(Michael van Laack) Gestern Abend sehnte ich mich einmal wieder nach gehaltvoller und lehrreicher Lektüre. Aber da ich die philosophischen, theologischen und historischen Werke meiner Bibliothek schon alle auswendig kann und zudem niemand im Familien- oder Freundeskreis daran interessiert ist, dass ich sie mal aufsage; da meine Lovecraft-, Poe- und Stephen-King-Bücher sogar schon fast zerfallen, weil ich sie zu oft in der Hand hatte; mich die Kinderzimmerlektüre um Bibi Blocksberg, dunkelgrüne großäugige Schleimgestalten, sprechende Käsekuchen oder für das gute kämpfende Windräder auf zwei Beinen noch nie sonderlich interessiert hat, saß ich leer und trostlos in meinem Arbeitszimmer. Doch dann kam die Rettung… Hurra, der neue Deutschlandtrend ist da!

Nicht logisch, aber leicht verständlich!

Die knapp 40 bunten Diagramme zogen mich sofort in ihren Bann. Doch will ich die Leser von PP nicht erschlagen mit all den Emotionen die mich durchfluteten bei der Betrachtung und Lektüre.

Deshalb fasse ich zusammen: 65% der Befragten sind weniger bis gar nicht zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, aber 43 Prozent würden die GroKo am nächsten Sonntag wählen.

Das könnte damit zusammenhängen, dass angeblich 66% die wirtschaftliche Lage als gut bis sehr gut bezeichnen. Dies wiederum muss augenscheinlich ein persönliches Verdienst der Bundeskanzlerin sein, denn 53% sind mit ihr zufrieden, was fast der doppelten Zahl der CDU/CSU-Wähler entspricht.

Politische Fehler werden gnadenlos bestraft!

Hanau und Thüringen haben – wie zu erwarten – am meisten der AfD und der FDP geschadet. Beide verlieren zwei Prozentpunkte. Jeweils 75% der ehemaligen Wähler dieser beiden Parteien haben sich entschieden, nunmehr die Grünen oder die SPD zu wählen, die weiteren 25%  sich zu den „Anderen“ aufgemacht, z.B. zur Tierschutzpartei, der Bibelpartei oder der Marxistisch-Leninistischen Partei, weshalb diese und die vielen anderen „Anderen“ zusammengerechnet am nächsten Sonntag mit 7% im Bundestag sitzen würden.

Aber leider kann man ja keine Koalitionen bilden zum Zweck des Erreichens der Fünf-Prozent-Hürde. Wäre vielleicht eine Überlegung wert, ob man diese Möglichkeit nicht ins Wahlgesetz mitaufnehmen könnte. Zur Abwehr der Gefahr von Weimarer Verhältnissen z.B.

Nach Links abbiegen, ohne zu blinken? Das zahlt sich aus!

Der CDU hat die Causa Kemmerich selbstverständlich nicht geschadet. Sie bleibt bei ihren 27%. Vermutlich eine Belohnung für die Ankündigung, die Kommunisten wieder in die Regierungsverantwortung bringen zu wollen. So konnte die ansonsten unvermeidliche Wählerwanderung von der Union zur Linkspartei in letzter Minute verhindert werden, denn diese verzeichnet ebenfalls keine Zuwächse.

Aber für Merkels Mannen und Herrinnen gibt es dennoch einen kleinen Wermutstropfen: Die Mehrheit aller Deutschen (55 Prozent) wünscht, dass der Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Mauermörderpartei aufgehoben wird. 30 Jahre nach dem Mauerfall (eine sehr, sehr lange Zeit) ist das ja auch verständlich, denn die Rechtsnachfolger der SED sind so lupenrein demokratisch wie der Islam barmherzig. Deshalb wünschen sich übrigens vermutlich auch 57% der Befragten, dass alle, die aus der Türkei nach Griechenland „einreisen“ möchten, dies auch tun sollen dürfen.

Nazis bleiben Nazis, da hilft auch das Verteidigen der Verfassung nichts.

Den Unvereinbarkeitsbeschluss mit Blick auf die AfD finden selbstverständlich fast Dreiviertel der zufällig ausgewählten befragten politikweisen Telefonjoker richtig.

Schließlich ist WK II erst knapp 75 Jahre beendet und die Faktenfinder von ARD und ZDF haben uns seit Jahren redundant stichhaltige Urban Legends vorgelegt, die beweisen, dass die NSDAP keineswegs am 10. Oktober 1945 aufgelöst wurde, sondern zunächst in der DP weiterexistierte, mit der Adenauer dreimal koaliert und deren Minister er viermal ins Kabinett berufen hat, sich dann zur NPD weiterentwickelte und 2013 in der AfD mündete.

Deren Parteiprogramm liest sich nur auf den ersten und deshalb oberflächlichen Blick in weiten Teilen wie das CDU-Programm der 80er bis 00er Jahre. Nach Abtragen der ersten Wortschichten kommt – ganz tief unter dem auch schon demokratiefeindlichen Subtext – fast wörtlich „Mein Kampf“ und Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts“ zum Vorschein, weshalb es nicht nur richtig, sondern auch ehrenhaft – ja gar dringendst geboten – ist, dass man alle AfD-Mitglieder Nazis nennt und ihre Sympathisanten bildungsfernes Gesindel, dem es mit dem Messer das giftige Fleisch wegzuschneiden gilt!

Alle Klarheiten beseitigt? Geht doch!

Na, habt ihr jetzt endlich in Eure intellektualitätsarmen Kleinbürgerschädel hineinbekommen, warum Deutschland so denkt, wie es denkt? Und werdet Ihr nun auch endlich so denken, wie jene, die mehr sind?

BRAV! ICH SAGE JA IMMER: WENN MAN DEN LEUTEN GEDULDIG DIE WAHRHEIT VOR AUGEN FÜHRT, MÜSSEN WIR UNS BALD KEINE SORGEN MEHR UM DIE GEFÄHRDUNG „UNSERER“ DEMOKRATIE MACHEN!

So, jetzt aber ganz schnell wieder ab vor Eure TV-Geräte. Gleich kommt Folge 6.789.123 von „Gute Parteien, Schlechte Parteien“. Und Ihr habt ja gelernt: Das Gute siegt immer und Ihr seid die Guten, weil Ihr auf unserer Seite steht!

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Jahrgang 1965 – Wohnsitze in Bayern und NRW - Deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger – Zunächst Berufsausbildung zum Industriekaufmann/Wirtschaftsassistent – Danach Diplomstudiengänge (Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaften) u.a. in Bochum und Passau. – Einige Jahre Erzieher in privaten Internaten (u.a. Schloss Neubeuern und St. Ottilien) – In kirchlichen und politischen Milieus je nach Betrachtungsweise mehr oder weniger gut vernetzt – Aktuell im politischen Betrieb als „Ghost“ Reden- und Vortragsschreiber sowie Mitautor und Korrektor. Zudem strategischer und konzeptioneller Berater bei diversen Wahlkampagnen außerhalb Deutschlands. Bis zu meinem Engagement für den Blog eher öffentlichkeitscheu. Das bin ich in gewisser Weise auch heute noch. Persönliche Kontakte pflege ich am liebsten nur beruflich oder in der Familie. Aktuelle Fotos von mir oder Fotos im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Projekt vermeide ich, so gut es geht. Ein guter Freund nannte mich einmal einen Semi-Soziopathen. Auch wenn das ein hartes Wort ist: es beschreibt keine psychische Erkrankung, wie man vermuten dürfte und trifft deshalb sehr gut! Zwar bin ich prinzipiell sehr empathisch, doch schätze ich nicht die Nähe von Hinz und Kunz, lasse also ungern Menschen an mich heran. Ich spiele gern und hin und wieder auch erfolgreich mit Sprache, schotte meine Familie so weit es geht von der Öffentlichkeit ab und mache auch immer wieder mal – so auch hier - ein Geheimnis aus meinem vollständigen Lebenslauf. Diese Geheimniskrämerei hat schon manchen dazu verleitet, Legenden über mich zu verbreiten. Aber das ist OK. Ich habe ein sehr dickes Fell und Desinformation ist ja auch ein gern genommenes Tool im politischen Betrieb.