„Gnadenlose Toleranz“ oder „Die entscheidende Phase im Kampf gegen das Konservative“. Ein Gastbeitrag von Michael van Laack

Heute bekommen – Sebastian Dalkowski und der Rheinischen Post sei es gedankt – rechtspopulistische Stimmungsmacher wie ich und die vielen prominenteren aus derselben Kategorie mal so richtig erklärt, wie man die Welt zu sehen hat, was Realität ist und was Verschwörungstheorie.

Es ist müßig, hier auf einzelne An- und Vorwürfe einzugehen, zumal ich es grundsätzlich für zielführender halte, zunächst auf die Ursachen einer Entwicklung zu eruieren, sich also weniger mit der Beschreibung eines Ergebnisses zu beschäftigen als mit den Faktoren der Gleichung, die zu diesem Ergebnis geführt haben.

Seit über zwei Jahrzehnten habe ich einen guten Blick auf Österreich: Auch wenn AfD und FPÖ nicht vergleichbar scheinen und die Entwicklungsgeschichte der Strukturen innerhalb der politischen und kulturellen Milieus Österreichs eine völlig andere ist: die Taktik, Reaktion und Argumentation der Leitmedien (ORF, Salzburger Nachrichten usw.) war von Ende der 90er bis vor ca. drei Jahren bis in die Wortwahl hinein die gleiche, die wir seit einigen Jahren bei uns erleben.

Meine (Verschwörungs(?)-Theorie lautet:

Für die liberalen und linken Eliten war die Messe hinsichtlich der Fortentwicklung Europas und somit Deutschlands spätestens 2010 gelesen. Die Umgestaltungen der nationalen Gesellschaften verlief in ihrem Sinn planmäßig.

Die Rückkehr des Konservativen bedroht nun ihre geo-, gesellschafts- und kulturpolitischen Ziele, die sie – einen bereits Jahrzehnte zuvor eingeführten Begriff missbrauchend – den „Geist Europas“ nennen.

Die Konservativen Rückkehr bedroht ihre Vision von einer zentral geführten europäischen Regierung; bedroht die endgültige Zerschlagung des die weltliche Herrschaft zu allen Zeiten „bedrohenden“ Christentums unter Zuhilfenahme großer Minoritäten anderer Religionen und Kulturen (die sie übrigens, wenn ihr primäres Ziel erreicht ist, mühelos entsorgen zu können glauben, fast so wie Hindenburg und andere mit Hitler verfahren zu können glaubten); bedroht auch die Umerziehung der individuellen Persönlichkeit von Geburt an in egalitäre Genderwesen.

Nun hat man die Kirchen Europas und die sie seit Jahrzehnten begleitenden christlichen-konservativen Parteien durch kluge (von EU-Organen begleitete innerparteiliche Personalpolitik) endlich beinahe vollständig gleich- und deren konservative Minderheiten abgeschaltet, da erscheinen – fast wie Lazarus aus dem Grab durch die größtenteils unvorbereitete und deshalb fassungslose bis entsetzte Menge schreitend – in West-, Nord und Osteuropa konservative (mal mehr christlich, mal mehr patriotisch orientierte) politische Kräfte, die sich auf überkommene Werte stützen:

  • die Familie nicht nach dem Gender-Modell definieren;
  • die Abtreibung individuell betrachtet als Mord und gesamtgesellschaftlich als Selbstmord bezeichnen;
  • die den Islam als jene militärische und ideologische Bedrohung redefinieren, die er für Afrika, Asien und Europa seit Mekka und Medina kontinuierlich darstellt;
  • die sich – ob sie denn nun Christen sind oder nicht – zumindest der christlichen Wurzeln, denen die von ihnen wiederentdeckten Werte ihr einstiges Blühen verdankten – erinnern, sich dabei freilich manchmal auf ein „christliches Abendland“ berufend, dessen wirkliche Bedeutung für viele von ihnen im Nebel bleibt.

Diese Kräfte also bedrohen nun den sicher geglaubten unumkehrbaren Sieg der Egalitären, Liberalen und EU-Fraternitären.

Diese Bedrohungslage ist es, aus der Artikel wie jener erwachsen, den uns Sebastian Dalkowski hier vorlegt:

Realitätsverlustig, Unversöhnlich, Aggressiv, mit Ängsten spielend, Vorurteile schürend, Wahrheiten verschweigend bzw. entstellend – all das wirft er der AfD vor und ist doch selbst von alledem so voll in Wortwahl und Bewertung.

Solche Widersprüche und Missverhältnisse, wie wir sie hier erkennen, sehen jene nicht, die sich selbst links und/oder liberal verorten. Für sie wäre „Gauland sagt: Sigmar Gabriel ist ein Arschloch“ ein Zeichen für die Verrohung, die durch Rechts den sachlichen Diskurs zu bedrohen scheint und der man mit allen rechtlichen und sonstigen Mitteln lautstarken und bunten Widerstand entgegenzusetzen hat – „Gabriel sagt: Gauland ist ein Arschloch.“ hingegen wäre ihnen ein Musterbeispiel für Politiker, die mutig die Wahrheit sagen, auch wenn sie sich dadurch dem Hass der Rechten aussetzten.

Man warnt uns redundant vor der Rückkehr des Faschismus. In die „Lebenswirklichkeit“ vieler ist er jedoch schon vor einiger Zeit auf leisen Sohlen eingedrungen.

Man mag ihn Liberal-Faschismus, Toleranz-Faschismus oder Buntheits-Faschismus nennen. Wie auch immer man ihn benennt: er tut das, was Mussolinis „Links“- und Hitlers „Rechts“-Faschismus immer taten: Er selbst bedient sich diverser Instrumente, täuscht über deren Verwendung durch Sprachverwirrung hinweg und wirft gleichzeitig dem „Feind“ vor, von diesen Instrumenten überaus reichlichen Gebrauch zu machen.

Als Konservativer in Deutschland 2018 zu leben ist freilich nicht so gefährlich, wie als Jude bereits 1931 oder 1932… 1928 ist es „gefühlt“ jedoch allemal. Verfolgung funktioniert heute allerdings subtiler, unauffälliger, leiser als vor 90 Jahren – aber nicht ein Iota ineffektiver. 

Ziel der europäischen Altparteien (ich mag den Begriff nicht, habe allerdings noch kein ausdrucksstarkes Synonym gefunden) ist nun die Abschaltung der konservativen Eliten binnen weniger Jahre. Instrumente wie das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ sind da nur unbedeutende Mosaiksteine; viel entscheidender wird sein, wie effektiv es gelingt, den konservativen Teil der jeweiligen Bevölkerung in allen soziologischen Schichten zunächst zu isolieren, ihre Eliten aus dem Diskurs zu nehmen und den „einfachen“ Bürgern mit der gesellschaftlichen Ächtung (Diskreditierungskeule: Du gehörst nicht zu den Demokraten und den Menschen guten Willens, wenn…) zu drohen.

Ehrlicherweise sehe ich aktuelle nicht den Rettungsweg, den wir beschreiten könnten, um den Fallen und hinterhältigen Angriffen zu entkommen oder gar effektiv öffentlichkeitswirksam etwas entgegenzusetzen.

Wir deutsche Konservative müssen darauf vertrauen, dass aus anderen Ländern Europas, die durch ihre Geschichte nicht derartig von Gesinnungsschnüffelei bedroht sind wie unser Land – konservativer Druck auf EU-Politik gelingt.

Das würde die deutschen Altparteien zu einem Strategiewechsel im Umgang mit ihrer Rechten nötigen. Gelingt dies nicht innerhalb der nächsten vier oder fünf Jahre – da bin ich Realist, nicht Optimist – wird man unsere Eliten öffentlich zerlegen und unsere Wähler einschüchtern und neue Potenziale austrocknen.

„Möge die Macht mit uns sein.“ – Klingt gut. Aber sie ist mit ihnen. Und sie sind unbarmherzig, denn für sie wie für uns geht es um das Ganze!

Es geht nicht einfach um Deutungshoheit, es geht um den ganzen Menschen, um die Definition dessen, was er als soziales Wesen sein soll.

Ein freier Mensch in einer freien Gesellschaft, deren Keimzelle die Familie ist oder ein gleichgeschaltes Wesen, dass als Produkt des Staates der Produktivität der Wirtschaft dient und dessen Geborgenheit in einem geschlossenen sozialen System durch eine offene Gesellschaft ersetzt wird, die gemeinsam alle Kinder aufzieht.

Konservativ oder „Liberal“ – Ihr müsst Euch entscheiden, zwei Felder sind frei, ihr müsst Euch entscheiden, bald ist es vorbei!

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