(Michael van Laack) Neulich hatte Esther Bejarano in einem Brief an den Bundespräsidenten und die Kanzlerin angeregt, den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu erheben als „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“. AfD-Fraktions-Chef Gauland kann dieses Ansinnen nicht nachvollziehen.

Nur für Wenige ein Tag zur Freude

Ja, der 8. Mai sei für manche gewiss ein Freudentag, „ein Tag der Befreiung gewesen“, aber wenn man es genau nähme, doch lediglich für jene, die aus den Konzentrationslagern befreit wurden in den Wochen zuvor. Man dürfe allerdings nicht nur diese einzelne Gruppe im Blick haben, wenn man die Wirkung des 8. Mai 1945 betrachte. „Die in Berlin vergewaltigten Frauen werden das ganz anders sehen als der KZ-Insasse“. Für jene sei der 8. Mai gewiss kein Freudentag gewesen.

Nach der Niederlage große Teile des Reichs verloren

Auch müsse man bedenken, was diesem Datum folgte. Am „Tag der absoluten Niederlage“ und in der Folge „des Verlustes von großen Teilen Deutschlands“ habe kaum ein Bürger des Reichs Grund zur Freude gehabt.

Bekanntlich wurden nach der Kapitulation die Reichsgrenzen so festgezurrt, wie es auf Jalta und in anderen Konferenzen der Siegermächte schon früh angedacht bzw. beschlossen worden war. Große Teile des Ostens gingen verloren und auch im Westen biss sich Frankreich ein Stück ab.

Ein unfreier Staat war die Folge

Das Reichsgebiet wurde in Folge der Kapitulation unter den Siegermächten in Zonen aufgeteilt. Mit dem 8. Mai 1945 begann also die Phase – so Gauland weiter – „des Verlustes der Gestaltungsmöglichkeiten.“

Die Bürger konnten nicht mehr frei entscheiden, Handel nicht eigenständig treiben, durften sich politisch nicht mehr äußern. Die verbliebenen hohen Militärs und nicht belastete Politiker hatten keine Möglichkeit, sich positiv einzubringen, um die Auferstehung aus den Ruinen zu beschleunigen.

Gaulands Einwand ist überlegenswert

Doch scheint der Ehrenvorsitzende der AfD aus der Vogelschiss-Causa entweder nichts gelernt zu haben oder ihn treibt die Freude an der Provokation dazu, KZ-Insassen und vergewaltigte Frauen einander als Opfergruppen entgegenzusetzen.

Auch der Hinweis auf eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten klingt seltsam in den Ohren. Haben wir als Deutsche das Recht, auf Einschränkungen hinzuweisen? Hitler-Deutschland hat andere Staaten überfallen und besetzt – Österreich, Böhmen und Mähren teilweise sogar ins Reich einverleibt. Wer außer den Deutschen hatte in diesen Ländern danach „Gestaltungsmöglichkeiten“?

Und auch die Wegnahme ehemaliger Reichsgebiete… Die Armee des 1000-jährigen Reiches hat zerstört, gemordet, okkupiert in einem Maß, dass man diese Gebietswegnahmen eher nur als kleine Entschädigung für erlittene Verluste an Menschen und Material bezeichnen konnte.

Ich gehe sogar soweit, zu behaupten: Wäre der Morgenthau-Plan Wirklichkeit und Deutschland ein Agrarstaat geworden, hätten wir uns darüber nicht beschweren dürfen nach alldem, was im Namen des Germanentums und zur Erreichung arischer Ideale geschah.

Dennoch ist der 8. Mai der weniger gute Tag

Gaulands Argument, das sei kein „Glückstag“ bzw. Freudentag, zählt nicht. Karfreitag ist ein gesetzlicher Feiertag und dürfte zumindest in den Christen keinerlei Freude auslösen. Auch dem früheren Feiertag am 17. Juni (Tag der deutschen Einheit) lag kein freudiger historischer Anlass zugrunde, er erinnerte an den mit Panzern niedergeschlagenen Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Und so wurde er auch nicht als „Feier“-Tag eingeführt, sondern als „Nationaler Gedenktag des deutschen Volkes“. Nur weil man frei hat, muss man ja nicht tanzen, saufen oder sich sonst wie „freuen.“

Wie Alexander Gauland halte allerdings auch ich den 8. Mai für ungeeignet als gesetzlichen Feiertag. Nicht nur, weil wir die „Erinnerungskultur“ in unserem Staat seit Jahrzehnten beinahe überbordend betreiben, sondern auch, weil wir in unsicheren Zeiten wie diesen (die noch viele Jahrzehnte anhalten werden), in denen das Kunstgebilde Europa (Brüssel) die Nationalstaaten fressen will, eher die Erinnerung daran bräuchten, was wir sind. Ein Nationalstaat, ein Vaterland, ein unabhängiges Deutschland. Deshalb würde ich den 23. Mai vorschlagen: den Tag, an dem Konrad Adenauer 1949 das Grundgesetz verkündet hat. Ein Gedenktag, der uns jedes Jahr neu bewusst machen würde, woher wir kommen und was wir sind, nicht aber (wie der 8. Mai) was wir verloren haben.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.