(Michael van Laack) Den regelmäßigen Lesern unseres Blogs ist gewiss bekannt, dass ich ein Verteidiger der meisten Restriktionen im Zusammenhang mit dem Virus bin, vor allem des so genannten „Kontaktverbots“ und der Mindestabstände. Die Kanzlerin, ihre Minister und die Ministerpräsidenten aller Bundesländern sind das auch. Umso verwunderlicher ist für mich die Ankündigung, der Einzelhandel mit einer Gewerbefläche bis zu 800 m² könne im Lauf der nächsten Woche wieder seine Pforten öffnen.

800 m² – Ist das viel oder wenig?

Machen wir mal die Augen zu und stellen uns 800 m² vor… Geht nicht so gut, oder? Also versuchen wir es mit einem anderen Zugang: Der DFB hat für die Fußballplätze in der Bundesliga die Normgröße 68 mal 105 Meter festgelegt. Folglich ist die Innenfläche eines Fussballfeldes 7.140 m² groß. 800 m² Gewerbefläche entsprechen also ca. 11,2 % der Fläche eines Fussballfeldes. Angewandt auf die Normlänge und Breite der DFB-Felder entspräche das einem Raum, der ca. 68 m breit und ca. 11,76 lang bzw. ca. 7,62 breit und 105 Meter lang. Klar, die meisten Geschäfte haben nicht so merkwürdige Grundrisse. Nehmen wir ein quadratisches Geschäft, das ist anschaulicher: Es ist 28,28 sowohl in der Länge als auch in der Breite. Auf diese Größe bringen es nicht einmal mittelgroße Lebensmittel-Läden oder Schuhgeschäfte, von allen anderen ganz zu schweigen. Man kann also getrost davon ausgehen, dass in mittelgroßen Städten fast alle und in Grosstädten gewiss 50% der Einzelhändler bald wieder öffnen dürfen.

1,50 bis 2 Meter Sicherheitsabstand? Viel Erfolg!

Stellen wir uns vor, ab Mittwoch nächster Woche wäre in den Einkaufsstrassen der hier beispielhaft gezeigten Städte – die ich gut kenne, weil ich dort gelebt habe bzw. lebe und somit beurteilen kann, dass die Fotos die Lage an Alltagen in Dinslaken (NRW) und Mindelheim (Unterallgäu) gut abbilden, der Einkaufsbummel wieder erlaubt. Unter der Woche zweifellos mit sehr unterschiedlichem Ergebnis, weil die Städte unterschiedlich groß sind und in der Frundsbergstadt aktuell auch die Tagestouristen fehlen. Samstags bzw. an Markttagen wird aber auch im beschaulichen Mindelheim die Lage problematischer. In beiden Städten sehen wir in diesen Einkaufsstraßen fast ausschließlich Geschäfte unter 800 m². All jene, die vor der Krise diese Händler frequentierten, werden das dann wohl auch tun. Oder sollten unsere Regierenden wirklich so naiv sein, zu glauben, dass sich die knapp 70.000 Einwohner Dinslakens oder auch nur die 14.000 Bürger Mindelheims untereinander absprechen werden, damit stoßzeitfrei über den Tag verteilt eingekauft wird?

In Dinslaken jedenfalls sieht es wochentags oft so aus:

Stadt Dinslaken: C1257D710030E469 Slider 3. April 2018

Und in Mindelheim so:

Michielverbeek / CC BY-SA 3.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)

Eine grobe Fehlentscheidung

In den Geschäftsräumen mag das funktionieren. Sowohl mit den Abständen (das klappt im Lebensmittelhandel in diesen Wochen ja auch fast im ganzen Land gut), wie auch mit den Hygienemaßnahmen (Eigen- und Fremdschutz).

Aber nun heißt es ja auch, es dürfe nur eine gewise Zahl Menschen sich abhängig von der Fläche und den räumlichen Gegebenheiten in den Geschäften aufhalten. Manche Lebensmittel-Läden zählen schon jetzt 25, 50 usw. Kunden ab und lassen dann nur ein, wenn ein Kunde den Laden verlässt.

Wie soll das nun gehen? Schönes Wetter oder zumindest kein Regen; eine volle Einkaufsstrasse; Leute, die in Schaufenster schauen und vor jedem Geschäft eine Warteschlange, in der wie auf Wochenmärkten auch ein Sicherheitsabstand eingehalten werden muss?

Ein kaum lösbares Problem!

Man kann ja nicht an den beiden Enden der jeweiligen Einkaufsstrassen die Polizei oder das Ordnungsamt den Zugang zum Gebiet regeln lassen, um Enge zu vermeiden. Denn dann würde sich am Einlaß das Publikum in Demogröße stauen. Auch kann man nicht regeln: Von 8 bis 11 Uhr dürfen die Nachnamen A-G, von 12 bis 14 Uhr H-N und danach der Rest des Nachnamen-Alphabets einkaufen. Ein Appell an die Bürger verbunden mit der Hoffnung, sie würden sich gewiss diszipliniert verhalten und den Publikumsverkehr außerhalb der Geschäfte selbst „irgendwie“ regeln, würde ungehört verklingen. Die Leute wollen ja einen Alltag, der in puncto Normalität dem Prä-Corona-Zustand am nächsten kommt. Da schwindet automatisch die Selbstdisziplin und erst recht die Bereitschaft, andere zu disziplinieren. Wer will schon gern Spaßbremse spielen nach so lange „Isolation“?

Fazit: Alles oder Nichts, Gehen oder Bleiben! Wenn die Regierung es für richtig hält, nicht zu früh zur Normalität zurückzukehren (was ja auch Frankreich, Italien, Österreich, Spanien usw. so sehen), dann hätte man bis zum 3. Mai die alte Regelung vollständig inkraft gesetzt lassen sollen. Die 800er-Nummer ist eine Schein-Restriktion, die Ministerpräsident Laschet erzwungen hat, weil er sich als CDU-Vorsitzender und Kanzlerkandidat und in seinem Bundesland als Kümmeronkel für die Sorgen der Bevölkerung profilieren möchte. Söder hat versucht, die Mehrheit der Länder und die Kanzlerin auf seine Seite zu ziehen, aber ist diesmal an Deutschlands einwohnerreichstem Bundesland und seinen wirtschaftlichen Interessen gescheitert.

GLAUBWÜRDIGKEIT GEHT NUR SO: ENTWEDER IHR NEHMT DAS ZURÜCK UND LASST DIE LÄDEN ZU ODER IHR GEBT ZEITGLEICH IN DER KOMMENDEN WOCHE DAS ABSTANDSGEBOT UND DAS KONTAKTVERBOT AUF! „NICHT FLEISCH, NICHT FISCH“ LÄSST ALLE RATLOS ZURÜCK UND VIELE ZWEIFELN: SOWOHL DIE GEGNER ALS AUCH DIE BEFÜRWORTER DES BISHERIGEN KURSES!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.