(Michael van Laack) In den vergangenen Jahren haben mehrere Missbrauchs-Skandale die Republik erschüttert, wie es Journalisten gern in ihrer bildreichen Sprache ausdrücken. Aber die schreiben ja auch „Deutschland kniet nieder“, wenn einige Tausend von über 80 Millionen Bürgern ein Zeichen gegen den von ihnen gehassten US-Präsidenten setzen. Deshalb ist die „Erschütterung“ über geschändete Kinder auch immer nur kurzfristig und keine wirklich das Herz berührende.

Kurz denkt man: „Wenn das meine Kinder wären, dann würde ich…“ und schon ist die Speisekarte des Pizza-Taxis wieder interessanter und das Thema aus dem Sinn.

Den Begriff „Pädophilie“ kennen es die meisten. Mit Liebe hat das allerdings nichts zu tun. Die ICD-10 Klassifizierung lautet kalt F65.4. Beschrieben wird damit eine psychische Störung: Das primär sexuelle Interesse an Kindern vor Erreichen der Pubertät. So lange sich das alles nur im Kopf abspiele, gäbe es keinen Grund, sich Sorgen zu machen, denken gewiss viele Menschen. Doch ein geflügeltes Wort lautet: „Der Appetit kommt beim Essen“.

Lüdge und Münster nur Spitze eines Eisbergs

Im Fall des Missbrauchs im Wohnwagen nahe Lüdge ließen sich zwei Haupttäter ermitteln. Sie wurden zu Haftstrafen von 12 bzw. 13 Jahren mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt wegen nachgewiesenem Missbrauch in 32 Fällen. Das ganze hatte aber ein Gschmäckle, weil zahlreiche Asservate vor Prozeßbeginn aus Räumlichkeiten der Polizei entfernt („versehentlich“ geschreddert wurden), so dass andere Mittäter („Kunden“ des Duos) nicht ermittelt werden konnten.

Vor dem Missbrauch betäubt

„Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus“, sagte Münsters Polizeipräsident Rainer Furth über die Ermittlungen im Fall eines bundesweit agierenden Pädophilen-Rings.

Die Täter von Münster missbrauchten teils ihre eigenen Kinder, teil fremde im Alter zwischen 5 und 12 Jahren. Eine angeblich nie da gewesene Grausamkeit legten sie an den Tag. „Weit hinausgehend über ‚normale‘ Pädophilie“, sagte ein anderer Beamter. Als sei Pädophilie normal. Schon das gibt zu denken.

Pedo-Spielwiese Chat: Ein Selbstversuch

„Was sollen wir dagegen tun?“, hören wir von der Bundesregierung. Sollen wir etwa veranlassen, dass diverse Seiten für Deutschland gesperrt werden? Wir sind doch nicht in China. Und bringen würde es auch nichts. Die Täter bewegen sich doch eh alle im Darknet, die Seiten werden oft außerhalb Europas gehostet und sind dann auf Umwegen immer noch erreichbar. Mag sein, aber nicht für 10-, 11- und 12-jährige!

Ja, die Erstverantwortung für den Netz-Konsum liegt bei den Eltern. Die aber sollen ja möglichst beide für jeweils acht Stunden dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Da gibt es dann eben auch unbetreute Zeiten… Und sexuelle Neugier ist auch prä-pubertär bei manchen schon stark ausgeprägt.

Ins Darknet bzw. sein Einlass-Tor können deshalb manche Täter neue Opfer locken, zum Beispiel in die hochverschlüsselten qtox-Einzelchats. Doch zuvor holt sich mancher dieser perversen Gestörten und Hochkriminellen Appetit in großen Chat-Rooms. Nehmen wir zum Beispiel Lycos:

Zwar muss jeder sein Alter angeben, bevor ein Account eröffnet werden kann, überprüft werden die Angaben aber nicht. Selbst als ich mit einem Profil – nennen wir es LisaMaus12 – in den Chat gegangen bin und zuvor angegeben hatte, ich sei 19, war das für die Admins und Bots kein Problem. Mit diesem Profil habe ich mich vier Wochen lang und in dieser Zeit achtmal und jeweils über mehr als zwei Stunden im Lycos Chat aufgehalten. Binnen weniger Minuten bekam ich Kontakt zu Profilen, die eindeutig älteren Männern zuzuordnen waren. Sie fragten mich nach meinem Alter, ich gab an, erst 12einhalb zu sein, aber sehr neugierig usw. weshalb ich mein Alter nach oben korrigiert hätte.

Kurz ganz harmlos, dann ging es zur Sache

Und schon kamen wir ins Gespräch: Über Schule, Mode, Musik – die Herren waren bestens präpariert (ich allerdings auch) und dann ging es irgendwann um den ersten Freund, um Liebe und dann nur noch um Sex. 14 von knapp 80 Kontakten boten mir in dieser Zeit Handynummern an, um mal zu telefonieren und ein Date auszumachen, sieben hätten gern einen Strip der 12jährigen vor der Cam gesehen; einer behauptete gar, er wohne nur knapp 20 km weg und er würde jetzt gern sofort hier und da hinkommen, mich abholen und dann „werde ich im Auto Dein erster echter Freund sein, wenn Du magst!“. Als ich mich unter diesem Profil an Admins wandte und Sachverhalte erläuterte, kam der Hinweis, wenn jemand hier Fragwürdiges getan hätte, sei ich es, da ich falsche Angaben zu meiner Person gemacht hätte und bei anderen Usern unter Vorspieglung falscher Tatsachen Begehrlichkeiten geweckt hätte. Danach wurde mein Profil blockiert. Als ich unter einem anderen wieder eintrat, waren alle von mir gemeldeten Profile noch anwesend. Einige sprachen mich auch wieder an, teilweise in der ersten Phase mit den gleichen Floskeln.

Sex-Rollenspiel-Chats

„Jeder Erwachsene mag tun und lassen was er will. Mag sich auch Phantasien hingeben, die abartig in oder von anderen so empfunden werden.“ Ein äußerst fatale Sicht.

So treiben sich auf der Seite 6cat org, die 24/7 von 500 bis 1200 Nicks gleichzeitig frequentiert wird, zahlreiche pädophile Männer herum. Sie suchen zumeist Kontakt zu Nicks wie „MariaMausNacktFlachTba“ um mit ihnen Sex durchzuspielen mit Kindern zwischen 5 und 12. Solche Angebote jedenfalls bekam ich oft, als ich mit vergleichbaren Nicks dort knapp vier Wochen zu verschiedensten Tageszeiten unterwegs war. Ließ man sich auf diese Spielchen ein, kam oft zwischendurch die Bemerkung „Du bist doch auch ein Mann, oder“ Wenn man es bejahte, wollten viele einen Erfahrungsaustausch starten, manche boten Bilder und Videos über onion-Adresen (Darknet)

Der Chat ist zwar offiziell ab 18, aber hier gibt es überhaupt keine überprüften Angaben. Man wählt Nick und Passwort, die man über eine E-Mail-Adresse, welche man sich gerade wo auch immer generiert hat, freischaltet.

Argument: Wir nutzen diese Chats als „honeypots“

Das ist vollkommener Unsinn. Chats wie dieser werden von Privatpersonen betrieben, die mit Werbung für kostenpflichtige Chats und Seiten Geld verdienen und im Milieu bestens vernetzt sind. Wenn sich in deren Rooms auch „Kinderficker“ herumtreiben, ist denen das vollkommen egal. Die Mitarbeiter der LKAs und des BKA sind zwar dort auch präsent, haben aber bei der Vielzahl der User kaum mehr als Zufallstreffer zu erwarten und in verschlüsselten Chats wie qtox dann auch kaum Möglichkeit, Beweise zu erheben. Das Argument: Wir nehmen solche Seiten nur deshalb nicht aus dem deutschen oder gar europäischen Netz, damit wir den Bösen nachspüren können, ist eine glatte Lüge.

Zuerst das Geld, dann die Moral!

Sex sells. Und an solchen Chats sind eben auch die großen Player im Porno-Gewerbe indirekt beteiligt. Die machen Umsatz, da gibt es manches an Steuern zu verdienen. Und so lange das so bleibt, dürfen sich die Kinderficke von Behörden und Regierung geduldet auch weiterhin im Netzt Appetit machen oder Beute aufspüren. Deshalb wagt man es in Europa nicht einmal, die Chatbetreiber streng zu maßregeln mit weitestgehenden Verpflichtungen. Selbstverpflichtungen sind Mumpitz. Die mögen bei den linkslastigen Plattformen Facebook und Twitter funktionieren, nicht aber bei solchen Gestalten, die tief in Geschäften stecken, von denen kaum einer unserer Leser sich auch nur vorstellen kann, dass es Märkte für diese „Produkte“ gibt.

Das Internet hat sehr viele Vorteile für den einzelnen Bürgern, aber auch Schattenseiten. Und das hier ist einer der dunkelsten Schatten.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.