(Michael van Laack) Auch heute wollen wir unseren Lesern einige Gedanken zur liturgischen und historischen Bedeutung des Tages liefern. Einmal mehr aus der Feder des sel. Kardinals Ildefons Schuster, einem ebenso brillanten wie umstrittenen Kopf. Der Text stammt aus dem III. Band seines zehnbändigen „Liber Sacramentorum“ (Der neue Bund im Blute des Erlösers), das in deutscher Sprache zwischen 1929 und 1932 bei Pustet in Regensburg erschien, allerdings keine weitere Auflage erfuhr. Zunächst verhinderten Nationalsozialismus und Krieg Neuauflagen, nach 1945 dann die zu spät widerlegten Vorwürfe gegen Schuster, er habe mit den Faschisten paktiert und sei ein Antisemit. Unverständlicherweise ist das Werk in deutscher Sprache online nicht verfügbar, obwohl es immer noch als liturgiegeschichtliches Standardwerk gilt.

Wirkmächtig: „Agnus Dei“ aus Wachs

Am Karsamstag beobachteten die alten Christen strenges Fasten, das vom Freitagabend bis zum Morgen des Auferstehungstages dauerte. In Rom waren nicht einmal die Kinder davon befreit. Wegen des Fasttages hielt man heute keinen eucharistischen Gottesdienst, denn die ganze hl. Kirche war in freudiger Erwartung der hl. Nacht, die ihr die Auferstehung Christi bringen sollte.
Im Mittelalter schmolz der Archidiakon am Karsamstag-Morgen im Lateran Wachs, fügte Chrisam in die flüssige Masse, segnete sie und goss sie in kleine ovale Formen, in die das Bild des Lammes Gottes eingedrückt war. Solche „Agnus Dei“ wurden an die Gläubigen am Samstag „in Albis“ als Eulogien zum Andenken an die Osterfeier verteilt. Außerhalb der Ewigen Stadt, wo das Lucernarium und die Weihe der Osterkerze Übung war, nahm man zur Herstellung der Agnus Dei das Wachs der großen Kerze, die zur Erleuchtung des Ambos in der Osternacht gedient hatte. In Rom übernahm man den Ritus des Osterlucernariums erst später, und beauftragte dann den Archidiakon die Agnus Dei zu weihen, um sich dem seit dem 5. Jahrhundert allgemein verbreiteten Brauch anzupassen. Doch wurden die römischen Eulogien nicht aus dem Wachs der Osterkerze geformt. Im späten Mittelalter beschreiben folgende Verse die Bedeutung und Wirkung der Agnus Dei:

,,Hellreines Wachs und Balsam, gemischt mit flüssigem Chrisam,
Formte des Lammes Gestalten; du sollst es als Gabe erhalten.
Wie aus dem Taufquell geboren, durch, Gebet als heilig erkoren
Wehrt es des Blitzes Gefahren, lässt niemals Unglück erfahren.
Wie Christi Blut dich vom Bösen, wird es von der Sünde erlösen,
Wird schwangere Frauen beschützen, und bei der Geburt ihnen nützen.
Segen bringt es den Guten und löschet vernichtende Gluten,
Es lässt nicht den sinkenden Frommen in Wellen und Wogen verkommen.
Ist Hilfe vor plötzlichem Sterben gen Satans List und Verderben.
Die es im Kampf bei sich tragen, werden die Feinde stets schlagen.
Das kleinste Teilchen kann wirken, was alle Teile bewirken.
Lamm Gottes, Erbarmen mir schuldigem Armen.
Du tilgest die Sünden, lass Gnade mich finden.“

In den letzten Jahrhunderten ward die Weihe der Agnus Dei dem Papst vorbehalten, der sie gewöhnlich zu Beginn und in jedem fünften Jahre seines Pontifikats vornimmt.

Letzte Vorbereitungen für die erwachsenen Täuflinge

Nach den Ordines Romani versammelten sich die Katechumenen am Karsamstag um die dritte Stunde ein vorletztes Mal in der Erlöserkirche; die Männer standen zur Rechten, die Frauen zur Linken. Ein Priester bezeichnete zuerst ihre Stirn mit dem Zeichen der Erlösung, legte dann jedem die Hände auf das Haupt und sprach den Exorzismus „Nec te lateat, Satana“, der heute noch zum Ritus der Erwachsenentaufe gehört. Nachdem er Satan befohlen zu weichen und dem Heiligen Geist den Platz zu räumen, berührte er nach dem Beispiel des Heilandes mit Speichel Nase und Ohren der Täuflinge, wobei er zu einem jeden die Worte sprach: ,,Öffne dich der Gnade des Heiligen Geistes. Du aber, böser Feind, entfliehe, denn schon naht das Gericht Gottes.“
Bei der Verderbtheit der heidnischen Umgebung bedeutete die Taufe der Erwachsenen in alter Zeit eine entschiedene Hinkehr zu Gott, und setzte in der Seele einen harten Kampf mit dem bösen Feind voraus. Die Seele will sich frei machen aus der schmählichen Knechtschaft Satans, der seinerseits durch die Lockungen des Lasters und die Heftigkeit der Leidenschaften alles versucht, um die Beute in seiner Macht zu behalten. Für den Katechumenen war das Hinabsteigen in das Taufbad der entscheidende Augenblick des Kampfes. Deshalb salbte die hl. Mutter, die Kirche, ihre Streiter mit geweihtem Öle, um sie zum Kampf zu stärken, ähnlich wie es die Ringkämpfer im Stadion machten, die ihren Leib mit Öl salbten.
Alfredo Ildefonso Kardinal Schuster (1880-1954)

In diesem feierlichen Augenblick fragte der Bischof den Täufling: „Widersagst du dem Teufel?“ Der Taufkandidat zeigte nun mit dem Finger nach Westen, der Gegend des Schattens, des Sonnenunterganges und nächtlichen Dunkels, und sprach: „Ich widersage dir, Satan, deiner Hoffart und deinen Werken.“ Dann wandte er sich nach Osten und sprach die Formel, mit der er sich Gott weihte: „Dir weihe ich mich, unerschaffenes Licht.“ Nach einer neuerlichen Handauflegung des Priesters und einem weiteren Exorzismus folgte die Zeremonie der Redditio Symboli, die feierliche Ablegung des Glaubensbekenntnisses durch die Katechumenen; bei der Stationsfeier „in apertione aurium“, am Mittwoch vor dem Passionssonntag hatte es sie der Bischof gelehrt.

Nach einem letzten Gebet werden die Katechumenen entlassen mit der Formel: „Die Katechumenen sollen sich entfernen. Geliebte Söhne, kehrt nach Hause zurück und erwartet die Gnadenstunde der hl. Taufe.“ Wie Jesus den ganzen Sabbat im Grab ruhte, so verharrten auch die Gläubigen den ganzen Tag in Gebet und Fasten, und erst als der Abendstern sichtbar wurde, scharten sie sich beim apostolischen Baptisterium an der via Salaria oder bei St. Peter, wo anfänglich die Taufe gespendet wurde.
Am Karfreitag hatte der strenge Meister, der um 30 Silberlinge die Sühne vollbracht – durch Jeremias hatte er Israel zum Urteil über sein Werk und dessen Preis aufgefordert – sich auf sein Ruhebett ausgestreckt.

Christus in der Vorhölle – Meeting mit dem Stammbaum

Das Opfer war vollbracht, die Schmach hatte ein Ende; Jesu Seele verkündete in der Vorhölle den Abgestorbenen die Erlösung, sein Leib aber musste gleich einem Samenkorn in die Erde gelegt werden und die Verdemütigung des Grabes ertragen, um keinen Zweifel an seinem wirklichen Tod zu lassen, der die Voraussetzung seiner künftigen Auferstehung war. Ja, um jedem Zweifel vorzubeugen, werden alle Freunde Jesu vom Grab entfernt, und die Juden nehmen nach Gottes Plan die gesetzliche Verantwortung für die Vorgänge bei der Grabeshöhle auf sich. Der Hohe Rat legt seine Siegel an das Grab und lässt eine Wache aufstellen, damit niemand das Grab berühre. Doch, was geschieht? In der Frühe des dritten Tages steht der Heiland siegreich von den Toten auf: das verkünden die Apostel und die Kirche seit mehr als 1900 Jahren allen Völkern, die durch den Glauben die Früchte der Erlösung erlangen.

Die Juden erkennen den Erlöser nicht

Und Israel? Während die ganze Menschheit mit einem Ostern ohne Ende ihren Sieg über Tod und Hölle feiert, steht die Synagoge noch immer bewaffnet am Grab des vermeintlichen Toten, bereit, das Schwert zu ziehen, wenn Christus wagen sollte die Siegel des Hohen Rates zu brechen und das Grab zu verlassen.
Jesu Verweilen im Grab entspricht unserm gegenwärtigen Leben, das eine Erwartung unserer künftigen und vollkommenen Erlösung ist. Wir beginnen in dieser Nacht für die Gnade aufzuerstehen und singen deshalb bei der heutigen Osterfeier: „Pascha nostrum immolatus est“ nicht „Pascha Christi“, ,,unser Osterlamm ist geopfert worden.“ Noch ist das Osterfest aber nicht zu Ende; gar vieles liegt noch im Grab der verdorbenen Natur, ist noch vom Dunkel der Unwissenheit umhüllt. Doch hält uns der Glaube und bürgt uns die Hoffnung, dass eines Tages auch diese Armseligkeiten unserer sterblichen Natur ein Ende haben. Unterdessen feiern wir in dieser Erwartung unsern mystischen Sabbat. Die teilweise Auferstehung der Seele wird uns gleichsam im Voraus gewährt – sie ist aber nur ein Vorspiel, denn noch leben wir in der Fasten- und Passionszeit. Einst kommt das wahre Osterfest, und zwar dann, wenn Christus nicht mehr das tägliche eucharistische Opfer, das Gedächtnis seines Todes darbringt, sondern auf dem Altar des Himmels eine neue Liturgie feiert, das große und ewige Pascha der Auferstehung.
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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.