Manch einer hat sich gestern überrascht die Augen gerieben, als der Bundestagspräsident im Interview den Satz sprach: „Wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig“. Einige nannten dies eine im Kern richtige wenn auch unglückliche Formulierung; andere wiesen darauf hin, er habe die Aussage nur auf die Corona-Restriktionen bezogen; wiederum andere nannten eine solche haltung menschenverachtend. Aus meiner Sicht fügt sich die Aussage nahtlos ein in ein Szenario, das wir in Deutschland und im Bezug auf Deutschlands wirtschaftliche Interessen im Tun oder eher mehr im Lassen der Bundesregierung weltweit sehen.

Zuerst der Markt – dann der Mensch?

Nehmen wir die Frage nach dem „Recht auf Abtreibung“ als erstes Beispiel. Die Diskussion, dass „mein Bauch mir gehört“, hat sicherlich etwas mit Emanzipation und Feminismus zu tun, mit sozialistischer Ideologie schlechthin. Dass die Forderung aber in der Gesellschaft so virulent wurde und es einer Gesetzesänderung bedurfte, ist primär der wirtschaftlichen Entwicklungen geschuldet. Jeder Mann und jede Frau hat zum Wohlstand dieses Landes in Form einer Erwerbstätigkeit beizutragen. Seit 1970 ist die Zahl der Erwerbstätigen um ca. 70% gestiegen, die Zahl der Arbeitsplätze liegt noch höher, da mancher Deutsche auch zwei Halbtagsjob wahrnehmen muss, um über die Runden zu kommen. Dann müssen halt ca. 120.000 Ungeborene pro Jahr ein Opfer bringen, um das soziale Gleichgewicht und den Wohlstand nicht zu gefährden.

Die Vereinfachung des Scheidungsverfahrens erhöhte und erhöht weiterhin soziale Notlagen. Die Beziehungs- und Bindungsfähigkeit nahm innerhalb eineinhalb Generationen zudem radikal ab, da vor allem bei jungen Frauen der eigene Arbeitsplatz – das nicht mehr „Mutter sein müssen“ – ein trügerisches Gefühl von Unabhängigkeit erzeugte. Schauen wir auf die Armutsberichte der letzten Jahre, gruselt es uns.

Deshalb ist es nur zu verständlich, dass der Staat – den Mythos aufrechterhaltend, er sein ein humanistischer oder gar christlicher – die „soziale Indikation“ als Problemlöser einführte. Das wirtschaftliche Interesse wird hier eindeutig dem Leben übergeordnet. Wie Schäuble schon sagte: Es ist in der Absolutheit falsch, dass hinter dem Schutz des Lebens alles zurücktreten müsse.

In Afrika fühlt sich Deutschlands Geiz noch geiler an

Klar, wir sind eine Exportnation. Eine hochtechnisierte, die Spitzenprodukte in alle Welt verkauft. Dazu bedarf es zahlreicher Rohstoffen, seltener Erden oder Erze, bestimmter Chemikalien. Die haben wir nicht, aber die wollen wir und brauchen wir. Und wir wollen Sie selbstverständlich kostengünstig um unsere Gewinne zu maximieren und das Lohnniveau im eigenen Land im Vergleich zu vielen anderen Staaten hoch halten zu können.

In Sonntagsreden erscheinen unsere Politiker stets problembewusst: „Wir wissen, wie viele Kinder oder junge Menschen dort (in Afrika oder Asien) unter menschenunwürdigen Bedingungen dies und jenes für unsere Industrie aus der Erde graben oder herstellen. Wir wissen, wie viele sterben binnen weniger Jahre nach dieser Tätigkeit oder Langzeitfolgen erleiden. Auch wissen wir, dass gegen viele Gewalt ausgeübt wird und sie regelrecht versklavt sind.“

Nach solchen Worten lässt man in der regel öffentlichkeitswirksam den Hut herum gehen, spendet ein paar Millionen, baut eine hübsche kleine Musterfabrik auf, die zwar wirtschaftliche unrentabel ist, aber schöne Bilder für Deutschlands Bevölkerung liefert… Und schon ist alles wieder gut? Wie Schäuble schon sagte: Es ist in der Absolutheit falsch, dass hinter dem Schutz des Lebens alles zurücktreten müsse.

Leistungsdruck tötet manchmal den Körper und häufig die Seele!

Es ist die Rede von Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie, optimale Arbeitssicherheit. Nicht die Rede ist von den Millionen, die täglich neu einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt sind. Noch erfolgreicher, noch schneller, noch innovativer. Diese Forderungen des Managements zahlreicher Firmen werden entsprechend von oben nach unten durch die Hierarchien geknüppelt, denn schließlich will Deutschland ja Exportweltmeister bleiben, das beste Gesundheitssystem haben, die beste Altenpflege, die kreativsten IT-Köpfe.

Schichtarbeit, Mehrfacharbeitsplätze, konsequent dann Stressabbau im sozialen Umfeld und folgerichtig neue psychische Belastungen. Die Zahl der Burnouts steigt, die der Depressionen, der Suizide. Mit großer Betroffenheit berichten unsere Politiker und die Medienschaffenden davon… Es wird viel Geld in die Behandlung der Erkrankten gepumpt. Aber am System ändert sich nichts, denn bekämpft wird wie an so vielen Stellen nur die Wirkung, nicht die Ursache. Wie Schäuble schon sagte: Es ist in der Absolutheit falsch, dass hinter dem Schutz des Lebens alles zurücktreten müsse.

Glückliche Kita-Kinder und Ganztages-Schüler

„Mama und/oder Papa gehen jetzt fein arbeiten, Schatz. Und Du sei ganz brav. In zehn Stunden holen wir Dich dann ab und erziehen Dich. Versprochen! Oder willst Du dann lieber zur Oma oder bei Deinem besten Freund übernachten?“ bzw. „So jetzt ab in die Schule! Heute sehen wir uns ja nicht mehr, denn Du hast ja zehn Stunden und wir Mittagschicht! Sollen wir am Wochende mal was zusammen unternehmen? Oder bist Du da mit dem Sportverein unterwegs?“

Pädagogisch wertvoll, alle ganz toll! Die Haupterziehungslast trägt der Staat, aber die Bindung der Kinder an ihre Eltern ist viel besser als in den dunklen Zeiten, wo es noch keine Ganztageseinrichtungen gab. – Das ist das Bild, was man uns vermittelt. Nebenbei wird erwähnt, die Aggressionsstörungen, Depressionen und Suizide von Jugendlichen hätten springhaft zugenommen. Alledings habe das mit irgendetwas anderem zu tun, nicht mit dem frühzeitigen Abschneiden der Beziehung zu den Eltern, die strebsam die Volkswirtschaft stärkten. Wie Schäuble schon sagte: Es ist in der Absolutheit falsch, dass hinter dem Schutz des Lebens alles zurücktreten müsse.

Kranke Senioren kosten nur

Wir pflegen unsere Senioren. Wir lassen sie nicht im Stich. Allerdings nicht um ihrer selbst willen. So wie bei der Kindererziehung steht der Staat als Übervater auch hier nur deshalb an der Seite der Schwachen und Alten, weil sie ein Hemmklotz am Fuß der arbeitsfähigen Menschen sind. Drei Generationen unter einem Dach? Das gibt’s sicher nur noch bei unseren muslimischen Mitbürgern und in den Inzuchtdörfern des Schwarzwalds…

Was man „gut aufgehoben“ nennt, ist eher „effektiv abgeschoben“. Viele Senioren verzweifeln, kommen mit der Situation, nach dem Tod des eigenen Partners nun im Seniorenheim leben zu müssen, nicht klar. Sie vereinsamen in ihrer neuen „Gemeinschaft“. Ihre Seele siecht dahin, die Demenzgefahr steigt stressbedingt.

Das freilich sind nicht die Bilder, die uns allabendlich übers TV erreichen. Dort sehen wir eher solche von dankbaren Senioren, deren Leben und Weben der Staat schützt und begleitet. Wie Schäuble schon sagte: Es ist in der Absolutheit falsch, dass hinter dem Schutz des Lebens alles zurücktreten müsse.

NUR SEHR WENIGES MUSS IN DIESEM LAND HINTER DEN SCHUTZ DES LEBENS ZURÜCKTRETEN, HERR SCHÄUBLE! WIRTSCHAFTLICHE INTERESSEN GANZ GEWISS NICHT!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.