(Michael van Laack) Mehrere ARD-Häuser und die SZ berichten übereinstimmend vom Bestreben der deutlichen Mehrheit des BuVo, Andreas Kalbitz zeitnah aus der AfD zu entfernen. Neben Götz Kubitschek, der zudem kein Parteimitglied ist, Björn Höckes wichtigster Mentor.

Ich sag mal so: Wenn eine Partei jemanden los werden möchte, ist das grundsätzlich legitim. Aber dann soll man doch bitte nicht über Wochen in kleinen Zirkeln Pläne machen, mehrfach Termine verschieben, an denen man den Fangschuss geplant hatte, sich vor wenigen Tagen eine neue Deadline setzen und das Ganze dann fleißig durchstechen.

Ein weiterer folgenschwerer strategischer Fehler?

Manche haben in den vergangenen Wochen Vorsicht mit Zaudern verwechselt. Das rächt sich nun. Kalbitz legt vor. Und vor allem plaudert man nicht mit den MSM. Zeigt man beim Online-Pokern einem Haltungsjournalisten sein Blatt, bekommen es die Gegenspieler sofort auf ihre Smartphones, damit er länger über die Partie berichten kann.

Mit „Betreutes Denken-TV“ kann man gern reden, kurz bevor ein „Event“ angesetzt ist, sie ein ganz klein wenig vorbereiten, mehr aber auch nicht; man kann sie auch bitten, das ein oder andere Dokument beschaffen zu helfen und ihnen dafür „behind the scenes“ Informationen zu einem ganz anderen Thema stecken. MSM sind auch bereit AfD-Hände zu waschen, wenn für sie dabei ein gutes Trinkgeld herausspringt.

Doch dem rechtsextremen Chefstrategen schlechthin eine Steilvorlage zu liefern und so eine öffentliche Debatte anzustoßen, die nur dem immer noch existierenden und immer noch bestens vernetzten und organisierten Flügel helfen wird… Bei allem Respekt, liebe Plaudertaschen des AfD-Bundevorstands: Das war eine weitere strategische Dummheit nach so vielen Fehlern seit 2017. Man muss beinahe den Eindruck gewinnen, gewissen Top-Kadern liegt nichts an der Reinigung, die sie vollmundig angekündigt haben. Es darf vermutet werden, dass viele sich den status quo wünschen und glauben, der Wähler und vor allem die Mitglieder würden das goutieren.

Zwei Seelen in einem Körper zerreißen ihn

Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81785082

Die Mitglieder laufen in Scharen davon in diesen Monaten, das ist ein offenes Geheimnis. Jörg Meuthen und vielen um ihm ist klar, dass die Partei nicht zugleich sozial-patriotisch und konservativ-liberal sein kann. Nicht zuletzt deshalb hatte der Bundessprecher ja auch neulich eine Spaltung angedacht, die aber von der Mehrheit in BuVo und LaVos rasch abgeräumt wurde. Dieselben Leute scheinen mir jetzt diesen Bock geschossen zu haben, obwohl der Schuss doch eigentlich Kalbitz gelten sollte.

Kalbitz gibt nur das zu, was schon auf dem Tisch liegt

Da ist er ja kein Einzelfall im politischen Betrieb. Noch vor einigen Wochen wusste er von nichts, der Schattenmann Björn Höckes, der Mastermind des Flügels. Nun aber liegt NDR, WDR und SZ eine Erklärung von ihm vor, in der er es für „durchaus möglich und wahrscheinlich“ hält, dass er auf einer Interessenten- oder Kontaktliste der mittlerweile verbotenen rechtsextremen Organisation „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) aufgeführt sei.

Er weiß: Das ist nicht nur möglich, sondern Fakt. Kalbitz scheint zumindest in Auszügen ein Gutachten zu kennen, dass sich hierzu äußert. Das vollständige Gutachten aber kennen Kalbitz und sein Rechtsbeistand offensichtlich noch nicht. Sonst wäre er zweifellos auch zu einem anderen wesentlichen Punkt in seiner Erklärung in die Offensive gegangen. Sei‘s drum!

Höckes Mentor wird sich als Opfer inszenieren

Von Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86913879

Alles, was in den vergangenen Monaten mühsam zusammengetragen wurde, könnte nun für die Katz sein. Selbstverständlich würden auch die MSM ihn lieber heute als morgen am Boden liegen sehen; den Mann, der den Witikobund und die Landsmannschaft Ostpreußen als lustige Trachten- und Traditionsvereine darzustellen versucht: der nur versehentlich in Athen auf einer Demo gewesen sein will, auf der u.a. auch eine Hakenkreuzfahne gehisst wurde, was irgendwie nach Claudia Roth klingt, die ja auch total unbewusst an einer Veranstaltung teilgenommen haben will, auf der „Deutschland, Du mieses Stück Scheiße“ skandiert wurde.

Hauptbeweis sei gefälscht

Es existiert ein Dokument, laut dem Kalbitz als Mitglied jener HDJ geführt wurde, bei der er nur auf der Kontaktliste gestanden haben will. Dieses Dokument sei gefälscht, ließen er und sein Rechtsbeistand wissen. Das ist freilich Stand jetzt eine unbewiesene Behauptung. Aber wen wird das interessieren im Osten? Oder in Schleswig-Holstein, dem „Nazi-Land der AfD“, wo man auch bei Gelegenheit mal mit einem eisernen Besen durchkehren sollte. Auch in Bayern hat Kalbitz viele Anhänger.

Die sehen ihn nun als Opfer einer üblen Intrige, die von Jörg Meuthen und anderen im BuVo gesteuert wurde, um der „wahren AfD“, die sich um Höcke und Kalbitz scharrt, zu schaden. „Die Spalter sind nun auch Fälscher!“, wird es bald heißen. Die Wut steigt schon in diesen Minuten auf FB und Twitter.

Meuthen & Co. müssen JETZT in die Offensive

Warten, bis der Schuss sicher sitzt? Zu spät, meine Damen und Herren! Schon die Tatsache, dass einige aus BuVo sich zu Aussagen haben verleiten lassen, die aus der Jägersprache stammen, ist deppert genug. Wenn die Protagonisten, die Kalbitz‘ Mitgliedschaft für nichtig erklären lassen wollen, wegen falscher Angaben nicht binnen 48 Stunden alles auf den Tisch legen, was sie haben – also spätestens am 15. Mai – wird die Lage nicht mehr einzufrieren sein. Schon jetzt sind zu viele Leute vorgewarnt, weil manch einer in Vorfreude wieder nicht die Klappe halten konnte. Und sollten sie weniger haben, als das Gutachten hoffen lässt… Nun dann dürfte das die letzte Offensive der Mitte der Partei gegen die Völkisch-Nationalen in ihr gewesen sei.

Vom real immer noch existierenden Flügel mag man halten, was man will, sicher ist: Er ist deutlich besser organisiert und strukturiert, fährt eine kluge offensive Strategie und scheint auch die besseren Anwälte zu haben. Aber wer weiß: Vielleicht ist die Mitte ja noch klüger und fährt in diesen Stunden eine Sandwich-Strategie… Schon sehr bald werden wir es wissen!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.