(Michael van Laack) Von deutschen Politikern sind wir seit den Wahlerfolgen der AfD in Bund und Land gewohnt, dass es in den abendlichen Runden z.B. heißt: Bedenken Sie, die Rechtspopulisten haben nur 14 % erreicht. 86% der Wähler sind also keine „Nazis“. Ähnliches dürfen wir am Morgen danach in den Leitartikeln der großen Printmedien lesen. Auch das Phänomen, kurz vor Wahlen im Ausland „Wünsch Dir was!“-Prognosen zu veröffentlichen, ist nicht neu. Johnson hatten ARD und ZDF einen knappen Sieg vorhergesagt, Trump zwei Jahre zuvor in den Keller geschrieben.

Was wir aber gestern Abend und am heutigen Vormittag zur Berichterstattung über die Kommunalwahlen in Frankreich und die Präsidentschaftswahlen in Polen lesen, hat eine neue Qualität. Der Fokus liegt auf Grünen und Kommunisten bzw. sich Sozialdemokraten nennenden Sozialisten.

„Grüne Welle“ bei Kommunalwahlen in Frankreich?

So titelt der „Spiegel“. In der Tat haben die französischen Grünen einige Rathäuser von Großstädten erobert. Die wichtigsten Städte aber haben entweder die Sozialisten oder Macrons Partei gehalten. Die Frankfurter Allgemeine geht noch einen Schritt weiter und freut sich mit den markigen Worten: „Macron wird von der grünen Welle überrollt“.

Vorbei die Zeiten, als ARD, ZDF und andere Leitmedien Macron hypten als den einzigen Verteidiger Frankreichs gegen Le Pens Fron National, die mittlerweile Rassemblement National heißt. Die Grünen in Deutschland verharren auf immer noch zu hohen 20%. Ein weiterer Abwärtstrend wird jedoch immer wahrscheinlicher. So muss man nun nachhelfen und den Eindruck erwecken, „Grün“ sei die Farbe der Zukunft. Schließlich befände sich die Mehrheit unserer Nachbarn auf diesem Zug. „Deutschland erwache, entscheide auch Du Dich für eine grüne Nation!“, rufen uns die heutigen Artikel fast ausnahmslos in Subtext zu.

Macron, der große Verlierer? Le Pen eine Randfigur?

Auch das will der nicht zu Unrecht hin und wieder als Lügenpresse abqualifizierte Haltungsjournalismus uns in diesen Stunden vermitteln. Dass Macrons Partei zahlreiche Großstädte entgegen der Prognosen gehalten und dort Grüne, Sozialisten und Kommunisten auf die Plätze verwiesen hat; dass in der ersten Runde der Kommunalwahlen Macrons Partei viele Städte direkt gewann… Uninteressant.

Noch weniger jedoch wird über die Erfolge von Marine Le Pens Rassemblement National berichtet. Zum ersten Mal gewann ihre Partei mit Perpignan eine Großstadt über 100.000 Einwohner vollständig und hielt alle ihre Hochburgen im Süden der Mitte und des Westens des Landes. Auch keine Erwähnung fand, dass Le Pen immer noch als die aussichtsreichste Kandidatin gegen Macron bei den nächsten Präsidentschaftswahlen gehandelt wird, in Umfragen der Institute verschiedenster politischer Coleur mir ihm gleichauf steht.

Nein, „Frankreich ist Grün, drum wähl auch Du – Deutsches Volk – Grün. Und wende Dich von der AfD ab, denn auch in Frankreich sind die „Nazis“ am Boden. Dass ist die verlogene Botschaft unserer Medien.

Andrzej Duda, der in Deutschland verhasste Staatspräsident Polens

Duda ist nationalkonservativ. Er eskortiert die Partei PiS (Prawo i Sprawiedliwość / Recht und Gerechtigkeit). Eine „islamfeindliche“ Partei; eine Partei, die den konservativen Katholizismus unterstützt, weder Trump noch Johnson basht, Abtreibung nicht für ein Menschenrecht hält und das polnische Volk nicht mit der „Ehe für Alle“ beglücken will.

Verständlich also, dass die Linkskoalition aus Union und SPD in Deutschland sowohl diesen Präsidenten als auch die Partei lieber heute als Morgen zusammen mit den deutschen Polizisten auf der Mülldeponie entsorgt sehen würde. Welch ein Jubel herrschte folglich gestern in den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF, als die Prognose zeigte: Duda hat die Wahl verloren! Verloren?

„Verlieren“ und „Gewinnen“ kann man ja mal verwechseln

Duda bekäme nur 40,8 % der Stimmen, sein Konkurrenten Rafał Trzaskowski von der Mitte-Links-Partei „Platforma Obywatelska!“ satte 30,6. Ein herber Rückschlag sei dies für Duda, der weit über 50% erwartet hätte (was er selbst in Interviews und Reden nie geäußert hat). Außerdem hätte in Polen das Staatsfernsehen in den Wahlkampf durch einseitige Berichterstattung eingegriffen. Das sei in Deutschland undenkbar, weil aufs äußerste demokratiegefährdend. Prima, freut mich, zu lesen und zu hören, dass 2021 von ARD und ZDF objektiv und mit gleichen Anteilen in der Berichterstattung dargestellt werden.

Das vorläufige Endergebnis des ersten Wahlgangs lautet übrigens 43,67 % für Duda und 30,34 % für seinen Konkurrenten. Statt 10,2 aus der Prognose sind es also 13,3 % Vorsprung geworden. Für unsere Medien freilich weiterhin kein Anlass, auf eine „demokratische Wende in Polen zu hoffen. Der MDR fragt deshalb hoffnungsvoll: „Nach der Präsidentschaftswahl in Polen: Der Anfang vom Ende der PiS?“ Dazu machen mehrere Medien folgende Rechnung auf: Duda wird seine 43,67 % behalten und alle anderen Wähler die bisher nicht Rafał Trzaskowski gewählt haben, werden sich nun für ihr entscheiden. Denn alle wollen sich von der Diktatur der Pis befreien, alle wünschen sich ein bunteres und an Christen ärmeres Polen.

Wahlen in den USA

Dazu nur eine kurze Bemerkung. In den USA gibt es vier wichtige Umfrage-Institute. Dazu halten fast alle großen Zeitungen und TV-Sender eigene Umfragen ab. In Deutschland werden auch in diesem Jahr, wie bei den vorherigen Wahlen, nur jene Institute in die Berichterstattung aufgenommen, die einen Vorsprung für die Demokraten sehen. Auch kommen fast ausschließlich Politiker, Schauspieler, Musiker und andere (Lebens-)Künstler zu Wort, die Trump Rassismus vorwerfen.

Ja, diese Wahl könnte knapper ausgehen als die vorherige. ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mir eine zweite Amtszeit für Donald Trump wünsche. Aber wie die Wahl auch ausgeht: Als bundesrepublikanischer Demokrat werde ich das Ergebnis akzeptieren und der neue Präsident ist „mein“ Präsident wie alle anderen vor Trump. Dass die Bundesregierung und die deutschen Medien auch diese Gelassenheit an den Tag legen würden, wenn ihre Hoffnungen und Wünsche ein zweites Mal zerstöben, wage ich zu bezweifeln!

***

Sie lesen gern die Debattenbeiträge und Analysen fernab des Mainstreams, die Ihnen Michael van Laack auf PP bietet? 

Dann können Sie ihn für sein Engagement hier unterstützen:

Paypal

Vorheriger ArtikelWarum es keine „illegale Besetzung“ von Judäa und Samaria gibt
Nächster ArtikelParis liegt längst in Deutschland: Warum die Gewalt von Stuttgart erst der Anfang ist
Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.