(Michael van Laack) Auch heute gab es wieder eine Regierungspressekonferenz. Angela Merkels „Erster Ritter“ – Regierungssprecher Steffen Seibert – plauderte fast 50 Minuten über dies und das. Selbstverständlich auch über Corona. Scharfe Worte fand er für den Umgang mancher Zeitgenossen mit den Bürgern in den „Hotspots“ Gütersloh und Warendorf.

So dürfe man mit Menschen nicht umgehen, meinte der vor über 30 Jahren in den Genuss eines Stipendiums der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ gekommene einstige Moderator der Hauptnachrichten-Sendung des ZDF. Sollte man übrigens umbenennen, diese Stiftung. Klingt nach einer Ansammlung alter weißer Männer!

Inhaltlich hat Seibert selbstverständlich recht. Seine Äußerungen machen allerdings aufs Neue schmerzlich bewusst, dass zu den Ereignissen in Göttingen und Stuttgart am vergangenen Wochenende klare Worte und Ansagen fehlten.

Die Bundesregierung findet nicht alles widerwärtig

„Dass Menschen aus Gütersloh und Warendorf zum Teil beleidigt werden, dass Autos zerkratzt werden, das ist natürlich völlig inakzeptables und widerwärtiges Verhalten. … Wir müssen einander gerade in schwierigen Situationen mit Respekt und Sympathie behandeln.“

Das Zitat findet sich zwischen 7:52 und 8:26 im verlinkten Video.

Und auch dieses: „Und jeder sollte dran denken, dass jeder sich in der Lage wiederfinden könnte, in der Nachbarschaft eines Ausbruchsherdes zu leben und dann in Mitleidenschaft gezogen zu werden.“

Zu Göttingen und Stuttgart kein Mitleid von Seibert

Klar, von einer Kanzlerin die Strafanzeigen zu verhindern sucht, die eine linkradikale Journalistin beschädigen könnten, kann man nur wenig Mitleid für Polizei, Geschäftsleute und Anwohner erwarten. Aber Steffen Seibert versprüht bei jeder seiner Konferenzen so viel Charme und findet doch ansonsten zu allen Themen Worte voller Empathie…

Aus meiner Sicht wäre es daher ein Zeichen von Größe und Emanzipation gewesen, hätte er neulich zu Göttingen und Stuttgart Merkels Leerstelle füllend z.B. folgendes gesagt:

Mein „frommer“ und wohl ewig unerfüllter Wunsch

„Das Polizisten in Göttingen und Stuttgart angegriffen und beleidigt, das Autos in Brand gesteckt, Geschäfte zerstört und viele Anwohner in Angst und Schrecken versetzt wurden, das ist natürlich ein völlig inakzeptables und widerwärtiges Verhalten. Auch die Menschen aus der Party- und Event-Szene müssen gerade in schwierigen Situationen ihre Mitbürger mit Respekt und Sympathie behandeln.“

Oder vielleicht: „Und jeder sollte dran denken, dass jeder sich in der Lage wiederfinden könnte, in der Nachbarschaft einer Hetzjagd-Veranstaltung oder einer Schlacht gegen die Polizei zu leben und dann in Mitleidenschaft gezogen zu werden.“

Tja… Hätte, Hätte Fahradkette!

Vielleicht hat Merkels Erklärbär auch nur deshalb so starke Worte zu Gütersloh gefunden, weil er damit keine ANTIFAschisten oder Migranten verstören oder gar Journalisten-Kollegen gegen sich und die geliebte Kanzlerin aufbringen konnte – von wegen Verteidigung der zutiefst rassistischen Polizei oder Angriff auf die wichtigste Säule der Gesellschaft. Also die Asylanten und die vielen anderen, die noch nicht ganz so lange hier sind wie Seibert im Amt.

Das heute war wieder mal ins Blaue hineingeplaudert. Kategorie „Tut keinem weh und musste trotzdem mal gesagt werden.“ Also in diesem Sinne: Danke, dass wir mal drüber gesprochen haben, Kollege Seibert!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.