(Michael van Laack) In den Kommentarspalten auf unserem Blog lassen wir so ziemlich jeden zu Wort kommen: „Rechte“, „Linke“, „Liberale“, „Christen“, „Atheisten“ und was sonst noch so über Gottes (schöne) Erde läuft. Im Kleinen versuchen wir, jenen Diskurs zu ermöglichen, der im wirklichen Leben in unserem Land immer schwieriger wird, teilweise gar nicht erwünscht erscheint.

Wir „Bürgerlichen“, „Patrioten“ oder „Konservative“ leiden allerdings m.E. mittlerweile vermehrt an der gleichen „Krankheit“, wie unsere Meinungs-Gegner. Mich stimmt das traurig, denn diese Entwicklung lässt – mit Blick auf die vielen Probleme, die unsere Gesellschaft zu bewältigen haben wird in den kommenden Jahrzehnten – wenig Gutes erhoffen.

Vor ein paar Tagen hat mir ein Freund in einem Kommentar auf Facebook das Lied von Andreas Gabalier “A Meinung haben“ aus dem Jahr 2015 in Erinnerung gerufen. An dessen Text entlang hangelnd möchte ich nun ein paar Gedanken aufschreiben, die mir schon seit einiger Zeit durch den Kopf gehen. Den Text gebe ich im Original wieder, nicht in der dialektfreien Übersetzung, die würde sich holprig lesen.

Das wird man doch noch sagen dürfen…

„Wos is des bloß – Wo kummt des her – Neue Zeit, neues Land – Wo führt des hin?

Wie kann des sein – Dass a poar Leut – Glauben zu wissen – Wos a Land so wü

Is des der Sinne einer Demokratie?

Dass ana wos sogt und die andern san stü?“

Gabalier veröffentlichte diesen Song viele Monate vor der Grenzöffnung, doch hatte er – ein aufmerksamer Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen – in den Jahren zuvor eine sich verfestigende Tendenz erkannt: Meinung von Minderheiten oder gar von Einzelnen wurden entweder nicht beachtet, oder – wenn sie dem politisch Gewollten oder anderem Mainstream nicht entsprachen – niedergeschrien.

Der Sänger nahm das Verdunsten der Demokratie wahr, die Konzentration der Macht auf eine immer weiter sinkende Zahl von Entscheidern; er erlebte Situationen, in denen nicht einmal mehr die Volksvertreter in den Parlamenten ihrem Gewissen folgen durften. Regierungschefs und EU-Kommission, sonst nichts! Bürger, die diese Entwicklung kritisch kommentierten, wurden diskreditiert; Parteien aus dem Diskurs ausgeschlossen.

In dieser Zeit verstärkte sich auch bei uns in Deutschland das Unbehagen. Man hatte nicht einfach nur „das Gefühl“, ausgeschlossen zu werden, beschnitten und verspottet, wenn man sich zu Themen wie Migration, Islam, Euro, Atomkraft, Zentralstaat usw. nicht im Regierungssinn äußerte. Die Zeichen standen nun für alle sichtbar auf Sturm. Die großen Medienhäuser griffen öffentlich jede Position und Person an, die gegen Regierungswillen gerichtet öffentliche Beachtung fand oder gar Wirkungstreffer erzielte. Erstmals für alle sichtbar geworden war diese Entwicklung in der „Causa Sarrazin“.

Viele kämpften – wo nötig, auch allein!

„A Meinung ham, dahinter stehn – Den Weg vom Anfang zu Ende gehen

Wenn sei muaß ganz allan do oben stehn

A Meinung ham, Dahinter stehn – Heute so, mit felsenfester Meinung

Doch wenns ned aufgeht – Is morgen kana do!“

Allein kämpfen ist irgendwie Mist. Aber es gibt ja andere Möglichkeiten. Man schließt sich zusammen zu einer Bewegung (wie z.B. Pegida) oder tritt einer Partei bei (wie z.B. der AfD). „Gemeinsam sind wir stark!“ Na ja… zumindest fühlt man sich umgeben von Gleichgesinnten weniger einsam.

Allerdings hatten nicht alle die Möglichkeit (manchen liegt auch das politische „Mit den Wölfen heulen“ nicht) sich mit Gleichgesinnten zusammenzuschließen. Manchen fehlte auch der Mut, sich zu „outen“, denn das Klima im Land wurde – angeheizt von den Altparteien, die eskortiert von „Betreutes Denken“-TV eine regelrechte Hetzjagd begannen – immer rauer. Manche fürchteten um ihren Arbeitsplatz, wenn sie sich zu klar positionierten, andere wurden bedroht, am heftigsten aber traf viele die öffentliche Herabsetzung als „Nazi“ oder „Faschist“. Oft anlasslos, oft wegen Kritik an Greta Thunberg, den Grünen, der Migrationspolitik oder der Ideologie des Islam. Kritik an der Kanzlerin wurde gar als Gotteslästerung empfunden.

Doch wenns ned aufgeht – Is morgen kana do, singt Gabalier. – Reinhard Mey hat das in seinem Song „Allein“ weiter ausgeführt: „Und mancher hat mir auf die Schulter geklopft, doch mir scheint – Es hat wohl mancher eher sich, als mich damit gemeint – Die Worte wurden lauter, und sie gaben keinen Sinn, das Gedränge immer enger, und ich stand mittendrin.“

Früh begannen sich jene gegenseitig zu misstrauen, die gemeinsam auf der Straße und in den Sälen waren, um vor einer heraufziehenden politischen Religion zu warnen, gar zeitnah Deutschland als das kalte Herz in einem totalitären Europa sahen, dessen Schrittmacher Angela Merkel sein würde. Misstrauen aber ist kein guter Ratgeber.

Ihm folgend brachen manche Gemeinschaften und Bündnisse rasch auseinander, die Zahl der Einzelkämpfer und „einsamen Wölfe“ wuchs wieder. Unter vielen Merkel-Gegnern dominierte nun Verbitterung. Auch Hoffnungslosigkeit legte sich wie ein Schatten auf manche „Seele“.

Misstrauen und Hoffnungslosigkeit: Düngemittel für den Willen, Anderer Meinung zu unterdrücken

„A Meinung ham, dahinter stehn – Den Weg vom Anfang zu Ende gehen

Wenn sei muaß ganz allan do oben stehn

A Meinung ham, dahinter stehn – Die Welt mit eigenen Augen sehn

Ned ollas glauben wos a poar so redn.“

Nun wird es Zeit, über „uns“ zu reden: Über uns, die wir die Demokratie retten wollen; die wir das Vaterland vor „Merkill“ schützen wollen, an deren Händen doch „so viel Blut klebt, dass darin eine Kleinstadt ersaufen könnte.“. Über all die „linksgrünversifften Buntfaschisten“, das „widerwärtige kommunistische Pack“, das nicht verdient, die Luft des patriotischen Deutschlands zu atmen.

Über uns, die wir Habeck, Stegner, Kühnert und anderes „Antifa-Dreckszeug“ gerne „brennen sehen“ würden; über uns, die wir „kotzen könnten, wenn wir die pubertäre Hackfresse der psychisch erbkranken Greta Thunberg sehen“;  über uns, die wir uns gegenseitig Mangel an Patriotismus vorwerfen; uns unterstellen „Feindzeugen“, „U-Boote“, „False Flag“ oder was auch immer sonst zu sein.

Und warum all das? Weil zu viele „da oben stehen“ möchten. Unsere Sicht der Welt ist die einzig richtige, wer uns im Weg steht, wird abgeräumt.

Wer als AfD-Mitglied öffentlich konstruktive Kritik an der Partei übt, (nicht wer provoziert mit Nazi-Vergleichen, -Relativierungen oder menschenverachtenden Aussagen) ist in der Welt vieler Mandatsträger in Bund und Ländern ein „Nestbeschmutzer“, ein “Freiheitsschädling“. Wer außerhalb der Partei stehend solche Kritik übt, muss ein Linksradikaler sein (vielleicht gar ein „Jude“ oder Islam-Freund).

Wer es wagt, zu schreiben: „Könnte die Regierung in dieser oder jener Frage nicht auf dem richtigen Weg sein?“ wird aus der Gemeinschaft der Anständigen – weil für die Meinungsfreiheit kämpfenden sogenannten „Bürgerlichen Mitte“ – ausgeschlossen. Mit etwas Glück beim ersten Mal auch nur virtuell mit öffentlich sichtbarer roter Farbe markiert als Abweichler, dem Reue und/oder Widerruf anzuempfehlen sei. Ihr oder ihm kann man nicht trauen. „Freunde der Gesundheitsdiktatoren“, „Unterstützer der SED 2.0“. Denn nur, wer zu 1000 Prozent gegen alle außerhalb unserer Partei, Bewegung oder Blase existierenden Un-Meinungen aufsteht, ist für uns!

Viele „Meinungsfreiheits-Kämpfer“ entwickelten sich zu  „Meinungsfreiheits-Hassern“

Oft lese ich auch: „Solche Meinungen sollte man verbieten.“ Oder hier bei uns auf PP: „Wie können Sie einen solchen Menschen zu Wort kommen lassen?“.

Nicht erst seit dem offenen Ausbruch des Flügelstreits in der AfD nehme ich wahr, dass sich (Tendenz 2020 extrem steigend) Mandatsträger, Mitglieder, Unterstützer und Sympathisanten der Partei und Personen in anderen so genannten liberalkonservativen und nationalkonservativen Milieus jene Mentalität zu eigen machen, die sie bisher mit Blick auf die Regierung und staatstreue Medien bekämpften.

Systematisch werden Kräfte verächtlich gemacht, aus dem Diskurs ausgeschlossen, die nicht auf der Linie „Totaler Angriffskrieg gegen die ‚Scheindemokratie Deutschland‘“ stehen. Wer Strategien der Fraktionen oder der Vorstände kritisiert (selbst dann, wenn sie bereits gescheitert sind oder doch zumindest das Scheitern absehbar ist), dessen freie Meinung muss getilgt werden, den gilt es abzuschalten.

Immer mehr bisher klug agierende Mandatsträger, Journalisten und andere hohe Reichweiten erzielende Menschen gleiten ins Wahnhafte ab. Sehen sich umgeben von Abermillionen Spitzeln, die Merkels ewige Kanzlerschaft sicherstellen wollen. Sie verbünden sich in Querfronten, die rasch zu Volksfronten mutieren können; mit Kräften, die sie noch vor wenigen Monaten nicht einmal mit der Kneifzange angefasst hätten. Sie unterdrücken öffentlich die Meinung jener (versuchen gar, deren Reputation zu zerstören, falls es ihnen opportun erscheint), die sich dieser „Feinde-meiner-Feinde-Strategie“ entgegenstellen.

In der jetzigen Verfasstheit empfehle ich dem, was sich „Bürgerliche Mitte“ nennt, eine Gleichschaltung mit den Altparteien. Denn was Gesinnungsdiktat und Meinungsunterdrückung betrifft, stehen viele von „uns“ mittlerweile auf Augenhöhe mit der „letzten Verteidigern der freien Welt“ und ihren strategischen Beratern.

Kaum mehr besser als der Gegner

Kein Charisma, keine Vorbildfunktion! Auf der Ebene der Moral befindet sich die „bürgerliche Opposition“ auf Augenhöhe mit jenen in der Tat demokratiegefährdenden Gestalten, die sie bekämpft. Im Wording und im Verhalten auch: Diskursverweigerung und Dämonisierung jeglicher Abweichung vom „Contra aus Prinzip“.

Was mich betrifft: Ich habe die Hoffnung auf eine Erneuerung Deutschlands im Sinne seiner Befreiung von dem Schutt, den die Regierungen Schröder und Merkel auf die Demokratie geworfen haben, lange noch nicht aufgegeben. Aber ein wenig müde werde ich in diesen Tagen schon.

Ich hoffe immer noch darauf, dass sich jene rechtsintellektuellen Eliten, die keine andere Republik wollen – sondern unsere bewahren – am Ende durchsetzen werden. Wenn ich allerdings auf große Teile des aktuell führenden Personals in der einzigen Alternative für Deutschland schaue, frage ich mich selbst immer mal wieder an, ob ich nicht zu optimistisch bin.

GOTT SCHÜTZE DAS HEILIGE DEUTSCHLAND!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.