Ein Gastbeitrag von Sus Scrofina

Sie werden ja so oft beschimpft, meine Güte, Sie Arme. Da muss ich doch jetzt mal gegenhalten und einfach nur sagen: Danke, Frau Merkel! Nicht weil Sie so nett sind oder Physikerin oder gar eine Frau, also eine von „uns“. Nein, so ein Quatsch! Sondern, weil Sie, ja Sie!, es geschafft haben, mein Gleichgewicht wiederherzustellen, mich vor dem drohenden Burnout zu bewahren und mir selbst Achtung zu schenken.

Das wollten Sie gar nicht, nicht? Dass das kleine Maschinchen sich runterschaltet, langsamer rattert und nicht mehr so viel Kohle abwirft. Nicht schlimm meine Liebe, nur ein Goldeselchen weniger, dafür hast Du viele Goldstücke mehr.

Ich war ein Leistungsträger dieser Gesellschaft, ich habe gern gearbeitet und sowas wie eine kleine Mittelstandskarriere gemacht – nun bin ich frei. Naja, nicht ganz und wer weiß, wie lange sich das aufrecht erhalten lässt. Aber im Moment genieße ich es in vollen Zügen. Jeder Tag zählt. Eins ist doch sicher: meine Lebenszeit ist endlich, ob ich mich aufreibe oder nicht. Und je mehr ich mich aufzehre, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ich schneller so sehr aus der Puste komme, dass ich das Ende vorzeitig erreichen werde. Aus die Maus. Vorbei. Wofür?!

Was wir erschaffen und leisten, erfährt keine Wertschätzung, es wird keinen Bestand haben, wird verloren gehen, sich auflösen oder gar direkt zerstört werden.

Und mit jedem Euro, den ich erarbeite und jeden Euro, den ich ausgebe, trage ich dazu bei, dass unser Land, unsere Kultur, unser Volk, unsere Freiheit und unsere gemeinsamen Werte ein Stück weiter und schneller abgeschafft werden.

Ich will nicht auf meinem Sterbebett röchelnd dahinsiechend, mich im Straßengraben windend oder mit einem Messer zwischen den Rippen verblutend denken: warum hast Du Dir nicht wenigstens Zeit genommen für Deine Lieben, für Dich, für Dein Leben? Du hattest nur das eine! Warum?!

Wir haben keine Zeit, Kinder zu bekommen und uns so um sie zu kümmern, wie es uns allen gut tun würde, weil wir in unseren Hamsterrädern andauernd nur zum Schaffen angehalten und sinnlos dauerbeschäftigt werden. Um uns herum allerdings wachsen und entleeren sich sehr wohl auf unsere Kosten die Kugelbäuche, deren Köpfe, am besten noch mit Tuch zum Zeichen ihrer Überlegenheit markiert, sehr genau wissen, dass es sich auf deutschen Transferleistungen fantastisch lohnt, ein kulleräugiges Baby nach dem nächsten zu produzieren.

Und wir? Der Fleiß ist unser Ethos, die Zuverlässigkeit und Qualität. Das, wofür noch immer „Made in Germany“ steht. Doch gleichzeitig genau das, woraus man uns den Strick dreht. Wir müssen aufhören damit: das ist der einzige Weg, auf dem es weiter geht.

Die Grenze meiner persönlichen Demütigung war erreicht, als ich am Ende eines arbeitsamen, nasskalten Herbsttages ausgelaugt auf mein Handy starrte, auf dem gerade wunderschöne Urlaubsbilder aus der südspanischen Sonne von einer Bekannten herein gesegelt kamen. Einer Frau, die vor drei Jahren mit ihrer halben Familie als Flüchtling aus Nahost nach Deutschland gekommen war und hier Asyl bekam. Die ganz offen sagt, dass sie keine Lust hat zu arbeiten, keine Lust hat, Deutsch zu lernen, weil sie die Deutschen nicht besonders mag und weil sie es vor allem nicht nötig hat. Die im Übrigen sonst eigentlich sympathisch ist und die ich sogar verstehen kann. Denn die deutschen Sozialleistungen fließen trotz Nichtstun üppig für sie und weil ihr die erste Wohnung, die ihr das Amt gab, nicht gefiel, bekam sie, dank guter Theatralik, nach kurzer Zeit schon eine neue, größere, hellere und insgesamt viel schönere, aber ebenso kostenlose, Wohnung gestellt. In dem Moment, wo ich sie zu ihren herrlichen Bildern von Sonne und Meer fragte, wie sie ihren Urlaub denn finanzieren würde und sie mir zur Antwort gab: „Jobcenter“, da bin ich ausgestiegen.*

Ich habe meine Kinder fest in die Arme genommen und gesagt: „Mama bleibt jetzt zu Haus.“

Wir können uns nun keinen Urlaub mehr in Spanien leisten, aber wie gut, dass ich Patriotin bin, denn im Spreewald paddelt es sich so schön, auch Zelten in der Uckermark oder Mecklenburgischen Seenplatte, Wandern im Bayrischen Wald oder im Erzgebirge, Usedomer Sonne tanken oder Rüganer Wellen reiten, stehen dem in nichts nach, wenn man es in vollen Zügen genießt. Und auch unserem Wetter, das nun mal das deutsche mit seinen vier Jahreszeiten ist, kann man sich bewusst stellen und das Beste daraus machen.

Von meinem Auto habe ich mich getrennt, was mich schon mehr schmerzte, auch wenn es mir die Anerkennung meines linksgrünen Nachbarn einbrachte, als ich verkündete: „Mein Beitrag für die Umwelt!“ und insgeheim dachte: „Nein, fürs Vaterland, Du Idiot!“ Dieser Gedanke gibt mir mehr Kraft, als der, dass ich nebenbei noch was für meine Gesundheit und Fitness tue, wenn ich mich triumphierend bei Mistwetter vollbepackt im Gegenwind an den hupenden und stinkenden Autoschlangen durch die Stadt vorbei strampele, aber mir heimlich wünsche, doch wenigsten ein warmes Sitzplätzchen im Stau zu haben.

Ich haushalte sparsamer, gehe billiger einkaufen und habe mir bislang keine neuen Sachen zugelegt. Aber ich habe eine neue große Kostbarkeit bekommen: Zeit! Und siehe da, ich bin erstaunt, wie viel doch geht.

Ich lese viel, ich schreibe viel. Was Grüne schon immer taten, nämlich nervige Briefe an Politiker und Behörden zu kreieren, um ihre Partikularinteressen durchzusetzen, das können wir genauso gut: Linkspolitikern, was heute jeder jenseits der AfD ist, mit unseren Anliegen ordentlich auf den Sack zu gehen.

Ich durfte entdecken, was für ein mannigfaltiges Freizeitangebot zum sogenannten Selbstkostenpreis, sprich annährenden Nulltarif, das links gestrickte Netzwerk bietet: drei neue Hobbys, die mich schon immer interessierten, für die sich aber nie die Zeit fand, habe ich nun schon in gewissen Projekten angefangen. Das Geld dafür fällt nicht vom Himmel, nein, es wird geschickt mittels verschiedener Förderanträge aus unterschiedlichsten Töpfen abgegriffen, die allesamt einer Quelle entstammen, nämlich den Steuergeldern, die den fleißigen, den arbeitsamen Menschen unfreiwillig abgeknöpft werden. Und das erfolgt am besten über Zauberwörter wie partizipative Teilhabe, emanzipatorischer Ansatz und Geflüchtetenintegration, wovon die, die es erarbeiten in aller Regel nichts haben.

Mir fällt es nur manchmal noch etwas schwer, morgens nicht zu duschen, meine Haare ungekämmt zu lassen und Klamotten, die ich schon öfters an hatte, immer nochmal aufzutragen, um nicht aufzufallen bei meinen neuen Freizeitaktivitäten. Das bin ich einfach nicht gewöhnt von mir, dass man, wenn man aus dem Haus geht, seinen Mitmenschen nicht gepflegt und adrett gegenübertritt. Aber auch das lernt man schneller als vermutet, nämlich indem man einfach nur an das Geld denkt, das man schon wieder nicht ausgegeben hat und das deshalb nicht missbraucht werden kann. Außerdem begebe ich mich ja, dank der Zeit, die ich nun habe, nicht nur unter Leute, die noch nie eingestiegen waren in die Gesellschaft, sondern lerne auch Aussteiger so wie meinesgleichen kennen. Und für die mache ich mich gern zurecht wie in alter Frische, allein um mich an dem netten Satz: „Bei den Konservativen und Patrioten gibt es die schöneren Frauen“ erfreuen zu dürfen.

Wenn wir alle an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen und er um so schneller fällt, dann haben wir die Chance, bei einem Neuanfang, sollte es ihn geben, für unser Land und unsere Lieben wieder voll durchzustarten.

Denn das ist es ja, was unserem Naturell viel mehr entspricht. Sollte es ihn nicht geben, dann haben wir mit unserem Ausstieg zumindest für uns selbst die Notbremse gezogen und das Beste getan. Und dabei können wir sehr wohl von Linken und Sozialschmarotzern lernen, wie das geht, in aller erster Linie nur an sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse zu denken.

Nicht jeder hat allerdings das Glück, so wie ich, noch Reserven zum runterschalten zu haben. Viele sind bereits am Limit und halten dieses System, das sie zerstört, am Laufen, weil sie nicht anders können. Das ist das Perfide. Für diese Menschen müssen wir, alle die, die es können, in unserer frei gewordenen Zeit mitkämpfen, indem wir zum Beispiel auf die Straße und demonstrieren gehen. Jeder tut, was er kann. Das ist mein Traum.

Liebe Angela M.: wenn es insgeheim eigentlich Dein Ziel war, Deinem Volk auf so schmerzvolle Weise beizubringen, endlich sich selbst am nächsten zu sein, dann muss ich sagen: Hut ab, das habe ich nicht gleich gemerkt. Aber jetzt habe ich es verstanden und werde nach Möglichkeit danach handeln, wann immer es geht. Für diese Lektion möchte ich Dir danken!

Herzlichst, Deine Sus

* Diese kleine Beispielgeschichte ist nicht erfunden. Die Dame war inzwischen mehrmals auf Urlaubsreisen im europäischen Ausland, hat sich zwischenzeitlich schwängern lassen und hat vor, den Vater des Kindes demnächst nach Deutschland nachzuholen. Eine Tätigkeitsaufnahme erfolgte bislang nicht und ist auch bis auf Weiteres nicht geplant.

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