In der Gruppe der Liberalismus-Gefährder und Hedonismus-Basher sind die allergefährlichsten Feinde die konservativen Christen, die Evangelikalen, die Traditionalisten, ergo die Rechten. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man das neue Buch von Liane Bednarz liest. Ein Gastbeitrag von Michael van Laack

„Es ist weit besser zu schweigen, als nur die Quantität schlechter Bücher zu erhöhen.“ wusste bereits François-Marie Arouet (Voltaire). Offensichtlich gab es schon vor über 200 Jahren eine Flut von Büchern, die bereits mehrfach Gesagtes noch einmal neu zu sagen bemüht waren. Vermutlich sogar in der Absicht, es besser zu machen, dass Thema zwar nicht neu, dafür jedoch eindringlicher, redundanter, effektiver den Lesern nahezubringen.

Was Voltaire damals vor sich liegen hatte, scheinen aber dann wohl doch nur Aufgüsse gewesen zu sein oder Unhaltbares, Chiffriertes, nicht Nachprüfbares.

Literatur in dieser Form (fast hätte ich Gattung geschrieben, aber damit würde man Autoren solcher Werke zu viel Ehre machen) findet sich seit vielen Jahrzehnten auch in den Ländern deutscher Zunge vor allem zu den Themen Theologie, Philosophie, Geschichte und Politik.

So vieles wurde so häufig aus so vielen Blickwinkeln betrachtet, dass kaum mehr jemand Aufmerksamkeit erzielen kann auf dem Büchermarkt, wenn er nicht schon seit längerer Zeit einen guten Namen im jeweiligen Fachbereich hat oder aber schon mit dem Titel seines Werkes Aufmerksamkeit auf sich ziehen und so Kaufanreize schaffen kann.

Rushdies „Satanische Verse“, Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ und auch Sieferles „Finis Germania“ sind einige bekannte Beispiele hierfür, man könnte freilich Hunderte nennen.

Und so dachte sich vermutlich auch Liane Bednarz ‚Was zweimal klappt, klappt auch dreimal.‘ und schob ihren bereits zuvor gemeinsam mit Christoph Giesa veröffentlichten Werken „Deutschland dreht durch. Die Wahrheit über die AfD.“ und „Gefährliche Bürger: Die neue Rechte greift nach der Mitte.“ (beide 2015 bei Hanser in München erschienen) am 3. April dieses Jahres ein etwas mehr als 200 Seiten starkes Büchlein über die augenscheinlich ärgsten Feinde der offenen Gesellschaft nach, die Christen:

„Die Angstprediger: Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern.“

In der Gruppe der Liberalismus-Gefährder und Hedonismus-Basher sind freilich die allergefährlichsten Feinde die konservativen Christen, die Evangelikalen, die Traditionalisten, ergo die Rechten. Und eigentlich – zu diesem Schluss kommt Frau Bednarz auch von Abschnitt zu Abschnitt ihres Werkes mehr und mehr – sind das alles gar keine echten Christen. Können sie gar nicht sein, weil Rechts nichts mit dem Christentum gemein hat.

Nun zurück zum Titel. „Die Angstprediger“ – Frau Bednarz hätte auch „Die Phobie-Förderer“ schreiben können, denn auf Keulenbegriffe wie Homophobie, Islamophobie und Genderfurcht baut sie in ihrem Werk die Darstellung des Denkens und Handels so genannter „rechter Christen“. Auch weckt sie durch Setzung des Begriffs Assoziationen zum uns schon vertrauten Bild der muslimischen „Hassprediger“. Frau Bednarz Botschaft hier: Achtung lieber Leser, hier droht Euch eine ähnliche Gefahr, radikalisiert zu werden.

Der Untertitel zum Werk verstärkt die Warnung vor einer realen Gefahr dann noch einmal: „Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern.“

Unterwanderung ist stets etwas von außen Kommendes. Wenn z.B. Termiten 30 Meter von einem Gebäude entfernt ihren Bau haben, dringen sie von außen unter das Fundament, in Zwischenwände, verändern so die Struktur des Gebäudes oder bringen es gar zum Einsturz.

Mit diesem Untertitel suggeriert Frau Bednarz: „Rechte Christen“ stehen an einem Ort AUSSERHALB der Gesellschaft bzw. Kirche und dringen von dort in Unterwanderungsabsicht in das System bzw. die Institution ein. – Das ist ein alter Trick: Ich definiere den Ort, von dem aus eine Person oder Gruppe ihre Akte setzt, markiere diesen Ort als einen außerhalb der Grenzen meines Systems liegenden und kann so jeden Akt der Person oder Gruppe zu einem Angriff auf mein System erklären.

Was nun sind eigentlich „rechte Christen“ und sind sie hauptsächlich und primär rechts – eben nur nebenbei Christen – oder tendieren sie vielleicht deshalb nach rechts, weil sie bestimmte moralische, ethische und soziale Grundwerte, die sich aus den beiden Testamenten und der Lehrtradition der Kirche ableiten, durch die liberale bzw. linke politische Klasse erheblich gefährdet sehen?

Diesen Fragen freilich will die Autorin nicht nachspüren: Sie sieht, was sie bereits im Vorwort zu ihrem Werk zum Ausdruck bringt, dass die „rechten Christen“ aller Konfessionen und politischer Couleur gemeinsame Feindbilder hätten: den Islam, Gender, Abtreibung, Ehe für alle.

Bednarz referiert – auch wenn sie im weiteren Verlauf des Buches immer mal wieder die eine oder andere kurze Streicheleinheit an die nicht ganz so rechten „rechten Christen“ verteilt (so wie es ein Dom mit einer Sub tut, nachdem er ihr zuvor einige Mal mit der Reitgerte auf das nackte Hinterteil geschlagen hat) – glasklar hedonistischen Mainstream.

Vom Islam geht keine Gefahr aus, auch wenn 200 Millionen Christen weltweit verfolgt werden und Religionsfreiheit für einen Muslim undenkbar ist; Gender wird politisch korrekt verwechselt mit Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter; Abtreibung ist nun mal juristisch erlaubt und die Frau allein bestimmt über das Ende des biologischen Lebens des Lebewesens in ihr; „Ehe für alle“ habe in der liberalen Gesellschaft etwas selbstverständliches zu sein. –

Wer mit Verve ein anderes Familienbild, einen anderen Ehebegriff, einen anderen Begriff zu den Geschlechterrollen, eine andere Vorstellung vom Recht auf Leben vertritt, im politischen Islam eine Bedrohung für Europa zu erkennen glaubt, der ist halt ein Angstchrist oder ein rechter Angstschürer. Das ist die Botschaft dieses Buches, sein PERMANENTER SUBTEXT.

Ich beneide Frau Bednarz fast schon um ihr eindimensionales Weltbild. Ruhiger schlafen kann man damit ganz gewiss.

Was ich bis hierher geschrieben habe, ist nur oberflächliche Wertung, keine tiefgehende Analyse. Diese wird in den nächsten Wochen abschnitts- oder themenübergreifend folgen.

Beim Abprüfen einiger Zitate musste ich allerdings überrascht (wirklich überrascht bei einer Autorin mit diesen Qualifikationen) feststellen; Liane Bednarz tut systematisch das, was sie rechten Autoren vorwirft: Sie biegt sich ihre Wahrheit durch selektives phrasenhaftes Zitieren zurecht. Auch dieses Vorgehen werde ich in den nächsten Wochen in meiner ausführlichen mehrteiligen Rezension belegen.

Für heute nur das, was mich selbst betrifft: In Abschnitt 8 („Fixierung auf die Sexualität“) ihres Werkes zitiert mich Liane Bednarz wie folgt:

[David] Berger ging noch weiter. Auf seinem Blog publizierte er einen Gastbeitrag des Autors, Theologen und AfD‘lers Michael van Laack, in dem folgendes stand: »Je schwächer der Widerstand der Christen, desto größer die Gefahr der Installierung einer Diktatur.« Die »Ehe für alle«, so van Laack weiter, sei »Gift für den Fortbestand jeder Gesellschaft«, denn jegliches >Minderheiten auf Augenhöhe stellen«< sei »der Tod der Majoritäten«. Man müsse sich deshalb »wider« die »Feinde des Volkes« stellen.“

Der herausgenommene Satz und die nachfolgenden Zitatfetzen finden sich in meinem am 27.06.2017 auf dem Blog Philosophia Perennis veröffentlichten Artikel: „Merkel und die Homo-Ehe – Die Gewissensfreiheit eines Christenmenschen.“

Merkel und die Homo-Ehe: Die Gewissensfreiheit des (Christen-)Menschen

Frau Bednarz erweckt hier – sich einfügend in das Gesamtkonstrukt des Abschnitts über die Sexualität – den Eindruck, als hätte ich die „Ehe für alle“ zu einer Bedrohung für unsere Demokratie erklärt und würde durch ihr Zustandekommen die Gefahr einer Diktatur erblicken.

Mein Wortlaut ist:

„Je schwächer der Widerstand der Christen, desto größer die Gefahr der Installierung einer Diktatur. Die „christliche Diktatur“ gibt es nicht als Regierungsform. Diktaturen mögen Gott im Munde führen hin und wieder und doch sind die Hirne der Anführer immer frei von der Gottesidee.“

In den Textabschnitten davor kritisiere ich meine römisch-katholische Kirche dafür, dass sie zu wesentlichen aus Sicht eines Christen ungerechten Gesetzen schweigt und dass das Versagen der Institution Kirche auf lange Sicht die Installation einer Diktatur ermöglicht.

„Die Ehe für alle ist Gift für den Fortbestand jeder Gesellschaft; jegliches „Minderheiten auf Augenhöhe stellen“ ist der Tod der Majoritäten.“ heißt es dann bei mir wenig später. Auch hier nimmt sich Frau Bednarz nur diesen Satz, ohne vor der Verwertung einen Blick auf die Begründung zu werfen. „Denn Augenhöhe reicht ihnen nicht! Sie wollen Gesellschaft aus der Minorität verändern, nein umformen und die Umformung verfestigen. … Die Majorität glaubt, Toleranz sei immer und überall eine Win-Win-Situation. Das aber ist sie nur seltenst.“

Es geht also keineswegs darum, Minoritäten wie homosexuelle Paare um ihrer kleinen Zahl willen zu unterdrücken; es geht darum, ihr nicht zu erlauben, durch die Verwirklichung ihrer Bedürfnisse gesamtgesellschaftsverändernd zu wirken. Das darf man Homosexuellen ebenso wenig erlauben wie Islamverbänden, Schützenvereinen oder Briefmarkensammlern.

Sehr unredlich dann Frau Bednarz Schlusssatz: „Man müsse sich deshalb »wider« die »Feinde des Volkes« stellen.“ Hier erweckt die Autorin den Eindruck, als sähe ich in allen Befürwortern der „Ehe für alle“ exklusiv Feinde des Volkes.

Mein Schlusssatz des Artikels lautet: „Und deshalb noch einmal: WIDER DIE RÖMER, wider den Senat, wider Caesar, wider die Feinde des Volkes!“ Hier beziehe ich mich auf zuvor über das Römische Reich und die römisch-katholische Kirche Gesagtes. Frau Bednarz unterschiebt durch ihre Selektion, ich würde mich exklusiv einer nationalistischen Phrase bedienen und die Homosexuellen, die zu heiraten wünschen, zu Feinden des Volkes zu erklären. Wer den ganzen Artikel oben verlinkten Artikel liest, wird verstehen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.

Da Frau Bednarz schon bei einer so unwichtigen Figur des rechten Spektrums wie mir glaubt, Intention beliebig zurechtbiegen zu können, darf vermutet werden, dass der Gesamtvortrag des Buches aus Versatzstücken besteht, die so zusammengefügt wurden, bis sie den bereits vorab gezogenen Konklusionen und fertig gemalten Meinungsbildern der Autorin entsprachen.

Dies nachzuweisen werde ich mich in den nächsten Wochen bemühen.

So wie ich an den Beginn meiner Ausführungen ein Zitat gestellt habe, möchte ich es auch an deren Schluss tun, indem ich Friedrich Wilhelm Nietzsche zu Wort kommen lasse:

„Die guten Schriftsteller haben zweierlei gemeinsam: sie ziehen vor, lieber verstanden als angestaunt zu werden; und sie schreiben nicht für die spitzen und überscharfen Leser.“

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