(Michael van Laack) Gestern stolperte ich über eine gelungene wenn auch böse Satire von Jean Gnatzig und dachte mir: An den Corona-Tagen hast Du eh mehr Tagesfreizeit, also versuch doch auch einfach mal, ob du Bitterböses schreiben kannst, dass nicht ganz so ernst gemeint ist, wie es sich liest.

Mein Wunschtraum: Ein Interview mit Björn Höcke – Gauland, Kalbitz, Weidel. Alle haben Björn Höcke vor mir gewarnt. Maximilian Krah, mit dem ich eine tiefe Männerfeindschaft pflege, hatte sogar angeboten, aus Brüssel zu einem Vier-Augen-Gespräch anzureisen, um es zu verhindern. Karl Albrecht Schachtschneider wird mit den Worten zitiert: „Wenn Du dem van Laack ein Interview gibst und das autorisierst, wird Dir kein Anwalt mehr helfen können.“ Selbst ein Informant, der den Fraktionsvorsitzenden der CDU Ralf Brinkhaus anlässlich eines Weinabends im Konrad-Adenauerhaus im vergangen Oktober mit den Worten zitiert: „Wenn so einer wie der van Laack für die AfD im Bundestag säße, würden ihn neben uns sogar FDP und SPD als stellvertretenden Bundestagspräsidenten mitwählen.“, überzeugte Björn Höcke nicht.

„Der Mann hat Geschichte studiert, sein Urgroßvater war Oberst im Stab von Generalfeldmarschall Model und er hat ein knappes Jahr in Landsberg am Lech auf der Alten Bergstraße in Sichtweite zur Festung gewohnt. Das ist nie und nimmer das Profil eines Feindzeugen. Vertraut mir, so wie ihr jenem vertraut hättet, der vor fast 75 Jahren bis zum letzten Atemzug kämpfend von uns gegangen ist.“

Ein Erlebnisbericht: Dem Gipfelstürmer der Partei noch nie so nah

Und so kommt es, wie es kommen muss: Wir treffen uns – die Vorschriften in Corona-Zeiten selbstverständlich einhaltend – auf einer einsamen Bank am Obersalzberg mit grandioser Sicht auf die baumbewachsenen steinernen Riesen und den selbstverständlich strahlend blauen Himmel.

Noch bevor das eigentliche Interview beginnt, meint Björn Höcke in eben diesen Himmel weisend: „Glauben sie mir, Herr van Laack, wenn wir die Reinigung der Partei abgeschlossen haben, wird es keine zwei Legislaturen mehr dauern und die Sitzverteilung im Reichstagsgebäude wird am Wahlabend bei ARD und ZDF ausschließlich diese Farbe zeigen.“

Ich: „Das ist ein gutes Einstiegsbild, Herr Höcke. Zunächst möchte ich mich aber doch noch einmal bedanken, dass sie mir gegen alle Widerstände dieses Interview gewährt haben.“

BH: „Dafür müssen Sie sich nicht bedanken. Schon als Fünfjähriger hatte ich eine gute Menschenkenntnis. Ich erinnere mich da z.B. an meine Kindergarten-Tante. Ich musste ihr nur einmal in die Augen schauen, um zu wissen: Das ist kein guter Mensch!“

Ich: „Oje, hatte sie einen so stechenden oder hinterhältigen Blick.“

BH: „Nein, Sie hatte keine blauen Augen. Später erfuhr ich dann auch, dass ihre Haare blond gefärbt waren, was mich in meiner Ersteinschätzung bestätigte.“

Auf die Perspektive kommt es an

Ich: „Ja, aber das ist doch jetzt schon ein idealisiertes Bild des Germanentums. Sie betonen doch immer, mit der in der Non-Vogelschiss-Periode dominierenden Partei und dem Denken ihrer Ideologen hätten Sie nichts zu tun. Auch nichts mit dem auf gewissen Bauernhöfen gepflegten Ethnopluralismus.“

BH: „Das trifft ja auch zu. Schauen Sie, Hitler z.B. hatte ja auch keine blonden Haare und war auch kein Ethnopluralist. Und dennoch…“

Der Thüringer Landesvorsitzende bricht mitten im Satz ab und schaut einige Minuten gedankenverloren in die wunderschöne Landschaft, die uns umgibt. Dann aber drängt es mich doch, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. „So, mit Ihrer Erlaubnis würde ich dann nun gern das eigentliche Interview beginnen. Im Vorfeld hatten wir ja die Themen schon ein wenig eingegrenzt…“

„Hatten wird das?“ unterbricht er mich beschwingt. „Ach Herr van Laack, die wundervollen Aromen, die dieser historisch bedeutsame Boden verströmt, beflügeln mich so sehr, dass Sie mich fragen dürfen, was sie mögen.“

Ich schaue in sein Gesicht und erkenne in dessen Zügen jenes Strahlen, dass Dr J.G. immer dann zeigte, wenn er in der Wochenschau beim Spielen mit seinen Kindern im Garten zu sehen war oder bei den Weihnachtsansprachen in den Kriegswintern.

Hat die AfD überhaupt Probleme?

Ich: „Nun gut… Hinter der AfD liegen ja nun turbulente Wochen. Zuerst die Beobachtungs-Erklärung durch den Verfassungsschutz, dann der Auflösungsbeschluss. Anschließend die Corona-Krise, in der die Partei ihre zahlreichen höchstunterschiedlichen Themen – Z.B. Migration, Grenzöffnung, Islamisierung. Kriminelle Asylanten, Abschiebe-Versagen, Illegale Flüchtlinge usw. – nicht mehr spielen konnte. Dann auch noch Jörg Meuthen und sein Nachdenken über Sinn oder Unsinn einer Parteispaltung. Und nicht zu vergessen die teilweise verheerenden Umfragewerte, die zwar möglicherweise dem obligatorischen Regierungsbonus in Krisenzeiten geschuldet sind, aber eben doch auch mit dem Gesamtzustand der Partei zu tun haben könnten. Was macht das mit ihnen? Wie gehen sie damit um und welche Strategien haben sie, um die innerparteiliche Krise zu bewältigen?‘

BH: “Bei den vielen unterschiedlichen Themen haben sie die Bevorzugung sämtlicher Araber beim Leistungsbezug und der Wohnungsvergabe vergessen. Aber sei’s drum. – Ja, Sie haben recht. Aktuell wird einfach zu wenig vergewaltigt und mit Messern um sich gestochen. Und es heißt sogar, nicht einmal mehr die aus Syrien nach Deutschland eingesickerten Terrorzellen könnten in diesen Tagen verlässlich Anschläge planen, weil die Hälfte ihrer Mitglieder in Covid-Quarantäne sitzt und das Gesundheitsamt viel genauer auf den Aufenthaltsort schaut, als BKA und BfV zusammen.

In dieser Frage können wir also nur auf bessere Zeiten hoffen. Und auch die nächste Flüchtlingswelle wird frühestens nach der Sommerpause des Bundestages richtig losgehen. Sehr ärgerlich… Ich hatte ja neulich schon angeregt, ob wir das nicht mal so machen können wie 1939 beim Angriff auf den Danziger Sender. Aber unsere strategischen Mitdenker in Schnellroda meinten, dass es einfach zu schwierig wäre, in ausreichender Zahl lupenreine Patrioten zu finden, die sich schwarze Bärte ankleben lassen würden und gleichzeitig den Intellekt hätte, einige Worte in arabischer Sprache akzentfrei auszusprechen…“

Trau, schau, wem…

Plötzlich fixiert er mich: „Sie sprechen doch einige Sprachen, habe ich gelesen. Für Sie wäre es doch ein Leichtes, Allahu Akbar so zu betonen, dass das auf einem youtube-Video glaubwürdig herüberkäme. Und das mit dem Bart wäre ja nur für ein paar Minuten. Wäre eine nette Geste von Ihnen, so als Gegenleistung für das gewährte Interview.“ Er grinst mich schelmisch an.

Ich: „Äääh ja, ich denk mal drüber nach, aber mein Terminkalender ist echt voll. Morgen z.B. spreche ich mit Robert Habeck über die historische Fehlbewertung des Stalinismus und übermorgen…“

BH: „Ach was, ich wollte Sie nur testen, Herr van Laack. Wenn Sie spontan „Ja“ gesagt hätten, wäre ich sehr misstrauisch geworden. Man sagt, die V-Leute des Verfassungsschutzes gehen auf jeden Vorschlag zum Schein begeistert ein!“

Mein erleichtertes Durchatmen scheint ihn zu amüsieren. „Nun gut, dann kommen wir zu den anderen schon angeschnittenen Themen. Die Auflösung des Flügels z.B. – Mich wundert wirklich, dass Sie das so leicht geschluckt haben.“

Zum ersten Mal in meinem Leben höre ich Höcke schallend lachen. „Meine Güte. Meinen Sie nicht ernst, oder? Gar nix wird aufgelöst! Wir tun einfach so, als gäbe es uns nicht mehr und gut ist. Dann ein bisschen Kreide fressen…“ Höcke greift in seine Brustasche und holt eine große Schachtel heraus. „Ist irgendwas nicht in Ordnung? Das ist nur Traubenzucker, kein Aufputschmittel.“

Ich: „Ach so, für einen Moment dachte ich…  weil wir ja gerade bei dem Thema waren…“

Ein mittelprächtige Irritation

BH: „Bei welchem Thema?  Ach ja, Sie meinen die Auflösung. Also das ist wirklich kein Thema. Alles läuft super. Die Operation „Feindzeugen-Sauna“ entwickelt sich wie geplant weiter. Im Osten haben wir schon 90% ausgeschwitzt.“

Ich: „Ja, aber ich meine… also, der Verfassungsschutz, Meuthen, dann noch der Kalbitz, der meiner Ansicht nach kein Problem damit hätte, Sie zu opfern. Sie müssen doch den Druck spüren und nach Strategien suchen?“

Höcke wirft sich sieben Traubenzucker gleichzeitig ein und erwidert kauend: „Strategie macht für uns der Götz. Ich rede dann seine Reden und so. Und Götz sagt: Alles in urpreußischer Markenbutter, so wahr ich Kubitschek heiße und mich frugal ernähre. Dem Meuthen reichen wir bald ein kleines Messer und einen Sichtschutz, damit er die notwendige Verrichtung vornehmen kann. Die Partei sei schon längst in unserer Hand, meint er. Die anderen hätten das nur noch gar nicht bemerkt. Und Spaltung? Ach Gottchen, das müssen wir doch dann gar nicht mehr. Wir können uns ja nicht von uns selbst abspalten, mein Bester.“

Ich: „Aber wenn sie mal genau hinschauen, Herr Höcke. Der Verfassungsschutz meint das voll ernst mit der Beobachtung und die Regierung würde die Partei lieber heute als morgen verbieten. Woher nehmen sie das Vertrauen und den Optimismus, dass eine nationalkonservative bis völkisch nationale Partei nicht rasch verboten würde?“

Ein unerwarteter Abgang

BH: „Die Vorsehung! Die leitet mich. Spüren Sie nicht die Energie, die in diesen Minuten abstrahlt auf mich aus diesem historischen Boden? Sehen Sie denn nicht den Mantel der Geschichte, der, während wir uns hier unterhalten, ständig um uns kreist. Wir müssen ihn nur ergreifen, Herr van Laack. Aber alleine schaffe ich das nicht. Wollen Sie mir nicht helfen? Zu zweit kämpft und jagt es sich besser.“

Plötzlich steht er auf und läuft los. Schon nach wenigen Sekunden verliere ich ihn beinahe schon aus den Augen, rufe ihm nach: „Ist das Interview so autorisiert.“  „Ja, alles was sie wollen. Aber bitte helfen Sie mir jetzt.“

Ob das wirklich nur Traubenzucker war, frage ich mich und packe mein Notizbuch ein. Hoffnung, das Interview noch fortsetzen zu können, habe ich keine. Denn der Mantel der Geschichte wird sich von diesem Mann ganz gewiss nicht ergreifen lassen. Weder an diesem noch an einem anderen Tag! Da mag der Himmel so blau sein, wie er will!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.