800 qm-Regelung für Geschäfte; Schulen, die Klassen auf 25% der ursprünglichen Größe reduzieren; in manchen Bistümern nun Gottesdienste für eine begrenzte Personenzahl. So medioker die Politik unserer Regierung vor der Semi-Pest des 21. Jahrhunderts war, so halbherzig und widersprüchlich entscheidet in diesen Tagen mancher Ministerpräsident. Kein Wunder also, dass sich diverse Parteien – allen voran die AfD – dazu verleiten lassen, den Abschuss der Taube auf dem Dach zu fordern und den Spatz in der Hand fliegen zu lassen.

Schreibe nur vor, was Du kontrollieren kannst!

Im Einzelhandel mag Kontrolle recht einfach sichergestellt werden können, denn Ordnungsamt und Polizei haben ja in diesen Tagen fast nichts anderes mehr zu tun, als durch die Geschäftsstraßen zu schlendern, Großgruppen zu trennen und die Hygienevorschriften in Geschäftsräumen zu prüfen. Bekanntlich machen die meisten Kriminellen und andere Migranten aktuell auch Corona-Pause zu Hause, so dass Ordnungshüter en masse verfügbar sein dürften, ja sogar Gelegenheit für die Exekutive besteht, hier und da selbst ein wenig zu shoppen während des Dienstes.

Auch für den Bereich Schulen hat man Aufsichtsbehörden, deren Mitarbeiter im Bereich „Sonderaufgaben“ sich ansonsten ganzjährig an den Fußnägeln spielen und deshalb in Corona-Zeiten gern mal aus dem Urlaubs- in den Arbeitsrhythmus wechseln und die Erfüllung der ministerialen Vorgaben zumindest bei Lehrplan- und Hygienefragen überprüfen.

Bei gottesdienstlichen Veranstaltungen wird das schwieriger. Man kann in den nächsten Wochen nicht neben jeden Eingang der Kirchen, Moscheen, Synagogen oder Tempel Staatseigentum (also Beamte) postieren, die sich vergewissern, dass nicht mehr als die verabredete Zahl an Personen entsprechend ausgerüstet und mit Sicherheitsabstand versehen teilnimmt.

Von Marek Gehrmann – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4035627

Halbe Sachen wecken Begehrlichkeiten

Der Einzelhandel hat in vielen Bundesländern wieder den Betrieb aufgenommen. Gleichzeitig wird die Forderung nach Mindestabstand und die Kontaktsperre (mehr als Zwei sind ein vielbeiniges Virus) aufrechterhalten. Was wir allerdings sehen, sind überquellende Einkaufsstraßen, Schlangenbildung vor manchen Geschäften, allgemeines Gewusel, Maskenträger fast nur in den Geschäften.

Unreguliert macht das keinen Sinn. Also entweder effektive Kontrollen oder Aufhebung aller Restriktionen. Entweder vollständige Maskenpflicht und Begrenzung des Zugangs zu Geschäftsstraßen oder sonstigen Sammelpunkten (Letzteres kaum realisierbar) oder Aufhebung der Dreier-Regel. Kalt oder Warm. Lau ist Murks!

Zuerst Schule, dann mit Opa ein Pfeifchen rauchen?

Die Abiturienten und andere Abschluss-Klassen zuerst! OK, da geht es richtig um etwas. Deshalb ist nachzuvollziehen, dass man den Postpubertierenden nicht den Endspurt versauen will. Außerdem brauchen wir dann ja auch im Herbst neue Auszubildende und Studenten… OK, Immatrikulationen könnten wir auch mal für zwei Semester aussetzen, denn heute wollen bekanntlich immer weniger junge Menschen arbeiten, stattdessen lieber den Hörsaalstuhl drücken, um einige Jahre später wenig gealtert aber doch schon weise geworden) richtig viel Kohle zu verdienen. – Täuscht Euch mal nicht, liebe Mädels und Jungs. Schon manches klugen Kopfes Kunst blieb nach dem Studium brotlos.

Und die Jüngeren? Alle Klassen bis runter zur Jahrgangsstufe 5 oder auch 4 sollen zeitnah ihren Lehrern (heute traurigerweise oft gleichzeitig Elternersatz) zugeführt werden. Nicht alle gleichzeitig und auch nicht einheitlich, versteht sich. Flickenteppiche sind viel hübscher…  Wie das im Einzelnen läuft? Nun… Puh… Also das sollen mal die Schulämter vor Ort entscheiden. Klassengröße 25 bis 40%.

Und nach welchen Kriterien, liebe Kultusminister? „Ach ja, wir machen jetzt erstmal irgendwie und dann sehen wir schon. Hauptsache, es bewegt sich wieder was! Schließlich soll die Lage ja dynamisch bleiben.“

Wenn die lieben Kindlein wieder die Schulbank drücken, werden sie automatisch sehr rasch in den früheren Tagesrhythmus rutschen. Ihre Eltern sind ja eh schon durchs Shoppen wieder auf dem alten Gleis. Oftmals wird es dann heißen: „Heute Nachmittag gehst Du zu Oma und Opa. Corona ist ja per Dekret unseres Ministerpräsidenten teilbesiegt worden!“

Von Bundesarchiv, Bild 183-S75969 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5369510

Entweder Gleichbehandlung und Chancengleichheit für alle Schüler in allen Schulformen und Aufhebungen aller Restriktionen oder mit Ausnahme der Prüfungsjahrgänge Schulschluss bis nach den Sommerferien. Kalt oder Warm. Lau ist Murks!

Denn auch aus nicht Wenigen, denen in den Kriegsjahren (vor allem in der Endphase) der Schulbesuch nicht regelmäßig möglich war, ist später noch was geworden. Die haben nicht nur mit den eigenen Händen sondern auch mit dem Kopf Deutschland wieder aufgebaut.

Gotteshäuser: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst?

Zahlreiche katholische Bistümer (evangelische Landeskirchen auch) ermöglichen ab dem kommenden Wochenende für begrenzte Personenzahlen (richtet sich nach der Raumgröße und der Zahl der Sitzgelegenheiten) die Teilnahme an Gottesdiensten. Das wird lustig! Telefonisch oder online kann man Platzkarten reservieren. In den Pfarrkirchen, die ich in Bayern und NRW kenne, liegen die zugelassenen Teilnehmerzahlen stets im Bereich von 25% des üblichen sonntäglichen Gottesdienstbesuchs, der ja in Deutschland bekanntlich ohnehin nicht mehr sonderlich hoch ist.

In den Einladungsinformationen mancher Gemeinden liest man so spannende Sätze wie: „Wenn alle Plätze belegt sind, kann jedoch niemand mehr eingelassen werden.“ Den Ehren- und Hauptamtlichen in vielen Gemeinden Deutschlands wünsche ich ebenso viel Erfolg wie Spaß dabei, an Kirchentüren Gläubige abzuweisen.

Von Mogadir – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20470864Auf der anderen Seite könnten manche Pfarrer so denken wie die meisten Imame: Papier ist geduldig. Uns kontrolliert eh niemand. Nun… Christen sind keine Muslime. Von Christen muss man keine lokalen „Aufstände“ befürchten, wenn die Teilnahme an Gottesdiensten oder sonstigen Zeremonien verwehrt wird. Daher empfehle ich den Verantwortlichen in den Kirchengemeinden dringend, solche Optionen zu verwerfen. Das wird richtig teuer, falls mal ein Maulwurf in der Kirche sitzen sollte.

Das alles sendet nur verwirrende Signale, wirkt bestenfalls kurzfristig als positiver Schub. „Hurra, endlich wieder Gottesdienst!“, wird es am ersten Wochenende bei vielen heißen. Danach steigt die Ungeduld und bei manchen die Unbeherrschtheit, weil sie in welcher deutschen Kirche auch immer nicht eingelassen wurden. Kalt oder Warm. Lau ist Murks!

GANZ ODER GAR NICHT,

IHR MÜSST EUCH ENTSCHEIDEN!

Was mich betrifft: Ich mag halbe Lösungen nicht! Egal ob bei qm-Größen von Läden, teilweisen Schulöffnungen oder eben Gottesdiensten mit begrenzter Teilnehmerzahl.  Deshalb werde ich Gottesdienste erst wieder besuchen, wenn es keine Platzkarten oder telefonische Reservierungen oder was auch immer mehr gibt! Ebenso werde ich Einkaufsstraßen in Stoßzeiten meiden. Was bringt es denn, sich dort durchzudrängeln, um dann pflichtgemäß am Zugang zu irgendeinem Laden die Maske aufzusetzen und peinlich auf den Abstand in der Kassenschlange bedacht zu sein?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Engmaschige Überwachung der Verordnungen oder der Verzicht auf sie! Alles andere schwächt Tag um Tag die Glaubwürdigkeit bei der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die den Ernst der Lage erkannt und sich deshalb in den vergangenen Wochen vorbildlich verhalten hat.

So, das wars für heute…

Ach nein, etwas Persönliches möchte ja ab und an auch in meine Blogartikel einstreuen: Auf dem Bild im Titel ist die Kapelle in Kammlach/Unterallgäu abgebildet, in der ich am 9. September 2000 – wenige Tage nach der standesamtlichen Trauung in Voerde am Niederrhein – kirchlich heiraten durfte. Also natürlich nicht nur ich, da gehören bekanntlich immer zwei dazu… und wenn es nach den Grünen ginge, demnächst vielleicht auch drei. Wie auch immer!

Es handelt sich um die Sankt Sebastianus-Kapelle, die 1635 auf einem alten Pestfriedhof erbaut wurde. Passt ja auch irgendwie zum Thema, gell? Hochzeiten und andere Feiern finden dort nur alle paar Jahrzehnte mal statt, weil sie der Sondergenehmigung des Ortsbischofs bedürfen. Das Bistum Augsburg ist da sehr pingelig. War voll schön damals! Und anschließend gab es ja auch noch lecker Essen…

***

Sie lesen gern die Debattenbeiträge und Analysen fernab des Mainstreams, die Ihnen Michael van Laack auf PP bietet? 

Dann können Sie ihn für sein Engagement hier unterstützen:

Paypal

Vorheriger ArtikelCorona-Test: Einkaufen ohne Merkel-Maulkorb – darf man das?
Nächster ArtikelMesser-Attacken: Syrische Hanauer mit Vollbart stechen auf Passanten ein
Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.