(Michael van Laack) Hätte ich den profilierten Kritikern an der Einschränkung der Bewegungsfreiheit öffentlichkeitswirksam schaden wollen: Ich hätte es nicht besser machen können, als Beate Bahner und das Team um sie herum. Vor unseren Augen lief und läuft vielleicht weiterhin ein Theaterstück ab. Deshalb setze ich im folgenden Text auch keine Links zu den Pamphleten der Rechtsanwältin. Jeder mag selbst googeln, sofern er es noch nicht getan hat!

BITTE UM BEACHTUNG DES UPDATES VON 19.14 UHR AM TEXTENDE!

Eine klug geschriebene Schmierenkomödie

Aus dem Schatten ins Licht tritt die unbekannte Heldin, die Verteidigerin individueller Bürgerrechte. Sie legt sich mit den Mächtigen an, mit dem System. Eine bis dahin unbekannte Fachanwältin für Arzt-, Medizin- und Gesundheitsrecht, unbescholtene Bürgerin, politisch unauffällig, bekannt nur einem kleinen Publikum durch Fachpublikationen z.B: über das Werberecht für Ärzte, Honorarkürzungen oder Bereitschaftsdienste. Ein weiblicher David gegen den mächtigen Goliath erscheint, um unser aller Recht auf Bewegungsfreiheit bis zum letzten Atemzug zu verteidigen.

1. Akt: Aus dem Schatten ins Heldenlicht

Vor nunmehr fast zwei Wochen kündigte Bahner an – primär platziert in alternativen Medien, denen Verschwörungstheorie jeglicher Art zu verbreiten nicht fremd ist – dass sie sich an die Spitze der hilflosen und ungehörten Bürger stellen und juristisch gegen die Entscheidungen vorgehen wolle. So weit so gut.

Doch schnell wird die Taktik gewechselt. Ein 19-seitiges Schreiben von ihr vom 7. April ist der Ausgangspunkt für alles folgende. In diesem Schreiben kommt sie – so kann man das in einem Satz zusammenfassen – zu dem Schluss, dass alle Restriktionen rechtswidrig seien, sich niemand daran halten müsse. Das Schild, auf das ihre Fans sie bald heben werden, ist geschmiedet. Fast zeitgleich ruft sie nun zu einer öffentlichen Demonstration auf und stellt beim Bundesverfassungsgericht einen Eilantrag, weil sie den Bestand der Bundesrepublik Deutschland gefährdet sieht.

2. Akt: Der Eilantrag am 8. April

Eine Fachanwältin für Medizinrecht wendet sich – ohne bei Verfassungsrechtlern Rat einzuholen – im Alleingang an das Bundesverfassungsgericht. Eine wahre Heldin, eine mutige einsame Streiterin, die unsere Freiheiten verteidigen will?

Nein, der Antrag war so formuliert, dass er scheitern musste. Frau Bahner (und ihrem Ghost-Team?) war das klar. Sie brauchte diese Niederlage vor Gericht, um als Opfer dastehen und die nächste Stufe der Rakete zünden zu können

Der Antrag ist schlecht begründet. Eine langjährige Juristin macht Anfängerfehler? Nicht-Ausschöpfung des Rechtsweges vor Anrufung des Bundesverfassungsgerichts, fehlende subjektive Betroffenheit (Einfordern fremder Rechte) usw.

Und warum macht sie das alles öffentlich? Verschwiegenheit ist das Kapital einer Kanzlei. Mit Presse-Erklärungen geht man in der Regel nur heraus, wenn man im Auftrag eines Mandaten genötig ist, einen Sachverhalt öffentlich klarzustellen.

Frau Bahner hingegen dokumentiert fast jeden ihrer Schritte auf ihrer Kanzleiseite. Ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass wir es hier nicht mit der Aktion einer einzelnen Person, sondern eines kampagnefähigen Teams zu tun haben.

3. Akt: Die Corona-Auferstehungsverordnung

Spätestens am 11. April hätten alle Kritiker der Corona-Restriktionen, die bisher im Netz als ihre Unterstützer auftraten, erkennen müssen, dass da irgendetwas nicht stimmt. Bereits dieses Kunstwort hätte abschrecken müssen, der Inhalt allerdings erst recht. Die Bürgerin Bahner erlässt eine Verfügung. Mit Bezug auf das Grundgesetz. Ein Volljuristin schreibt: „Hiermit ergehen auf Basis der vorgenannten Artikel des Grundgesetzes und der darin verankerten freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland die folgenden Verfügungen:“ In wessen Namen verfügt sie da was? Durch wen oder was legitimiert?

Für mich war diese Verordnung der Punkt, mir Gedanken darüber zu machen, was die Stoßrichtung der Aktion sei. Geht es tatsächlich um das Anliegen der Freiheit? Oder ist das ein honey-pot? Geht da jemand unter false flag, will er früh Solidaritätssynergie erzeugen (Opferstatus), um die Eskalation zu steigern und dann vielleicht irgendwann „Was habe(n) ich/wir Euch Spinner doch herrlich verarscht!“ schreiben zu können. Oder ist da gar ein politisches Motiv im Hintergrund? Nutzt z.B. das „Institut für politische Schönheit“ seine neu gewonnene Tagesfreizeit für eine Inszenierung?

4. Akt: Das Martyrium der Beate B., Teil 1

Frau Bahner war klar, dass die Judikative ihr Gebaren nicht ignorieren konnte. Aufruf zum Widerstand gegen Staatsorgane, das sich über deutsches Recht stellen einer Einzelperson, die sich geriert, wie einst Reichspräsident Paul von Hindenburg.

Die Reaktion der Judikative war exakt so erwartet worden von Frau Bahner und den Ihren. Freilich aber war das noch nicht genug. Ja, der Antrag war abgewiesen, die Heldin hatte verloren, zwischenzeitlich wurde ihre Kanzleiseite offline gestellt und nun ermittelte auch noch die Staatsanwaltschaft. Alles schön und gut, aber nichts, um die Opfer-Suppe am Kochen zu halten. Also musste es weiter gehen.

5. Akt: Das Martyrium der Beate B., Teil 2

Ich vermute, dass die einzelnen Schritte schon vorbereitet waren, bevor die Rechtsanwältin überhaupt an das Licht einer größeren Öffentlichkeit ging. So wie in weitaus größerem Stil neulich bei Greta Thunberg.

Bisher sahen wir nur eine „heldenhafte“ Kämpferin für das Recht, die aber nicht sonderlich erfolgreich war. Die Aufwertung der Figur war also nötig. Ihre Fans mussten den Eindruck gewinnen, die Bundesregierung, ja alle Behörden wüssten um die Wahrheit der Aussagen von Frau Bahner. Sie hätten erkannt, wie gefährlich die RA dem „System“ werden könne. Deshalb müsse man sie mit allen Mitteln bekämpfen.

Und so lancierte man ein Audio und mischte in dessen Text alle klassischen Elemente, die Verschwörungstheoretiker begeistern: Killer, die USA, Feinde überall, die Polizei als gewalttätiger Vollstrecker des Systems, eine körperlich verletzte hilflose Person, die ungerechtfertigte Einweisung in die Psychiatrie.

6. Akt: Vorbereitung der Auflösung

Und es hat gewirkt. Im Netz solidarisierten sich Zehntausende mit der „armen Frau“. Dass die kluge Juristin bei ihrem Verhalten am Straßenrand oder später gegenüber der Polizei, genau wusste was sie tat; dass sie als erfahrene Juristin wusste, welche Knöpfe man drücken muss beim Gegenüber, damit er den Eindruck von Verwirrtheit erhält und entsprechend handelt – so weit hat auf dem Höhepunkt des Opfermythos kaum jemand gedacht.

Und nun? Ich vermute, Frau Bahner und die Ihren sind vollkommen zufrieden. Im Nasenring durch die Manege haben sie die Gegner der Restriktionen durch die Manege geführt. Ich bin sehr traurig, dass sich so viele haben täuschen lassen, auch hochgebildete Menschen. Die Worte der wenigen Mahner wurden nicht gehört, ganz im Gegenteil wurden wir massiv attackiert als Merkel-U-Boote.

Das U-Boot aber ist in Wahrheit Frau Bahner. Sie hat nicht aufgebaut, sondern zerstört. Das Vertrauen vieler, vermutlich aber auch ihre eigene Karriere. Kann sein, dass sie finanziell bereits so gut abgesichert ist, dass es ihr das wert war. Denn aus der Nummer kommt sie am Ende nicht sauber heraus.

Wie auch immer: Gestern jedenfalls stellt sie sich lächelnd vor ihre Fans und erläutert: Ich bin nicht geschlagen worden. Die Verletzungen habe ich mir zugezogen, als ich betrunken vom Fahrrad gestürzt bin.

Darüber hinaus will sie sich vor Gericht selbst verteidigen, weil man ja keinem Anwalt trauen könne. Ein letztes Mal Heldin spielen? Denn wenn es um eine mehrjährige Haftstrafe gehen sollte (was bei den Vorwürfen im Zusammenhang mit ihren öffentlichen Aufrufen gegen die Bundesrepublik Deutschland sehr wahrscheinlich ist), darf sie sich nicht mehr selbst verteidigen.

Der finale Akt: Wird er kommen?

Leider kann man nicht sagen, wie weit Bahner und ihr Team vorgeplant haben. Eigentlich kann es nicht mehr lange weitergehen, dieses Spiel. Denn die Entschuldigung bei der Polizei und die Erklärung, gelogen zu haben, werden ihr die meisten nicht verzeihen.

Die Frage ist nur: Wird Frau Bahner am Ende auflösen, welche Motivation hinter dem Schmierentheater stand oder reicht den Inszenierenden die Gewissheit, dass sie die bürgerliche Mitte jederzeit vorführen und lächerlich machen können?

Den klugen Kritikern des Kontaktverbots und anderer Restriktionen haben jedenfalls jene in den vergangenen Tagen einen Bärendienst erwiesen, die dieser falschen Prophetin gefolgt sind!

UPDATE v. 16.04.20, 19.14 Uhr

Die Dame versucht tatsächlich die Leute zu vera… Auf der Website ihrer Kanzlei findet sich heute eine neue PM mit der Überschrift „Bahner äußert sich zur polizeilichen Vernehmung am 15. April 2020, 13 Uhr“.

In dieser Stellungnahme erklärt sie unter anderem, sie kenne das Infektionsschutzgesetz überhaupt nicht. Denn sie sei in den vergangenen zwei Wochen in Urlaub gewesen in diversen europäischen Großstädten. Sie ist nicht verwirrt, sie spielt ihr Spiel weiter!

Snip von der Seite der Anwaltskanzlei von Frau RA Beate Bahner (http://www.beatebahner.de)

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.