(Michael van Laack) Man soll nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, lautet ein geflügeltes und wahres Wort. Deshalb mag es manchem auch abwegig erscheinen, den zum Rücktritt gezwungenen ehemaligen Ministerpräsidenten Thüringens mit dem neuen Kulturamtsleiter der von knapp 34.000 Seelen bewohnten „Großen Kreisstadt“ Radebeul in einem Atemzug zu nennen.

Dennoch ist die gerade eben erst ins Rollen gekommene Causa ein gutes Beispiel für die Strategie der Linken überalldort in unserem Land, wo ihnen das Ergebnis demokratischer Wahlen nicht gefällt. Vor drei Tagen (20.05.20) wurde Bernig auf Vorschlag der Fraktionen von CDU und AfD zum Kulturdezernenten bestimmt. Seitdem herrscht nicht nur Fassungslosigkeit bei Links-Grün. Es formiert sich Widerstand nach einem schon viel zu oft erfolgreichen Muster.

Jörg Bernig: Lyriker, Erzähler, Patriot und Humanist

Es ist keine Bildungslücke, Jörg Bernig nicht zu kennen. Der 56jährige lebt in Radebeul, ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Sächsischen Akademie der Künste sowie des PEN-Zentrums. Wirklich Aufsehenerregendes hat er bisher nicht publiziert, allerdings sehr viel Lesens- und Bedenkenswertes.

Doch bekanntlich ist das Schicksal vieler Autoren identisch: Sie alle haben Potenzial zu Größe und Erfolg, bleiben aber einer breiteren Leserschaft verborgen. Zumeist, weil sie nicht Mainstream schreiben. Nicht selten aber auch, weil das Glück fehlte. Z.B. weil keiner der in Frage kommenden größeren Verlage den Kreis seiner Autoren in diesem oder jenen Fachbereich aufstocken wollte. Vielleicht hatte der Lektor auch Kopfschmerzen oder Gedanken zu privaten Problemen beschwerten ihn. So verwarf er das Skript lustlos ohne einen zweiten Blick.

Wer Jörg Bernig kennt oder doch zumindest schon das ein oder andere von ihm gelesen hat (seine Werke oder auch nur Interviews), wird sich gewiss die Augen reiben ob der Empörung, die seine Wahl zum Leiter des Kulturamts in diesen Tagen ausgelöst hat.

Trotz allem kein edler Schnellroda-Ritter

Bernig ist (oder war zumindest) auch Autor für die „Sezession“, der vom Antaios-Verlag herausgegebenen Publikation für alle „wahren, guten und schönen Rechten“. Seine bisher letzte Veröffentlichung als Gastautor sahen wir im Juni des vergangenen Jahres. Unter dem Titel „Revoltierende Resteverwerter verfallner Imperien“ beschäftigte er sich mit den Sachsen und ihrer Wehrhaftigkeit.

Die „Sezession“ wird hauptverantwortet von Götz Kubitschek, den ich menschlich sehr schätze und aktuell auch ein ganz klein wenig bedauere. Denn es muß ganz schön belastend sein, dass der Verfassungsschutz jedes Telefongespräch mitschneiden und jede E-Mail mitlesen darf und theoretisch in jede Pizzaschachtel schauen könnte, bevor sie ausgeliefert wird. Seine politischen Überzeugungen teile ich bekanntlich nicht völlig. Dennoch: Dass jemand für die Sezession schreibt, ist für sich genommen selbstverständlich kein Beleg für eine völkisch-nationale Haltung. Die in Radebeul versammelten Linken sehen das freilich vollkommen anders.

„Niemandszeit“ – Stolperstein für Bernigs Karriere

Dieser Roman schildert die Erlebnisse der Bewohner eines in der Endphase der Sudeten-Vertreibung scheinbar vergessenen Dorfs, in dem sich eine „bunte“ Gruppe aus unterschiedlichster Motivation auf der Flucht befindlicher Menschen trifft und das Leben der Bewohner, die bis dahin noch auf einer Insel der Seligen in ihrem selbstgeschaffenen Paradies lebten, von Jetzt auf Gleich verändert. Für kurze Zeit bleibt diese kleine Welt noch heil. Diese Zeit nutzen die zufällig aufeinandertreffenden Charaktere, um sich gegenseitig aus der jeweils eigenen Lebensgeschichte und mancher Erfahrungen zu erzählen. Doch dann holen Schmerz und Grauen sie auch dort ein.

Bernig wurde unterstellt, er wolle mit seinem Roman Kriegsverbrechen der Nazis verharmlosen und einen Opfermythos verfestigen, der das Leid der anderen ausblende und das der Deutschen bzw. Vertriebenen überbetone. Also jene Volkgruppe zu Opfern machte, die zuvor z.B. im Reichsprotektorat und der Rest-Tschechei Täter gewesen seien. Der medial erzeugte Druck führte am Ende dazu, dass der Mitteldeutsche Verlag das Buch aus dem Programm nahm.

„Zorn allenthalben“ – Ein folgenreiches Traktätchen

Durchgängig vertritt Rolf Bernig eine islam- und migrationskritische Haltung, die u.a. in einem seinerzeit vielbeachteten Artikel in der Sächsischen Zeitung kurz vor Weihnachten 2015 zum Ausdruck kam. Mit diesem Artikel gelangte er bei den Buntfaschisten endgültig in die Gefahren-Kategorie „Nazi mit Hirn“.

Doch nicht bei allen Gegnern der „Neuen Rechten“ im Allgemeinen und der AfD im Besonderen fiel er in Ungnade. Das viel gelesene – eher liberale als konservative – Magazin „Cicero“ veröffentlichte noch im September 2019 einen Artikel von ihm. In „Als wir nicht erschossen wurden“ setzte er sich anlässlich des bevorstehenden Einheitsfeiertags am 3. Oktober kritisch mit der Frage auseinander, ob die „Unfreiheit des Denkens und Redens“ wirklich überwunden sei. Auch damit hat er sich in den roten Milieus keine Freunde gemacht!

Widerstand gegen Bernigs Wahl steigt auf

So ist es nur folgerichtig, dass Daniel Borowski, Vorsitzender der Ratsfraktion der Linkspartei im Stadtrat all seine Ressentiments auslebt. Wer islamophob und gegen Buntheit sei, dürfe nicht für Kultur zuständig sein. Wer u.a. mit Thilo Sarrazin und Max Otte eine Erklärung unterzeichnet habe, sei höchstverdächtig, faschistischen und anderen demokratiefeindlichen Ideen nachzuhängen. Zudem sei Bernig fachlich nicht geeignet, meinte Borowski. Begründet hat er das freilich nicht näher. Der neue Kulturamts-Leiter sei von CDU und AfD aus rein „ideologischen“ Gründen gewählt worden. Das verblüffendste aller Argumente, denn lehnt die Linkspartei ihn nicht auch aus ideologischen Gründen ab?

Günter „Baby“ Sommer, der Widerstandsführer

Ein alternder Jazz-Musiker wittert Morgenluft und macht sich ungefragt zum Sprecher aller Kulturschaffenden der Region. Vielleicht erwartet er von seinem Engagement den Nebeneffekt, dass sich die mittlerweile in Lagerräumen verstaubten Kartons seiner CDs doch noch verkaufen lassen.

Sein Verständnis von Demokratie: Die Kulturschaffenden haben das Recht, den Stadtrat zu überstimmen. „Warum sollen die Künstler … in Zukunft darunter leiden, dass ein rechtsgerichteter und ausgrenzender Kulturamtsleiter die freiheitliche Ausübung von Kunst und Kultur behindert oder einengt?“ erklärt der Schlagzeuger im Gespräch mit Vladimir Balzer vom Deutschlandfunk. ALLE Bürger seien gegen den Stadtrat, führt er im weiteren Verlauf des Gesprächs aus. Wem er das Recht zuerkennt, sich Bürger zu nennen und wem nicht, bleibt unklar. Sicher ist nur: Der Protest soll so schnell als möglich auf die Straße getragen werden.

Zudem – so betont man andernorts – seien Stadtrats-Mitglieder der Parteien links von CDU und AfD bereits in Fühlung mit Landes- und Bundespolitikern, um die Angelegenheit auf eine höhere Ebene zu befördern.

Man sei – so schallt es aus Radebeuls „lebendiger“ Kulturszene – zuversichtlich, dass die Landes- oder gar Bundesbene der CDU den Parteikollegen hier vor Ort verdeutlichen werde: „Bernig ist abzuwählen und ein Demokrat muß seinen Platz einnehmen.“ Klingt irgendwie vertraut, oder?

***

Sie lesen gern die Debattenbeiträge und Analysen fernab des Mainstreams, die Ihnen Michael van Laack auf PP bietet? 

Dann können Sie ihn für sein Engagement hier unterstützen:

Paypal

Vorheriger ArtikelCorona-Wiederaufbaufonds: Deutsche jubeln mehrheitlich über Doppelschlag ins eigene Gesicht
Nächster ArtikelSoros und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.