Der Fronleichnamstag als Provokation für Nicht-Katholiken, als Tag öffentlich bezeugter christlicher Liebe und als Tag des Widerstandes gegen totalitäre Regime und Ideologien. Ein Gastbeitrag von Adam Elnakhal

Wer Glück mit seinem Bundesland oder Kanton hat oder in Österreich und Liechtenstein lebt, der darf heute ausschlafen, sofern er doch nicht bei der Feuerwehr, Polizei, im Gesundheitswesen oder im Gastgewerbe die Steuern erwirtschaften muss. Über 60 Prozent der Deutschen leben in einem Bundesland, in dem heute gesetzlicher Feiertag ist. „Happy Kadaver“ sagt die Jugend; die Älteren präferieren die alte Bezeichnung „Fronleichnam“. Während in den protestantisch geprägten niederdeutschen Küstenländern, wie Niedersachsen, und weiten Teilen Mitteldeutschlands heute ein normaler Werktag ist, wird von Rheine in Westfalen bis Schönau am Königssee und in den sorbischen Gemeinden in Sachsen zelebriert und prozessiert.

Seit 1264 begeht die katholische Kirche das von Juliana von Lüttich geschaffene Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

Es entwickelten sich prächtige Prozessionen auf denen der ‚Leib Christi‘ (und damit die Liebe Gottes) über die aufwendig dekorierte Flur getragen wird. Das ist letztlich der Sinn von Fronleichnam: Es geht nicht um den „Happy Kadaver“ sondern es geht darum eine öffentliche Liebesbekundung abzulegen – eine Liebeserklärung an die Liebe. Es ist die Liebe, die Gott durch seine Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung zu den Menschen bringen will.

Wobei das mit dem Happy Kadaver auch nicht falsch ist: Christus ist auferstanden von den Toten. Er hat den Tod und das Böse besiegt. Somit ist Christus im besten Sinne ein Happy Kadaver.

Das ‚Fron‘ von der Wortbedeutung ist übrigens nicht mit ‚froh‘, sondern mit dem mittelhochdeutschen ‚vrôn‘ (mhd. ‚Herrn‘, weltlich bzw. geistlich) gleichzusetzen. Fronleichnam ist Frondienst.

Bundesarchiv_Bild_102-06039,_Berlin,_Fronleichnam-ProzessionUnd Fronleichnam war und ist oft auch ein politisches Statement gegen totalitäre Staatsysteme. In Deutschland waren die Fronleichnamsprozessionen ein Zeichen der Kirchenbindung als die Hakenkreuzflaggen die öffentlichen und privaten Gebäude mit der NSDAP-Pest vergifteten. Mit den weißgelben Kirchenfahnen wurde das Gegengewicht zu Hitlers Terror demonstriert. Auch die nicht-katholischen Gauleiter mussten die Prozessionen dulden. Später in der DDR musste die Stasi im Eichsfeld hilflos mit ansehen wie die Katholiken dort am zweiten Donnerstag nach Pfingsten die Kirchenbank und nicht die Werk- oder Schulbank drückten. Unbeeindruckt von den SED-Parolen auf Bannern zwischen den Hauswänden prozessierte und protestierte ein ganzer Landstrich. Als Belohnung für die Treue der Eichsfelder zum katholischen Glauben stattete Papst Benedikt XVI. dem nordwestlichsten Landkreis Thüringens im Rahmen seiner Deutschlandreise im September 2011 ein Besuch ab.

Im 21. Jahrhundert, in dem auch in einst katholisch geprägten, idyllischen Landstrichen die Teilnahme an einer Fronleichnamsprozession keineswegs mehr selbstverständlich ist, in dem das Christentum aus dem deutschsprachigen Raum schwindet und der Islam deutlich wächst und in dem die Spätfolgen der 68er und 50 Jahre Linksrutsch ihre unheilvollen Spuren hinterlassen, wirkt die jahrhundertealte Fronleichnamstradition als Anker der Rückbesinnung und kleiner Hoffnungsschimmer im Schrecken, der sich hier und anderswo vollzieht.

Während im Iran, in Pakistan, Saudi-Arabien, Katar, und zahlreichen anderen islamischen Staaten eine Fronleichnamsprozession undenkbar ist, kann man vor allem im süddeutschen Raum noch die schönen Blumenteppiche und dekorierten Wegaltäre bewundern, während das Allerheiligste über die Flur getragen wird.

Wer weiß schon wie lange in einschlägigen Stadtbezirken westdeutscher Großstädte noch eine öffentliche Prozession möglich sein wird?

Wer weiß schon wie lange den westlichen und südlichen Bundesländern der gesetzliche Feiertag noch erhalten bleiben wird, bevor auch er dem Zeitgeist geopfert wird?
Wenn selbst im einst erzkatholischen Freistaat Bayern der katholische Bevölkerungsanteil aktuell unter die 50-Prozent-Marke fällt, dann wird es auch zunehmend schwieriger für den Erhalt des traditionsreichen Feiertages zu argumentieren.

Das Christentum in Deutschland kämpft momentan an allen Fronten. Zwischen dem wachsenden Atheismus und der Islamisierung zerfließt es in die Bedeutungslosigkeit und zermahlt sich durch Eigenverleugnung und tagespolitisierende Kleriker selbst.

Während sich die EKD auf dem diesjährigen Kirchentag endgültig als der 17. Landesverband (bzw. 2. Bundesverband) der Bündnisgrünen offenbart hat, setzt die katholische Kirche immer wieder zum Manöver auf die linke Überholspur an.

Einem katholischen Bischof, der auf islamischen Wunsch hin in Jerusalem das Kreuz versteckt, kann man nicht mehr in Gänze ernst nehmen, wenn er in München den Glauben an die Öffentlichkeit bringen will.

Fronleichnam ist nicht mehr nur eine Provokation für die nicht-katholische Nachbarschaft. Inzwischen, so scheint es, ist Fronleichnam eine Provokation für die Kirche und manchen Linkskatholiken selbst.

In diesem Sinne:

Einen schönen Feiertag nach Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und in das Saarland sowie in die sorbischen Oberlausitz und in das thüringische Eichsfeld! Ebenso einen schönen Feiertag nach Österreich und Liechtenstein und in die katholisch geprägten Kantone der Schweiz!

Einen schönen Donnerstag nach Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen sowie in die protestantische Schweiz! (Trost: Das Wochenende ist nicht mehr ganz so weit.)

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21 Kommentare

  1. Da haben Sie, Herr Berger, uns deutsche Katholiken dabei ordentlich vertreten.
    Was leider dann danch kam war … unaussprechlich.

    • Vor Jahrzehnten sagte ich einem römisch-katholischen Priester „Es heißt ’nehmet und esset alle davon‘ und nicht ’steckt es in einen Schrank und kniet euch davor'“, weil der mich fragte, warum ich die Kniebeuge vor dem „Allerheiligsten“ verweigere.
      Außerdem müsste ein liebender Vater beleidigt sein, wenn sich sein Kind ihm gegenüber erniedrigt.
      Der Katholizismus ist nicht die Heimat meiner Werte.

    • Vor Jahrzehnten diskutierte ich mit einem Moslem über das „Vater Unser“. Er sah es als Anmaßung, Gott als seinen Vater zu bezeichnen, sich somit zum Kind Gottes zu erklären.
      Es wurde sehr deutlich, dass der Moslem sich vor seinem Gott niederwirft, weil er vor ihm Angst hat. Das Konzept des ihn liebenden Gottes ist dem Moslem fremd.

      Warum verhalten sich römisch-katholische Christen wie Moslems?

  2. Danke für diesen wunderschönen Artikel, der uns wieder die Werte unseres Christentums in das Bewusstsein bringt, wie viel Kraft in einem solchen Bekenntnis zu Christus gegen Unterdrückung und Diktatur verborgen ist, etwas was unsere Antichristen die uns entchristlichen wollen wie der Teufel das Weihwasser fürchten.

  3. Fronleichnam ist die Erfüllung der Zusage Jesu: „Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“ So ist er leibhaftig gegenwärtig in den Gestalten von Brot und Wein. Nicht mehr Brot und Wein, sondern wahrhaft sein Fleisch und Blut. Es ist die innigste Verbindung, die ein gläubiger Katholik mit Jesus Christus eingehen kann. Christus in mir und ich in ihm.

  4. Heute hier im Allgaeu bei bestem Wetter „prozessiert“ und zum Abschluss ein lautes „Grosser Gott wir loben Dich“. Kann schoener nicht sein. 🙂

  5. Als Atheist muss man nicht gleich die Nase rümpfen, sondern könnte der Freiheitslehre Jesu im neuen Testament, das keim Mensch das Recht hat einen anderen zu knechten und die Hoffnung nach dem Tod ein ewiges Leben durch Gottes Liebe erlangen zu können, mit negativer Häme bedenken. Wenn Atheisten glauben nach dem Tod in die Materie der Sterne ein zu gehen, denn Materie geht nicht verloren, bitte.

  6. Als Atheist sollte man an dieser Stelle schweigen, denn denen, die an die Transubstantiation glauben, ist sicherlich gerade heute nicht zu helfen.

    • Richtig. Statt sich über so etwas zu beömmeln, sollte man lieber bei sich selber suchen. Es ist verdammt schwer, über seinen eigenen Schatten zu springen und so etwas bei sich selbst zu erkennen. Und Leute, die sich über so etwas bei anderen beömmeln, sind gewöhnlich nicht gewillt, sich selbst zu überprüfen.

  7. In Freiburg im Breisgau wurde der Gottesdienst und die Prozession heute (fast schon routiniert) unter Beteiligung Dutzender Sicherheitskräfte durchgeführt. Männer mit Knopf im Ohr (keine Plüschtüre) gehören mittlerweile dazu, wenn Christen in Deutschland ihren Glauben in ihrer Kirche und auf der Strasse feiern möchten.

  8. In meiner Jugend habe ich erleben dürfen wie die Sorben im Bereich Bautzen / Kamenz ect. diese u.a. katholische Feiertage begingen und es war stets ein außerordentliches Erlebnis für mich.

    In diesem Sinne besonders liebe Grüße an die Katholiken im o.g. Bereich !

  9. Ich wünsche Ihnen ebenfalls ein frohes Fronleichnamsfest und ich freue mich darüber dass das Christentum mit seinen Bräuchen sich weiterhin zeigt.Wer die aufgibt wird auch die Früchte dafür tragen müssen.Nichtsdestotrotz trage ich das Geschenk meiner Kommunion:ein Kreuz.Und freue mich über das selbstverständliche Brauchtum unserer christlichen Werte,gerade frgesehen in Bayern.Seien wir selbstbewus

  10. Ich fand es sehr schade, dass in Hamburg der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag eingeführt wurde und nicht das Hochfest vom Leib und Blut des Herrn.

  11. Schönen Feiertag Herr Berger.

    Galater 5.
    13 Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder.
    Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe!
    22 Frucht des Geistes:
    Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.
    25 Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln.

    • Deine Kirche praktiziert aber z.Z. genau das
      Gegenteil ! … und wenn Sie das nicht erwähnen,
      werden Ihre Schafe immer Schafe bleiben 🙁

    • Falls Sie sich nach so einem gehässigen Kommentar besser fühlen sollten, sollte Ihnen das zu Denken geben. Einen schönen (Feier-)Tag wünsche ich Ihnen.

    • Menschen brauchen Halt, den finden sie u.a. in der Kirche. Dass Vieles auch Doppelmoral ist, das ist bekannt, ‚Opium fürs Volk‘. Keinem wird heute dieser Glaube aufgedrängt. Sehr schlimm finde ich dagegen das ‚derzeitige Appeasement‘ bezogen auf eine bestimmte Ideologie. Aber auch in der katholischen Kirche gibt es Gegner des aktuellen Papstes.

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