(Michael van Laack) Alljährlich feiert die römisch-katholische Kirche am 6. August das Fest der Verklärung des Herrn. Eines jener Herrenfeste, welches mehr und mehr auch aus dem Bewusstsein vieler noch „praktizierender“ Christen verschwindet. Möglicherweise auch deshalb, weil es in fast allen Bundesländern und vielen anderen Ländern Europas in die Ferienzeit fällt.

Da haben die meisten bekanntlich oft Besseres zu tun, als sich mit „heiligem Geseiere“ zu befassen. Zudem ist es im Datum feststehend, fällt also eher selten auf die hauptsächlichen Kirchgangtage Samstag oder Sonntag,

Als Blog, der immer auch der Catholica verpflichtet ist, dürfen wir dieses Fest selbstverständlich nicht spurlos an unseren Lesern vorüberziehen lassen. Da aber auch wir zwei beide von der Redaktion den Hochsommer hin und wieder zur Rekreation nutzen wollen oder – was mich betrifft – krankheitsbedingt müssen und deshalb an manchen Tagen den Blog auf Sparflamme fahren, werden wir uns heute nicht an eigenen theologischen Gedanken zum Fest versuchen, sondern einmal mehr Pater Pius Parsch CRSA zu Wort kommen lassen. Fast vier Jahrzehnte vor, während und nach dem 2. Weltkrieg einer der führenden Köpfe der so genannten „liturgischen Bewegung“, deren Verdienst es war, die Bedeutung der lateinischen Liturgie den theologisch weniger gebildeten Gläubigen näher zu bringen.

Ich zitiere hier aus Band III seines Werkes „Das Jahr des Heiles“, Klosterneuburg bei Wien, Ausgabe letzter Hand, 1953:

Ein altes Fest

Das heutige Fest ist ein Votivfest und wurde im Abendland vom Papst Callistus III. 1457 nach dem Sieg des hl. Johannes Capistran bei Belgrad über die Türken vorgeschrieben. Im Morgenland aber wurde es schon seit dem 5. Jahrhundert an diesem Tage gefeiert; es ist in der Ostkirche das große überragende Sommerfest, das alte Christkönigsfest. Das ursprüngliche Festoffizium verfasste der Dominikaner Jakob Gil; in unser Brevier wurden hiervon nur die Antiphonen und Responsorien übernommen.

Heute feiern wir die erhabene Szene der Verklärung des Herrn, welche die Kirchenväter zu den größten Wundern zählen, die Gott gewirkt hat, um die Gottessohnschaft Christi zu bezeugen. Es war in der zweiten Hälfte der Wirksamkeit des Herrn; schon blickte er hin zum Kreuzestod; da stieg er eines Abends mit seinen drei Lieblingsaposteln auf den Tabor. Es wird Nacht; der Herr betete, indes die Jünger vor Müdigkeit einschliefen. Jesus aber betete weiter: da dringt durch die Hülle seiner Menschennatur der Glanz seiner Gottheit hindurch, er ist verklärt. Die Jünger erwachen – von dem Lichtglanz geblendet – und sind Zeugen der bekannten Szene. Der Leser möge heute die vier Stellen über die Verklärung vergleichen: Mt 17, 1-9; Mk 9, 2-9; Lk 9, 28-36; diese drei Stellen beschreiben die Verklärung; die vierte Stelle steht im zweiten Petrusbrief (1, 10-21).

Was bedeutet „Verklärung“?

  • Für die Apostel war sie ein Teil des Jünger-Unterrichts. Sie sollten nicht bloß an die Gottheit Christi, sondern an den leidenden und sterbenden Gottessohn glauben. Gerade die drei Säulenapostel sollten durch die Verklärung reif werden, Christus in seiner tiefsten Erniedrigung am Ölberg und in seinem Leiden zu schauen.
  • Für uns ist und bleibt die Verklärung stets ein Gottesbeweis Christi. Alle Wunder Christi haben ja den Zweck, seine Gottheit zu beweisen. Schlicht und arm ging Jesus durch die Erde als einfacher Menschensohn. Bei der Verklärung aber warf er gleichsam den dunklen Mantel der Menschlichkeit ab und zeigte sich im Glanze seiner Gottheit. Wir schauen dies im Geiste und sagen: Herr, ich glaube, dass du Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist. – Aber noch ein anderes sagt uns die Verklärung: Auch wir werden einst verklärt werden. Das Brevier spricht mit Paulus die feste Erwartung aus: ‚“Wir erwarten den Heiland, unsern Herrn Jesus Christus, der unsern armseligen Leib umwandeln und seinem verherrlichten Leibe gleichgestalten wird.“
  • Was aber bedeutet die Verklärung für die Liturgie? Die liturgischen Texte sind nicht bloß Lehre, sondern meist Deutung dessen, was wirklich geschieht. Was damals in der Nacht auf dem Berge Tabor geschah, das wird jedes Mal im heiligen Opfer wahr: wir sehen nur die einfachen Gestalten am Altar, aber mit den Augen des Glaubens sehen wir den verklärten Christus, noch mehr den König der Herrlichkeit in seinem Hofstaat, mit allen Heiligen des Alten und Neuen Bundes. Liturgie ist Vergegenwärtigung der Heilstat Christi in seiner Verklärung. Aber nicht bloß Christus ist verklärt; auch wir werden in diese Verklärung hineingezogen. Die Eucharistie ist das Sakrament der Verklärung, ist der „Samen der Verklärung“. Das Ziel der Liturgie ist ja auch unsere Verklärung. So ist also das Evangelium ein herrliches Bild dessen, was die Liturgie wirkt und erreichen will. Dass dies wirklich so ist, zeigt uns ein altes Mosaik in Apollinare in Classe (Ravenna). Da sieht man in der Apsis den hl. Apollinaris, umgeben von seiner Gemeinde (12 Lämmer) im Paradiese. Darüber die verhüllte Darstellung der Verklärung Christi: ein Gemmenkreuz, davor drei Lämmer (die drei Apostel), darüber Moses und Elias. Das ganze Bild will sagen: die Kirchengemeinde St. Apollinare wird durch die gefeierte Liturgie zur Verklärung geführt.

***

Sie lesen gern die Debattenbeiträge und Analysen fernab des Mainstreams, die Ihnen Michael van Laack auf PP bietet? 

Dann können Sie sein Engagement hier unterstützen:

Paypal

Vorheriger ArtikelMerkels Medien jubeln: Facebook und Twitter löschen Video von Donald Trump
Nächster ArtikelWie unsere Demokratien sich in kollektivistische Kommandogesellschaften wandeln
Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.