Dieter Stein (Chefredakteur JF) mit PP-Macher David Berger

„Europa im Umbruch, schwere Krise der etablierten Medien und die Aufgabe der ‚Jungen Freiheit'“ ist ein ausführlicher Brief des Chefredakteurs der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Dieter Stein, vom 3. Mai 2019 an die Leser und Freunde der JF überschrieben. Da sich PP zu diesen zählen darf, veröffentlichen dokumentieren wir hier den über den Bereich der JF hinaus wichtigen Text.

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Lieber Leser,

es sind aufregende, hochnervöse Zeiten, in denen wir leben: Die politische Landschaft ist kurz vor den EU-Wahlen in ganz Europa in Bewegung. In Frankreich artikulieren seit Monaten Hunderttausende Bürger im Rahmen der „Gelbwesten-Bewegung“ überwiegend friedlich den wachsenden Unmut der Mittelschicht über die arrogante und abgehobene Politik Macrons. Die Engländer mühen sich mit ihrem Brexit, in den Niederlanden, Italien, Ost- und Mitteleuropa und auch Deutschland sind Kritiker des Brüsseler Dirigismus und einer Politik der nationalen Selbstbehauptung auf dem Vormarsch.

Die Angst vor einer alternativen, oppositionellen Politik ist bei etablierten Kräften groß. Wir erleben deshalb im Gegenzug derzeit den Versuch eines propagandistischen linken „Roll-Backs“. Mit Hilfe der absurden „Schüler-Streiks“ läuft freitags seit Wochen eine gigantische Kampagne, mit der eine um ihre Pfründe besorgte links-grün dominierte politisch-mediale Klasse hofft, eine andere Agenda zu setzen: Die hysterisch geführte Klimadebatte mit der schwedischen Schülerin Greta Thunberg an der Spitze soll Themen an den Rand drängen, die den Bürgern unter den Nägeln brennen und „populistische“ Parteien bislang groß gemacht haben: Massenmigration, innere Sicherheit, Euro- und Schuldenkrise.

Wir haben es bei diesem politischen Machtkampf auch mit einem Feldzug der Medien zu tun: Nicht zufällig bemüht sich die EU, über Kontrollmaßnahmen gegen soziale Netzwerke (Facebook, Twitter) und Internet-Kanäle (Youtube) vorzugehen, immer unter dem Vorwand, „Haßrede“ oder Urheberrechtsverletzungen entgegenzutreten, um in Wahrheit kritische Gegenöffentlichkeit zu bremsen.

FAZ schaßt letzten konservativen Mitherausgeber

Kürzlich erreichte uns die Nachricht vom Sturz des „FAZ“-Mitherausgebers  Holger Steltzner. Er war einer der letzten, die in der traditionsreichen „FAZ“ für eine klare markwirtschaftliche, liberal-konservative Linie standen, der insbesondere durch seine hartnäckigen eurokritischen Leitartikel hervorstach und zuletzt in einem ungewöhnlich scharfen Kommentar die Klimahysterie geißelte. Dort schrieb er:

„Die Rettung des Weltklimas hat für große Teile der deutschen Gesellschaft mittlerweile den Rang einer Ersatzreligion. Darf man noch fragen, welchen Beitrag die extreme Subventionierung von erneuerbarer Energie für das Klima der Erde geleistet hat, angesichts der Tatsache, daß der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland kaum gesunken ist? Oder ist ein Ketzer, wer fragt, ob die eine Billion Euro, mit der hierzulande Steuerzahler und Stromverbraucher Wind-,Solar-, Biogasanlagen und Netze fördern müssen (die Hälfte unserer Staatsverschuldung!), klug investiert wird?“

 Offensichtlich darf man das in etablierten Medien nur schwer fragen. Holger Steltzner wurde am 18. März bei der „FAZ“ als Herausgeber geschaßt. Die Lücke, die die „FAZ“ reißt, wird immer größer. Unsere Aufgabe muß es nun sein, sie konsequent zu füllen.

Die „Junge Freiheit“ lebt bei allem entscheidend vom Enthusiasmus ihrer Macher, der Mannschaft am Hohenzollerndamm und der guten Autoren, dem Engagement treuer, idealistischer Leser und Förderer sowie der Zuversicht, daß sich hartnäckiger Einsatz und Freude am offenen, freien Diskurs am Ende durchsetzen. Die Demokratie lebt von der hörbaren Breite der Meinungen. Unsere Aufgabe ist es, daß die aus dem Lot geratene Waage wieder ins Gleichgewicht kommt.

Es ist bemerkenswert, wie viele Leser neu zur „Jungen Freiheit“ seit dem Beginn der Asylkrise und der Grenzöffnung 2015 durch Angela Merkel gestoßen sind. Die für das Desaster der Einwanderungspolitik Verantwortlichen wehren sich übrigens, von „Grenzöffnung“ zu reden. Hier wird auch in den Medien ein Deutungskampf ausgetragen, bei dem Bürgern vermittelt werden soll, die Grenzen seien doch offen und nicht zu sichern gewesen.

ARD und ZDF mit Framing Manual  – klares Gegenteil von Journalismus

Indessen hat die Empörung über die tendenziöse und selektive Berichterstattung etablierter Medien und insbesondere der öffentlich-rechtlichen Sender immer weitere Kreise der Bevölkerung erfaßt. Und die etablierten Medien scheinen aus dem Versagen im Folgenden kaum Lehren gezogen zu haben. Auf die wachsende Wut von Bürgern, für die einseitige und desinformierende Berichterstattung von ARD und ZDF auch noch mit Zwangsgebühren zahlen zu müssen, reagierte die ARD kürzlich mit einem „Framing-Manual“, das es Mitarbeitern der Sendeanstalten erleichtern sollte, die doofen Bürger mit vorgestanzten Formulierungen in der Manier von Orwells „Neusprech“ aus dem Roman „1984“ abzuspeisen. Nicolaus Fest stellte in einem Leitartikel in der „Jungen Freiheit“ dazu treffend fest:

Tatsächlich beweist das „Framing Manual“ einmal mehr, wie weit sich die ARD von ihren Aufgaben entfernt hat. Schon der Begriff „Framing“ hätte die Verantwortlichen skeptisch machen müssen. Denn er bedeutet nicht nur „Rahmung“ im Sinne kontextueller Einbindung, sondern auch doppeltes Spiel und Hinters-Licht-Führen. Das ist selbst in Zeiten der Lückenpresse noch immer das klare Gegenteil von Journalismus. (…) Nicht zufällig lautet ein Vorschlag für die Positionierung der ARD:„Kontrollierte Demokratie statt jeder, wie er will.“

Man muß sich den Satz noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: „Kontrollierte Demokratie statt jeder, wie er will.“ Damit sollte laut ARD-„Framing-Manual“ allen Ernstes für die öffentlich-rechtlichen Medien geworben werden!

Neben der Selbstentblößung der GEZ-Anstalten zeigte die Affäre um den „Spiegel“-Journalisten Claas Relotius, wie empfänglich auch die privatwirtschaftlich finanzierten etablierten Medien für journalistische Räuberpistolen sind, Hauptsache die „Haltung“ stimmt.

„Spiegel“-Mann Claas Relotius kein Einzelfall

Wie sich inzwischen herausstellt, ist Relotius kein Einzelfall. Gerade erst flog bei der „Süddeutschen Zeitung“ mit Dirk Gieselmann ein weiterer preisgekrönter Journalist auf. Relotius und Gieselmann sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Sie wurden enttarnt, weil sie zu dreist und zu hanebüchen logen. Sie wurden aber, was sie waren, wohl auch, weil ihre Masche in geringeren Dosen zum Alltag nicht nur beim „Spiegel“, sondern in vielen Redaktionen gehört. Was nicht paßt, wird passend gemacht.

Der Publizist Alexander Wendt ordnet den Fall Relotius treffend ein als Symptom eines „guten medienwirklichkeitsschaffenden und sehr unvielfältigen Milieus“, das Relotiosiaden am laufenden Band produziere. Die erfundenen „Hetzjagden“ in Chemnitz im vergangenen Jahr waren hierfür nur eines von vielen Beispielen. Relotius ist der zur Kenntlichkeit entstellte „Haltungsjournalist“. Georg Restle, Leiter des WDR-Magazins „Monitor“, der sich noch vor kurzem über „Journalismus im Neutralitätswahn“ mokierte („Warum wir endlich damit auhören sollten, nur abbilden zu wollen, ‘was ist’.“) – ist dies inzwischen hoffentlich peinlich.

JF-Redaktion in Berlin – Farbanschlag im Mai 2018

Auch wir als „Junge Freiheit“ müssen uns indes immer prüfen, ob wir abbilden „was ist“. Wir dürfen auch nicht schönreden oder verschleiern, wenn etwas im bürgerlichen Lager falsch läuft. Die Aufgabe unserer Zeitung ist es, auch hier schonungslos Finger in die Wunden zu legen – auch wenn es manchmal schmerzt und uns scharfe Kritik einbringt.

Man kann nicht nur in der breiten Öffentlichkeit (wie Elisabeth Noelle-Neumann es einmal beschrieb) das Wirken einer „Schweigespirale“ beobachten – diese wirkt auch in der eigenen Echokammer: Politisch Gleichgesinnte schotten sich unter Außendruck und eines totalitäre Züge tragenden „Kampfes gegen Rechts“ ab, bestätigen sich in ihrer Aufrichtigkeit und überhören dann immer öfter radikalere Mißtöne, die sie früher nicht akzeptiert hätten. Wir müssen die Fenster der Echokammern öffnen und die Diskussionen frischer Zugluft aussetzen. Erst im Mai 2018 wurde die JF-Redaktion Opfer eines hinterhältigen Farbanschlags.

Europa im Umbruch: Am 26. Mai die EU-Wahl

In diesem Jahr könnten sich die politischen Gewichte weiter verschieben: Mit der EU-Wahl und den folgenden Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg  und Thüringen kann sich die Neusortierung der Parteienlandschaft fortsetzen. Die Aggressivität, mit der auf die Etablierung der AfD reagiert wird, steigerte sich zuletzt mit der Instrumentalisierung des Verfassungsschutzes. 2019  ist das Jahr der Entscheidung. Agiert die AfD klug, dann wird sie trotz scharfem Gegenwind ihre Position weiter ausbauen können.

Unser Mut zu “Klartext” wird zunehmend belohnt. Es gibt wahrscheinlich keine andere Zeitung in Deutschland, bei der zwischen der Redaktion, den Mitarbeitern des Verlages und den Lesern eine derart enge Beziehung besteht wie bei der „Jungen Freiheit“.

Wie eng diese Bindung ist, konnten wir auch in den Wochen feststellen, als unser Reporter Billy Six für 119 Tage in einem venezuelanischen Geheimdienstgefängnis einsaß und vom Auswärtigen Amt weitgehend im Stich gelassen wurde. Ohne die vielzähligen Proteste – insbesondere aus unserer Leserschaft – wäre es nicht möglich gewesen, die Öffentlichkeit wachzurütteln. Die Familie Six, die Eltern, waren sehr gerührt über die Solidarität, der Vater sprach gegenüber Journalisten anerkennend, die „Junge Freiheit“ habe „wie ein Mann hinter uns gestanden“.

Es ist wichtig, daß der Einsatz unserer Redakteure und Reporter Wertschätzung findet, die im Interesse der Zeitung und ihrer Leser jede Woche daran arbeiten, zu schreiben, was ist. Wichtige Hintergrundinformationen, namhafte Exklusiv-Autoren wie Thorsten Hinz, Michael Paulwitz, Karlheinz Weißmann und viele andere finden Sie nur in der „Jungen Freiheit“. Die teils in tage-, wochenlangen Recherchen und Vor-Ort-Einsätzen streng journalistisch erarbeiteten Hintergrundberichte unserer Reporter Martina Meckelein und Hinrich Rohbohm sind ein Markenzeichen der JF.

Unsere Aufgabe ist es, knallhart in der Sache, verbindlich im Ton gegenzuhalten gegen einseitige Berichterstattung einerseits, aber andererseits auch gegen eine Verrohung der öffentlichen Debattenkultur.

Niedergang der etablierten Presse geht weiter

Auch in den Chefetagen der etablierten Großverlage werden die Gesichter immer länger, die Stimmung immer schlechter: Der „Stern“ (minus 11,5 Prozent), die „Bild am Sonntag“ (minus 9,7 Prozent) die „Bild“-Zeitung (minus 9,0 Prozent) sind die Spitzenreiter des Auflagenniedergangs der deutschen Magazine und Zeitungen im vierten Quartal 2018.

Nicht so bei der JF: Die verkaufte Auflage ist auch im vierten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen – und zwar um robuste 4,6 Prozent auf 30.812 Exemplare. Am Kiosk lag die verkaufte Auflage stabil (3.332 Zeitungen). Die Zahl der Abonnements einschließlich der „Sonstigen Verkäufe“ (Studenten-, Schüler- und Sozialabos) wuchs gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent auf 27.480. Insbesondere bei den E-Papers war ein Anstieg von 67,4 Prozent auf 4.550 Exemplare zu verzeichnen.

Die Zugriffe auf die Internetpräsenz der JF – jungefreiheit.de oder kurz jf.de  – sind weiterhin erfreulich hoch: Im Februar zählte unsere Seite 872.000 Nutzer und 4,3 Millionen Aufrufe.

Und auch im Social-Media-Bereich wuchs die JF: 136.500 Follower bei Facebook, 33.800 bei Twitter und 5.897 bei Instagram.

Auch unser Projekt JF-TV macht großartige Fortschritte: Inzwischen veröffentlichen wir beinahe wöchentlich einen Film auf dem Youtube-Kanal der JF, der bereits 35.000 Abonnenten zählt.

Angesichts der aktuellen politischen Entwicklung sind wir uns sicher: Für den zeitgeist-kritischen Journalismus der „Jungen Freiheit“ interessieren sich immer mehr Bürger, die von ARD und ZDF die Nase voll haben.

JF bildet aus: Jugendförderung wird großgeschrieben!

Zwei neue Volontäre unterstützen uns in der Redaktion: Björn Harms (27) und Mathias Pellack (32). Gleichzeitig haben wir im kaufmännischen Bereich mit Maik Stüssel (20) und Cäcilia Koplin (20) zwei Auszubildende zum Verlagskaufmann. Darüber hinaus veranstalten wir im Herbst wieder ein Jungautorenseminar und einen Jungautorenwettbewerb. Finanzieren können wir die Auszubildenden-/ Volontärsstellen und die Jungautorenförderung nur dank Spenden von Förderern aus unserer Leserschaft! Seit zehn Jahren existiert bei der JF das Programm „Jugend fördern“, und es ist uns gelungen, schon zahlreiche Talente zu entdecken und an den Journalismus heranzuführen.

In diesem Jahr werden wir in großem Umfang in die Erneuerung und den Ausbau unserer Internetseite investieren. Ziel ist es, daß die „Junge Freiheit“ das Flaggschiff der konservativen Publizistik bleibt und konsequent weiter wachsen wird.

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In ihrer über 33jährigen Geschichte wurde mit teils terroristischen Mitteln versucht, die JF zu zerstören. Die JF hat dank ihrer solidarischen Leser bisher allen Anfeindungen standgehalten und sich stets weiter durchgesetzt! Dennoch nimmt der Druck zu gleichförmiger und politisch-korrekter Berichterstattung immer weiter zu. Die „Junge Freiheit“ gehört zu den wenigen Medien, die überregional nicht-linke Qualitäts- berichterstattung  bieten. Herzlichen Dank, wenn Sie uns dabei unterstützen.

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