(Michael van Laack) Sie hätten das Traumpaar der Bewegung werden können: Luisa Neubauer, das niedliche bis hübsche Gesicht der FFF-Deutschland und Clemens Traub, der sozialdemokratische semi-smarte Jung-Sozialdemokrat und angehende Politikwissenschaftler, der allerdings auf Fotos schon früh wie ein Mitglied der Identitären Bewegung wirkte… Dann aber kam alles anders. Während sie sich an den „Erfolgen“ berauschte, blickte er hinter die Kulissen, und wandte sich schaudernd ab!

Corona hat vieles verdrängt

So leider auch das am 28. Februar diesen Jahres bei Quadriga erschienene kleine Werk:

„Future For Fridays – Streitschrift eines jungen Fridays for Future Kritikers“. ISBN-10: 3869950986  /  ISBN-13: 978-3869950983.

Zu Beginn war Clemens Traub wirklich begeistert. Die junge Generation, der man Politikverdrossenheit ja nicht nur unterstellte, sondern die sich auch an Wahlbeteiligungen und dem geringen Engagement in Jugendverbänden der Parteien ablesen ließ, machte ihr eigenes Ding. Mit dem Gang auf die Straße und einem fast weltumspannenden Motto änderte sich das. Und doch kamen Clemens Traub schon früh erste Zweifel.

FFF will sich nicht der Lebenswirklichkeit stellen!

Wo Kritik zu erwarten sei, meint Traub, da gingen sie nicht hin. Also an die Front, wenn man so will. Dort wo Braunkohletagebau oft die Hälfte der Einwohner ernährt oder wo Windparks nicht nur die Aussicht versperrten, sondern insgesamt die Lebensqualität verschlechterten. Nicht zu sehen seien sie bei den Menschen, die nicht viel Geld verdienten und dennoch einen PKW bräuchten, weil der ÖPNV faktisch nicht vorhanden sei. Sie präsentierten sich viel lieber dort, wo Jubel garantiert und deshalb auch ausreichend Kameras die Protagonisten in Szene setzten. Selbstreflexion Fehlanzeige!

Hypermoral und Arroganz

Den TOP-Leuten der Bewegung sei es ganz egal, ob die Menschen es sich überhaupt leisten könnten dauerhaft anspruchsvoll vegan oder doch zumindest BIO zu essen und ein Elektro-Fahrzeug zu kaufen. Gleichzeitig diskreditierten sie in der Öffentlichkeit ausgiebig jene als Zerstörer der Welt, die sich ihren Lebensstil nicht leisten könnten und maßregelten oberlehrerhaft, was das Zeug hält.

Akademischer Kommunikationsstil

Wer kein Abi habe oder sich kein Studium ohne Nebenjob leisten könne, sei grundsätzlich defizitär. Denn auf der einen Seite wäre er intellektuell überhaupt nicht in der Lage, den  Argumenten der Gesichter der Beweghung zu folgen, auf der anderen ernähre er sich aufgrund seiner Bildungsferne grundsätzlich hauptsächlich von Fastfood, so die Haltung im Kreis um Luisa Neubauer. Mit diesen Leuten müsse man nicht reden – sie verstünden uns ja eh nicht – die müsse man zu ihrem „Glück“ zwingen.

Endzeitstimmung verbreiten

Angst sei eine wichtige Strategie. „Wenn wir nicht dies und das SOFORT tun, dann wird dies und das in 10, 20, 30 Jahren passieren.“ Der point of no return bestimme die Debatte. Forschung und Wissenschaft, kontinuierliche Weiterentwicklung alternativer Energien?

Nein, alles jetzt und sofort, denn uns kann egal sein, was alles den Bach heruntergeht. Wir stammen aus jenen Elternhäusern, die vom Elite-Internat unmittelbar auf eine TOP-Uni wechseln oder doch zumindest finanziell so gesichert sind, dass wir schon noch ein paar Jahre von Beruf Tochter oder Sohn sein können. Deshalb müssen wir uns nur um die Zukunft der Welt Sorgen machen, materiell läuft persönlich alles bestens.

Der Personenkult der Elitekinder

Die Bewegung kreise nur um ein paar Gesichter. Ganz vorn die sakrosankte Greta Thunberg, in den Nationen ebenfalls hauptsächlich Einzelpersonen, die die Richtung vorgäben. Demokratisch strukturiert sei die Bewegung nur scheinbar. Nichts werde dem Zufall überlassen. Die elitären Mädels und Jungs an den Spitzen sicherten sich heute ihre beruflichen Perspektiven für morgen. Ansonsten gälte das „Ruhm und Ehre-Prinzip“. Teamarbeit? Strategieentwicklung in größeren Kreisen.? Nein, es würde von oben nach unten durchregiert. die Kreativen, die unten vor Ort die Demos organisierten, Plakate malten usw. seien lediglich Zahnrädchen. Widerspruch werde nicht geduldet.Teilweise gäbe es sogar Richtlinien, was in einer bestimmten Woche schwerpunktmäßig auf Plakaten zu stehen habe.

Aus meiner Sicht sehr lesenswert!

Alles in allem ein lesenswertes Büchlein. Manchen wird es nicht viele neue Augenöffner bringen. Für mich bestand der Zugewinn darin, dass ein Insider meine Außensicht bestätigte. Das Buch ist flüssig geschrieben – nicht akademisch abgehoben. Deshalb habe ich auch diese kurze Zusammenfassung geschrieben und kann Euch das Büchlein nur wärmstens empfehlen. In Corona-Zeiten hat ja vielleicht auch der eine oder die andere etwas mehr Zeit für ein Lesestündchen.

***

Sie lesen gern die Debattenbeiträge und Analysen fernab des Mainstreams, die Ihnen Michael van Laack auf PP bietet? 

Dann können Sie ihn für sein Engagement hier unterstützen:

Paypal

 

Vorheriger ArtikelSchon wieder: Nächster Suizid im hessischen Finanzministerium
Nächster ArtikelErschlich Hassprediger als „Honighändler“ € 18.000 Corona-Hilfe?
Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.