(Michael van Laack) Ein Hauch von Antifa ist zu spüren – sogar durch den Bildschirm – wenn man die „spontanen“ unangemeldeten Demos gegen die Corona-Restriktionen anschaut. Während die Linken sich vermummen, wo es verboten ist, verzichten die Kämpfer für die Grundrechte dort auf Masken, wo es in diesen Tagen Pflicht ist. Gemeinsam ist beiden Lagern die Provokation der Exekutive, die sie als Gegner identifiziert haben. Und die Behauptung, Grundrechte seien Abwehrrechte gegen den Staat.

Polizisten werden angespuckt, an „spontanen Versammlungen“ vorbeilaufende Bürger ins Gesicht gefasst oder gar in den Kreis der Demonstrierenden gezogen. Es dürfte Einigkeit in der Bewertung bestehen, dass dies nichts zu tun hat mit dem Anliegen, welches die friedlichen Teilnehmer an anderen Orten in die Öffentlichkeit tragen wollen.

„Für die Freiheit“ oder „Gegen das System?“

„Wer gegen Masken kämpft, kämpft auch gegen Merkel. Das ist der beste Kampf, den man kämpfen kann.“, sagte mir neulich ein Teilnehmer an einer 11köpfigen „Menschenkette für meine Stadt“. Abgesehen davon, dass „für unsere Stadt“ der klügere Ausdruck gewesen wäre, wenn man schon Solidarität und Gemeinschaft auf seine Fahnen schreibt, zeigt dieses Beispiel im Kleinen, worum es in diesen Tagen oft auch im Großen geht: Um die Kanzlerin. Nicht um das Virus, nicht um das Land und schon gar nicht um die Menschen.

Auch an diesem Wochenende zahlreiche Demos

Eine große Zahl angemeldeter Veranstaltungen, aber in den sozialen Netzwerken sehen wir auch viele Verabredungen zu weiteren „spontanen“ Versammlungen. Den meisten Teilnehmern wird egal sein, ob sie an Corona erkranken oder nicht. Denn sie sind selten älter als 40 (glauben also, noch einen Großteil ihres Lebensweges vor sich zu haben) und wissen zudem aus dem Mund ihrer „Experten“, dass alles nur Hysterie und sogar eine Grippe gefährlicher ist. Egal ist ihnen auch, ob sie ältere Menschen anstecken: Wir haben ohnehin viel zu viele Rentenempfänger und Alte sterben eben. Aus die Maus.

Solidarität und Verantwortung für den Mitmenschen? Im Kampf gegen das System kann man darauf keine Rücksicht nehmen. Die Schlacht gegen Merkel muss jetzt geschlagen werden. Im Krieg gibt es immer Kollateralschäden.

Feinde meiner Feinde müssen sterben

NPD, Republikaner, Flügler und was es sonst noch an rechtem Rand gibt, marschieren in diesen Tagen gemeinsam mit jenen, die leiden unter der temporären Wegnahme ihrer Bewegungsfreiheit; die um ihren Arbeitsplatz und somit die Zukunft ihrer Familie fürchten. Oder besser: Jene Liberal-Konservativen, die sich ansonsten bei jeder Gelegenheit und berechtigterweise von Faschisten und Antisemiten distanzieren, hören sich in diesen Tagen begeistert Vorträge aus der Entourage von Gedeon an, sie hängen gläubig an den Lippen der Hauptvertreter der Identitären Bewegung, die davon berichten, dieser Testlauf der Wegnahme der Grundrechte sei nur ein kleines Puzzlestück im großen Umvolkungsplan.

Selbst der Mann im Mond dient Merkel

Menschen, die ansonsten sehr misstrauisch sind und Nachrichten lieber dreimal prüfen, bevor sie sie weitergeben geschweige denn glauben, machen sich in diesen Tagen devot auf Demos zum Klatschpublikum für Gestalten, die in normalen Zeiten in der geschlossenen Psychiatrie ihren Wohnsitz hätten. Eine kleine Auswahl:

  1. Alle dienen Merkel, propagieren manche. Sie sei der Kopf der Neuen Weltordnung, wurde dazu wahlweise von den Illuminaten, er oder Bilderbergern ausersehen unter der Ära Gorbatschow. China, die USA, die EU, Saudi-Arabien und wer sonst auch immer seien ihre Diener. Die Welt-Corona-Krise sei auf einem Schreibtisch im Bundeskanzleramt ersonnen und dann in einem chinesischen Labor der Virus entwickelt worden.
  2. Bill Gates will Merkel die Weltherrschaft verderben. Deshalb macht er auf edlen Spender und Förderer der Wissenschaft gegen das Virus. Tatsächlich aber will er jedem Menschen auf der Welt ein Gesundheits-Chip implantieren lassen. Mit diesem Hilfsmittel kann man nicht nur jederzeit den Aufenthaltsort jedes Menschen bestimmen; man kann ihn wahlweise auch krank machen, seine Gedanken verwirren oder sterben lassen.
  3. Auch Impfungen gegen Krankheiten bedrohen die Freiheitsliebenden und ihrer Grundrechte. Deshalb soll man sich nicht impfen lassen. Zum einen wurden viele Krankheiten – so auch Corona – nur erfunden. Sie existieren also genau so wenig wie Bielefeld. In Wirklichkeit wird die Bevölkerung nach und nach durch bestimmte Wirkstoffe gefügig gemacht oder – eine andere Theorie – es wird selektiert. Bestimmte Rassen – vor allem die germanische – sollen Zeugung- bzw. gebärunfähig gemacht werden. So kann man sich die Umvolkung sparen.

Interessant ist mit Blick auf den letzten Punkt, dass oft auch jene, die darauf verweisen, an der normalen Grippe würden viel mehr Menschen sterben, dazu aufrufen, sich nicht impfen zu lassen. Sterbt lieber, bevor Euch der Staat per Injektion versklavt.

Instrumentalisierung durch Links-Grün

Nicht nur mit „Widerstand2020“ demonstrieren in diesen Tagen manche Liberale, Konservative und Rechte. Nicht nur deren Schwindelarzt hängen sie an den Lippen. Diesem falschen Propheten, der von Virologie genau so viel versteht wie die Bundeskanzlerin vom Christentum: Nichts! Zahlreiche andere „Experten“ – ob sie nun einen Arztkittel tragen oder nicht – begeistern Hundertausende Liberal-Konservative. Weil sie den Ton treffen, weil sie aussprechen, was auch wir gern hören wollen: Merkel muss weg! Die Regierung muss weg! Die nach Gerechtigkeit und Freiheit Dürstenden müssen an die Macht! Dorthin gespült, gewählt oder geputscht? Ganz egal, wenn die Regierung Merkel weg ist, werden wir überall in Deutschland wieder blühende Landschaften sehen.

Ebenso egal seid allerdings ihr Demonstranten all diesen Menschen, die nur die eigene Karriere im Blick haben, den Moment der öffentlichen Anerkennung suchen und genießen.

Dreimal Ja!!! – Merkel muss weg…

…aber sie darf nicht ersetzt werden durch weitaus Schlimmeres. Und dieses Schlimmere bahnt sich gerade die Gasse zum Aufstieg. Stürzt die Regierung Merkel, wird dieses Land keinen Deut freiheitlicher. Denn alle Wortführer, die sich in diesen Tagen laut vernehmen lassen. ob nun vor den Karren gespannt oder als freiwillige Gallionsfigur – haben keineswegs Freiheit im Sinn. Die einen wollen eine völkisch-nationale Diktatur aufbauen, die anderen eine linksgrüne. Allesamt trojanische Pferde und wir mittendrin als Bürger Trojas.

Antworten haben sie keine auf die drängenden Probleme, die massive Rezession die uns im zweiten Halbjahr 2020 erreichen wird. Totale Freiheit und grenzenlose Grundrechte schaffen keine Arbeitsplätze und lassen keinen Weizen wachsen. Sie ernähren niemanden. Aber das alles spielt in diesen Tagen fatalerweise bei den meisten Demonstranten nur eine untergeordnete bzw. gar keine Rolle. Der Hass auf Merkel – darauf, dass sie in der Krise auferstanden ist aus Ruinen, wie es scheint – überlagert alles. Die Ratio ist ausgeschaltet im liberal-konservativen Milieu: bei den Politikern, den Journalisten und allen anderen Multiplikatoren. Sogar mancher Geisteswissenschaftler denkt aktuell eher mit der Maske als mit dem dazu bestimmten Körperteil.

Kämpfen wir für unsere Freiheit und für unsere Grundrechte. Aber tun wir das nicht Seit an Seit mit denen, die uns noch vor wenigen Wochen unversöhnlich als Feinde betrachtet haben. Denn sie haben ihre Meinung zu uns nicht geändert und hassen die Freiheit des anderen!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.