(Michael van Laack) Es kam so, wie es kommen musste. Der Brandenburger Verfassungsschutz stellt die Landes-AfD unter Beobachtung. Das Kalkül, man müsse nur so tun, als existiere der Flügel nicht mehr und den Schein erwecken, man hätte Andreas Kalbitz aus der Partei befördert, ging verdientermaßen fehl. Den „Alles vom Ende her“-Denker Jörg Meuthen dürfte das nicht überraschen… Hoffentlich!

Das Verfehlen des Quorums für einen Mitglieder-Parteitag ist nur ein weiterer Mosaikstein im surrealistischen Bild, dass die AfD aktuell im Inneren und im Außenverhältnis an die Wand wirft. Aus der Partei, die angetreten war, eine Alternative für Deutschland rechts der immer weiter nach links rutschenden Unionsparteien zu werden, ist schneller als erwartet eine Partei wie jede andere geworden, in der es vielen Akteuren nicht mehr um Deutschland geht, sondern primär um die Sicherung der eigenen Pfründe.

Das Potential der Partei wäre sooo groß…

Es geht nicht mehr primär – nein eigentlich gar nicht mehr – darum, einen Richtungskampf zu entscheiden. Alle fürchten sich letztendlich vor einer Entscheidung. Farbe will kaum mehr einer bekennen, denn niemand möchte am Ende in den Geschichtsbüchern stehen als Zerstörer der Hoffnung von Millionen Deutschen, die sich so sehr sehnten nach der Bundesrepublik Deutschland vor dem Euro, vor der Bankenrettung, der Energiewende, der Klimawandeldebatte oder aktuell dem unseligen BLM-Kult; die sich sehnten nach einer liberaleren und konservativeren Nation zugleich.

…doch das Vertrauen der Bürger in die Partei schwindet!

Immer mehr Menschen wenden sich von der AfD ab, weil sie eben diese Hoffnung zerstört sehen. Sie wenden sich nicht ab, weil sie plötzlich alle auf Merkels oder Habecks Seite stünden. Sie wenden sich ab, weil sie der Partei nicht trauen. Oder besser: Ihr nicht zutrauen, dass sie in einer bürgerlichen Koalition zur Sacharbeit fähig wäre. Die darum fürchten, dass durch die Hintertür die sogenannten sozial-nationalen Kräfte weiter arbeiten können an ihrem Zerstörungswerk. Diese Menschen wollen sich nicht abspeisen lassen mit: Wenn man eine Partei wählt, wählt man unweigerlich Personen mit, die man nicht mag. Hier aber geht es nicht um Personen, hier geht es um eine grundsätzliche Ausrichtung. Eine Kurs-Entscheidung zwischen zwei miteinander niemals verschmelzbaren Ausrichtungen.

Zuviel Rücksicht auf Partei-Minderheit

Die meisten AfD-Wähler sind keine Umvolkungs-Gläubigen, keine Corona-Verschwörungstheoretiker. Sie alle lieben Deutschland und sind aus verschiedensten Gründen an seinem Wohlergehen und Bestand interessiert. Allerdings nicht mit einer AfD in ihrer derzeitigen Verfasstheit. Nicht mit einer AfD, die Tag um Tag mehr Glaubwürdigkeit verspielt mit Blick auf das Wollen der Mehrheit in ihr. Immer weniger Wähler und kommunale Kader glauben noch an den Willen und/oder die Fähigkeit der Führung, aus der Mitte heraus die Partei zu reformieren und zu reinigen.

Gut, dass es keinen Mitglieder-Parteitag geben wird

Dumm gelaufen, nicht nur mit Blick auf das ohne Not verballerte Geld nach einem Vorschlag, von dem schon vorher viele ahnten, dass er die Mitglieder nicht vom Hocker reißen würde. Schwacher Trost: Man muss nun nicht auch noch Geld ausgeben für eine Veranstaltung, die für die Medien ein gefundenes Fressen gewesen wäre. Denn es lässt sich erahnen, welche bis dahin den meisten unbekannten Ost-Gestalten sich ans Mikrophon gestellt und einmal mehr im wahrsten Sinn des Wortes den Ton angegeben hätten.

Meuthen ist zufrieden oder erschöpft – Oder beides?

Auch in diesen Tagen zeigt sich: Die mehrheitlich der Mitte zugehörigen Mitglieder der Partei werden von den Mandatsträgern eben dieser Mitte chronisch im Stich gelassen.
Meuthen glaubt, der großen Taten habe er dann jetzt aber nun auch wirklich genug getan nach der wirkungslosen Auflösung des Flügels und der Farce um Kalbitz, der keinen Deut weniger Einfluß hat, als vor dem BuVo-Beschluß.

Arroganz der Macht

Einmal mehr blieben er und die Seinen auf halben Weg stehen. Augenscheinlich auch wegen eines Haufens unfähiger Berater, der bekannten Beratungsresistenz gewisser BuVo-Mitglieder und des Misstrauens gegenüber Externen, die es wirklich gut mit der Partei meinen, aber in fast schon boshafter Art und Weise ignoriert werden. Lieber vertraut man einem ehemaligen Höcke-Intimus, der vorgibt, nicht mehr auf dessen Seite zu stehen, als dass das man sich klugen Köpfen zuneigt, die von außen auf die Partei schauen.

Höcke & Co. beweisen: Wir beherrschen die Strukturen

Als in Brandenburg Kalbitz in der Fraktion gehalten wurde, hätte man mit der Auflösung des Landesverband öffentlich drohen sollen, zumindest aber Fraktion und LaVo aus der Konfiguration nehmen müssen. Als Chrupalla eine eigene Erklärung zur Causa Kalbitz abgab (die Minderheitsmeinung an die Mitglieder sandte), hätten Meuthen, von Storch usw. sich am nächsten Morgen vor die Presse stellen müssen und Chrupalla öffentlich angreifen. Aber Nein, um der Einheit willen lässt man den real immer noch existierenden Flügel munter gewähren.

Einheit mit wem? Mit verfassungsfeindlichen Parteiteilen?

Welche Einheit, meine Damen und Herren? Macht Euch nur weiter etwas vor. Aber heult nicht, wenn ihr die AfD so nicht erhalten könnt als das, zu dem sie ursprünglich angetreten war: Eine Alternative rechts der Union. Aktuell ist sie für immer mehr Menschen nur noch eine Alternative links der NPD. Dafür verantwortlich sind nicht Höcke & Co., sondern jene, die sie über einen so langen Zeitraum haben gewähren lassen.
Selbst in diesen Stunden lassen sie sich noch am Nasenring durch die Manege ziehen, machen gar den Versuch, den Nasenring als Erfolg zu verkaufen. Denn bis vor kurzem hatten sie bekanntlich zumindest für die Öffentlichkeit noch den Eindruck erweckt, es mache ihnen Spaß, an die Heckstoßstange von Höckes Flügelkarre gebunden bei Tempo 100 über Führers Autobahnen gezogen zu werden. Somit sei der Nasenring ein Zeichen für zurückgewonnene Handlungsfreiheit.

Quo vadis, AfD?

Was nutzt es, einer Truppe verbunden zu bleiben, in der man die Wenigen, die vom Ende her denken können, entweder Scheiße fressen lässt oder aber nicht hören will? Auch Meuthen erscheint Schulterklopfern und Popokriechern Tag um Tag immer zugewandter, statt neben seinem real existierenden Mut zur Wahrheit auch Mut zum Risiko zu zeigen.
Sehr merkwürdig… eigentlich könnten er und seine BuVo-Mehrheit umgehend All-In gehen. Denn das Porzellan ist bereits zerschlagen und das Tischtuch zerschnitten. Wozu also das Zögern? Cui bono?

Rette sich, wer kann?

Mehr Vertrauen verlieren und noch mehr kaputtmachen in der öffentlichen Wahrnehmung kann man kaum noch. Es scheint, als glaube niemand in der Führung mehr so recht, dass die AfD noch im nächsten Bundestag sitzen werde. Deshalb taktieren jetzt alle. Ihnen geht es nur darum, von der Medienöffentlichkeit nicht als der- oder diejenige identifiziert zu werden, die die Hauptverantwortung am Untergang trägt. Zuerst das Land und dann die Partei, das war gestern. Und viele Mandatsträger in Bund und Ländern erwecken den Eindruck, dass es nicht mehr zurückkommen kann, solange diese Partei nicht sauber gespalten wird! Mit der nun verkündeten Einstufung des Verfassungsschutzes Brandenburg bestünde eine erneute Chance, den Flügel weiter zu stutzen.

The same procedure…

Aber man wird sie nicht nutzen. Nach all dem Corona-Stress warten alle sehnsüchtig auf die Sommerferien. Und danach kann die Mitte immer noch darüber nachdenken, ob sie einen Arbeitskreis gründen soll, der eine Kommission einberuft, die über ein Konzept nachdenkt, dass man von sieben verschiedenen Kanzleien prüfen lassen und dann in den Gremien weiterberaten lassen kann, nachdem man bei Höcke nachgefragt, ob er das so OK fände. Man sollte auch vor den Wahlen 2021 nichts mehr unternehmen, was die AfD im Osten schwächen könnte und Bla Bla Bla…

Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

Selbstmitleid ist fehl am Platz!

Deshalb gilt: Handeln statt Lamentieren. Aktion statt Reaktion! Klare Worte statt weichgespülter Phrasen! Das machen die Altparteien, das machen die großen Kirchen. Muss man nicht haben, wenn man als Wähler auf der Suche nach einer Alternative für Deutschland ist! Und deshalb sollte das auch die Partei nicht haben wollen.

Beim „vom Ende her Denken“ nicht vergessen, dass man jegliches mögliche Ende in Betracht ziehen sollte und nicht nur jene Enden vom Ende her denken darf, die man für wünschenswert oder wahrscheinlich hält. Wie oft enden Geschichten anders, als sie dem Leser oder Hörer plausibel erschienen. Wie oft steht am Ende das angeblich Unerwartbare. Unerwartet ist auf strategischem Gebiet aber nur, was man sich als Ergebnis in Betracht zu ziehen geweigert hat. Manche Erwachsene – auch kluge Köpfe – sind oftmals wie kleine Kinder. Sie schließen die Augen und glauben, dass man sie dann nicht mehr sehen kann!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.