Ein Gastbeitrag von Thomas Böhm (JouWatch)

(Wir setzen hier unsere Debatte über den Themenkreis Medien und AfD fort. Bevor wieder die üblichen Vorwürfe („Verrat“, „Spaltung“ etc.) kommen: Solche Debatten müssen sowohl in einer demokratischen Partei wie in deren Umfeld im weiteren Sinne möglich sein. David Berger)

In der AfD basteln die Vollblut-Amateure gerade an einem kostspieligen und total überflüssigen „Newsroom“. Das Motiv, so etwas in die ausgetrocknete Medienlandschaft zu installieren, ist ja noch verständlich, da die Mehrzahl der deutschen Journalisten auf Anweisung von ganz oben und ideologisch ferngesteuert, negativ bis gar nicht über die AfD berichten und die vielen schlechten Quasselshows die neue Partei ignorieren müssen.

Aber die AfD-Oberen scheinen sehr schnell vergessen zu haben, wer sie in den Bundestag geschmettert hat. Das waren nämlich die freien Medien, das war die Gegenöffentlichkeit, die immer mehr an Bedeutung in diesem Land gewonnen hat und mittlerweile mehrere Millionen Leser erreicht. Unvorstellbar, dass die AfD so viele Wähler hätte gewinnen können, wenn die Bürger lediglich die mediale Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt hätten. Unverständlich auch, dass es bei der AfD immer noch Leute gibt, die dem medialen Feind in den pavianroten Hintern kriechen. Aber das mag der Eitelkeit geschuldet sein.

„Schau mal, ich war gestern in der „Bild“. Die haben mich zwar als Nazi bezeichnet, aber das Foto war doch geil“

Nun aber will die AfD ausgerechnet diejenigen schwächen, die für sie gekämpft haben. Vielleicht nicht mit Absicht, aber dann gewiss aus Kurzsichtigkeit, die gepaart mit verletzter Eitelkeit ziemlich üble Auswirkungen auf den politischen Widerstand haben wird.

Denn woher soll die AfD das Personal beziehen? Mit Sicherheit nicht aus dem Profi-Lager der linken Medien. Die meisten Journalisten in Deutschland würden einen Teufel tun und ins andere Lager wechseln. Sie wären für ihr Leben gezeichnet, könnten sich eigentlich gleich einen beruflichen Strick nehmen.

Es sei denn, die AfD würde jedem einzelnen jeden Monat und das für mindestens 10 Jahre einen Gehaltsscheck von 15.000 Euro ausstellen, dann wäre bestimmt der eine oder andere bereit, seine Ideologie zu verkaufen. Aber hat die AfD tatsächlich so viel Geld übrig für einen Newsroom, der als Verkündungsmedium die Blase nie verlassen wird und mit Sicherheit keinen einzigen neuen Wähler generieren würde?

Dieser Newsroom würde also automatisch die freien und gegenüber der AfD kritisch, aber auch solidarisch schreibenden Medien schwächen, weil die AfD dann von denen die guten Leute absaugen müsste. Getreu dem Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Bereits jetzt schon werden von Seiten der AfD immer wieder Versuche gestartet, die wenigen mutigen Profis, die für die freien Medien arbeiten, zugunsten der Parteiarbeit abzuziehen. Manchmal mit Erfolg.

Wer, außer den eingefleischten AfD-Fans würde sich für kontrollierte Nachrichten aus dem Dunstkreis der AfD interessieren? Statements von der heiligen Alice und Alexander dem Großen findet man auch ohne Newsroom schon zuhauf in den sozialen Netzen und in den freien Medien, dazu benötigt man kein kostspieliges Team, keine tolle Technik und große Newsrooms. Für die anderen Medien und für den politischen Gegner wird das, was der Newsroom dann absondert sowieso als Fakenews gekennzeichnet und Frau Kahane zur Prüfung vorgelegt.

Was soll also aus diesem Newsroom herauskommen, außer bessere Pressemitteilungen?

Bereits jetzt schon schmeißen die Redaktionssekretärinnen in den Mainstream-Medien fast alle AfD-Pressemitteilungen auf Anweisung ihrer Chefs ungelesen in den Papierkorb und das wird auch nicht besser werden, wenn diese aus dem AfD-Newsroom stammen.

Wenn Frau Weidel von einem durch die AfD gebastelten Breitbart „von außen“ träumt, dann soll sie weiter träumen, aber das bitte nicht öffentlich verbreiten. Denn Breitbart ist nur groß geworden, weil Bannon zwar Trump in den Amtssessel gehoben hat, aber auch, weil Trump nicht Besitzer und damit Kontrolleur von Breitbart war.

Warum verdrängt Frau Weidel die Tatsache, dass es in Deutschland bereits mehrere „Breitbärte“ gibt, die gut vernetzt sind, getrennt marschieren, aber auch gemeinsam zuschlagen können?

Will sie, wie die SPD, die Kontrolle über die Gegenöffentlichkeit übernehmen, um jegliche Kritik auszuschließen? Haben wir nicht alle gerade diese Vermischung von Politik und Medien bekämpft?

Nein, hier werden Energien verschwendet, die die AfD besser in die politische Arbeit investieren sollte. Die Medienarbeit aber sollte sie anderen überlassen.

Sonst wird das nichts mit der nächsten Wahl.

***

Der Beitrag erschien zuerst bei JouWatch

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Peter
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Peter

Man kann auch alles schlecht reden.
Wenn jemand Aussagen direkt von der QUELLE will kann er sie dann dort suchen.

Eckard
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Eckard

Teil 1: Die AfD benötigt insbesondere EINEN AfD-nahen, jedoch nicht AfD-eigenen Fernsehkanal im Internet, der seriös und 24 Stunden die Antworten der AfD und die teils hervorragenden bis exzellenten Bundestags- aber auch Landstagsreden und Veranstaltungen im Land transportiert. Und andererseits immer wieder und wieder die Videobeweise der bestialischen Merkelschen Umvolkung zeigt.

Eckard
Gast
Eckard

Teil 2: Ein eigener Kanal jenseits von Youtube und Fratzbuch mit kurzem und einprägsamen Namen, der unlöschbar für die Maaszensur ist und auch Spiegelkanäle hat und der mit allen relevanten freien Medien zusammenarbeitet sowie über jeden Zweifel erhaben ist (nicht die Eigenen spaltet)
„Stimme der Freiheit“ wäre ein guter Name.

Eckard
Gast
Eckard

Teil 3: Und alle relevanten Seiten des Widerstandes müssen mit dieser Seite zusammenarbeiten und einmal egoistisches Gehabe (so vorhanden) herunterfahren für unsere gemeinsame Sache: Deutschland!

Im Ton wie Meuthen und Curio: Rhetorisch begabt und in der Sache keinen mm zurück gegen Altparteien, Lügenpresse und Linkssiff-NGO.

Brockenteufel
Gast
Brockenteufel

Nun, man muß ja nicht unbedingt die „Alten, Linken Presseleute“ irgendwo abziehen, sondern kann junge Leute, die sich für Pressearbeit interessieren (z.B.aus Schülerzeitungen)ausbilden und aufbauen. So ist z.B. die JF entstanden. Und diese Ausbildung ist gar nicht so teuer.

Cloé
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Cloé

Dem Artikel stimme ich inhaltlich voll zu.

Tinas Senf
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Tinas Senf
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Sehr geehrter Herr Böhm, was schlagen Sie denn konkret vor, wie der Informationsfluss hin zur beratungsresistenten Bevölkerung besser gelingen könnte?

Kaden
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Kaden
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Treffender Beitrag, dieser „News Room“ wie es im Denglischen heißt ist unnötig, für eine freie und neutrale Berichterstattung haben wir RT und andere freie Journalisten die ihre Glaubwürdigkeit längst bewiesen haben.

Emma
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Emma

Da gehen die Meinungen wohl auseinander !

Ansgar
Gast
Ansgar

Es waren nicht die Alternativen Medien (AM), die der AfD den Einzug in den Bundestag ermöglichten. Ganz im Gegenteil war es die Hetzkampagne der „normalen Medien.“ Die AM sind und waren nettes Beiwerk. Das Beispiel der FPÖ in Österreich zeigt, dass deren FPÖ-TV funktioniert. Die Sozialen Medien besorgen den Rest.

Licht
Gast

Ich sehe das nicht so scharf,wie Sie.Da die MerkelMedien die AfD entweder tot-schweigen oder verhetzen,ist es nur verständlich,dass sie medial selbst tätig werden wollen.Jede Partei hat ihre Medien.Ich glaube nicht,dass dann die Bürger nicht mehr die alternativen lesen werden.Je mehr freie Medien,desto besser.Erst einmal abwarten und dann evtl.schießen.Das freut nur die Konkurrenz und ist schädlic

Renate Nowakowski
Gast
Renate Nowakowski

Ach ein Glück, dass wir „PP“ haben!
Mit freundlichen Grüßen
Renate Nowakowski
AfD-Wählerin

Die bürgerliche Mitte ist zu satt für Süssholz!
Gast
Die bürgerliche Mitte ist zu satt für Süssholz!

Die Mutter aller Fragen ist doch die, ob ihr der AFD unter der derzeitigen Führung mehr als 15% zutraut und ob ihr meint, dass die AFD so überhaupt etwas bewirken kann.

Realitätsverweigerer werden auch irgend wann der grausamen Wirklichkeit ins Auge blicken müssen.

Meine unwesentliche Meinung: AFD, so wird das nichts.

Paul
Gast
Paul

Richtig! Wenns die Alternativen Medien nicht gäbe, würde die AFD einzig als das gelten was die Leitmedien ihren kritiklosen Konsumenten immer berichten „Nazis, Aussätzige, Kriminelle und Rechte“

war zu erwarten
Gast
war zu erwarten

Nun ja die AfD Politiker scheinen auch langsam abzuheben. Die alternativen Medien sind denen zu popelig.
Der Höhenflug kommt vor dem Fall.

Michael Ditsch
Gast
Michael Ditsch
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Die freien Medien gehören auf alle Fälle mehr gebündelt. Auch ist genug „Marktvolumen“ für freie Medien und AfD-Newsroom gleichzeitig vorhanden. Als Blockadebrecher gegen Lügenmedien u. für ein AfD-Ziel „20plus X“, reichen die freien Medien alleine niemals aus. Eine ganzer Jurassic-Park von Dino-Sendeanstalten gilt es, begünstigt durch das Internet, zu attackieren u. politisch obsolet zu machen.

Ceterum
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