Letzten Donnerstag gab Infratest dimap (ARD-Deutschlandtrend) bereits eine neue Erhebung heraus, in welcher CDU/CSU auf 25 Prozent fallen. Das ist der niedrigste Wert, den dieses Institut je gemessen hat. Nun kommt auch INSA in seinem neuesten Meinungstrend gerade noch auf 25 Prozent für CDU und CSU zusammen. Ein Gastbeitrag von Jürgen Fritz

… und das drei Tage vor dem Bundesparteitag der CDU. Kein gutes Omen für die Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer, die ihr schlechtes Krisenmanagment nun auch öffentlich zugibt und bei der immer mehr Personen sich fragen, ob die CDU hier vielleicht aufs falsche Pferd gesetzt hat.

Der stetige Niedergang der Union

Was waren das für Zeiten, als CDU/CSU im September 2013 noch auf 41,5 Prozent kamen. Im Sommer 2015 waren dann die Umfragewerte sogar noch etwas höher, bei 42 bis 43 Prozent. Merkel und die Union waren auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Manche träumten schon von der absoluten Mehrheit und einer Alleinregierung von CDU/CSU. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Zuerst ging es nach der Preisgabe der deutschen Außengrenzen im September 2015 unter 40 Prozent, dann unter 35 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es nicht einmal mehr 33 Prozent (32,9). Doch der Abstieg ging weiter.

Schließlich fiel die Union sogar unter 30 Prozent. Früher undenkbar. Jetzt war klar: Wenn sie sich nicht fangen kann, wird Merkel ihre Position nicht mehr sehr lange halten können. Und es ging weiter nach unten, im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute bis auf ca. 26 Prozent. Als dann Ende Oktober 2018 noch das miserable Abschneiden bei der Hessenwahl dazukam – die CDU verlor 11,4 Punkte, fielt von über 38,4 auf unter 27 Prozent – zog Merkel die Reißleine und trat vom Parteivorsitz zurück. Das konnte die Lage zwar kurzfristig beruhigen, aber nur ein Jahr später steht die Union wieder an gleicher Stelle.

INSA-Meintungstrend vom 18.11.2019

Letzten Donnerstag meldete bereits Infratest dimap, CDU/CSU wären nun wieder auf ihren absoluten Tiefpunkt von 25 Prozent gefallen. INSA (4.115 vom 15.11. bis 18.11.2019 per Online-Panel Befragte) kommt nun ebenfalls zu dem gleichen Ergebnis:

  1. CDU/CSU: 25 %
  2. GRÜNE: 21 %
  3. SPD: 15,5 %
  4. AfD: 15 %
  5. LINKE: 10 %
  6. FDP: 8,5 %
  7. Sonstige: 5 %

2019-11-18-Bild

Wahl-O-Matrix-Mittelwerte aller Institute

Nun gibt es andere Institute, die sehen die Union noch bei 26 (Forsa) oder 27 Prozent (Emnid, Forschungsgruppe Wahlen und YouGov). Die drei Letztgenannten sind aber bezogen auf den mittleren Tag der Befragung schon neun bis 16 Tage alt. Wenn wir uns den Wahl-O-Matrix-Mittelwert von sieben Instituten anschauen, dann sehen die aktuellen Zahlen wie folgt aus (in Klammern die Gewinne/Verluste gegenüber der Bundestagswahl 2017):

  1. CDU/CSU: 26,4 % (− 6,5)
  2. GRÜNE: 20,6 % (+ 11,7)
  3. SPD: 14,8 % (− 5,7)
  4. AfD: 13,9 % (+ 1,3)
  5. LINKE: 9,8 % (+ 0,6)
  6. FDP: 7,9 % (− 2,8)
  7. Sonstige: 6,6 % (+ 1,6)
2019-11-19

© JFB

CDU/CSU steuern also nach einem kurzen Aufschwung in den ersten Monaten auch hier wieder auf die 26 Prozent zu, der niedrigste Wert, den Wahl-O-Matrix je ermittelte und auf dem die Union auch vor einem Jahr schon war:

Fehler über Fehler

Dieser Abstieg von über 42 auf jetzt nur noch gut 26 Prozent hat natürlich viele Gründe und ist nicht nur an der neuen Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer festzumachen. Fakt ist aber, dass in dem Jahr, seit sie dieses Amt übernommen hat, im Grunde nichts besser geworden ist, wenn nicht sogar noch schlechter. Das scheint AKK auch selbst gemerkt zu haben.

Kurz vor dem Bundesparteitag, der am Freitag in Leipzig beginnt, räumt Kramp-Karrenbauer denn auch öffentlich ein, Fehler gemacht zu haben. Konkret bezieht sich dabei auf ihr Krisenmanagement in ihrem ersten Amtsjahr. „Das ist natürlich nicht spurlos an mir vorübergegangen. Das kann man an Umfragewerten sehen, das kann man natürlich auch an Diskussionen in der Partei sehen“, räumte die CDU-Vorsitzende im Interview mit der ARD ein. „Eine Partei, die CDU insbesondere, will natürlich immer eine Vorsitzende, von der sie weiß: Die steht da vorne, auf die kann ich mich verlassen, die macht keine Fehler“, so Kramp-Karrenbauer weiter. „Und das war ein Fehler. Und das hat die Partei natürlich wahrgenommen.“

Der EU-Wahlkampf der Union war ebenfalls nicht gelungen. Hier fielen CDU/CSU um 6,4 Punkte auf unter 29 Prozent (28,9). Kramp-Karrenbauer räumte auch hier ein, Fehler gemacht zu haben. Sie habe die Umstrukturierungen in der Parteizentrale nach der Übernahme des Vorsitzes „nicht konsequent genug vorangetrieben“. Es habe ein altes und ein neues Team gegeben. Das sei „kein Wahlkampf aus einem Guss“ gewesen.

Und auch die Reaktionen auf das unsägliche Rezo-Video waren vollkommen unprofessionell. „Die Entscheidungen, wann reagieren wir, wie reagieren wir, sind in einer unglaublichen Hektik gefallen, wo jeder der Beteiligten immer zwischen zwei Wahlkampfauftritten gerade mal fünf Minuten Zeit hatte, um miteinander zu telefonieren. Das war grundlegend falsch“, gab Kramp-Karrenbauer nun zu.Die CDU hätte „von Anfang an sehr schnell eine Reaktion setzen müssen gegen das Video. Es wäre erst einmal egal gewesen, welche Reaktion. Sie hätte nur sehr schnell erfolgen müssen.“

Hat die CDU aufs falsche Pferd gesetzt?

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) fand ebenfalls klare Worte zum Krisenmanagement der CDU-Spitze auf das Video: „Die Reaktion war katastrophal, total unbeholfen. Später dann der Versuch, das mit einem Video zu beantworten, einmal aus der CDU, dann aus der CSU – das war einfach nicht gut.“

Der ARD-Deutschlandtrend schrieb schon Anfang November„Kramp-Karrenbauer so unbeliebt wie nie – Noch nie war CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer unbeliebter: Nur noch 18 Prozent sind laut DeutschlandTrend mit ihrer Arbeit zufrieden. In der K-Frage sprechen sich die meisten Befragten für Merz aus.“

AKK-Beliebtheit-2019-11

ARD-Screenshot

Insgesamt stellt sich seit vielen, vielen Monaten der Eindruck immer mehr ein, dass Kramp-Karrenbauer mit diesem Amt völlig überfordert ist. Dürften die Bundesbürger den Kanzler direkt wählen, könnte AKK sich gegen keinen einzigen Konkurrenten durchsetzen. Sie würde gegen jeden verlieren. Wie soll so eine Frau die CDU aus der Krise führen, geschweige denn das Land?

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Der Beitrag erschien zuerst bei Jürgen Fritz