(Michael van Laack) „Wie man es macht, macht man es verkehrt.“ lautet ein bekanntes Wort. Das gilt auch für die Güteabwägung mit Blick auf die Durchführbarkeit der Fronleichnams-Prozessionen in diesem Jahr. Zwei Möglichkeiten gab es für die Bischöfe, um in dieser Frage nicht einen Flickenteppich entstehen zu lassen, wie ihn die Ministerpräsidenten mit ihren oft sehr unterschiedlichen Ausführungsbestimmungen zu den Corona-Restriktionen geknüpft haben.
Option 1: Die Bischöfe delegieren die Verantwortung an alle Gemeinde-Pfarrer. Diese organisieren dann in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Pfarrgemeinderat und den Vereinen vor Ort eine Prozession entsprechend den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes oder der Kommune.

Ein Dilemma für Bischöfe und Gläubige

Unrealistisch ist allerdings, dass man bei Prozessionen, die über mehrere Kilometer Wegstrecke und Stationen an vier Altären führen, Sicherheitsabstände einhalten kann. Zudem: Wie soll man auf Leute reagieren, die sich weigern, Masken zu tragen, wie es auch auf Wochenmärkten in manchen Regionen Pflicht ist, ohne eine Eskalation zu provozieren? Hinzu kommt, dass nicht wenige Staatsdiener sehr kirchenfeindlich eingestellt sind. Mit Wonne würden solche Gestalten eine Prozession auflösen lassen. Und/oder ein hohes Bußgeld auferlegen. Ersteres würden interessierte Kreise bei Twitter und youtube verbreiten, Letzteres manche Gemeindekasse schwer belasten.

Ein Kniefall vor dem Staat?

Option 2: Die Bischöfe empfehlen (auf römisch-katholisch heißt das: ordnen an), keine Prozessionen zu veranstalten. Das wiederum legen viele konservative Katholiken der Kirche als Kniefall vor dem Staat aus. Auf der anderen Seite stimmt es viele Nicht-Katholiken froh, dass sie in diesem Jahr nicht mit den „Brotanbetern“ konfrontiert werden.
Zwar haben wir in den vergangenen Tagen gesehen, dass Polizei, Justiz und Politik hin und  wieder sehr großzügig mit Verstößen umgegangen sind. Aber das waren politisch gewollte Veranstaltungen: Der Kniefall des deutschen Volkes vor einem Kleinkriminellen und Teil des staatlich verordneten „Kampfs gegen Rechts“. Ein Zeichen gegen die Millionen AfD wählenden Rassisten.

Das Christentum: Der natürliche Feind des linken Establishments

Vielerorts würden die Behörden den Kirchengemeinden keinen Verstoß – nicht einmal den kleinsten – durchgehen lassen. Nein, Bilder von Gläubigen, die vor einer der Stationen der Prozession von Polizisten aus der Menge abgeführt würden, bekämen wir vermutlich nicht zu sehen. Bei großen Prozessionen rund um die Domkirchen wäre man allerdings nicht sicher vor Merkels antifaschistischer Schutztruppe auf ihrem Feldzug gegen Corona-Leugner. Was wir aber gewiss sehen würden: Polizeiliche oder ordnungsamtliche Ansprachen an den jeweiligen „Versammlungsleiter“ und Auflösungsandrohungen.

Sollte Kirche Widerstand gegen die Restriktionen leisten?

Gegenfrage: Cui bono? Den Katholiken sicherlich nicht! Mit Wonne würden sich die großen Medienhäuser auf uns stürzen und jeder mittelgroße Infektionsanstieg Fronleichnam zugerechnet. Unzählige „Faktenchecks“ würden das „beweisen“.

Auf der anderen Seite könnte es uns Katholiken allerdings auch nicht schaden, dem Kaiser wirklich nur das zu geben, was seines ist. Und das ist ganz gewiss nicht unser Herr Jesus Christus. Nicht unsere Religion, nicht unsere Traditionen! Tatsächlich stehen wir in Gefahr – je länger diese Krise andauert – das bereits bestehende Abhängigkeitsverhältnis und Unterordnungsgebaren zu vertiefen.

Kein vorauseilender Gehorsam!

Deshalb ist dringend geboten, dass Klerus und Volk in den Wochen nach Fronleichnam nicht – wie viele andere – auf die Straße zu gehen, um allgemein gegen Einschränkungen zu protestieren, sondern gezielt für die Freiheit der Kirche und somit die Freiheit ihrer Gläubigen, ohne Besucher-Limit zur Messe zu gehen.

Nicht in begrenzter Zahl, nicht ohne Kommunion und ohne Weihwasser im Becken. Unter dieser Fahne sollten sich zeitnah ein paar mehr oder weniger intellektuelle und medienpräsente Köpfe zusammentun. Demos organisieren, in denen es nur um die Freiheit der Kirche geht. Eine Themen-Demo, die gleichzeitig eine Demo der Königsherrschaft Christi über die Gesellschaft ist. Tja…

Wissenswertes zum Fronleichnams-Tag

Nach diesen Überlegungen und Informationen nun aber doch noch etwas „Frommes“. Na ja, vielleicht nicht so ganz…

Quelle ist ein weiteres vergessenes Werk, von denen ich in meinen Texten zur Catholica schon einige wieder ins Gedächtnis zu rufen bemüht war. Nachfolgend zitiere ich deshalb mal ein wenig aus dem „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“, herausgegeben von Hanns Bächtold-Stäubli u. Eduard Hoffmann-Krayer. Hier Band 3: Freen bis Hexenschuss, 1931 erschienen bei de Gruyter in Berlin.

Zur Geschichte des Festes

1. Das Fronleichnamsfest (Festum corporis Christi) wird am Donnerstag nach Trinitatis begangen. An ihm wird der in der geweihten Hostie gegenwärtige Leib des Herrn gefeiert und in Prozession herumgetragen. Die Feier (Messe und Offizium) ist für die ganze Christenheit von Papst Urban IV. im Jahre 1264 angeordnet und durch das Konzil von Vienne im Jahr 1311 erneuert worden. Die Prozession ist erst später in den verschiedenen Ländern zu verschiedener Zeit hinzugekommen. Im 14. Jh. kamen die vier Stationen auf, an denen die Anfänge der vier Evangelien gelesen werden.

Haarkränze für junge Mädchen

In Deutschland ist die Fronleichnams-Prozession sofort nach ihrer Einführung zur Flur- und Wetterprozession geworden. Sie bewegt sich durch die Felder, wo nach den vier Himmelsrichtungen vier Altäre erbaut sind. Maibäume werden aufgepflanzt und umritten. In Reval nahm der Maigraf an der Prozession teil. In vielen Gegenden der Steiermark hat am Fronleichnamstag jedes Mädchen die Pflicht, mit einem naturgrünen Kranze auf dem Haupt zur Kirche zu gehen und so vor der ganzen Gemeinde ein erneutes Zeugnis seiner Jungfräulichkeit abzulegen. – Für alles, was nicht mit der kirchlichen Feier unmittelbar zusammenhängt, hat das Volk in Süddeutschland die Bezeichnung Antlaß, auch der Tag selbst heißt Antlaßtag, die acht Tage dauernde Festzeit „die Antlaß“ oder „im Antlaß“.

Segensreich für Kinder

2. Fronleichnam ist ein wahrer Kinderfesttag. Säuglinge und kleine Kinder, die dazu mitgenommen werden, gedeihen gut. Wenn man mit ihnen alle vier Segensstätten besucht, sind sie vor einem unnatürlichen Tode sicher, auch sagt man, solche Kinder ertränkten sich nicht. In badischen Orten stellt man das Kind nach dem Umgang auf die Stelle eines Altärchens, wo beim Segen das Allerheiligste gestanden hat, damit es gehen lerne; es ist, als ob die kirchliche Wandlung oder die Prozession das Kind zum Gehen mit sich fortreißen solle. In Endingen am Kaiserstuhl bringt man auf die Altäre Wein und Äpfel, die nach der Prozession an die Kinder verschenkt werden, damit sie gesund bleiben. Bei den Tschechen lässt man Rosen und andre Pflanzen in der Kirche weihen und legt sie dann den Kindern in ihr Bettchen.

Magie vermischt sich mit Glauben

3. Das Laub, die Kränze und Blumen, die an den Altären angebracht und dort geweiht sind, sowie die geweihten Birken und Tannenreiser, die sonst bei dem Fest zur Verwendung gekommen sind, bewahrt man auf und benutzt sie zu allerlei magischen Zwecken. Man hängt sie über Türen und Bildern auf, um böse Geister fernzuhalten und legt sie, zu Kränzlein geflochten, gegen Druden unter den Strohsack. Auch ein geweihter, getrockneter, zu Pulver zerriebener und dann in ein Feuer aus neunerlei Holz gestreuter Kranz aus fünferlei Blumen hilft gegen Behexung.

Fronleichnamskränze als Blitzableiter

Die zerrissenen Kränze werden auch über die Felder geworfen, damit diesen kein »Durchschnitt« oder sonst eine Bosheit widerfahre. Die geweihten Zweige steckt man auf die Felder und auf die Kohlbeete gegen Ungeziefer. Die Blumensträuße legt man bei drohendem Unwetter in die Glut, damit der Rauch etwaiges Unglück abwende (Unterkrain). Kränze und Maien hängt man vor das Kammerfenster, hinter die Kruzifixe und Heiligenbilder oder aufs Dach gegen den Blitzschlag. Auch bei Viehkrankheiten verbrennt man Zweige von den Altären und leitet den Rauch unter den Leib des Tieres. Das vor der Prozession gestreute Gras kommt teils über die Stalltür, teils ins Viehfutter. Das Stallvieh erhält einige Blätter vom Fronleichnamskranz.

Auch Zahnschmerzen vergehen

Der Hütbub benutzt beim ersten Austrieb einen Geißelstecken von ein Fronleichnamsbirke. In Beuthen werden am letzten Tage in der Fronleichnamsoktav Kränze und Sträuße aus neunerlei Kräutern geweiht und in der Vieh- und Feldwirtschaft zu allerlei Schutz- und Heilzwecken verwendet; auch Reisig gegen Gewitter. Auch bei den Kaschuben werden am Schluss der Fronleichnamsoktav Kränzchen von Mauerpfeffer und Feldthymian geweiht.
Mit Fronleichnamsreisern, Altarkränzen und Wachsresten räuchert man gegen Zahnschmerzen.
In Neuburgweier stellte man einen mit verschiedenen Kräutern gefüllten Korb an jeden Altar. Hatte der Geistliche diesen verlassen, so drängte alles zum Korb, um sich aus den Kräutern ein Sträußchen zu machen, das bei der Ernte in die erste Garbe gebunden wurde. Auch die von den »Engeln« gestreuten Blumen sucht man zu bekommen. In Oberösterreich werden die Fronleichnamskränze, die man an der Sonne gedörrt hat, am Johannistag zerrieben und ins Feuer geworfen oder auch damit geräuchert.

Monstranz statt Bienenkorb

4. Auch einige nicht zum Prozessionsschmuck verwendete Pflanzen haben an Fronleichnam besondere Kraft. Wer einen Vierklee findet, während bei der Prozession das Evangelium des Johannes gesungen wird, kann damit allerlei Zauberkünste treiben. Wenn man einem unschuldigen Kind einen Vierklee in die Haare zopft, sieht es alle Hexen. Die blaue Kornblume, am Fronleichnamstag mit der Wurzel ausgerissen, stillt Nasenbluten, wenn man sie in der Hand hält, bis sie warm wird. Doch darf man in der Antlaßzeit (Fronleichnamswoche) nicht Pflanzen stoßen, weil sie nicht gedeihen würden. Die letzten Sommerrettiche aber sät man an Fronleichnam.
5. Die Bienen, die an Fronleichnam schwärmen, sind die vorzüglichsten. Man sagt, sie bauten dann eine Monstranz, dagegen am Johannistag nur einen Kelch (das schöne Wetter auf Fronleichnam verspricht reichlicheren Honigertrag als ein schöner Johannistag.

Nicht im Neckar baden!

6. Wenn es an Fronleichnam auf die bestreuten Prozessionsstraßen regnet, dann wird jeder Tag im Heuet nass. Wird die Streu, womit der Boden bestreut ist, dürr, dann kommt auch das Heu gut herein. „Ist’s um Fronleichnamstag klar, so bedeutet’s Gutes ohn‘ alle Gefahr.
 
7. Einiges Unheimliche, das der Fronleichnamstag aufweist, ist wohl von anderswoher, namentlich vom Johannistag, auf ihn übertragen. Wer im Neckar badet, ertrinkt. Einen Mann, der beim Holzhacken zu Tode gefallen war, hört man auch nachher noch Holz hacken. Der Bilmesschneider geht während des kirchlichen Umganges. Der Alpgeist zeigt sich; ebenso das Schatzfräulein im Bühelstein auf zwölf Sekunden. Holzdiebe werden durch Schlangen erschreckt. Am Vorabend vom Avemarialäuten bis Mitternacht geht die wilde Jagd um.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.