(Michael van Laack) Gestern veröffentlichte die Heidelberger Rechtsanwältin auf der Homepage ihrer Kanzlei einen Text mit der Überschrift: „Salüt Pichi, lieber Timmi, hallo Zucki, grüß dich Jeffi, hallo zusammen, Ihr lieben Jungs!„. Ihre Fans (oder sollte ich in ihrem Sinn lieber A*** schreiben?) werden das ganz gewiss als gelungene Satire abtun, auch wenn die meisten von ihnen verstehen, dass es nicht so gemeint ist. Es zeichnet sich immer klarer ab: Die mit Beate Bahner als Gallionsfigur inszenierte Schmierenkomödie ist ein Kunstprojekt. Dessen einzige Intention: Widerstand gegen den Staat gerieren! Ob dies ein Projekt aus tiefster Überzeugung ist oder unter falscher Flagge als honeypot gedacht, werden die nächsten Wochen zeigen.

Steht hinter BB ein Team?

Vergleicht man die Texte auf ihrer Seite seit Beginn der Kampagne am 3. April und auch die Wortwahl des Audios, lassen sich mindestens drei klar voneinander unterscheidbare Stile erkennen. Gleiches gilt für Grammatik und Interpunktion. Die ganze Nummer könnte in Frau Bahners Hirn ersonnen worden sein… eigentlich. Aber schaut man darauf, wie strukturiert im Netz verbreitet wurde, dürften zumindest mit der Ausführung andere betraut gewesen sein. Solche, die kampagnefähig sind und so etwas nicht zum ersten Mal inszeniert haben.

Ein Hilferuf an Google, Apple, Facebook u. Amazon?

Ganz gewiss nicht. Mit den in der Überschrift mit „Kosenamen“ Angeredeten sind zweifellos Sundar Pichai, Tim Cook, Marc Zuckerberg und Jeff Bezos gemeint. Jedoch handelt es sich bei diesem Text um eine äußerst klug angelegte Mischform, die zwar als eine Satire auf die Gedankenwelt der Verschwörungstheoretiker geschrieben ist, um juristische Unangreifbarkeit zu erlangen, letztendlich aber in der Intention eben nicht Satire ist und in den Subtextschichten bei den Empfängern (Fans, A***) die Botschaft entstehen lassen soll: „Wir, die guten Widerständler gegen alle Corona-Restriktionen) sind von Feinden umgeben. Ich bin aktuell in Bedrängnis und kann deshalb nicht mehr die Wahrheit schreiben, sondern muss ins satirisch-sarkastische Fach wechseln. Ihr aber: Kämpft weiter für die Sache und für mich!“

Link auf der Seite der Kanzlei, der zur chronologischen Übersicht ihrer bisherigen „heldenhaften“ Aktivitäten führt

Dunkle Legionen politischer Religionen

Ziel von Google und Apple sei es, einen Chip zu entwickeln (Bahner oder einer Ihres Teams ersetzt den Begriff  hier durch „App“ mit Bezug auf Wünsche des RKI) den sich alle Menschen implantieren lassen sollten, damit die Regierenden jede Bewegung erkennen und missliebige Menschen aus der Konfiguration des Gemeinwesens entfernen können. Dieses Bild ist knapp 40 Jahre alt und Bestandteil der meisten von Verschwörungstheoretikern konsumierten dystopischen Gesellschaftsentwürfe.

Der Microsoft-Impfstoff

Dann wendet die RAin sich Bill Gates zu. Sein Impfstoff, für den bereits hunderte Millionen geflossen seien und der uns alle heilen könne, sei immer nicht fertiggestellt. Hintergrund dieser Anspielung ist, dass manche so genannte Impfgegner und diverse Verschwörungstheoretiker „Informationen“ verbreiten, der Staat (oder eine Geheimorganisation in ihr) trachte danach, uns über Injektionen auf Dauer zu willen- ja gar seelenlosen und manipulierbaren Geschöpfen zu machen. Microsofts Bill Gates gilt vielen VT auch als Mitglied wahlweise der Illuminati, der 23 oder des „finsteren“ Bilderberger-Kults.

Streuung gezielter Fehlinformationen in Nebensätzen

Die Polizei (als Exekutive Symbol für den verhassten Staat) verbreite die Information, die Inkubationszeit für den Virus läge mittlerweile bei 26 Tagen. Mit dieser Fehl-Info will der Autor/die Autorin klarmachen: „Liebe A***, der Staat wird sich in den nächsten Wochen immer neue angebliche Sachverhalte ausdenken, um die Corona-Restriktionen zu verlängern und somit den Testlauf für die Unterdrückung der Bevölkerung, das tatsächliche Endziel.. Glaubt ihnen nichts. Die staatlichen Institutionen sind permanent im Lügen-Modus!“

Schärferes Durchgreifen des Staates gefordert

Die Maßnahmen müssten verschärft werden, der Staat sei viel zu weich, Passierscheine und totale Ausgangsperren müssten her. Damit will BB ihre A*** vorbereiten: Es wird bald schlimmer kommen. Der Staat nimmt zum Schein einiges zurück, um dann um so härtere Maßnahmen folgen zu lassen.

Die etwas zu dick aufgetragene Hasstirade

„Verschissene Corona-Leugner“, „Rücksichtslose Arschlöcher“ und „Mörder“. Diese bewusst grenzwertige Wortwahl soll den A*** vermitteln: „Ich sehe Euch selbstverständlich nicht so. So sieht Euch mutige und wacker an meiner Seite Kämpfende der Staat, der alle kriminalisiert, die sich der Corona-Ideologie nicht unterwerfen.“

Zwischendurch dann persönliche Animositäten

Der Chefredakteur der Rhein-Neckar-Zeitung – Klaus Welzel – wird scheinbar gelobt. Dies auf dem Hintergrund, dass er schon früh Corona-Restriktionen forderte und zudem sehr kritisch zu Frau Bahner steht. Botschaft an die A***: „Seht diesen Feind. Von solchen Journalisten gibt es Hunderte. Glaubt kein Wort, dass in der Zeitung steht.“

Dann geht es gegen das „scheiß Bundesverfassungsgericht“ welches nun eine Demonstration in Gießen zulasse. Eine Retourkutsche gegen all jene, die ihren Aufruf zu einer Demo mit einer Strafanzeige beantworteten und ihren Eilantrag ablehnten. Deshalb wählt sie den Begriff „scheiß Bundesverfassungsgericht“. Um tiefstmögliche Verachtung zum Ausdruck zu bringen.

Pietätlos: Satirisches zu Todeszahlen

Bekanntlich glauben Verschwörungstheoretiker*innen wie Frau Bahner und andere A***, es sei eine reine Erfindung, dass Menschen an Corona gestorben seien. Täglich stürben Menschen und die habe man dann halt mal anders in Rechnung gestellt. Deshalb wird hier mit dem Stilmittel der maßlosen Übertreibung gearbeitet: Alle Supermärkte müssten geschlossen werden, weil bereits hunderttausende Supermarkt-Mitarbeiter unbemerkt verstorben seien. Der Todeskampf der zumeist älteren Erkrankten, das Leid der Familien der über 4.000 Corona-Toten in Deutschland und den weit mehr Verstorbenen weltweit ist dieser kaltherzigen Dame sch…egal. Bei Egomanen und Soziopathen allerdings keine Seltenheit.

Ziel des Pamphlets: Den Hass auf das System nähren

Danach folgt nur noch Geblubber und weitere Appelle an die in der Überschrift bereits Genannten. Was den gesammten pseudo-satirischen und oft real sarkastischen Text durchzieht: Zweifel nähren und Verschwörungstheorien in andere Bilder kleiden, die von möglichst viele sozialen Schichten verstanden werden.

Wer auch immer diese Kampagne initiiert und (bisher) professionell abgewickelt hat… In memoriam ein historisches Zitat v. 18. Oktober 1984 leicht abgewandelt:

„Frau Bahner, mit Verlaub, Sie sind ein A***“

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.