„Früher war mehr Meinungsfreiheit!“ – Stimmt, aber auch mehr Qualität und Geduld! Zu einer Informationsanfrage des Landeskriminalamtes bei „Philosophia Perennis“. Von Michael van Laack

Auslöser dieses Artikels war ein Auskunftsersuchen des Landeskriminalamtes Niedersachsen an uns hinsichtlich der Identifizierung eines Kommentators, der sich mit seinem Kommentar strafbar gemacht hat. Man könnte das freilich als Kleinigkeit verbuchen und zur Tagesordnung übergehen.

So einfach aber möchte ich es weder mir noch Euch machen. Hier nun zuerst einige grundsätzliche Überlegungen, am Ende des Artikels dann klare Worte zum Anlass.

Meinungsfreiheit früher

Als ich Ende 1983 begann, in den Spalten unserer Kommunalzeitungen die damals schon linken Zeitgenossen in Kirche und Politik zu nerven, dauerte es von der Abfassung eines Leserbriefs bis zu dessen Veröffentlichung fünf bis sieben Werktage. Denn wenn man nicht zufällig in der Nähe einer Lokal-Redaktion wohnte, schickte man den Brief per Post.

Wenn die eigene Meinung dann abgedruckt wurde (nur mit vollständigem Namen und Adresse), was zumindest bei mir in 100% der Einreichungen der Fall war, musste man mit Kürzungen rechnen.

Schneller, aber nicht weniger kontrolliert

Mit der Möglichkeit, per E-Mail Leserbriefe zu versenden, verkürzte sich die Wartezeit ab Mitte der 90er ein wenig. Aber es wurde oft mehr gekürzt und auch mehr ausgesiebt, denn durch das elektronische Medium stieg offensichtlich auch die Zahl der Einsendungen zu einem Thema.

Auf die Idee, beleidigende Worte in einen Leserkommentar zu schreiben, wäre nie jemand gekommen. Zum einen wäre das nicht veröffentlich worden, zum anderen waren zumindest zu Beginn E-Mail-Adressen eindeutig einem Absender zuzuordnen.

Das Internet-Zeitalter

Einen Quantensprung in der Möglichkeit, seine Meinung kundzutun, stellten dann die „sozialen“ Netzwerke dar. Binnen Sekunden hatte man ein paar Sätze zu einem Thema verfasst und die Reichweite erhöhte sich weit über die Zahl der Abonnenten einer Tageszeitung hinaus. Und dennoch unterschieden sie  sich in den ersten Jahren in der Qualität wenig von dem, was an Meinungen in der Zeitung zu finden war.

Mittlerweile sind Smartphones und Tablets allerdings weiterverbreitet als seinerzeit die Volksempfänger und später die Volkswagen. Und so spülen immer mehr Menschen ihre „Meinung“ ans Licht der Öffentlichkeit, Qualität wird durch Quantität ersetzt. Schon lange geht es nicht mehr nur darum, mehr oder weniger fundierte Ansichten einem großen Publikum bekannt zu machen. Viele Menschen habe erkannt, dass man so den eigenen Frust oder gar den Hass auf bestimmte Personen und Meinungen verbreiten kann, ohne ernsthaft belangt zu werden. Man kann nicht nur dem Nachbarn bei der Begegnung auf der Straße klar machen, was man von ihm hält. Man schreibt einfach: „Alle Krawattenträger sind spießige Drecksäcke!“ und darf sich sicher sein, für diese Aussage mit Likes und Herzchen anderer Krawattenhasser bedacht zu werden. Dies bestärkt den „Meinungs“-Äußerer nicht nur in seiner Position, es gibt ihm das „Wir Krawatten-Hasser sind eine große und starke Gemeinschaft“-Gefühl, veranlasst ihn zu mehr und immer „mutigeren“ (und oft extremeren) Äußerungen. Und radikalisiert ihn möglicherweise soweit, dass er bald durch die Straßen zieht und allen Krawattenträgern dieselben mit Gewalt von Hals reißt. „Denn viele“ – so weiß oder vermutet er, „stehen hinter mir!“.

Blogs und Channels als alternative und „freie“ Medien

Seit einigen Jahren nun sehen wir allerdings auch, dass die Mainstream-Medien (früher nannten wir das treffender Leitmedien) ihrer journalistischen Verantwortung kaum mehr gerecht werden. Die Berichterstattung wird immer einseitiger, statt nur objektiv und ausgewogen zu berichten, sehen wir bei ARD, ZDF und den großen Printmedien die Tendenz zu subjektiver Berichterstattung.

Was nicht in die Line der Regierungspolitik oder des moralischen bzw. ethischen „Mainstreams“ passt, wird entweder von der Berichterstattung ausgenommen oder in einem unversöhnlichen Ton negativ konnotiert. „BILD Dir Deine Meinung“ heißt heute: „Wir BILDen Dir Deine Meinung.“ So genannte Faktenchecks werden nicht mehr ergebnisoffen angelegt. Das gleiche gilt für den investigativen Journalismus, der zum einen bestimmte Milieus von Investigation ausspart, zum anderen am Redaktionstisch das erwünschte Ergebnis in ein paar Sätzen zusammenfasst und erst dann beginnt, in diese Richtung zu ermitteln.

Notwendige Gegenöffentlichkeit

So ist es weder verwunderlich noch sollte es in einer meinungsfreien Demokratie unerwünscht sein, wenn alternative Medien einen anderen Ansatz der Berichterstattung wählen, andere Themen aufgreifen oder aber heiße Eisen anders bewerten. – Aber auch hier gibt es Risiken: das liebe Geld! Nur wenige Blogs und Channels sind heute noch finanziell unabhängig. Die einen sind auf Werbeeinahmen angewiesen, was die ein oder andere tendenziöse Meldung hervorbringt, andere sind abhängig von Unternehmen oder Parteien.

Nur jene Blogs, die ehrenamtlich arbeiten, deren Mitarbeiter nicht angewiesen sind auf wen auch immer, könnten (und tun dies auch zumeist) frei von Einseitigkeit Bericht erstatten. Dass die eigene Haltung, die eigene politische oder religiöse Verortung eine Rolle bei Auswahl und Darstellung der Themen spielt… Wer würde das zu bestreiten wagen. Alles ist subjektiv.

Dass auch alternative oder freie Medien untereinander vernetzt sind, ergibt sich aus der Natur der Sache. Und dennoch: Wir können und wollen uns ein größeres Maß an Unabhängigkeit bewahren, als der Mainstream und jene Blogs und Channels, deren Betreiber davon leben müssen. Und das sind nicht wenige.

Die „Redaktionslinie“ von Philosophia Perennis

Unsere Schwerpunkte sind bekannt: Unserem Grundgesetz und seinen Werten unbedingt verpflichtet. Liberalkonservativ, prochristlich und islamkritisch. Kritik an der Migrations-, Gender- und Familienpolitik der Bundesregierung. Kritik auch an den Kirchen dort, wo sie sich politisch als Regierungsmeinungs-Vervielfältiger gerieren oder klar politisch linke Positionen vertreten.

Lobby sind wir allerdings nicht: Weder für die LGBTIusw.-Communitys noch für die AfD, auch nicht für römisch-katholische Traditionalisten, obwohl wir denen deutlich näher stehen, als dem befreiungstheologisch-marxistisch Bewegten in unserer Kirche.

Freiheit verlangt immer auch Regeln

Für uns ist es wichtig, dass wir Rückmeldung erhalten zu den Artikeln, denn manchmal hält man einen Text selbst für total genial und schlüssig, der total daneben und in sich nicht logisch ist. Ein Korrektiv oder eine Ergänzung ist also immer erwünscht, ja geboten!

Vermehrt nutzen allerdings auch bei uns Leute die Kommentarspalte, um Dreck zu kübeln, persönlich zu diskreditieren, Verschwörungstheorien oder objektive Falschmeldungen zu verbreiten.

In der Regel sieben wir das gnadenlos aus. Kommentare die Links enthalten, scheiden sofort aus, weil wir rechtlich mitverantwortlich gemacht werden könnten für Verlinkung auf strafbare Inhalte. Da uns die Zeit fehlt, jeden verlinkten Artikel zu lesen (WIR MACHEN DAS HIER EHRENAMTLICH) und auch das juristische Wissen, den Inhalt einzuordnen, bleibt uns keine andere Möglichkeit.

Keine Kompromisse

Unser Anbieter disqus moderiert vor, das heißt: Er zeigt uns an, wenn es allzu „vulgär“ wird oder verächtlich machende Begriffe verwendet werden.

Normalerweise löschen wir solche Kommentare sofort, ab und an machen wir uns auch mal die Mühe, zu kürzen.

Neulich nun habe ich von einem User mehrere Kommentare innerhalb weniger Minuten erhalten. Zwei wollte ich freigeben, einen löschen. Und dann ist mir dieser üble Fehler passiert. Ich habe einen falschen gelöscht und jenen freigegeben, in dem ein frisch gewählter Oberbürgermeister als „Muslimarschloch“ bezeichnet wurde. Keinem der anderen Admins ist das aufgefallen, unseren Lesern auch nicht. Blöderweise aber dem LKA Niedersachsen! Strafrechtlich hat dies für uns keine Konsequenzen. Würde es nur für den Kommentator haben, wenn man ihn ermitteln könnte.

Deshalb sage ich auch immer: Wenn wir manche Eurer Kommentare nicht freischalten, dann geschieht das zwar auch zu unserem Schutz, aber vor allem zu Eurem eigenen!

Niemals werden wir eine Meinung löschen, nur weil sie von unserer oder der des Gastautors abweicht. Was wir definitiv nicht dulden, sind Beiträge, die die NS-Rassenlehre verteidigen, tendenziell antisemitistisch sind oder Minderheiten welcher Art auch immer diskreditieren, also herabwürdigen und lächerlich machen.

Sachliche Kritik, auch gern sehr ausführliche Kommentare, sind stets willkommen wenn ihr Euch an eine Regel haltet: #Seid so nett zu anderen und uns, wie wir es zu Euch sind!# Ich hätte auch schreiben können: Seid so nett zu anderen, wie Ihr erwartet, dass sie zu Euch sind… Aber wer weiß, welche Erwartungshaltung Ihr habt…

Gern können wir streiten! Das würden wir auch oft sehr gern auf Augenhöhe tun. Was aber leider schon deshalb nicht funktioniert, weil man nur mit Menschen, die unter Klarnamen ihre Meinung vertreten, offen und vorbehaltlos diskutieren kann. Was weiß denn ich, wer sich hinter „BraunesHäschen88“ versteckt. Das kann ich nur vermuten. Deshalb ist es auch so schwierig, Vertrauen aufzubauen zu den meisten, die hier kommentieren.

Oma hat immer gesagt: „Nimm von fremden keine Schokolade!“ Virtuell halte ich das auch heute noch so.