir wollen. Doch das, fürchte ich, wird nicht passieren. Jene, die auch an diesem Wochenende (z.B. in Stuttgart) für ihre Freiheit demonstrieren werden, denken eher an ihr Recht auf Spaß als an die wahrscheinlichen Nöte ihrer Kinder!

Schlussgedanke

So sie denn Kinder überhaupt haben. Und genau hier liegt ein weiteres Problem: Die Entscheider im politischen Betrieb (ich richte meinen Fokus aktuell nur auf die Gesundheitsminister in Bund und Land und die Frau Bundeskanzlerin, die steuert) haben nur selten Kinder oder der Karriere wegen oft Erziehung an Dritte delegiert. Auch deshalb mag in diesen Tagen manche Entscheidung so getroffen worden sein, wie sie getroffen wurde! Die Erinnerung an die eigene Kindheit ist bei den meisten verblasst. Und das „Unsere Kinder sollen es besser haben!“ ist immer nur auf das Materielle ausgerichtet. Den ganzen Menschen (das ganze Kind) nimmt kaum mehr jemand in den Blick!

***

Sie lesen gern die Debattenbeiträge und Analysen fernab des Mainstreams, die Ihnen Michael van Laack auf PP bietet? 

Dann können Sie sein Engagement hier unterstützen:

Paypal

Vorheriger ArtikelPakistan: Christ getötet, weil er in einem muslimischen Stadtviertel wohnte 
Nächster ArtikelZDF: Neues Sprachhygiene-Video zur Endlösung der Mohrenfrage
Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.