(Michael van Laack) Angela Merkel – von Gottes und des Bundestags Gnaden Kanzlerin von Deutschland – hat wieder einmal dem Staatsfunk ein Interview gewährt. Ein Interview? Nein, gleich zwei! “Farbe bekennen“ war in der ARD angesagt, „Was nun?“ wurde sie im ZDF gefragt. Inhaltlich unterschieden sich die Interviews kaum. Was nicht überrascht, dürften doch die Fragen im Vorfeld mit der Kanzlerin abgestimmt gewesen sein.

Selbstverständlich gingen – dem Virus sei Undank – in beiden Sendungen die Journalisten auf Abstand zur Kanzlerin. Was allerdings nicht bedeutet, dass sie auch nur eine Sekunde lang in Erwägung gezogen hätten, die Aussagen der Nr. 2 (zumindest gemäß unserer Verfassung) der Republik kritisch zu hinterfragen und so jene Distanz zwischen Medien und Journalisten zu schaffen, die sogar noch in der Ära des Basta-Kanzlers obligatorisch war.

Das Wichtigste zuerst: Die gefühlt ewige Kanzlerin hat „nicht so wirklich“ die Absicht, 2021 noch einmal zu kandidieren. Das tröstest, obwohl mir bei dieser Aussage sofort ein gewisser Ost-Walter in den Sinn kam, der seinerzeit Spekulationen über die Errichtung eines antifaschistischen Schutzwalls ins Reich der Phantasie hyperventilierender West-Kapitalisten verwiesen hatte…

Angela Merkel macht sich große Sorgen

Klar, auch darüber, dass Alters- und Kinderarmut noch weiterhin wachsen könnten und eine in ihrer Dauer und Intensität noch nicht abschätzbare Rezession vor der Tür steht. Weniger Sorgen allerdings darüber, dass die EZB weitere 600 Milliarden ausgeben wird, um wertlose Papiere zu kaufen.

Deutlich mehr Sorgen sollte sich unser aller Angela über ihren Eintrag in die Geschichtsbücher machen. Die in Aussicht gestellte Option, sie könne als „Schuldenkanzlerin“ in dieselben eingehen, brachten sie in einem der Interviews für einige Millisekunden aus der Fassung! Aber dann war sie wieder ganz die alte Alte und ging über diesen zweifellos nur versehentlich gemachten Einwurf des kanzlervergessenen Journalisten mit einer brillanten rhetorischen Blubberblase hinweg.

Auch über die Tatsache, dass einstmals strahlende Konzerne wie Thyssen-Krupp und Lufthansa nicht mehr DAX-notiert sind und sich insgesamt ein Wirtschaftsdrama andeutet, verlor die Kanzlerin kein Wort des Bedauerns. Selbstlob und aufgesetzter Optimismus bestimmten ihren Blick auf das gegenwärtige Handeln und zukünftige Entwicklungen.

Was Angela Merkel wirklich fürchtet, ist: Die Bürger könnten vergessen, weiterhin „social distancing“ zu betreiben und dort, wo es geboten sei, Schutzmasken zu tragen. Sie machte deshalb noch einmal klar: Diese Regeln müssen bestehen bleiben, bis ein Impfstoff gefunden ist.

Kirchen und Kneipen sind Brutstätten des Virus

Singen in der Kirche oder ein Bier an der Theke ohne Maske sei unmöglich. Denn man wisse, besonders in Kirchen und Kneipen gäbe es hohe Infektionszahlen ohne Sicherheitsmaßnahmen.

Tja, liebe Katholiken. Ob das bis Weihnachten wieder was wird mit ganz normalem Kommunionempfang? Der protestantischen Kanzlerin dürfte das egal sein, Abendmahl gibt es da eh in vielen Gemeinden nur, wenn Ostern und Weihnachten auf ein und denselben Tag fallen.

Trump ist nicht Muttis Liebling

Zunächst klärt die Bundeskanzlerin dankenswerterweise die Rechtslage im Fall des bei einem Polizei-Einsatz getöteten George Floyd: „Erst einmal ist dieser Mord an George Floyd etwas ganz, ganz Schreckliches“, sagt sie m ZDF-Interview. Danke Frau Bundeskanzlerin, dann weiß die zuständige Staatsanwaltschaft wenigstens schon, was sie anzuklagen hat. Nett wäre allerdings gewesen, wenn Sie auch gleich einen Hinweis dazu gegeben hätten, ob Sie den Haupttäter als „First-„, „Second-“ oder „Third-degree murder“ eingestuft sehen möchten. Na ja, vielleicht werden Sie das ja bei Gelegenheit mal in einer Presserklärung verdeutlichen.

Trumps Politikstil sei ein sehr kontroverser, meinte die Bundeskanzlerin dann. Erwartungsvoll hielt ich kurz die Luft an. Ob wohl einer der Fragesteller: „Nun, Ihr Politikstil ist ja auch umstritten.“ einwerfen würde? Nichts dergleichen geschah! Stattdessen durfte Merkel ihr „distancing“ von Trump weiter erläutern. Vertrauen in den US-Präsidenten habe sie nicht mehr, aber „Ich arbeite zusammen mit den gewählten Präsidenten auf der Welt und natürlich auch mit dem amerikanischen.“ Klang nach: Sympathischer als Kim Jong Un ist er mir allerdings nicht.

Trump, der Spalter – Merkel, die Versöhnerin

Rassismus sei etwas ganz Schreckliches (da hat sie Recht), deshalb sei es wichtig, dass „sich in den USA genug Menschen finden, die friedliche Demonstrationen voranbringen.“ In other words: Seht zu, dass ihr den islamophoben Abtreibungsgegner Trump los werdet. Aber produziert dabei möglichst wenige Bilder, die meine Medien selbst im besten Framing nicht untergehen lassen können.

Sich selbst hält Merkel für genau so großartig, wie Trump manche seiner Entscheidungen: „Meine Ansprüche an Politik sind immer, dass man auch versucht, zusammenzubringen und zu versöhnen.“

Tja, Frau Bundeskanzlerin. Dann fangen sie doch einfach mal damit an und setzen einen Akt der Versöhnung, indem sie im Bundestag die Mitglieder der AfD genauso fürsorglich und freundlich behandeln, wie jene antisemitischen Kollegen auf der anderen Seite des Hauses, für die die Auslöschung Israels kein Grund zur Trauer wäre.

Schluss mit lustig

Noch manches mehr hat die Kanzlerin gestern zur besten Sendezeit in die Wohnzimmer der Nation gesprochen. Zum Beispiel zur Mehrwertsteuer oder dem nicht wirklich preiswerten Corona-Konjunkturprogramm. Aber all das schauen Sie sich bei Interesse bitte selbst an, lieber Leser. Ich bin zu erschöpft, nachdem ich mir nun beide Interviews zweimal gegeben habe, in der Hoffnung, sich Widersprechendes zu entdecken beim Übereinanderlegen. Pustekuchen!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.