Wie das „Unwort des Jahres“ zu einem Teil der linken Propaganda-Industrie des Systems Merkel verkam. Ein Gastbeitrag von Michael T. van Laack

„Na, da haben sie sich aber in Unkosten gestürzt“, sagte ich als 12jähriger – eine Floskel nachplappernd – die ich schon oft gehört hatte, zu einem Nachbarn, der sich eine kleine Tiefgarage mit drei Stellplätzen und einer edel gepflasterten Zufahrt auf sein Grundstück hatte setzen lassen. Da war ich an den falschen geraten, denn der gute Mann war in der Finanzabteilung eines damals großen Konzerns tätig und klärte mich mit nüchternen Worten darüber auf, dass Unkosten ein irreführender Begriff sei und er gern mal den Deppen kennen lernen würde, der ihn sich ausgedacht und eingeführt hat. „Sei doch nicht so wortfaul!“ meinte er damals. „Sag sehr hohe Kosten oder materiell hoher Aufwand. Immer präzise bleiben. Bringt man Euch das heutzutage in der Schule nicht mehr bei?“

An diesen Dialog aus 1977 musste ich 1991 tatsächlich wieder denken, als der Linguist Horst Dieter Schlosser erstmals die Wahl zum Unwort des Jahres bekanntgab, den ich im übrigen auch mal ganz gern kennenlernen würde, um ihm die ein oder andere Frage zu stellen, wie es unser damaliger Nachbar mit dem vermutlich nie ermittelbaren und wohl auch damals schon längst verblichenen Erstsager des Begriffs „Unkosten“ gern getan hätte.

Nun schreiben wir aber schon das Jahr 2019 und dass 28. „Unwort des Jahres“ wurde heute verkündet. Und wieder einmal haben Tausende von Menschen ihre Energie und Zeit darauf verschwendet, Begriffe vorzuschlagen, die ihrer Ansicht nach ein unsagbares (oder unangemessenes) Wort darstellen. Denn wo man für sich selbst die Unsagbarkeit eines Wortes erkannt hat, steht dahinter mehr als der bloße Hinweis auf die Unangemessenheit der Verwendung des bloßen Begriffs.

Manch einem schmeckt ja auch heute kein Zigeunerschnitzel mehr oder Negerküsse/Mohrenköpfe. Denn das sind „unkorrekte“ Begrifflichkeiten. Und wer will sich schon nachsagen lassen, es sei etwas nicht korrekt an ihm, ganz gleich ob es sich um eine schlecht gebundene Krawatte oder die Verwendung unerwünschter Worte handelt.

„Neger“ oder „Nazi“?

Klar, es gibt Ausnahmen. Während man einen Dunkelhäutigen selbstverständlich nicht mehr „Neger“ nennen darf, sind „Blaue“ bedenkenlos und gern auch redundant unter dem Sammelbegriff „Nazi“ öffentlich benennbar.

„Nazi“ als Unwort des Jahres.  – Das wäre heute schon mal mein Vorschlag für das Unwort des Jahres 2020! Belegstellen finden sich bereits in den ersten zwei Wochen des noch jungen Jahres 2019 genug: dass dieses Wort unter falscher Flagge daherkommt und einen Sachverhalt von gesamtgesellschaftlichem Interesse in unangemessener Weise in negative Kontexte stellt, z.B. Die Bedingungen wären also erfüllt.

Aber so einfach ist es eben nicht mehr, denn das „Unwort das Jahres“ ist nach dem ein oder anderen Intermezzo wieder zu dem geworden, was es bereits 1991 augenscheinlich werden wollte: deshalb müsste man es ehrlicherweise „ideologiefeindliches Unwort des Jahres “ nennen. Denn um das pure Wort geht es nicht mehr, ging es auch nur selten; lediglich in den öden Jahren, in denen keiner offen blind auf dem rechten Auge sein wollte. Aber die sind ja glücklicherweise schon lange wieder vorbei…

Und so wird es wahrgenommen als Buchstabenkonzentrat, als staatsideologisches Antiserum, die Spitze des jeweiligen Themen-Eisbergs; die polarisierende Pointe, die medial grell aufscheinend einen umfangreichen Vorgang negativ konnotiert erscheinen lässt. Und eben das gilt es für die herrschende politische Klasse und die sie stützenden Medien zu unterbinden. Nicht nur das Wort soll unsagbar werden, jegliche Kritik an Entscheidungen und Zuständen, die sein Entstehen ermöglichten, soll den Bürgern als etwas Negatives vorgeführt werden: „Dieses und jenes Wort sagt man nicht! OIder siehst Du die Sache etwa auch so falsch? Gehörst Du auch zu denen, zu denen man eben einfach nicht gehört?“

Geschichte der „ideologiefeindlichen Unworte“

Zur Vertiefung des eben gesagten lohnt sich ein Abstecher in die Geschichte der „ideologiefeindlichen Unworte“ Wo begann es eigentlich? In Hoyerswerda, könnte man meinen, am 17. September 1991, als mehrere tatsächlich neonationalsozialistische Jugendliche ein Ausländerwohnheim mit Molotow-Cocktails bewarfen. Bilder die um die Welt gingen, Bilder die man in der Tat nicht sehen wollen darf als Demokrat, als Mensch!

Aber so einfach ist es nun nicht, denn schon nach der Wahl dieses ersten Unworts 1991, welches „ausländerfrei“ hieß und jene Absicht komprimiert darstellte, die sich alle Neonazis zu allen Zeiten auf ihre Fahnen geschrieben haben, begann man medial den Blick auf den Begriff zu erweitern. Schon damals hieß es in WELT, FAZ und Süddeutscher Zeitung: Die Geschichte darf sich nicht nur nicht wiederholen, sondern wir müssen einen anderen Zugang zu unseren ausländischen Mitbürgern finden, müssen sie in die Gesellschaft integrieren, müssen ihnen entgegenkommen, müssen ihnen ermöglichen, in ihrer neuen Heimat auch Teile ihrer alten Heimat wiederzufinden.

Wir lesen also in diesen Wochen nach Hoyerwerda schon das, was in den Folgejahren jenem irrigen Ansatz für gelingende Integration etablierte: WIR müssen stets in Vorleistung gehen, WIR müssen verstehen, WIR müssen Barmherzigkeit zeigen. – Kein Wort lasen wir damals von den sich manifestierenden ersten großen Ghettos in Duisburg, Gelsenkirchen, Dortmund, Köln, München oder Berlin, von der Unwilligkeit muslimischer Milieus zu Außenkontakten.

Ein Jahr später (1992) wählte man mit „Ethnische Säuberung“ eine Phrase, die ursprünglich nicht in Deutschland geprägt wurde, sondern von den Militärs der Bürgerkriegsparteien im Jugoslawien-Krieg, aber doch unreflektiert in den deutschen Medien kolportiert wurde. So hätte man die Wahl dieses Unworts eigentlich als Medienschelte verstehen können. Aber die zukünftigen Rauten- und damaligen Saumagen-Medien hatten eine bessere Idee. In der Rezeption nach der Wahl entwickelten sie – Hoyerswerda in Erinnerung rufend – ein düsteres Szenario vor dem Auge des damals schon besorgten Bürgers, als stünde die Umbenennung von Berlin in Germania kurz bevor; so ließen sie durchblicken, dass sie einigen Bevölkerungsgruppen durchaus zutrauten, die muslimische und andere Communities bald nach dem Vorbild der Serben aus ihren angestammten selbst gewählten Ghettos vertreiben zu wollen.

„Überfremdung“

Da bekanntlich aller – nicht nur der guten – Dinge Drei sind, durften wir uns auch 1993 über demokratisches Klarsprech freuen. „Überfremdung“ hieß das neue Unwort, dass nach Meinung vieler Politiker ein selbstverständlich vollkommen unberechtigtes Unbehagen der (noch nicht bio-)deutschen Bevölkerung zum Ausdruck brachte, es könnten so viele Menschen aus fremden Kulturkreisen zu uns kommen, dass sie zur gesellschaftspolitisch dominierenden oder zur tatsächlichen Mehrheit anwüchsen.

Ich habe noch den Nachrichtensprecher des ZDF im Ohr: „Mit der Wahl von ‚Überfremdung‘ zum Unwort des Jahres soll den Bürgern die Botschaft vermittelt werden, dass ihre Sorgen vor eben dieser unbegründet sind. Alle Sprecher der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien begrüßten diese Wahl und hoffen, dass eine Signalwirkung von ihr ausgeht im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit.“

Finanz- und Wirtschaftskrisen

Nach 1993 war man allerdings für einen längeren Zeitraum genötigt, sich weniger den auf dem rechten Auge Blinden zu widmen, denn man bekam genug mit den jeweils der nächsten über fast ein Jahrzehnt die Klinke in die Hand gebenden Finanz- und Wirtschaftskrisen zu tun. So kann es auch rückblickend nicht verwundern, dass Worte wie „Peanuts“ (1994), „Diätenanpassung“ (1995), „Rentnerschwemme“ (1996), „Wohlstandsmüll“ (1997) oder „sozialverträgliches Frühableben“ (1998) die Debatten dominierten. Dann ging es auch mal gegen den Noch-Nicht-Feind USA und seine NATO-Verbündeten, als 1999 „Kollateralschaden“ ganz oben auf der Liste der unsagbaren Worte stand.

Ein Begriff, der im militärischen Terminus schon seit über 100 Jahren gebräuchlich war, löste mit einem Schlag Empörung aus, weil man ihn dank der Medien mit toten Kindern und Frauen verknüpfte. Er wurde nicht gewählt, weil er unzutreffend umschrieb, sondern weil er buchhalterisch kalte Kosten-Nutzen-Analyse betrieb. Das Bild von den Buchhaltern in Ausschwitz wurde auch gern in Erinnerung gerufen in diesen Tagen, Ein erstes Aufscheinen des Dilemmas, welches wir bei späteren Wahlen noch sehen werden.

„National befreite Zone“ und „No go area“

Kaum aber schien nun wieder alles gut – denn der Messias Gerhard Schröder würde Deutschland wieder aus der Krise führen – fand man auch wieder Zeit, sich den Dauerpatienten im rechten Spektrum zu widmen. Und so kam es, wie es kommen musste: die Phrase einer Handvoll neonationalsozialistischer Spinner – Monat um Monat im Jahr 2000 konsequent durch die Medien gehypt, wurde gekürt: „National befreite Zone“, eigentlich nichts anderes als das „ausländerfrei“ von 1991, klingt aber martialischer.

Das diametrale Gegenteil dieser aberwitzigen Phantasiekonstruktion sehen wir übrigens heute real auf deutschem Boden: die so genannten NoGoAreas“. Fast schon ein Treppenwitz der Unwort-Geschichte!

2001 dann der Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon. Eigentlich passte das den europäischen und bundesdeutschen Politstrategen nicht so in den Kram. Denn gerade hatte man begonnen, sich ein wenig von den US-Amerikanern zu emanzipieren und mit Mühe hatte man auch das Bewusstsein geschaffen, dass der Islam eine mindestens so friedfertige Religion sei wie das Christentum… und nun das! So ist es nicht verwunderlich, dass 2001 „Gotteskrieger“ ganz oben auf der Liste zu finden war.

Aber deutsche Leitmedien-Redaktionsstübler wären keine guten Schüler Alfred Rosenbergs, wenn sie nicht gleich erkannt hätten, wie hübsch sich auch diese Wahl instrumentalisieren ließ. Und so rückten im Laufe des Folgejahres mehr und mehr radikale Christen und moralisierende Fundis in den Blick, wurden auch gern mal verglichen mit den Mördern aus den arabischen Kulturkreisen.

Nun, unter Schröder lief es dann doch nicht ganz so toll, wie „von allen“ erwartet, weshalb 2002 mit „Ich AG“ wieder ein Wort gewählt wurde, dass dem Wirtschafts- und Finanzsektor und der Kälte des politischen Handelns entsprang.

Ein Volk von Tätern

Aber schon 2003 hatte man sich wieder gefasst, dank Martin Hohmanns (damals noch CDU) vielleicht unbedacht, vielleicht absichtlich gewählten Worts vom „Tätervolk“. Entsetzt regierten die späteren Nanny-Medien, die hier nichts anderes sehen wollten als einen Angriff auf die Juden, pure antisemitische Hetze.

Zudem galt es ja auch, den Mythos aufrecht zu erhalten, außer dem deutschen gäbe es weltweit kein Volk von Tätern, hätte es nie gegeben und würde es nie geben. Wie die Geschichte endete, wissen wir. Hohmann kam der Vernichtung seiner Biographie zwar zuvor, fand aber leider nicht die Kraft, aus der CDU auszutreten, bevor man ihn ausschloss.

Betrachtet man die Geschichte des „Unworts des Jahres“ bis hierhin und auch in der Folge, muss man dankbar sein, dass es Wirtschaftskrisen gab. Vermutlich, wäre das ganze sonst zu einer reinen Veranstaltung „Wahl des Nazi-Unworts des Jahres“ verkommen.

So aber sehen wir 2004 „Humankapital“ und 2005 „Entlassungsproduktivität“. Kaum aber ist die Führerin der freien Welt Kanzlerin, tauchen wir wieder ab in den Niederungen des integrationsfeindlichen Milieus, um das Unwort für 2006 an Licht zu holen: „Freiwillige Ausreise“. „Wie kann man nur!“ empörten sich damals schon viele Linke und Grüne „Wie kann man nur schützenswerten Menschen das Asyl verweigern, sie zur Ausreise erpressen und das ganze dann noch als freiwillig bezeichnen!“ Also alles schon mal dagewesen, nur nicht so massiv wie in unseren Tagen.

„Herdprämie“ (2007), ein zutiefst familien- und mütterfeindlicher Begriff, den man heute aber gern benutzen darf, wenn man das christliche Familienbild diskreditieren möchte, „notleidende Banken“ (2008) und „betriebsratsverseucht“ (2009) folgten. Vor allem diese drei Wahlen sorgten dafür, dass das Interesse der Politik am Unwort des Jahres abnahm. Merkwürdig…

Und dann 2010: „ALTERNATIVLOS“- Jene Behauptung, auf die drei Jahre später eine Partei durch ihre Gründung die passende Antwort gab. Der Tiefpunkt des medialen und vor allem politischen Interesses an der Wahl des „Unwort des Jahres“ war erreicht. Ein direkter Angriff auf jene Frau, ohne die Deutschland und Europa nicht wären, was sie heute sind! Nun ja…

Neu gebildete SS-Divisionen in „Dunkeldeutschland“

Jetzt half nur noch beten, oder? Weit gefehlt – Wieder waren die wirklichen Neo-Nationalsozialisten als Krisenhelfer zur Stelle: Die „Döner Morde“ hielten 2011 ganz Deutschland in Atem. Dass es ein linkes Medium war, dass diesen Begriff kreierte! So what? Es gab endlich wieder die Gelegenheit, von der Gefahr für die Demokratie durch Rechts zu sprechen, weil im Osten vermutlich ganz neu gebildete SS-Divisionen darauf warteten, das Reich zurückzuerobern. – Überall nun witterte man Rechtsterroristen, Verräter im Verfassungsschutz und der Polizei. Jedes NPD-Mitglied war faktisch m Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds“.

Dann der Schock 2012 – ein Angriff auf den Feminismus, auf die Rechte der Frauen, eigentlich auf alles, was nicht Mann war. Vor allem aber ein Angriff auf die Justiz. Da kommt so ein abgehalfterter Wetterfrosch namens Kachelmann, wagt zu behaupten, er sei kein Vergewaltiger, obwohl doch die Frau gesagt hatte, er sei es. Und obendrauf setzte er das Unwort des Jahres „Opfer-Abo“, im Bezug auf Exekutive und Judikative, die den Frauen seiner Ansicht nach eine zu große Advokanz. entgegenbrächten. – Dieses Unwort wäre wieder in Vergessenheit gerat, würde man es nicht heute gern negativ konnotiert verwenden gegenüber dem politischen Gegner, so auch neulich im Bezug auf die Straftaten gegen AfD’ler und ihre Immobilien einsetzen.

Neuere Wahlen zum Unwort haben nur noch ein einziges Ziel

Und dann die gruseligen Jahre seit 2013: „Sozialtourimus“ in dem Jahr, 2014 „Lügenpresse“, 2015 „Gutmensch“, 2016 „Volksverräter“, 2017 „alternative Fakten“.

All diese Wahlen dienen nur noch einem Zweck. Ein bestimmte Haltung zu politischen Fragen – die konservative und patriotische Haltung – redundant zu diskreditieren.  Denn wie ich schon weiter oben schrieb: Es geht nicht um das Wort, es geht darum, die Haltung, die letzter Ausdruck dieses Wortes ist, zu diskreditieren, abzuschleifen, aus dem Diskurs auszuschließen, notfalls Karrieren zu vernichten.

Man könnte nun einwenden: Aber jeder kann doch einen Vorschlag machen, das ist doch alles demokratisch bei der Wahl zum Unwort des Jahres – Das aber entspricht nicht der Realität. Zwei Vorauswahlen werden getroffen: Die eine vom Team, das verantwortlich ist, die andere schon Monate und Wochen zuvor in den Medien, die gezielt bestimmte Worte als Favoriten hypen. Und wehe jenen, die dann nicht die richtige Entscheidung treffen am Ende dieses „offenen“ Prozesses.

Man könnte auch sagen. Es ist doch überhaupt nicht wert, sich so ausführlich mit diesen Themen zu befassen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wahlen wie diese sind ein Indikator für das politische Klima und die politische Situation in unserem Land und vor allem für dessen Entwicklung, gewissermaßen eine Langzeitstudie. Diese auszublenden, wäre sträflich!

Und seht ihr die Zeichen nicht…!

***

Hier können Sie PP unterstützen:

PAYPAL

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP