(Michael van Laack) „Heilige Corona, hilf!“. So überschrieb die wahrlich nicht fromme stellvertretende Chefredakteurin des ZDF – Bettina Schausten – am Gedenktag dieser bis vor wenigen Wochen nur Insidern bekannten Heiligen ihr „Update am Morgen„. Eine Einstimmung auf harte Zeiten oder nur typisch deutsche Panikmache, weil das Stöhnen auf hohem Niveau so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal aller Bio-Germanen ist?

Heute kommen wichtige und harte Zahlen auf den Tisch. Das Finanzministerium veröffentlicht die Steuerschätzung für 2020. Allgemein ist von einem Defizit im dreistelligen Milliardenbereich auszugehen. Klingt dramatisch und ist es auch. und dennoch kommt es darauf eigentlich schon gar nicht mehr an. Es geht mit Blick nur auf die nächsten fünf Jahre um ganz andere Summen. Auch sind die Ursachen vielfältig. Corona ist da nur ein Baustein. Oder besser: Der Schluss- bzw. Grabstein.

Nie wieder Weimar!

Jene, die diesen Slogan vor der Corona-Krise in die Medien plärrten, hatten freilich ein anderes historisches Ereignis im Kopf. Eine Warnung vor den bösen AfD-Nazis sollte das sein, die wie die NSDAP über Wahlen demokratisch legitimiert Regierungen bilden könnten. Nicht erst seit dem Start des Restriktions-Karussells wissen wir, wie unrealistisch die „Befürchtungen“ mit Blick auf den aktuellen inneren Zustand der Partei waren und bleiben werden.

Die Frage, die wir uns heute stellen müssen: Wie groß ist die Gefahr, dass sich Weimar 1923 wiederholt, dass wir eine Hyper-Inflation sehen werden? Als durch die Restriktionen in mehreren großen Wirtschaftsnationen vor einigen Wochen der Welthandel in weiten Teilen zum Erliegen kam, erlebten die wichtigsten Börsenplätze schwarze Tage. Die Medien dramatisierten die Lage mit ihren panischen Berichten, hyperventilierende Börsen-„Experten sahen bereits Hunderte binnen Stunden verarmte Ex-Milliardäre und gewesene Multi-Millionären Hand in Hand mit ihren Börsenmaklern vom Dach verschiedener Hochhäuser springen wie 1929. Nach den Zusicherungen mehrerer Regierungen (USA, Frankreich, Deutschland) massiv Gelder in verschiedenen Bereiche zu pumpen, verschwanden die Horror-Szenarien allerdings so schnell aus dem öffentlichen Raum, wie ein John-Sinclair-Romanheft bei vielen nach der Lektüre und dem gekauften Grusel in der Mülltonne landet. Aber ist nun tatsächlich alles vorbei?

Wer soll das alles bezahlen?

Keine Frage! Den Menschen in Not muss geholfen werden. Den Kurzarbeitern; den nur für einige Monate arbeitslos werdenden Menschen ebenso wie von Konkursen Betroffenen, die mindestens mittelfristig keine Perspektive für sich sehen; das Handwerk muss gestützt werden; die Klein- und Kleinstbetriebe; auf das Wohlergehen der Kinder muss besonders geschaut werden. Alles richtig, alles kostet Geld, aber im Vergleich mit dem Engagement der Regierung in anderen Bereichen sind das Peanuts.

Ich kann auch verstehen, dass z.B. die gesetzlichen Krankenkassen allesamt vom Staat Geld fordern, da ihre Einnahmen gekoppelt sind an den Verdienst der Versicherten. In Corona-Zeiten vermindern sich die Einnahmen, aber die Kosten für medizinische Leistungen steigen eher noch, als dass sie gleichbleiben. Ebenso leuchtet mir ein, dass z.B. ein Konzern wie der Stahlriese Thyssen-Krupp, der schon vor der Corona-Krise in Schieflage war und deshalb lukrative Sparten abstoßen musste, nun Staatshilfen fordert. Dass Reise- und Fluggesellschaften hart getroffen sind, ist ebenso unbestritten. Dennoch bin ich irritiert über die Leichtfertigkeit, mit der der Staat Milliarden ungeprüft ausgibt, um dann später mal zu gucken, ob das alles überhaupt berechtigt war. Unberechtigte Zahlungen wird er nur beim „kleinen Mann“ schnell eintreiben können, alles ab sagen wir 250 Mitarbeitern wird in jahrelange Gerichtsverfahren eintreten. Aber das ist nicht einmal der entscheidende Aspekt.

Kapital verpflichtet? Diese Zeiten sind vorbei!

Knapp zehn Wochen leiden nun viele Konzerne und Mittelständler. Von vielen hörten wir schon nach wenigen Tagen: „Das halten wir höchstens sechs Wochen aus“. – Da muss dann aber schon die Frage erlaubt sein: „Habt ihr in den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten nichts verdient, keine Rücklagen gebildet, keine privaten Vermögen erworben? „Doch schon…“ hört man zumindest hinter vorgehaltener Hand von vielen, „…aber meine Gewinne sind meine Gewinne. Die habe ich erwirtschaftet. Und meinen eigenen Lebensstandard will ich nicht absenken.“. Der Beitrag, den ihre Mitarbeiter zur Erwirtschaftung geleistet haben (und im weitesten Sinn auch die Kunden), wird übrigens gern vergessen. Aber das ist schon fast ein Thema für einen eigenständigen Artikel.

Geschichte wiederholt sich doch!

Wir sehen aktuell das gleiche schmutzige Spiel, wie in der Banken- bzw. Eurokrise: So lange alles läuft, so lange hohe Renditen eingestrichen werden, bedankt sich niemand beim Staat und den Bürgern dafür, dass die Einnahmen ermöglicht wurden. Man kommt auch nicht auf die Idee, dem Staat mehr zu geben in herausragenden Jahren als das, was er gesetzlich bekommen muss. Eher versucht man noch, zu tricksen. Kleine und Große tun das. Wenn dann aber der Laden nicht mehr läuft, wird der Ruf nach dem Staat gleich laut, nicht nur in der Corona-Krise. Von Systemrelevanz und Alternativlosigkeit ist schnell die Rede; von einer ganzen Branche, deren Sterben man verhindern müsse; von den armen Kleinaktionären faselt man, die nicht im Stich gelassen werden dürften, obwohl die wirklichen Krisengewinnler ausschließlich jene sind, die große Pakete halten.

„Green Deal“, Anleihekäufe der EZB, Nullzinspolitik

Belastungen nahe dem Billionen-Euro-Bereich für die EU-Wirtschaft durch Corona, heißt es. Aber gleichzeitig wollen von der Leyen und die EU-Kommission ebenso wie manche Regierungen am „Green Deal“ festhalten, den „Kampf gegen den Klimawandel“ unbeirrt fortsetzen. Irgendwas zwischen 500 und 850 Milliarden möchte die Kommissionspräsidentin dafür bereitstellen. Und will auch nicht abrücken von der zusätzlichen Belastung der Industrie durch teure Auflagen und Umstrukturierungen. In einer Zeit, in der eine Rezession im zweistelligen Bereich und hohe Arbeitslosenzahlen in den USA und Teilen des Westens mehr als nur ein kurzfristiges Problem darstellen dürften, soll Gretas Traum von einer CO₂-freien Welt neben der Belastung für die Wirtschaft auch auf Kosten des einfachen Bürgers weiter vorangetrieben werden.

Darüber hinaus kauft die EZB mit nicht existierendem Geld „faule“ (also wertlose) Anleihen und Anderes auf. Das ist so etwas Ähnliches wie ein umgekehrter Leerkauf. Beim Leerkauf gebe ich existierendes Geld für ein Produkt aus, dass dem Verkäufer (noch) nicht gehört; beim Anleihekauf existieren die Geldsummen nicht, aber ich kaufe dennoch ein real existierendes Produkt, noch dazu zu einem überhöhten Preis. Der Verkäufer tut so, als hätte er das Geld bekommen, dabei bucht er lediglich die Belastung aus seiner Bilanz aus. Der Käufer (die EU) macht dies freilich in der Hoffnung, dass es das Geld irgendwann mal geben wird, was er bereits ausgegeben hat. Auch hier liegen wir schon im Billionenbereich von Verschuldung auf die Zukunft hin.

Doppelte Pflicht des Bürgers

Hinzu kommt: Von den Bürgern wird erwartet, dass sie gleichzeitig die Umwelt schonen (also weniger Ressourcen verbrauchen) und mehr konsumieren, um das (unendliche) Wirtschaftswachstum zu sichern. Das alles mit Lohnerhöhungen, die oft der Konsumgüter-Inflationsrate liegen (von Zeit- und Leiharbeitern will ich gar nicht sprechen), während ihnen die Banken Minus-Zinsen „gutschreiben“, viele Lebensversicherungen nicht einmal mehr das Papier wert sind, auf dem die Police gedruckt wurde und die als Altersvorsorge gedachten Sparbücher geplündert werden müssen.

Vieles könnte man noch hinzufügen: Die einseitigen Abhängigkeiten des Exportlandes Deutschland vom Import vieler Güter, die produktionsrelevant sind. Auch die Migrationspolitik der EU und Deutschlands, die neben den vielen anderen Problemen vor allem nicht abschätzbare finanzielle Risiken in sich bergen und im Fall einer Hyper-Rezession auch zu sozialen Unruhen aus diesen Gruppen heraus führen könnten. Denn für die geschätzten „Gäste“ würde dann die Blase vom „gelobten Schlaraffenland“ schneller platzen als seinerzeit die Immobilienblase in den USA.

Corona ist nur Beschleuniger des Zusammenbruchs

Bei allem Verständnis, dass ich habe für viele Menschen, die sich um ihre Rechte und Freiheiten sorgen; bei all dem Kampf gegen Verschwörungstheoretiker, der notwendig zu führen ist; bei all dem Sehnen nach Urlaub und Erholung, das in mir als Befürworter der Regierungs-Maßnahmen in den ersten sechs Wochen genauso vorhanden ist wie bei Ihnen bzw. Euch:

Die Frage wird vermutlich bald nicht mehr lauten: Was wird uns denn noch alles verboten bzw. wann werden wir was wieder dürfen? Die Frage wird lauten: was kann meine, Familie, was kann ich, was kann der Sozialstaat sich bald noch leisten?

Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir jetzt nicht öffentlich Unruhe schaffen, dass wir nicht Querfronten bilden und uns gegenseitig massiv anfeuern und -stiften. Nicht „Revolution“ darf auf unseren Fahnen stehen. „Freiheit“ muss darauf stehen und „Solidarität“.

„Ich bin doch nicht der Hüter meines Bruders!“ „Dann ist es hohe Zeit, dass Du es wirst!“. Für die Kinder, für die Armen, für die Alten und Behinderten. Was ein Gemeinwesen und was seine Glieder wert sind, zeigt sich immer erst in Zeiten drohenden Unheils oder tatsächlicher Bedrängnis.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.