… sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller von der SPD.  Ein Gastbeitrag von Andrea Berwing

Sind Sie auch öfter aus? Treffen sich mit Freunden, gehen ins Kino, ins Theater? Weg von der Tagesschau und weg von Anne Will, von Sandra Maischberger. Und dann kommt da irgendwann der Nachhauseweg. Am Neujahrsmorgen lief ich eine Stunde lang durch Berlin Mitte und die ganze Stadt schlief. Das war wirklich, wirklich sehr schön. Berlin, Berlin. Berlin, mein Herz. Und zu Fuß macht es wirklich Spaß. Und ist auch der Gesundheit zuträglich.

Herr Müller sagt, wer sich unsicher fühlt, darf sich ein Taxi nehmen? Das find ich gut. Abgesehen davon, dass ich in letzter Zeit den Taxifahrern immer den Weg erklären musste, doch wollen wir mal nicht so sein. Den Taxischein kann man sich inzwischen bestimmt genauso erwerben, wie eine Asylbewilligung.

Vorsichtshalber erwähne ich auch beim Taxiruf, dass ich einen Hund dabei habe. Einen, der so blond ist, wie die Straßenköterrasse. Ist ja nicht beleidigend, Straßenköterblond. Nur zur Sicherheit erwähne ich das, das mit dem Hund, damit ich nicht hochkant rausfliege aus den toleranzbesoffenen und bunten Taxis, falls mein Hund es wagen sollte, aus der Tasche herauszulugen. Und außerdem lege ich wert darauf, mein Geld nur freundlichen Menschen zukommen zu lassen.

Und so ganz nebenbei, à propos Taxi, so als Freidenker*sternchen*In, frage ich mich oft, warum sich der Taxifahrer in Hamburg, der den vermissten HSV-Manager beförderte, nie gemeldet hat? Wieso eigentlich nicht?

Aber kommen wir zurück, Herr Müller, zu Ihrem großzügigen Angebot. Ich erwarte noch eine Abrechnungsstelle, bei der ich meine Taxiquittungen einreichen kann. Auch wegen der Sicherheit, die ich selbstverständlich bevorzuge. Sie nicht? Ich kann ja nicht immer zu Fuß.

Und ich habe sogar einen Vorschlag:

Theoretisch soll es sie ja geben, die steuerlichen Verpflichtungen, die in der Praxis aufgrund der besonderen Umstände im Milieu, aus Gründen der Verschleierung von Einnahmen oder schlicht aus Scham vor dem Bekanntwerden der dienstleistenden Tätigkeit, nur selten erfüllt werden.

Diesem Problem begegnete die (ehemalige) Oberfinanzdirektion Düsseldorf bereits 1966 mit der Erhebung einer pauschalen Vorauszahlung, diese schwankt zwischen 7,50 und 30,00 Euro pro Tag. Dies gilt für Prostituierte. Drogendealer am Cottbusser Tor und in der Hasenheide oder vor den Schulen, da gibt es ja auch besondere Umstände im Milieu, die könnten doch auch so eine Art Tagespauschale zahlen.

Das wäre doch nur gerecht den Prostituierten gegenüber. Das machen die bestimmt gern. Die Drogendealer meine ich. Die besonderen Umstände im Milieu machen es möglich. Und da ist es auch egal, ob die Drogendealer mehrere Identitäten haben, wenn doch nur einer dasteht. Ich bin nicht so blauäugig, zu denken, dass dann wegen Mehrfachidentitäten auch mehr Pauschalen pro Tag bezahlt würden. Ist ja irgendwie unlogisch oder? Das ist bestimmt nicht zumutbar. Also, da sie höchstens einen Tagessatz zahlen, wird das die Tagesumsätze von zweihundert- bis dreihunderttausend Euro der Clans in Berlin kaum mindern. (ich bin ganz stolz, das hat mir einer meiner ägyptischen Freunde gesteckt und das klingt doch irgendwie auch so abenteuerlich aufregend, finden sie nicht?) Zwei bis dreihunderttausend Euro Tagesumsatz. Man wird ja wohl nochmal träumen dürfen. Was wäre wenn?

Also die Clans, die können Sie doch vorher sicher noch beruhigen, ich nehme mal an, Sie haben die besten Kontakte. Die ehemalige Vizepräsidentin der Polizei und jetzt immerhin Generalstaatsanwältin Margareta Koppers soll ja dieselben Anwälte haben, wie die Clans. Die geben sich doch hier in Berlin praktisch die Klinke in die Hand, nicht? Die Welt ist doch so klein, so verdammt klein. Seien Sie doch jetzt nicht so. Ich bin es auch nicht. Und jetzt versteh ich auch, warum manche Menschen beim Thema Geld so schwach werden können. Wie manche weiche Knie bekommen beim ersten Kuss. Von denen, die schon länger hier leben, der eine oder der andere hat da bestimmt noch so eine romantische Erinnerung. Und dann noch in Berlin. Achherrjeh.

Jedenfalls die Einnahmen der Drogendealer, die Sie dann gegenrechnen, auch gegen meine Quittungen, da bleibt dann bestimmt noch was übrig: … zum Sanieren zum Beispiel. Und die Taxifahrer zahlen ja dann auch wieder Steuern. Naja, vielleicht.. Ich wette, dass ich dann viel vergnügter Einladungen annehme und abends ins Kino gehe und ins Theater. Und die Kulturangebote dieser Stadt endlich so richtig auskosten kann, weil ich definitiv sicher nach Hause komme. Falls ich noch so nüchtern bleibe, dass ich dem Taxifahrer auch noch den Weg erklären kann. In der Kürze liegt die Würze sagt der Unterrock zum Kleid. Also den Kürzesten. Weg. Meine ich. Nach Hause.

Wie Sie das Problem wieder loswerden? Mit der Zeit von ganz allein. Zwischenzeitlich nehme ich Ihr großzügiges und konsequentes Angebot an und warte jetzt nur noch auf die Verrechnungsstelle, Herr Müller oder ihren Chauffeur, falls Sie ihn mal abzweigen können. Und falls Ihnen nachts Berlin zu unsicher ist, dann fahren Sie halt mit dem Taxi, Herr Müller!

***

Mehr zur Autorin gibt es auf unserer Gastautorenseite. Im Oktober 2017 erschien ihr erster Roman „Die Wahrheit ist anders“ im Wenz Verlag.  Zur Zeit arbeite sie an ihrem dritten Roman, Arbeitstitel : „Und zerrissen die Raben mein Herz“

****

Sie wollen Philosophia Perennis unterstützen? Mit zwei Klicks geht das hier:

PAYPAL

… oder auf Klassische Weise per Überweisung:

IBAN: DE04 3002 0900 0803 6812 81
BIC: CMCIDEDD – Kontoname: David Berger – Betreff: Spende PP