Ein Gastbeitrag von Michael T. van Laack

Was ich zunächst klarstellen möchte. Nachfolgendes schreibe ich aus der Sicht eines römisch-katholischen Christen. Für evangelische Christen kann und will ich hier nicht sprechen. Zum einen, weil die meisten Beispiele, die ich anführe, Themen berühren, die für evangelische Christen nicht von Belang sind; zum anderen weil ich kein Anhänger der aus relativistischer Weltsicht geborenen Phrase bin, dass katholisch und evangelisch doch eigentlich das gleiche seien.

Auch werde ich im Folgenden nicht auf die Frage eingehen, ob man Glied der römisch-katholischen Kirche sein kann, ohne Kirchensteuer zu zahlen. Denn zum einen gibt es ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts dazu, zum anderen ist dies dann letztendlich wiederum eine Gewissensfrage. Stehe ich zur Kirche und ihrer Lehre, ist es letztendlich egal, ob ich Kirchensteuer zahle oder nicht. Gott schaut in die Herzen, nicht auf die Bankkonto.

Niemand wird einem Verein angehören wollen, dessen Ziele er nicht (mehr) teilt oder dessen Repräsentanten für ihn aus den verschiedensten Gründen ein rotes Tuch darstellen. So wäre es konsequent, wenn ein Mitglied von „Schalke 04“ sich zum Austritt aus dem Verein entschiede, weil der Vorstandsvorsitzende in Vereinswappen den Text „Hoeneß? Find ich gut!“ einfügen ließe.

Wenn also die Erstverantwortlichen unserer Kirche in der Breite von den Mitgliedern verlangen würden, sich bedingungslos unter ein Leitwort zu stellen, dass dem Christentum diametral entgegenstünde, könnte man es als Verpflichtung betrachten, diesen Leuten keinen weiteren Cent Mitgliedsbeitrag zur Verfügung zu stellen.

Sollten wir also sehen, dass die deutliche Majorität – die dominierende Mehrheit – unseres Klerus zu formellen Häretikern mutiert wäre, die die Lehre Christi nur noch als Schafspelz jeden Morgen nach dem Duschen anzögen, wäre es Zeit zu gehen, denn dann bestünde keine Aussicht mehr auf Heilung.

AfD-Bashing nicht die Lehre der Kirche

Nun lese ich aber in diesen Wochen oft, man könne nicht in der Kirche verbleiben, weil einige oder auch viele Bischöfe und Priester von ihren Kanzeln aus AfD-Bashing betreiben, weil sie den Islam als gleichwertig bezeichnen, weil sie den Begriff „Christliches Abendland“ als aus der Zeit gefallen betrachten.

Hier muss man zunächst einmal klarstellen: Diese Leute referieren nicht Lehre der Kirche, sondern ihre Privatmeinung. Die mag sich teilweise sogar mit dem aktuellen Papst decken. Ob sie sich freilich auch noch mit dem nächsten Papst deckt, können wir nicht voraussagen.

Man stelle sich vor, die Deutsche Bischofskonferenz würde eine Erklärung abgeben, dass es für den Christen besser wäre, vegan zu leben und man werde nun alle Kraft investieren, die Fleischfresser zu bekämpfen und ihnen die Schlechtigkeit ihres Handelns redundant vor Augen halten. Ihrer Überzeugung nach wäre man auch kein wirklicher Christ, wenn man Tiere töte.

„Bitte, sollen sie doch Tofu-Schnitzel mampfen!“ würde ich mir denken, während ich das nächste Steak auf den Grill werfe. Aber deswegen müssten sich doch nicht alle Fleischkonsumenten Gedanken darüber machen, ob sie noch Kirchensteuerzahler bleiben sollen oder nicht.

Verband der „Fleischesser in der katholischen Kirche“

Im Gegenteil, sich müssten sich zusammenschließen zu den „Fleischessern in der katholischen Kirche.“ Sie müssten in den Diskurs eintreten mit den Priestern vor Ort, mit den Pfarrgemeinderäten, sich im Internet sachlich – nicht mit Mettwurst-Posting-Shitstorms –  offen zeigen; erklären, warum sie die Haltung ihrer Bischöfe nicht nachvollziehen können, diesen erklären, dass es nicht Aufgabe der Kirche sei, sich in die Ernährungsgewohnheiten der Katholiken einzumischen.

Und so müssen auch wir rechtskonservativen Katholiken Flagge und Haltung zeigen. Uns auf der einen Seite nicht verstecken, sondern klare und sachbezogene Kritik üben, den Bischöfen verdeutlichen, dass es nicht Aufgabe der Kirche ist, die politischen Präferenzen ihrer Mitglieder – sofern diese keine formellen Häresien verteidigen oder die Parteiprogramme klar antichristliche Positionen enthalten –  zu kritisieren; ihnen auch unsere Verletzungen offen zeigen, ihnen klarmachen, dass und wie sehr wir darunter leiden, dass sie uns teilweise sogar unsere Christlichkeit abzusprechen!

Kämpfen, nicht fliehen!

„Ich bin dann mal weg!“ Das ist nicht die Haltung des Christen. Der Christ ist in jeder Hinsicht zum Kampf geboren, er ist Soldat Christi!

Sich der Kritik am eigenen Tun und Lassen zu entziehen – nicht auf sich selbst zu reflektieren – ist ebenso töricht wie unangemessene Kritik nicht zu tadeln und stattdessen einfach zu gehen.

Mir aber scheint, für viele Rechtskonservative ist zum Beispiel die Kritik am Begriff „Christliches Abendland“ ein willkommener Vorwand, zu gehen. Das gilt für viele Traditionalisten die sich politisch noch eher in der Mitte bewegen, übrigens auch.

Tatsächlich haben viele schon lange in ihrem Herzen entschieden, dass sie das alles nicht mehr wollen: die aus ihrer Sicht verstaubte Sexualmoral der Kirche; ihre Intransparenz, ja Verlogenheit beim Thema Pädophile; ihre Haltung zur Homosexualität oder zur Abtreibung; die Ehe, bis das der Tod euch scheide; den Zölibat, den Primat des Papstes; die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe; die fehlende Kraft, die Dogmen zu glauben, wie z.B. die Jungfrauengeburt oder die Unfehlbarkeit des Papstes.

Seid ehrlich!

Gut, dann ist es auch richtig zu gehen! Aber bitte sagt dann nicht: „Heute bin ich aus der Kirche ausgetreten, weil ich das AfD-Bashing nicht mehr ertragen konnte und weil der Papst den Islam verbreiten will.“ – Seid ehrlich und sagt: „Ich gehe, weil mir die Lehre Christi nicht mehr viel zu sagen hat; weil ich nicht vollständig nach den zehn Geboten leben will; weil es mich anwidert, dass die Kirche mich ‚schwerer Sünder‘ nennt!“

Und ihr Traditionalisten der Mitte: Geht nicht, trotz all des Elends, trotz all der Wortverdrehungen und Lügen, der Missinterpretationen der Heiligen Schrift aus dem Mund Eurer Bischöfe und Priester. Geht nicht, weil uns der Modernismus von einer Krise in die nächste führt.

Bleibt und Kämpft! Wachet und betet! Davonlaufen ist kein Zeichen von Mut, von Größe und Stärke Es ist Resignation oder Feigheit!  Seht die Zeichen, bekämpft ihre Wirkung, aber bleibt!

Bleibt!

Und ihr rechtskonservativen Kirchensteuerzahler-Katholiken! Bleibt auch ihr! Zeigt so den Bischöfen, Priestern und Euren Glaubensgeschwistern, dass ihr erhobenen Hauptes als Christen, überzeugt von Euren politischen Idealen auch als Katholiken Euren Beitrag leisten wollt, damit dieses Land seinen Ehrentitel „Teil des Christlichen Abendlandes“ wieder zu tragen würdig wird.

Jahrhunderte lang sind Menschen in großen Scharen im Imperium Romanum in den Tod gegangen, weil sie sich dazu bekannt haben, Angehörige dieser Gemeinschaft zu sein; und auch in unseren Zeiten werden Millionen Katholiken und andere Christen weltweit verfolgt. Also bleibt bei uns, verlasst die Kirche nicht, kämpf für eine bessere, eine glaubwürdigere Kirche, kämpft mit Worten gegen eure Bischöfe, scharrt Gleichgesinnte um Euch, aber bleibt!

„Extra Ecclesiam nulla salus“ – außerhalb der Kirche kein Heil! Wenn ihr das glaubt, dann bleibt – glaubt ihr es nicht, dann geht!

Lasst uns zusammen kämpfen für das Wahre und Echte! Gemeinschaft ist unsere Stärke, Zersplitterung stärkt nur den Feind!

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