Immer häufiger, wenn Diskussionen rund um die Gleichschaltung der Kirchen in Deutschland mit dem System Merkel und das Islam-Appeasement einiger Bischöfe aufkommen, stellt sich die Frage nach dem „Kirchenaustritt“. Viele gerade treue Katholiken schrecken vor diesem Schritt zurück, weil sie annehmen ein solcher Austritt aus der Kirchensteuergemeinschaft sei notwendigerweise auch ein Kirchenaustritt. Doch ist es das wirklich? Ein Gastbeitrag von Reinhard Dörner

Im Zentrum der Aussagen eines Artikels von Gernot Facius‘ mit dem Titel „Rückbesinnung auf den Kern des Glaubens“ (Junge Freiheit vom 1. August 2019) heißt es:

„Die Hierarchen der Kirchen haben sich zu lang auf dem finanziellen Polster ausgeruht, das ihnen die … sprudelnden Steuereinnahmen garantierten…“

„Die Hierarchen der Kirchen haben sich zu lang auf dem finanziellen Polster ausgeruht, das ihnen die … sprudelnden Steuereinnahmen garantierten…“

Auch in der katholischen Kirche „wächst die Kritik an ‚liturgischem Wildwuchs‘“, da allzu viele Priester sich als „freischaffende Künstler“ gerieren, ohne zu berücksichtigen, dass die Gläubigen ein Recht darauf haben, daß die Gottesdienste/hl. Messen nach den Vorschriften der liturgischen Ordnung gefeiert werden. Rückmeldungen bei den Geistlichen führen i.d.R. zu keiner Resonanz und werden – schlimmer noch – von den Bischöfen vielfach ignoriert.

Gläubige wehren sich schon lange gegen die Verwässerung des Katholischen

Es wäre zu kurz gegriffen, nur die Liturgieproblematik hochzuspielen. Als viel gravierender erweist sich die Tatsache, dass verantwortliche Lehrer des Glaubens diesen in stark verkürzter und damit in häresieverdächtiger Art verkünden, ob als Priester in Predigten oder als Religionslehrer im Unterricht, weil man doch nach einem Wort des langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kard. Lehman „das heute doch so nicht mehr könne“ (so bereits zu Zeiten der Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland 1974 in Würzburg).

Eingaben des Vereins „Theologie und Katechese“ zu Fehlentwicklungen im Religionsunterricht (in den 90er Jahren) wurden nicht nur nicht angenommen, sondern sogar in Rom bei der zuständigen Kleruskongregation (nach glaubwürdigen Zeugenaussagen aus Rom aufgrund der Einflussnahme Lehmanns) abgeschmettert.

Es gab damals – nach dem II. Vaticanum – eine Zeit, in der Beschwerden in Rom waschkörbeweise gesammelt wurden – ohne jede Auswirkung. Ist es da verwunderlich, dass sich gerade auch treugläubige Katholiken überlegt haben, ob sie dieser Kirche noch angehören können/wollen? Manche fanden für sich die Lösung, sich traditionsgebundenen Gruppen anzuschließen, ein Weg, der sich nicht jedem erschließt.

Gnade gegen Geldzahlungen?

Doch scheint sich allmählich der Trend durchzusetzen, auch über Kirchenaustritt nachzudenken:

„Mit meinem standesamtlichen Austritt aus der katholischen Kirche als einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erkläre ich in keiner Weise meinen Austritt aus der Kirche als Glaubensgemeinschaft. Ich werde im Gegenteil weiterhin treu in fide et moribus zur Kirche als Glaubensgemeinschaft stehen, das aufgrund meines Austritts aus dem Zwangskirchensteuersystem ersparte Geld für katholische Belange einsetzen und wie bisher am sakramentalen Leben der Kirche teilnehmen.“

So ähnlich lautete der Text, den z.B. ein ehemaliger Kirchenrechtler der Universität Freiburg verwendete, um seinen Austritt aus der Kirche zu dokumentieren. Die in Deutschland erhobene Kirchensteuer ist nach gesamtkirchlichem Recht nicht gestattet, da die Kirche in Deutschland die Spendung der Sakramente an die Zahlung der Kirchensteuer bindet. Sakramente gegen Cash.

Mehr linksgrünen als katholischen Vereinen die Unterstützung durch Kirchensteuer entziehen

Im Jahre 2006 hat der seinerzeitige Bischof von Regensburg und spätere Leiter der Glaubenskongregation in Rom, heute Kardinal Gerhard Ludwig Müller, die richtige Antwort auf dauernde Polemik und Attacke gegeben: Er strich dem ZdK den diözesanen Anteil des ZdK-Etats!  Bischof Müller zog aus den verbalen Entgleisungen des Vorsitzenden des ZdK Meyer diese Konsequenzen.

Um auch die kirchliche Ausrichtung der übrigen bisher kirchlich anerkannten Vereine wiederherzustellen, z.B. BDKJ, mehrere Frauen- und Studentenverbände etc., wäre es notwendig, daß die Bistümer um der Wahrung der Glaubensgrundlagen willen endlich die Konsequenzen ziehen und prüfen, welche Vereine sie noch mit Kirchensteuermitteln fördern dürfen.

Die Bischöfe als Hüter des katholischen Glaubens sind gefragt

Bisher ging die Taktik der Vereine auf: Wenn sie sich bischöflicher Kritik ausgesetzt sahen, gingen sie damit an die sogenannte „kritische“ Öffentlichkeit, die mit ihrem Medien-Sperrfeuer einen kirchentreu agierenden Bischof sturmreif schoss.

Es wird Zeit, daß sich unsere Bischöfe allgemein von dieser Art veröffentlichter Meinung emanzipieren und ihrer Verantwortung vor Gott für die Belange des Glaubens und der Kirche den Vorrang einräumen. Bei Verweigerung dieser Konsequenzen durch die Bischöfe sollten möglichst viele treue Katholiken darüber nachdenken, ob sie nicht der o.g. Anregung folgen und aus der Kirchensteuerzahlergemeinschaft austreten.

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Zum Autor: Reinhard Dörner – Studium der Philosophie, Pädagogik, Kath. Theologie (Diplom) und Germanistik. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 2003 Unterrichtstätigkeit an einem Berufskolleg, Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung, in den Fächern Katholische Religionslehre und Deutsch. Ehrenamtliche Tätigkeit in der kirchlichen Bildungsarbeit. Herausgeber der Berichtbände der Osterakademien in Kevelaer sowie anderer Werke (www.kvgk.de). Seit 1995 Vorsitzender des Kardinal-von-Galen-Kreis e.V. (früher Initiativkreis Münster e.V.) sowie seit 1999 des Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen e.V.

Der Kardinal-von-Galen-Kreis hat seit Beginn seiner Arbeit (1996) alle Osterakademien in Kevelaer dokumentiert und die Berichtbände veröffentlicht. Einige Berichtbände sind leider schon vergriffen. http://kvgk.de/publikation.php