Ein Gastbeitrag von Andrea Berwing

Im Iran werden 29 Frauen, die sich ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit zeigen, verhaftet. Das Bild einer Frau ohne Schleier, den sie an einen Stab bindet und damit als Symbol einer weißen Fahne auch zum Zeichen des Friedens zeigt, prägt sich ein. Es ist ganz aktuell. Neu. Frauen begehren auf, sind mutig, vielleicht werden sie mit ihrem Leben dafür bezahlen, wir wissen es nicht und werden es vielleicht auch nie erfahren.

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In Manchester wird ein Gemälde aus dem Museum entfernt.

„Hylas and the Nymphs“ (1896) von dem englischen Maler John William Waterhouse ,zeigt eine Szene aus der antiken Mythologie. Die Kuratorin Clare Gannaway will damit eine Debatte erzwingen und weist Zensurvorwürfe per Pressemitteilung zurück:

„Dieses Museum präsentiert den weiblichen Körper als entweder ‚passiv-dekorativ‘ oder als ‚femme fatale‘. Lasst uns diese viktorianische Fantasie herausfordern!“

Treibt Frau Gannaway die Sorge um eine Fehlinterpretation dieses Gemäldes, ist sie als Kuratorin auserkoren, ein Zeitzeugnis dem kunstinteressierten Besucher der Manchester Galerie vorzuenthalten? Ist das Abnehmen eines Gemäldes mit so einer Begründung diskutierbar?

Mythologische Bilder, Gemälde, sind von individueller Erfahrung unabhängig, auch unabhängig jeglichen Zeitgeistes. Freiheit und Aufklärung die Wände herabzuspülen versucht Frau Gannaway, was tut sie dem Kunstbetrachter an? Grenzt sie ein, versucht sie, einen irrationalen Hass auf die Schöpfung zu erschaffen.

Verkennt Frau Gannaway die geschlechtsspezifische Form der Kreativität. Stellt sie in der Debatte um die finanzielle, politische und kulturelle Macht, in der Männer herausgefordert sind, die Frauen unterworfen und missbraucht haben sollen, Kunst an den Pranger?

Die Revolte um den Gründungsakt einer neuen Identität für Frauen mündet in der Vernichtung der Wiederspiegelung der Kunst und Betrachtungsweise durch malende Männer. Ihre Sexualität ausgrenzend. Den Begriff der „Jouissance“ einseitig betrachtend.

Die Entscheidung wurde durch die jüngsten Bewegungen gegen Ausbeutung von Frauen, gegen eine Behandlung als Objekt, beeinflusst, sagte Gannaway.

Hylas, Begleiter des Herakles in der griechischen Mythologie, wurde von den Nymphen verführt, in das Wasser hinab gezogen und ward nicht mehr gesehen.

Der Aufreger in der öffentlichen Debatte, der entblößte weibliche Körper, ist also das Instrument, mit dem Frauen ihre Macht über den Mann ausgeübt und ihn in sein Verderben gezogen haben. Eigentlich #metoo andersrum.

Der Akt der Verführung, das männliche und das weibliche, ein Balanceakt. Die Verführerinnen, auf dem Gemälde, sieben an der Zahl, ein machtvolles Bild für die weibliche und auch männliche Psyche. Passt doch. Hylas verschlungen. Sollte Frau Gannaway plötzlich im Trend der #metoo-Debatte der „heiligen“ Überzeugung verfallen, Bilder von Mythen ihrerseits zu bewerten und scheinheilig bewerten zu lassen? Nicht bemerkend, dass es Hylas, ein männliches „Objekt“ ist, der nie wiederkehrt. Und die Nymphen weiter im Teich schwelgen. Wartend auf das nächste männliche Opfer? Vielleicht möchte der Maler gern ihr Opfer sein? Wer würde es ihm verübeln? Frau Gannaway?

Frau Gannaway hat entschieden. Sich. Für die negativen Seiten der weiblichen Psyche, Zerstörung und Zwang. Ohne Androhung von Folter fügt sich Frau Gannaway einem verheerenden Zeitgeist:

Männer werden ohne ordentliches Gerichtsverfahren öffentlich an den Pranger gestellt, #metoo zerstört Existenzen. Ein Gemälde wird mal eben abgehangen.

Sie bräuchte dieses Bild nicht abzuhängen, Hylas ward nie wieder gesehen.

Männer, die einer undifferenzierten #meetoo Debatte zum Opfer verfallen, werden aus den Filmen herausgeschnitten, ihre Werke in naher Zukunft der Öffentlichkeit vorenthalten. Die Nymphen, heute vielleicht Feministinnen, könnten hängen bleiben. Doch Frau Gannaway möchte die Nymphen wohl eher verbannen ob ihrer Schönheit und Ästhetik. Vielleicht erträgt sie sie nicht. Schöne Frauen. Kunstwerke werden in die Keller der Museen verbannt, Gedichte (natürlich mit „demokratischer“ Debatte) übertüncht. Bilder von schönen Frauen, die die Blicke der Betrachter und -innen bewundernd auf sich ziehen, abgenommen.

Es lebe die Hässlichkeit. Es lebe die Leere! Frei nach dem Motto: Lassen wir jeden per Notizzettel an der leeren Wand, dort wo das Gemälde hing, seinen Senf dazu beitragen und ihn für eine Viertelstunde berühmt werden.

Die Debatte ist und bleibt erzwungen.

Kunst zeigt Möglichkeiten menschlicher Imagination. Kunst. Kunst. Kunst. Keine festgefahrenen Interpretationen.

Ob passiv dekorativ oder femme fatale, lasst uns alles sein! Lasst Kunst wenigstens in unseren Breiten frei sein!

Das, was die Welt von jeher zusammengehalten hat, das Spiel zwischen Mann und Frau, das Zerbrechliche soll gebrochen werden. Der immerwährende Kampf von Dunkelheit und Licht, Leben und Freiheit wird rückwärtsgewandt ausgetragen? Verkörpert von Frauen, die Gemälde abtragen. Zurück zur Dunkelheit. Sorry, zur weißen Wand.

Auch England ist von „Gläubigen“ nicht verschont geblieben.

Frau Gannaway, eine Kuratorin verfügt über das Erbe der Kunst? Kunst zu entfernen, wird eine Gesellschaft in Krankheit und Tod treiben. Wir können alles sein! Und genau das wagen sich im Iran neunundzwanzig Frauen, von denen einige ihre Kopftücher an einen Stock gebunden haben. Zum Zeichen für Frieden. Lasst uns Frauen und Männer so sein, wie wir wollen! Vor allen Dingen frei. Und lasst uns auf Gemälden einen Platz. Schönheit und Ästhetik sollen nicht einer Verbannung durch eine scheinheilige #meetoo Debatte zum Opfer fallen! Wir würden alles verlieren!

Eine seltsame Gefühlslahmheit, eine tiefe Selbstunsicherheit soll durch eingeforderte Notizzettel geheilt werden? Sich objektiv auseinanderzusetzen nicht möglich und schon gar nicht, wenn Bilder, Mythen in den Keller verbannt, oder, vielleicht bald wie bestimmte Bücher in der Nazizeit, öffentlich verbrannt werden!

Die #metoo Debatte ist besessen, Frau Gannaway ein Zeugnis dieser Besessenheit, wider jeder Vernunft, willfährig unsere Kultur zu zerstören. Das Gemälde von John William Waterhouse gehört zur Gesamtheit der Darstellung von Mythen unseres Kulturkreises.

Es gibt eine Brücke, eine Hoffnung. Aus der Dunkelheit wird alles geboren. Sollten sich Frauen aus der #metoo Debatte, aus ihrer eigenen Besessenheit befreien und sich nicht darauf beschränken, unsere Kultur sukzessive abzubauen, sie als Erniedrigung anzusehen. Sich zu befreien aus dem Spiel von Umarmung und Verrat. Das Damokleschwert der Zerstörung Vernunft weichen lassen. Wenn sie ihre positiven Eigenschaften in sich entdecken, freie Individuen moderner Gesellschaften zu sein. Mut, Initiative und geistige Klarheit. Vermittler zwischen schöpferischer und physischer Kraft. Vielleicht ist es möglich, Verständnis aufzubringen für Frau Gannaway, Gegensätze miteinander versöhnend. In der Debatte über das Abnehmen des Gemäldes als „Kunstakt“? ha! Möglich?

Sich darauf zu besinnen, was es gekostet hat, Freiheit zu erkämpfen und zu erhalten. Auf die Frau im Iran mit dem weißen Schleier in der Hand zu schauen. Dafür einzutreten, dass Kulturen der Befreiung und Aufklärung in Europa ihr Fundament beibehalten.

Mythen überleben immerdar, sie sind universell gültig und stellen typisch Menschliches zeitlos dar. Gier und Neid, Begehren und Zorn, Liebe und Sinnesfreuden

Sagen schlummern tief in unseren Seelen, unserem Unbewussten. Sie gehören gemalt und gesehen, geschrieben und gelesen.

Und: Was tun? Wenn Veganer fordern, die Höhlenmalerei zu beseitigen, auf denen Jäger zu sehen sind, die ihre Pfeile in das Fleisch von Tieren versenken?

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Berwing Wahrheit

Von der Autorin ist nun die Neuausgabe ihres Buches „Die Wahrheit ist anders“ erschienen. es kann hier bestellt werden: Amazon

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Mehr zu dem Buch finden Sie hier: „Auftrag aus dem Jenseits“

Die Autorin wird außerdem auf der Leipziger Buchmesse aus ihrem Buch lesen: Donnerstag, 15.03.2018, 14:30 – 15:00 Uhr, Leseinsel Halle 3: Halle 3, Stand H504.

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