In der AfD ist mit dem heutigen Tag offen der Machtkampf entbrannt zwischen den Kräften der Mitte (den Liberalkonservativen) und den offenen und heimlichen Sympathisanten mit den Nationalkonservativen und Völkischen um ihre Führer Björn Höcke. Ein Gastbeitrag von Michael van Laack

Wer spaltet, gefährdet? So, so! Bemerkenswerterweise galt das in den – sagen wir mal pauschal – letzten 18 Monaten nicht für den Flügel. Der konnte zumindest öffentlich und aus den eigenen Reihen kaum kritisiert sein Image der „wahren AfD“ pflegen und so den Spaltpilz überall ausbringen.

Der Flügel verbreitet – um nur ein Beispiel zu nennen – über seine Ostkreisverbände und Speerspitzen im Westen weiterhin munter und nicht sanktioniert Todeswünsche für die in Quarantäne befindliche Kanzlerin in den sozialen Netzwerken.

Die innerparteiliche Volksfront um Weidel, Gauland und Chrupalla hat durch ihr Taktieren und ihr offenes Sympathisieren mit dem nationalen Sozialisten Götz Kubitschek mit dazu beigetragen, dass der Flügel fleißig Punkte sammeln konnte, um die Beobachtung durch BfV wenn nicht zu rechtfertigen so doch zumindest zu ermöglichen.

Mitglieder, Wähler und Sympathisanten sind keine Deppen!

Auflösung des Flügels? Meine Güte, für wie dumm müssen gewisse Kreise in der Partei die Wähler und Sympathisanten halten. Wenn ich 38 Stücke Würfelzucker in einem Liter Cola auflöse, würde ich nach dessen Konsum genauso viele Kalorien im Körper haben, als wenn ich die Stücke im gleichen Konsumzeitraum lutschte.

Opportunismus mag in diesen Tagen den ein oder anderen Kader auf seinen FB-Profilen leiten, vom Ende her jedenfalls denken jene nicht, die den Status quo und ein „Weiter so“ fordern. Denn was bald folgen wird, ist nicht nur einfach eine Beobachtung der Gesamtpartei (die ist ja faktisch jetzt schon gegeben, denn BfV beobachtet ja die „Ex“-Flügler weiterhin).

Es wird eine Austrittswelle geben, wenn man dem Flügel die Hälfte der Parte stillschweigend als Ostzone mit Dependancen im Westen überlässt. Und wenn die Coronakrise und der Regierungsbonus in den Umfragen irgendwann einmal abflaut, werden jene, die zu den Spaltern gehörend scheinheilig vor Spaltung warnen, sich verdutzt die Augen reiben, dass die Umfragewerte für die AfD dennoch tief bleiben.

Chance auf Mitwirkung bald verspielt!

Traurig, aber wahr: Die bürgerliche Mitte wird bald die Chance für mehrere Jahrzehnte verspielt haben. Wir haben nicht 1928, weshalb es auch nicht ein Jahr später einen schwarzen Freitag geben wird. 1928 interessierten die Themen, die die NSDAP vor der Reichstagswahl spielte, keine Sau. Und die national-konservativen bis völkischen Themen, die der Flügelteil der AfD spielt, werden bei der BTW 2021 ebenso wenig eine Rolle spielen.

Je länger die Mitte – der liberalkonservative Teil der Partei zögert – nach der objektiv gescheiterten Selbstreinigung eine Spaltung möglichst zum Sommer herbeizuführen, notfalls zu erzwingen, umso geringer werden die Chancen, binnen einer Legislatur auf Landes- oder gar auch nur Kreisebenen koalitionsfähig zu werden.

Um eine flügelinfizierte Partei wird der Wähler einen Bogen machen, als hätte sie Corona oder Schlimmeres! Und die Leitmedien werden sie nicht nur weichzuklopfen versuchen, wie bisher schon. Sie werfen die Partei in den Fleischwolf. Mehrfach. Bis unter der Vermischung mit anderen unlauteren Zutaten aus dem Kochbuch von Haltungsjournalisten am Ende feinstes Brät herauskommt.

Jörg Meuthen geht es zuerst um das Land, dann um die Partei!

Prof. Dr. Jörg Meuthen setzt alles auf eine Karte. Das Ergebnis ist ungewiss. Aber zumindest zeigt er Charakter, stellt sein Fähnchen nicht in den Wind oder wechselt die Intensität der Farbe Blau je nach Lage.

Und im Gegensatz zu manchen Freunden Schnellrodas zeigt er offen, wo er steht. Viele Flügler hingegen, die in der Vergangenheit zu feige waren, sich offen zu Höcke zu bekennen, kommen jetzt aus ihren Höhlen, denn sie spüren, dass ihre Strategie, die Partei zu übernehmen, jetzt an den entscheidenden Gefährdungspunkt gekommen ist.

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.