(Michael van Laack) Sie sind nicht bereit, auch nur einen Millimeter abzurücken von ihrem Bischofskollegen. Der Kampfeswille trieft aus jedem Wort, das der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz an diesem Nachmittag in die Kameras spricht. Der neben ihm stehende Primitivus Schmierlapp, Bischof von Bielefeld, spricht zuvor davon, dass die ihm zugestellte Exkommunikations-Bulle ungerecht sei.

Dem Papst gehe es nicht um kirchenrechtliche Fragen. Er wolle in Wirklichkeit mit ihm einen Kopf loswerden, der Kirche so denkt, wie die meisten Katholiken sie denken würden und wie sie gedacht werden müsse, um die Kirche in Deutschland wieder zur alten Größe zurückzuführen. Ihn ermutige allerdings zweierlei sehr. Zum einen, dass nur eine knappe Mehrheit im Kardinalsrat dem Vorschlag des Papstes gefolgt sei; zum anderen, dass die Katholiken Deutschlands ihn weiterhin an der Spitze seines Bistums Bielefeld sehen wollen, dass allen Verschwörungstheoretikern zum Trotz tatsächlich existiere. Der Zuspruch der Gläubigen für ihn sei riesig, während sich immer mehr Katholiken vom Papst abwendeten.

Absetzung des Papstes und seines Rates gefordert

Die im Raum befindliche Reporterschar – ansonsten sehr kirchenkritisch eingestellt – fotografiert fleißig, als hätte sie noch nie Bilder von den Protagonisten gemacht, schweigt ansonsten aber ehrfürchtig. Nach Schmierlapp ergreift der DBK-Vorsitzende Smaragdus Halbschön das Wort. Wie sein Kollege schon ausgeführt hätte: „So ginge das nicht. Der Bischof habe viel geleistet für sein Bistum. Sein Ansehen sei so groß, dass man Schmierlapp hinter vorgehaltener Hand bereits als „Bischof der Bischöfe“ bezeichne.

Nirgendwo seien so wenige Gläubige aus der Kirche ausgetreten, wie in seinem Bistum, weil Primitivus‘ weltoffene Art von allen geschätzt werde. Sogar der von der Justiz stets missverstandene Bundesverband für Knaben- und Mädchenliebe stehe wie eine Mauer hinter dem Bielefelder Bischof. Ganz zu schweigen von der 1934 gegründeten und bedauerlicherweise für ein paar Jahrzehnte inaktiven Pädagogen-Vereinigung „Zucht und Ordnung“, die trotz vieler Widerstände aus Rom und der ungerechtfertigten Beobachtung durch sämtliche Landesschul- und -jugendämter noch immer Träger der katholischen Schulen im Bistum sei.

Alles halb so schlimm!

Mit der Vereinigung habe man nur gute Erfahrungen gemacht. Kein Schüler kritisiere seit dessen Tätigkeitsaufnahme mehr seine Lehrer. Eltern berichteten von Kindern, die das Dienen wieder gelernt hätten. Deshalb sei auch nicht nachvollziehbar, warum diese pädagogisch wertvolle Institution misstrauisch beäugt würde.

Folgerichtig fordert Halbschön am Schluss seines Statements die zeitnahe Einberufung eines Sonderkonzils, auf dem der Papst und seine Getreuen abgesetzt werden sollten. Ohne ihn namentlich zu nennen, bringt der DBK-Vorsitzende so auch Schmierlapp als möglichen Nachfolger auf dem Stuhl Petri ins Gespräch.

Der Papst befürchtet kein Schisma

In einem Interview am Abend erklärt Nocturnus XIII., er habe Schmierlapp bisher immer geschätzt: Seines Wissens und eigener Erfahrung nach habe dieser viel für die katholische Kirche in Deutschland getan. Bei seinem Pastoralbesuch in Bielefeld habe der Papst gemeinsam mit Schmierlapp eine neue Hostienbäckerei eingeweiht und eine Beichtstuhl-Fabrik unterstützt, die seinerzeit eine schlechte Auftragslage hatte. Wegen eben dieses kontinuierlichen sozialen Engagements seien dem sehr intellektuellen Schmierlapp die Herzen nicht nur der Gläubigen bistumsweit zugeflogen.

Doch nachdem ihm zugetragen worden war, dass der Bischof seinem ursprünglich muslimischen Glauben nie widersagt und sich folglich unter falschen Voraussetzungen habe taufen lassen – die Taufe nach Auffassung mehrerer Kirchenrechtler rückwirkend ungültig und unwirksam sei – wäre ihm und den Mitglieder des Kardinalsrates gar keine andere Möglichkeit geblieben, als den Mann zu exkommunizieren. Es gehe hier nicht um Aversionen gegen eine bestimmte Person, sondern um die Glaubwürdigkeit der Weltkirche.

„Heute bewerte ich Schmierlapp anders.“

Darüber hinaus gibt Nocturnus zu, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt Zweifel an der Integrität des Bielefelder Bischofs bekommen habe. Der Satz: „Wir müssen bereit sein, die afrikanischen und südamerikanischen Katholiken auszurotten, um die Priestermangel-Debatte vom Tisch zu bekommen!“, sei zwar das einzig wirklich Schlimme gewesen, was Schmierlapp je in einer Predigt gesagt habe. Dennoch habe dieser Satz den Heiligen Vater veranlasst, den Mann für sich selbst neu zu bewerten und mehr Informationen sammeln zu lassen. So habe sich dann herausgestellt, dass der umstrittene Ex-Bischof verschiedenen Atheisten-Verbänden angehörte, sogar noch während der Zeit im Priesterseminar. Das habe er immer bestritten, doch Videos zeigten ihn auf mehreren dieser Konferenzen mit einem „Fuck The Pope“-Shirt bekleidet.

Tja, auf wessen Seite auch immer unsere Leser stehen… auf der von Nocturnus XIII. oder von Primitivus Schmierlapp: Es bleibt weiterhin spannend, weshalb wir selbstverständlich auch über die zukünftige Entwicklung schonungslos (oder so) berichten werden. Denn wir fühlen uns der Catholica und unserem Vaterland gleichermaßen verpflichtet!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.